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Hier findet Ihr immer unsere neuesten CD-Besprechungen, nach Erscheinungsdatum sortiert. Weitere Reviews gibt's in unserem CD-Archiv.
 
.Roger "Alles Roger" (FOUR / Sony BMG / VÖ: 27. Juni 2008)

Stil: Deutscher Hip Hop
Format: CD

Nach der Veröfentlichung des Solopreojekts von Blumentopf's DJ Sepalot ("Red Handed") legt nun mit Roger auch der erste MC der münchener Hip Hop Truppe mit "Alles Roger" sein Solodebut vor. Da wir Roger bisher immer als unscheinbarsten und zurückhaltensden MC der Töpfe wahrgenommen haben, hatten wir etwas Bedenken, was diesen Output angeht. Völlig unangebracht, wie sich herausstellen sollte, denn schon beim Hören der ersten Tracks waren diese voll und ganz verflogen! "Alles Roger" ist musikalisch wie inhaltlich ein sehr interessantes Hip Hop Album geworden und gehört im Regal direkt neben die Scheiben von Blumentopf und Nico Suave.

Zur CD selbst:
Zu Beginn gibt es mit "Backpacker" feat. Orange Son einen fetten Partytrack, genau so muß ein Hip Hop Album anfangen! Mit hervorragendem Storytelling Marke Blumentopf geht es in "Schau nach vorn" weiter. Der Track handelt von einem Freund, der das Aus der letzten Beziehung nicht verkraftet, lustig, zynisch, ehrlich, gut. Beim dritten Track "Ab und zu" gibt es Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Nico Suave, der schon des öfteren mit den Töpfen am Mic stand, hat hier ein cooles Gastfeature! Für den Mammutanteil und den weiteren Verlauf des Albums zeichnet allerdings Roger ohne Gäste selbst verantwortlich, unter anderem als Sänger, MC, Songwriter, Produzent, Grafiker ... hier ist also definitiv "Alles Roger"! Im nächsten Highlight outet Roger sich als "Egoist" und macht das inhaltlich so geil, daß man sich sofort kopfnickend anschließen möchte.

 
Roger - "Backpacker" feat. Orange Son

Danach folgt eine leichte Flaute auf dem Longplayer: "Irgendjemand" ist inhaltlich gut aber musikalisch doch eher langweilig. "Ich weiss nicht" und "R.O.G.E.R" kann man ebenfalls nicht grandios nennen und mit "Feuer" erreicht das Album vorerst seinen Tiefpunkt. Nein, nur weil man einen inhaltlosen Refrain tausend mal wiederholt, wird er dadurch nicht aussagekräftiger, nervt statt dessen aber wie sau. >> FWD >>. Danach geht es aber glücklicherweise wieder steil bergauf und das Niveau der fetten, ersten vier Tracks wird locker wieder erreicht, wenn nicht überboten. Denn wenn Roger kurz vor dem Ende mit seiner "Nummer 1" durch dick und dünn geht, zeigt der wortgewandte MC gekonnt, daß er es auch romantisch kann. In "Nichts und Niemand" geht Roger sinnbildlich voraus und da wird es den Proll- und Durchschnittsrappern hörbar schwer fallen ihm zu folgen. Der mit großem Abstand beste Track des Albums ist "Träumer", in dem Roger unanachahmlich über eine bessere Welt sinniert. Fette Beats, fette Lyrics und etwas Ähnlichkeit mit Blumentopf's Kultsong "Manfred Mustermann". In "Weit Weg" verarbeitet der Münchener MC lyrisch versiert den Verlust einer geliebten Person und beweist dabei viel Gefühl und viel Gesangstalent am Mic. Erinnert ein bisschen an die neuen Sachen von Clueso oder Mellow Mark, nur eben um Längen besser. Der letzte Track "Vorbye" hat ausser einem lustigen Wortspiel im Namen nicht allzu viel zu bieten. Die dicken, clubbigen Beats passen zwar in gar keine Schublade aber Inhalt und Refrain können bei mehrmaligem Konsum zumindest nüchtern nicht mitreißen. Das ändert jedoch nichts daran, daß dieses Album trotz einzelner Füller ein herausragender Release im Deutschen Hip Hop ist!

Anspieltipps:
01. "Backpacker" feat. Orange Son

03. "Ab und zu" feat. Nico Suave
04. "Egoist"
12. "Nummer 1"
13. "Nichts und Niemand"
14. "Träumer"
(Gesamtspielzeit: 16 Tracks, ca. 55 Minuten)

Fazit: Roger's Soloausflug kann sich absolut hören lassen und hat sogar das Potential zukünftig als inoffizielles Blumentopf-Album gehandelt zu werden. Bis auf wenige musikalische Durchhänger ein grandioses Hip Hop Album das vor allem inhaltlich einiges zu bieten hat. Wie real dieses Album nun wirklich ist, muss natürlich jeder selbst beurteilen, für Blumentopf-Fans stellt sich diese Frage allerdings erst gar nicht! (dr.öge)

Für Fans von: Blumentopf, Kaleidoskop, Texta, Dendemann, Nico Suave, Mr. Schnabel, Freundeskreis, Clueso, Spax, Absolute Beginner, Clueso, Mellow Mark, usw.
 
.Less Than Jake "GNV FLA" (Cooking Vinyl / Indigo / VÖ: 20. Juni 2008)


Stil: Punkrock / Skacore
Format: CD

So liebe Leser, nun enttäuscht mich mal blos nicht, denn bei einem neuen Album von Less Than Jake ist natürlich Aufhorchen angesagt! Die Band besteht seit 1992 und wird grundsätzlich in einem Atemzug den Punk-Legenden der Mighty Mighty Bosstones, NOFX, No Use For A Name oder No Fun At All genannt. Falls Ihr die Band also nicht kennen solltet, müßt Ihr das gekonnt überspielen ("Ach ja die ...") und die Wissenslücke schnellstens füllen!

Zur CD selbst:
Less Than Jake sind trotz mehrfachem Wechsel des Labels und Lineups immer erfolgreich geblieben und haben mit "GNV FLA" das mittlerweile siebte Album veröffentlicht, diesmal auf ihrem eigenen Label Sleep It Off Records. Der Titel "GNV FLA" steht kurz für Ginesville, Florida, der Heimatstadt der Band im Sonnenstaat der USA. Eine Hometown Hommage also und eine Rückkehr zu den Wurzeln der Band, sowohl inhaltlich als auch musikalisch. Die Band ist weg gegangen von den Experimenten ihrer mittleren Schaffensphase und hat sich bei diesem Konzeptalbum auf ihre auf ihre Stärken konzentriert. Diese liegen im straighten Punkrock, hier und da untermalt oder garniert von Bläserparts und Ska-Einlagen. Was ich an Less Than Jake besonders mag, ist die cleane Abmischung, bei der man die interessanten, teils zynischen Texte auch tatschlich gut versteht. Inhaltlich setzt man sich natürlich auch mit Der Heimatstadt der Band auseinander, dies aber auf unterschiedlichste und teilweise sehr nachdenkliche Weise. Die überwiegend schwarzmalerischen Beobachtungen aus Gainesville stehen im totalen Gegensatz zu den gut gelaunten, pushenden Punkmelodien.

Der Opener "City Of Gainesville" erinnert überraschenderweise an Sublime und ist eine reine Skamelodie mit souligem Gesang und einem verdammt smoothem Beat. Komplett ohne Pause geht dieser dann urplötzlich in eine handfeste Punkrockgranate namens "The State Of Florida" über. Auf der Drei folgt mit "Does The Lion City Still Roar?" einer der besten Tracks des Albums. Schneller, eingängiger Skapunk, mit Ska im Zwischenteil und Punkrock im Refrain, äußerst fett! Im weiteren Verlauf wechselt sich Ska mit melodischem oder aggressivem Punkrock ab und klingt mal nach No Use For A Name oder Good Riddance und dann wieder mehr nach den Mad Caddies oder Hepcat. Aprops Good Riddance: Zum Ende der CD findet sich mit dem vorletzten Track "Devil In My DNA" doch noch ein richtiger Reißer, ein Song von dem Format melodischer Arschtreter in Perfektion mit einem Hauch Ska und Trompete. Wer den im Skatepark auf den Ohren hat, geht ab wie frisch gedopt! Da die Scheibe durchgängig verdammt gut ist, finden sich unten viele Anspieltips. Den alles überragenden Kultsong sucht man hier zwar vergebens aber dennoch läßt sich das Album exzellent durchhören und das völlig ohne Betätigung des Forward Skip Buttons! Wie immer bei Less Than Jake, muss dieses Album lange in Euren Ohren reifen, wird Euch dafür aber bei jedem mal Hören besser gefallen!


Less Than Jake - "GNV FLA" Album EPK (part one)

Anspieltipps:
01. "City Of Gainesville"
03. "Does The Lion City Still Roar?"
05. "Abandon Ship"
07. "Settling Son"
10. "The Space They Can't Touch"
14. "Devil In My DNA"
(Gesamtspielzeit: 15 Songs, ca. 37 Minuten)

Fazit: Mit "GNV FLA" liefern Less Than Jake ihr bestes Album seit langer Zeit ab. Genauer gesagt seit dem 2000er Release von "Boarders & Boundaries", das man als ebenbürtig bezeichnen kann. Skapunk der obersten Liga und der dürfte fast allen Fans der unten aufgeführten Bands gefallen. Believe me! (dr.öge)

Für Fans von: Mighty Mighty Bosstones, NOXF, No Use For A Name, Dropkick Murphys, Streetlight Manifesto, Good Riddance, Hot Water Music, No Fun At All, Against Me!, Bouncing Souls, Hepcat, usw.
 
.Hot Water Music "Till The Wheels Fall Off" (Unter Schafen / AL!VE / VÖ: 13. Juni 2008)

Stil: Rock, Punkrock
Format: CD

Hot Water Music sind nicht erst seit gestern im Musikgeschäft. Die vier Herren aus Florida spielen seit 1993 zusammen und haben 2008 nun, nach längerer Schaffenspause, ihr sage und schreibe zehntes Album auf die Welt losgelassen! Ihre Musik lässt sich für diejenigen, denen sie bis jetzt tatsächlich noch nicht zu Ohren gekommen ist, als anspruchsvoller Punk bezeichnen. Wobei Punk die Grundstruktur darstellt und alles was darauf kommt das Anspruchsvolle ausmacht. Die Kompositionen sind komplex, die Melodien alles andere als voraussehbar. Die tiefgründigen und emotionalen Texte und der zweistimmige Gesang lassen die Behauptung zu, dass Hot Water Music mit Sicherheit eine der Bands waren, die den Stammbaum des Punks dazu gebracht haben diesen kleinen Sprössling hervorzubringen, dessen Name sich heute keiner mehr traut in den Mund zu nehmen. Ja, wir reden vom Emo. Dass Sie selbst allerdings nicht auf diesem Ast sitzen ist offensichtlich, denn Chuck Ragan’s raue Stimme ist nichts für schwache Gemüter. Auch in den Gitarren (Chuck Ragan, Chris Wollard), dem herausragende Bass (Jason Black) und den Drums (George Rebolo) ist das zu hören was die Musik zu dem macht was sie ist: Punk, der nach alter Manier prügelt, einem dann aber brüderlich wieder zurück auf die Beine hilft.


Zur CD selbst:
„Till The Wheels Fall off” ist kein gewöhnliches Album. Es ist eine Art Raritäten- und B-Seiten Sammlung für Fans der alten Schule und läuft wie gewöhnlich unter dem Mutterlabel der Band No Idea Records (in Deutschland unter Unter Schafen Records).
Was schon auffällt bevor man die CD einlegt ist, dass man endlich mal wieder etwas für sein Geld geboten bekommt! Von wegen 10 Songs und 2 Seiten-Booklet! Den stolzen Besitzer dieser Platte erwarten ganze 23 Songs verpackt in etwas, das man ohne Scham als Kunst bezeichnen kann. Jeden Song einzeln zu beschreiben würde nicht nur den Rahmen dieser Kritik sprengen, es wäre auch unnötig, da (jetzt die Tatsache die den ein oder anderen Fan möglicherweise enttäuschen wird) bis auf einen einzigen alle Songs dieser Scheibe schon einmal auf verschiedenen Alben, Compilations und EPs veröffentlich wurden. Endlich eingelegt ist das Album allerdings so vorhersehbar wie die Musik selbst, nämlich gar nicht. Auf Songs die Stimmung und Bewegung erzeugen wie „God Deciding“ folgen ruhige teils akustische Stücke wie „Russian Roulette“. Ein „Prince of the rodeo“ lässt den Hörer sich in die Moshpit träumen während Sätze wie „If Columbus was wrong I'd drive straight off the edge...“ in „Radio“ ihn wieder nachdenklich stimmen. Aber diese unvoraussehbare Abwechslung ist nicht schlimm, denn ein zu durchdachtes Konzept wäre einer solchen Zusammenstellung nicht würdig gewesen. Jeder Song steht, spielt und wirkt einzeln. Von „Kill the night“ bis „Springtime“ ist „Till the Wheels Fall off” ein instabiler Aktienkurs für den sich der unerfahrene Spekulant aus dem Fenster wirft. Der Kenner dagegen schweigt, hört und genießt.

Anspieltipps:
04. „Home“
06. „God Deciding“
08. „Radio“
16. „Prince of the Rodeo”
(Gesamtspielzeit: 23 Tracks, ca. 74 (!) Minuten)

Fazit: Wer Hot Water Music kennt und schätzt, sollte Besitzer dieses etwas eigenen Best-Of-Albums sein. Wer Sie noch nicht kennt, erhält durch dieses Album einen recht guten Überblick über diese außergewöhnliche Rockband. (JAC)
 
.Weezer "Weezer (The Red Album)" (Geffen / Universal / VÖ: 06. Juni 2008)

Stil: Alternative-Rock
Format: CD (auch als Deluxe Edition mit Bonus-Tracks erhältlich)

Im Jahr 1994 erblickte eine selbstbetitelte, hellblaue CD das Licht der Welt und machte die Band Weezer in kürzester Zeit weltberühmt. "Undone" wurde zum Kultsong wie Radiohead's "Creep" und auch "Buddy Holly" fand sich fast weltweit in den Charts wieder. Das sogenannte "The Blue Album" war ein Meilenstein von einem Debut und erreichte in den USA dreifachen Platinstatus! Sieben Jahre und ein schwaches Nachfolgealbum ("Pinkerton") später kam das nächste titellose, farbige Weezer-Album, "The Green Album". Nach "Maladroit" und "Make Believe" ist es jetzt, weitere sieben Jahre später erneut an der Zeit Farbe zu bekennen und hier ist es "The Red Album".

Zur CD selbst:
Auf jedem Weezer-Album finden sich mindestens zwei Hits und das ist natürlich auch diesmal so. Nummer eins - die großartige Singleauskopplung "Pork And Beans" dürfte bereits jeder kennen, wenn nicht einfach weiter unten den ebenso genialen Videoclip anschauen. Nummer zwei - bereits der Opener namens "Troublemaker" ist ein richtig guter, mitreißender Track und mit der gefühlvollen Rockballade "Heart Songs" ist sogar noch ein dritter Reißer vertreten, und was für einer - Weezer in Bestform! Doch nicht jeder Song ist ein Highlight. Da wäre "The Greatest Man That Ever Lived (Variations on a Shaker Hymn)", ein wildes, sechsminütiges Musikpuzzle, das mehrfach das Genre wechselt und mit völlig wirren Elementen wie Marschgetrommel und ähnlichem überrascht. Im Grunde genommen einzigartig, aussergewöhnlich, ein Kunstwerk, nur eben nichts, was man sich gerne und oft anhört! Da ist der liebe Herr Cuomo nicht nur beim Titel über das Ziel hinaus geschossen. Ebenfalls unschön anzuhören ist "Everybody Get Dangerous", eine grauenhafte, einfallslose Powerpop-Entgleisung mit ekeligem 80er Getrommel, die auf einer Weezer-CD aber auch rein gar nichts verloren hat. Musikalisch und inhaltlich völlig untypisch für Weezer und ebenso unverständlich, wie diese B-Seite es in die Tracklist schaffen konnte. Nach einer kurzen Schwächephase ist aber schnell Besserung in Hörweite. "Dreaming" ist ein aufwendiger, schöner Song, harmonisch und melodiös, mit leichten Beach Boys Tendenzen und einem coolen rockigen Ausklang. Der typische Weezer-Sound wie man ihn kennt und mag. Nach mehrmaligem Hören langweilt der Track wegen seiner fünfminütigen Spielzeit aber schnell und verführt zum weiter skippen. Auch die anderen Bandmitglieder haben sich diesmal am Mikrophon versucht und die Ergebnisse können sich durchaus hören lassen: "Thought I Knew" ist sehr gelungen, "Automatic" kann als erdiger mid-tempo Rocksong überzeugen und in "Cold Dark World" wird der Refrain leider etwas überstrapaziert. Kurz vor dem Ende haben Cuomo & Co mit "The Angel And The One" noch einen dieser Sechsminutensongs parat, wie man ihn auf jedem Longplayer der Band findet. Der beste dieser Art war "Only In Dreams" vom vielumjubelten Debut, daran kommt "The Angel And The One" jedoch nicht annähernd heran, auch nicht nach mehrmaligem Hören. Ungewohnte Klänge dann zum Abschluß, "The Weight" vereint Einflüsse aus Country & Blues und klingt nicht wirklich nach Weezer aber trotzdem gut!


Weezer - "Pork And Beans" (official videoclip)

Für absolute Fans, die jedem Weezer-Song etwas Gutes abgewinnen können, gibt es das Album übrigens auch in der Deluxe-Version mit vier zusätzlichen Songs ("Miss Sweeney", "Pig", "The Spider", "King").

Anspieltipps:

01. "Troublemaker"
03. "Pork And Beans"
04. "Heart Songs"
(Gesamtspielzeit: 11 Songs, ca. Minuten)

Fazit: Beim neuesten Streich von Weezer zeigt uns Herr Cuomo, dass Genie ("Pork And Beans", Heart Songs") und Wahnsinn ("The Greatest Man That Ever Lived", "Everybody Get Dangerous") oftmals dicht beieinander liegen. Das rote Album hinterlässt gemischte Gefühle, doch trotz einiger Schwachstellen sind genug geniale Songs dabei, von denen jeder einzelne das Album kaufenswert macht. (dr.öge)
 

.Sepalot "Red Handed" (Compost / Groove Attack / VÖ: 06. Juni 2008)


Stil: Hip Hop, Rap, Turntablism, Soul, Elektro
Format: CD

Sebsatian Weiss aka DJ Sepalot ist seit knapp 15 Jahren der DJ und Produzent der Münchener Hip Hop Combo Blumentopf, die ja derzeit auch wieder auf ARD mit der EM-RAPortage von sich reden machen. Als Band haben die Münchener jedoch aktuell eine Pause eingelegt und alle Töpfe arbeiten fleissig an ihren ersten Soloprojekten. Sepalot hat sein Album bereits in die Läden gebracht und ist seinen Bandkollegen Roger und Cajun, deren Alben wir ebenfalls in Kürze vorstellen werden, einen Schritt voraus. Leicht wird es allerdings nicht für Sepalot, denn sein neuer Sound hat wenig bis gar nichts mit Blumentopf zu tun und deutsche Lyrics oder Storytelling sind hier auch nicht zu finden. Gastfeatures seiner Kollegen Schu, Holunder, Heinemann und Roger sind auch nicht enthalten, daher sollte man auf den Release von "Alles Roger" warten, wenn man nur die Blumentopf freie Zeit überbrücken möchte. Sepalot wollte hier offenbar mal etwas ganz anderes machen, etwas mit mehr Facetten, Beats und Elektroeinfluß und da paßt es auch gut, dass "Red Handed" auf Compost Records erscheint, einem Label, das sich in der Downbeat- und Elektroszene großer Beliebtheit erfreut. Die Soloprojekte von DJs klingen ja meist eher nach Mixtapes als nach Studioalben und das ist auch bei Sepalot definitiv der Fall.

Zur CD selbst:
Doch ein ordentliches Mixtape kann ja auch was feines sein. Unterstützt und benannt nach dem gleichnamigen Soundsystem ist "Red Handed" deutlich beatlastiger ausgefallen als Sepalot's Produktionen mit Blumentopf. Hier hat man sich am Mischpult ordentlich ausgetobt und gezeigt, was man mit guten Beats und Samples alles anstellen kann. Das Ergebnis ist vielseitig, wurzelt natürlich im Hip Hop, lässt aber auch Soul und Elektro mit einfließen und ist dementsprechend kurzweilig geworden. Wie die US-Producerlegende Pete Rock haut Sepalot ein ausgefallenes Sample nach dem anderen raus, greift zu fiepsigen oder wummernden Bässen. Alle Styles klingen dabei irgendwie neu, frisch und unverbraucht. Da hat anscheinend jemand richtig tief in der Plattenkiste gewühlt. Besonders großen musikalischen Einfluß und einige richtig gut performte Lyrics bringt Gastrapper Frank Nitty (Frank'n Dank) mit, der Sepalot auch live bei seiner Red Handed Tour unterstützen wird. Frank Nitty ist auf insgesamt 4 Tracks zu hören, darunter auch die erste Singleauskopplung "She Likes Me", der mit Abstand auffälligste Track des Albums. Womit wir auch schon bei der Schwachstelle von "Red Handed" wären. Die restlichen Tracks wollen, wohl auch aufgrund des Mixtape-Characters, einfach nicht im Ohr hängen bleiben. Alle schön anzuhören, jedoch ohne allzu starken nachhaltigen Eindruck. So kann Sepalot's alleingang als Gesamtwerk schon überzeugen, sonderlich viel Chart- oder Kultpotential bringt dieser Longplayer jedoch nicht mit, daran kann leider auch das restliche Staraufgebot an Gastmusikern (Saigon, Blu, Esther, Shuane, Miss Platnum, Olivier Day Soul, etc) nichts ändern.


Sepalot - Red Handed Album EPK (part 1)

Mit "Did Did It Again" feat. Saigon steht bei Compost Records übrigens ein Song des Albums als kostenloser, legaler Download bereit.

Anspieltipps:

04. "Jump" feat. Olivier Day Soul
06. "She Likes Me" feat. Frank Nitty
11. "Smile" feat. Shuane
13. "Rearrange"
(Gesamtspielzeit: 17 Tracks, ca. 54 Minuten)

Fazit: Ein sehr schönes Mixtapealbum, dessen fröhlichen Sound man ohne weiterzuskippen gerne immer wieder komplett durchhört. Musikalische Parallelen zu Blumentopf gibt's hier zwar nicht zu hören, dafür ausgefallene Samples und Beatspielereien sowie souligen Gesang und guten Rap von Frank Nitty. (dr.öge)

Für Fans von: DJ DSL, Stereo MCs, Rodney Hunter, DJ Shadow
 
.Clueso "So sehr dabei" (FOUR Music / Sony BMG / VÖ: 30. Mai 2008)

Stil: Pop, Singer/Songwriter
Format: CD (auch als Premium Edition mit Bonus-DVD erhältlich)

Aller guten Dinge sind drei, hat sich wohl auch Clueso gedacht und sein drittes Album veröffentlicht. Insgesamt ist es bereits das vierte Album ist, doch mit „So sehr dabei“ kommt das dritte Pop-Album, und das, obwohl er seine Wurzeln eigentlich in der Rapszene hat. Während Clueso in seinen Anfängen noch mit Blumentopf zusammenarbeitete, spielte er 2007 als Support bei Herbert Grönemeyer und nahm zweimal erfolgreich beim Bundesvision Song Contest teil. Ein ungewöhnlicher Stilwechsel.

Zur CD selbst:
Wer die vorhergehenden Alben kennt, wird überrascht sein. Clueso zeigt sich von seiner melancholischen Seite, beschreibt sein Empfinden und spricht sich von der Seele, "Barfuß" ist das beste Beispiel dafür. Dieser Song passt wunderbar auf seinen Wechsel der Musikrichtung, denn immer, wenn er etwas Neues ausprobiert, fühlt er sich „federleicht, weil es sich fast immer lohnt“ - und das hat es auch diesmal. Im Kontrast zu der Einfachheit des ersten Songs, der lediglich eine nicht immer ganz tontreue Stimme und gefühlvolle Gitarrengriffe braucht, fällt "Augen Zu" auf. Mehr instrumentales Volumen, eine große Portion Melancholie und eine angenehme Ohrwurmmelodie machen den zweiten Track aus. Die meisten Songs sind betont melancholisch und häufig alles andere als positiv, bestes Beispiel dafür ist "Geisterstadt". Die lockere Verbindung von Instrumenten und Gesang, die teilweise nach Jam-Session klingt, passt zu Clueso's nachdenklicher Art. Die Stimmung des Albums ist gewöhnungsbedürftig, eine CD, die man nicht ununterbrochen hören kann. Ein bisschen Spaß und Frohsinn hätten dem Album gut getan. Doch natürlich gib es auch Lichtblicke. "Keinen Zentimeter", bereits beim Bundesvision Song Contest vorgestellt, versprüht Freiheit und Entspanntheit und "Utopie", das leider plötzlich sehr dunkel und depressiv wird, lässt so manch einen schmunzelnd an die alten Rap-Zeiten zurückdenken. Clueso gibt sich experimentierfreudig was die instrumentelle Begleitung angeht. Sie variiert zwischen einfacher Gitarre und Piano, aber auch Flöte, Geigen und Electropassagen was für Abwechslung sorgt.

Anspieltipps:
02. „Augen Zu”
05. „Geisterstadt“
08. „Keinen Zentimeter“
(Gesamtspielzeit: 13 Songs, ca. 58 Minuten)

Fazit: Besonders musikalisch macht dieses Album mehr her, als die letzten, kann einem wegen erdrückender Melancholie aber auch schnell mal die Laune verderben. (JM)

Für Fans von: Mellow Mark, Selig,
 
.The Rocks "Letters From The Frontline" (Weekender / Indigo / VÖ: 30. Mai 2008)


Stil: Indie-Rock
Format: CD (auch als Vinyl LP erhältlich)

Dieses schön geschnürte Rockpacket aus London hat es definitiv in sich, nur die Beschriftung ist etwas verwirrend. Der Titel "Letters From The Frontline" suggeriert Krieg, Verzweiflung und Verderben und wäre wohl eher für eine Politpunkband wie Anti-Flag geeignet gewesen. Die Songs auf diesem Album berichten nämlich fast ausschließlich von der Beziehungsfront und deren Höhen und Tiefen. Das klingt doch schon interessanter und zwischenmenschliche Beziehungen sind ja schließlich auch das meistbesungene Thema der Musikgeschichte. Zwar droht man hier gerade als Indie-Rocker schnell in der Masse zu versinken, doch The Rocks haben das musikalische Potential und den richtigen Bandnamen um die Zahl ihrer Anhänger in Kürze zu vervielfachen, daran besteht kein Zweifel.

Zur CD selbst:
Dass The Rocks richtig vorwärts rocken können versteht sich bei diesem Namen absolut von selbst, doch leider tun sie dies nicht durchgängig bei allen 13 Tracks. Das Album ist irgendwie zweigeteilt. Zum einen gibt es abwechslungsreichen Indie-Rock mit viel Pop-Attitude und sehr schönen Melodien, zum anderen dreckigen, kernigen Alternative-Rock, der ins Ohr geht und mitreisst. Da wäre zunächst der etwas unspektakuläre Titeltrack "Letters From The Frontline", den ich persönlich vom Opener zum Closer gemacht hätte. Dieser fällt in die Kategorie der soften und weniger spektakulären Songs. Mit "Tearjerker", "On The Roof" und "Out Of The Blue" finden sich weitere solcher Songs auf der CD, eigentlich alle schön anzuhören aber irgendwie fehlt hier das Besondere, das Dich packt und mitnimmt. Auch die Ballade "Time To Leave" ist überaus soft für eine Band mit dem Namen The Rocks und wegen des Klaviers und des hohen Gesangs könnte man fast denken der Song sei von den Boomtown Rats. Doch zum Glück hat die Band auch eine andere Seite, die energiegeladenen Garage-Rock in fantastischen Songs wie "The Game Is Up" oder "Screamers" hervorbringt und in denen vom harmonisch-melodischen Gesang zu freakigem Screamo mit Retrotouch gewechselt wird, ähnlich dem Garage-Rock der 70er und 80er. Das sehr gelungene "Kickin The Teeth" entwickelt sich stellenweise zu einem echten Punkrock-Kracher und "Night Of The Long Knives" klingt dreckiger als das Bahnhofsklo in Bombay aussieht. Wenn Frontmann James Taylor dann im letzten Track auch noch zum Tanzen in die Lesbenbar geht ("Was Dancing In The Lesbian Bar"), erreicht das Album ganz klar seinen Höhepunkt und will sofort noch einmal gehört werden.


The Rocks - "Live @ Koko"

Anspieltipps:
02. "The Game Is Up"
03. "Screamers"
07. "Kickin The Teeth"
09. "Night Of The Long Knives"
13. "Was Dancing In The Lesbian Bar"
(Gesamtspielzeit: Songs, ca. Minuten)

Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches und über weite strecken tolles Rockalbum, das von poppigen Klavierballaden über deftigen Garage-Rock bis zu wilden Punkeinlagen alles zu bieten hat, was das Rockerherz begehrt. Einzelne Songs wirken im Gesamteindruck allerdings etwas zu soft oder gar kitschig und daher etwas fehl am Platz. Das Album ist dennoch sehr empfehlenswert, auch wenn man ein- oder zweimal weiterskippen muß. (dr.öge)

Für Fans von: The Strokes, The Clash, Mando Diao, Foxboro Hottubs, Chikinki, The Indelicates
 

.Foxboro Hottubs "Stop Drop And Roll" (Reprise / Warner / VÖ: 23. Mai 2008)


Stil: Rock'n Roll, Garage, Rockabilly
Format: CD (auch als Vinyl auf 2LP erhältlich)

Kein Wunder, daß es seit dem letzten Album "American Idiot" sehr ruhig war um Green Day. Der Grund dafür ist das neue Sideprojekt, bei dem sich Billie Joe Armstrong und Kollegen in einem völlig neuen Stil austoben. Die Foxboro Hottubs sind Green Day, nur, daß sie unter diesem Namen eben kein Alternative oder Punkrock spielen sondern puren Rock'n Roll mit starken Anleihen an den Garage-Rock der 60er und 70er. Im Dezember 2007 stellte die Band ihre erste EP "Stop Drop And Roll" zum kostenlosen Download auf ihrer Website und bei MySpace online. Es war zunächst geplant gewesen, dieses Sideprojekt geheim zu halten, doch den neu gewonnenen Fans fiel schnell die Ähnlichkeit zu Green Day auf und die Foxboro Hottubs waren entlarvt. Daraufhin ging man in die kommerzielle Offensive und nun steht die ehemalige EP auf 12 Songs gestreckt als komplett neues Album von Green Day in den Läden, nur eben unter anderem Namen.

Zur CD selbst:
Los geht's mit drei Krachern am Stück! Der Opener "Stop Drop And Roll" lässt mit seinem melodisch, kompromisslosem Garage-Rock'n Roll keine einzige Frage offen und macht sofort Bock auf mehr. Davon gibt's genug, denn mit "Mother Mary" folgt ein weiterer Song mit garantiertem Hitpotential (siehe Videoclip unten) und als ob das nicht schon genug wäre für den Anfang, setzt dann "Ruby Boom" mit grellen Synthiesamples und stampfigen Beats noch einen weiteren Knüller drauf. Spätestens jetzt ist klar, Green Day können auch 60ies Rock und das aktuell wohl so gut wie kaum eine andere Band. Natürlich kann das Hitniveau der ersten drei Songs nicht komplett gehalten werden und so schaltet die Scheibe mit "Red Tide" erstmal zwei Gänge zurück, zu einer schönen downtempo Ballade. Weiter hinten findent sich dann mit "Alligator" und "27th Ave. Shuffle" weitere Geniestreiche in Sachen Retrorock, bevor man mit "Dark Side Of The Night" ganz sanfte Töne anschlägt, die an die schönen LSD Zeiten von The Doors, Mamas & Papas oder Simon & Garfunkel erinnern. Einige Songs, beispielsweise "Broaday" erinnern natürlich schon stark an Green Day, in erster Linie wegen des unverwechselbaren Gesangs von Billie Joe Armstrong. Das führt dazu, das man zwischen Wiedererkennungswert und völlig neuem Soundgewand hin und hergerissen ist, ist aber auch egal, denn überzeugen wird Euch diese Platte schon nach den ersten Takten, garantiert!


Foxboro Hottubs - "Mother Mary"

Anspieltipps:
01. "Stop Drop And Roll"
02. "Mother Mary"
03. "Ruby Boom"
08. "Alligator"
(Gesamtspielzeit: 12 Songs, ca. 32:40 Minuten)

Fazit: Sowohl für Green Day Fans als auch für Retrorocker unverzichtbar! Nie war Retro schöner ... (dr.öge)

Für Fans von: Mando Diao, The Strokes, Jet, The Fashion, The Doors, Green Day
 

.Booka Shade "The Sun And The Neon Light" (Get Physical / RTD / VÖ: 23. Mai 2008)


Stil: Electro / Deep House / Pop
Format: CD (auch als Limited Edition Doppel-CD oder als 2LP auf Vinyl erhältlich)


Booka Shade sind seit 2004 und der Veröffentlichung ihres Debütalbums "Memento" in der deutschen Clubszene nicht mehr wegzudenken ist. Mit ihrem zweiten Album "Movements" festigten sie 2006 ihren Ruf als Musiker und Producer auf internationaler Club-Ebene. Kein Wunder, schließlich schaffen es nur wenige Künster, deepe Housetracks mit musikalischer Finesse so zu verfeinern, dass die Clubtauglichkeit nicht auf der Strecke bleibt. Ihre Hits "Body Language", "Night Falls", "Mandarine Girl" oder "In White Rooms" dürfen in keiner Plattenkiste fehlen und haben schon fast Kultstatus erreicht. Im vergangenen Jahr durften Booka Shade schließlich noch in der DJ-Kicks Serie, auf !K7 einreihen. Als Musiker und Produzenten konnten Arno Kammermeier und Walter Merziger eben schon viele Erfolge feiern. Nicht nur mit ihrem Projekt Booka Shade, auch als Produzenten und Remixer für Künstler wie z.B. Depeche Mode, Tiga oder Hot Chip haben die beiden schon viele Loorbeeren für ihre Arbeit eingeheimst. Immer mehr Menschen kennen unbewußt Booka Shade's Musik, obwohl sie keine Ahnung haben, wer Booka Shade sind, denn als Werbe- und TV-Musikproduzenten (u.a. für Levis, BMW, Mini oder die TV-Serie CSI) sind die beiden Wahlberliner nebenbei auch recht erfolgreich. Mit "The Sun And The Neon Light" folgt nun das dritte Studioalbum des genialen Duos, die nebenbei auch als Mitbesitzer des Berliner Szenelabels Get Physical eine gute Figur machen.

Zur CD selbst: Mit "Outskirts" beginnt die Reise in Booka Shade's Welt zwischen Tag und Nacht: Klassische Streichinstrumente erklingen zu gebrochenen Beats und atmosphärischen Klängen. Die Streichinstrumente hierzu wurden wie auch beim Titeltrack "The Sun And The Neo Light" vom Deutschen Filmorchester Babelsberg eingespielt und stellen in dieser Form eine Premiere für Booka Shade dar. "Duke" ist mit seinem dominierenden Beat und den einschlägigen Synthielines eindeutig für den Club gemacht, während "Dusty Boots" mit seinem Countrybackground auch wunderbar als Filmmusik für den nächsten Quentin Tarantino Film funktionieren könnte. Nach ihrem exklusiv für die DJ-Kicks Reihe produzierten ersten Vocaltrack überhaupt scheint es fast so, als seien Booka Shadde auf den Geschmack gekommen. Nach "Numbers" sind auf "The Sun And The Neo Light" gleich vier weitere Vocalnummern zu finden, wie z.B. die 80er Jahre Retro-Clubnummer "Control Me", die melancholische Dancenummer "Karma Car", die mit Sample-Einspielungen für Abwechslung sorgt oder das groovelastige "Psycharmeleon", das mit Glam-Rock-Attitüden überrascht.


Booka Shade - "The Sun And The Neon Light EPK"

Der melodische, von sanften Klängen und weichen Vocals durchdrungene Popsong "Solo City" zählt mit zu den Album-Highlights und erinnert von der Art des verwendeten Beats stark alte Hits. Mit "Redempetion", "Charlotte" und "Planetary" folgen absolute Clubtracks, deren volles Potential nur auf dem Dancefloor richtig ausgeschöpft werden kann. "Comacabana" hingegen funktioniert mit seiner seichten Melodie, den leichten Latineinflüssen, und dem dubbigen Background eher als Song für die After Hour. Mit "You Don't Know What You Mean To Me" folgt zum Abschluss eine gefühlvolle Ballade, die Walter seinem ein neugeborenen Sohn widmet. Wie der Titel bereits ankündigt, bewegen sich Booka Shade auf "The Sun And The Neon Light" mit ihren Songs zwischen Tag und Nacht hin und her. Einige Tracks sind eindeutig für den Dancefloor bestimmt, während sich andere ganz wunderbar als musikalische Begleitung für tagsüber eignen.

Anspieltipps:
02. "Duke"
03. "Dusty Boots"
05. "Solo City"
09. "Sweet Lies"
13. "You Don't Know What You Mean To Me"
(Gesamtspielzeit: 14 Tracks, ca. 62:44 Minuten)

Fazit: Ein in allem abwechslungsreiches und musikalisch ausgereiftes drittes Studioalbum der beiden Wahlberliner, dass einem Konzeptalbum sehr Nahe kommt. Mit seiner musikalischen Aussagekraft kann es leider nicht ganz an seine Vorgänger anknüpfen. (nac)

Für Fans von: M.A.N.D.Y., DJ T., Nôze, Henrik Schwarz, Âme, usw.
 

.My Baby Wants To Eat Your Pussy "Ignorance And Vision" (Ass Hammer / Cargo / VÖ: 23.05.2008)

Stil: Chaotisches Independent-Rock-Pop-Elektro-Theater
Format: CD im Digipack

My Baby Wants To Eat Your Pussy, 6 Musiker, Profis an ihren Instrumenten, Entertainer auf der Bühne und Experimentalisten im Studio bringen nach 4 Jahren endlich (!) ihr Debutalbum "Ignorance & Vision" auf den Markt. In der Regel reichen ein Konzert und ein Besuch auf der Homepage aus um eine Band ungefähr einschätzen zu können. Bei den unanständigen Babys ist die Sache wesentlich schwieriger. Die Band selbst ist ein Spektakel oder auch ein Zirkus, in jedem Fall handelt es sich um eine Gruppe hochbegabter musizierender Schauspieler.

Ein Besuch in der Pussy Media World wirft mehr Fragen auf als die Internetseite beantworten kann und ein Besuch beim Konzert der Pussies endet in ebenso vielen Eindrücken, die sich problemlos über Jahre im Gedächtnis festsetzen können. Das Lineup besteht aus einer wunderschönen Sängerin mit ebensolcher Stimme (Debùsy d´eeper), einem Sänger mit Dreadlocks und ebenfalls sehr ausdrucksstarker Stimme (Ziggy Has Ardeur), Diva Eva D als Gitarist(in?) mit sehr speziellen Showeinlagen, Mr. Tighteng am Keyborad, Donni Bella Luna am Bass und an den Drums Ray Gattner. Fest steht, dass die 6 Künstler aus der Ecke Mannheim in den letzten Jahren nicht untätig waren. Konzerte vor tausenden Menschen in Paris und bei Rock am Ring, Clubkonzerte sogar in Toronto, diverse Preise, Auszeichnungen und eine treue, stetig wachsende Fangemeinde, die zu schwärmen anfängt, sobald sich das Gespräch um die Pussies dreht.

Nun sollte man meinen, dass wenigstens die Musikrichtung klar definierbar ist, doch weit gefehlt. Vielleicht trifft es Experimenteller Elektro-Pop-Rock am besten. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Fans mit den Jahren ganz eigene (und garantiert vollkommen unterschiedliche) Erklärungen für das optische und musikalische Erscheinungsbild der 6 Musiker entwickelt haben. Diese Erklärung versteht aber wiederum kein Außenstehender, also müsst ihr euch wohl oder übel selbst eure Meinung bilden. Tatsächlich erstaunlich sind nun aber weder die Optik noch die Entertainment-Qualitäten, sondern die Tatsache, dass innerhalb von 4 Jahren 18 Songs den Live Test bestanden haben und nun gepresst auf CD bereit liegen um zu begeistern. Produziert wurde das Werk von Philipp Schwär, der sich mit dieser Leistung tatsächlich ein Denkmal gesetzt hat.

Zur CD selbst:
Das Album präsentiert sich als Mischung aus fast allem was mit Stimmen und Instrumenten möglich ist. Von sehr guten und erstaunlich unauffälligen Rocksongs wie "Boy" bis hin zu "Peace Interstellar", einem 10 Minuten Elektro-Funk-Song ist alles vertreten. Der Opener, "Arduos Life", wird fast ausschließlich von der Heimorgel begleitet. "Sahra" als sehr guter Rocksong fällt hingegen durch harte musikalische Begleitung auf, Gitarre und Drums erinnern fast schon an den ein oder anderen (harmloseren) Metallsong. Begeisterung ist übrigens schon bei CD-Hülle und Booklet angebracht. So schön und kreativ wurde schon lange keine CD mehr eingepackt. Das Layout ist ein Kunstwerk an sich und ein schneller Blick auf die Tracklist zeigt den eingefleischten Fans, dass von "Don't Tell A Soul" bis "Biology Is A Fairytale" fast alle Lieblingssongs vertreten sind.   In den Texten fällt ein zentrales Thema besonders auf: "Boys & Girls", gleichzeitig auch der Titel des zweiten Songs, welcher vom Stil her sehr an die White Stripes erinnert. Nicht zu vergessen die beiden außergewöhnlichsten Songs der Platte. Track 4, "Circumstances" besteht nur aus unverständlichem, gesprochenem Text, leicht begleitet von Gitarre und Geige während "Capital Letters", dagegen mit nur 11 Wörtern Text auskommt. Dafür gibt's aber schön schräge Flötentöne auf die Ohren. "Biology Is A Fairytale" beginnt mal wieder ganz anders, mit einem Kinderchor, geht über in einen Funkbeat und endet als Popsong, noch Fragen? "Dogs Run Riot" wurde wiederum eindeutig mit osteuropäischen Beats angereichert. Dann wäre da noch "Freezing Scene", ebenso ein Pop-Song, der dank harter Gitarrenriffs kurzzeitig eher an Rage Against The Machine als an Popmusik aus Deutschland erinnert. Damit nicht genug bieten uns My Baby im gleichen Song auch noch Countrymelodien und ein Akkordeon-Outro. Track 15, "Wonderland" ist ein Song der ersten Stunde und jedem Fan der uralten Demo CD bekannt, wurde mit einem sehr mechanisch klingenden Solo angereichert, welches wohl eher am PC als mit Instrumenten entstanden ist. Generell wurde für "Ignorance And Vision" viel Gesang elektronisch verzerrt und oder ganze Songs mit Elektro-Beats unterlegt. Mit "America" ist auch ein Anti-USA Song auf der Platte und das Chaos scheint somit perfekt. Aber ist das wirklich Chaos? Einige gute Rocksongs, viele gute Popsongs, auffallend guter Gesang, das alles angereichert mit interessanten musikalischen Beats aus sämtlichen Himmelsrichtungen, dazu noch tiefgründige Texte über das Zusammentreffen von Männern und Frauen und die außergewöhnlichste Platte der letzten Jahre klingt mit "Impresario" langsam und leise aus.

Anspieltipps:
02. "Boys & Girls"
05. "Sahra"
12. "Dogs Run Riot"
15. "Wonderland"
(Gesamtspielzeit: 18 Tracks, ca. 68 Minuten)

Fazit: Vor einigen Jahren konnte ich My Baby schon mal live in der Batschkapp in Frankfurt sehen und es war ein prägendes Erlebnis. Die Show ist unglaublich abgedreht und die Musik dazu ist qualitativ sau gut. Das neue Album wirkt beim ersten Hören tatsächlich chaotisch und lässt den Roten Faden vermissen. Nach wiederholtem Hören haben sich dann schon die ersten Lieblingstracks gefunden und man lernt den verrückten Stil der Gruppe schnell schätzen und lieben. Noch ein paar Tage später begreift man alle Songs zusammen langsam als Kunstwerk und die Musiker als abgedrehte Künstler die von einem Hauch Genialität gestreift wurden. Mittlerweile kann ich zwischen den vielen guten Songs kaum noch einen Lieblingssong ausmachen und freue mich sehr auf das Konzert in wenigen Tagen in Berlin. Falls ihr die
Möglichkeit habt My Baby Wants To Eat Your Pussy live zu sehen (hier die Tourdates) dann nutzt die Chance, ihr werdet diese Show so schnell nicht vergessen! Achso, das wichtigste noch zum Schluß: Kauft die CD - falls ihr euch traut!? (moe)
 
.3 Doors Down "3 Doors Down" (Universal / VÖ: 16. Mai 2008)

Stil: Rock
Format: CD

Nach drei Jahren scheinbarer Windstille ist es nun da, das jüngste Album von 3 Doors Down. Man möchte meinen, dass es nach drei erfolgreichen Alben, sechs Nummer 1 Hits und unzähligen Konzerten irgendwann mal reicht. Zum einen, weil die Ideen erschöpft sind, zum anderen, weil man an die alten Hits nicht mehr anknüpfen kann. Pustekuchen! Die fünf Musiker aus Mississippi fügen ihrer Diskografie nach einer einjährigen Auszeit nun ein weiteres Album hinzu, das mal wieder mit rockigen Ohrwürmern geradezu gespickt ist. Es scheint zu stimmen: Aus der Ruhe kommt die Kraft. Nachdem sich die fünf, getreu dem Motto Back To The Roots, in ihre Heimatstadt Escatampa, Mississippi zurückgezogen hatten, wollten sie einfach mal wieder gemeinsam Zeit verbringen und in Ruhe Musik machen, so wie in alten Zeiten. Auch deshalb haben sie das Album nach dem Bandnamen benannt: „3 Doors Down“.

Zur CD selbst: Die neue Platte ist wie die alte, nur besser. Insgesamt klingen die Jungs rockiger und standhafter, ihren Stil haben sie aber nicht verloren. Gleich der erste Song „Train“ verdeutlicht, auf welcher Schiene 3 Doors Down jetzt fahren. An der Stimme, aber auch an den instrumentellen Soli merkt man schnell, dass dieses Album mehr denn je aus Spaß und Hingabe entstanden ist. „Citizen/Soldier“ sticht heraus, sowohl durch den irgendwie exotisch klingenden Anfang als auch durch den Text, der weniger nachdenklich, als vielmehr knallhart klingt - und genauso schauen die Jungs auch auf dem Cover aus. Kein Wunder, das dieser Song als Werbung für die amerikanische National Garde geschrieben wurde, was bei der patriotischen Einstellung der Band nicht allzu merkwürdig ist. Zum Glück stellt sich der Song als Ausnahme heraus und schon „It’s Not My Time“, die erste Singleauskopplung in Deutschland, folgt wieder der gewohnten Linie. Dieser Song scheint für das zu stehen, was sich die fünf während ihrer Pause gedacht haben: „Cause It’s Not My time, I’m not going“ - Und jetzt sind sie ja schließlich wieder da, zum Glück. Neben den scheinbar für die Band bekannten und bewährten Gitarrenriffen, wie sie bei „It’s Not My Time“ und „Let Me Be Myself“ zu wieder hören sind, gibt es jetzt einige neue Melodien zu bestaunen. „Pages“ zum Beispiel macht klar, das sich bei 3 Doors Down nicht jedes Lied gleich anhört. Vertraut ist bei dieser Ballade dagegen der nachdenkliche, philosophische Text, für den sie bekannt ist. Nach dem fast schon kuschligen „Your Arms Feel Like Home“ entpuppt sich „Runaway“ als weiteres Highlight des Albums. Eine neue, geniale Melodie, kombiniert mit dem typischen Rock n‘ Roll Refrain und einem tollen Text ist für den Ohrwurm verantwortlich, den man schon nach kurzem Hören hat. Schlussendlich klingt das Album mit dem sanfteren „She Don’t Want The World“ angemessen aus und lässt auf das nächste Album hoffen. Eigentlich ist „3 Doors Down“ wie „Seventeen Days“, nur besser. 3 Doors Down haben ihren unverwechselbaren Stil beibehalten und mit den altbewährten Elementen neue Hits geschrieben, die ein erfolgreiches Album garantieren. Nur schade, dass es für gerade einmal 45 Minuten gereicht hat.


3 Doors Down - "Citizen/Soldier"

Anspieltipps:
01. "Train"
02. "Citizen/Soldier"
10. "Runaway"
12. "She Don’t Want The World"
(Gesamtspielzeit: 12 Songs, ca. 45 Minuten)

Fazit: Aus alt mach neu - Wer “Seventeen Days” mochte, wird diese Platte lieben. 3 Doors Down sind genauso nachdenklich geblieben, dafür aber noch rockiger und irgendwie erwachsener geworden. Das Warten hat sich gelohnt!
(JM)
 
.Pit Baumgartner "Tales Of Trust" (Phazzadelic / New Format / Edel / VÖ: 09. Mai 2008)

Stil: Trip Hop, Downbeat, Lounge, Jazz, Swing
Format: CD im Digipack

Pit Baumgartner ist für den durchschnittlichen Musikhörer ein weitgehend unbekannter Name. Ganz anders sieht es aber aus, wenn man De-Phazz in's Spiel bringt, deren Begründer, Kopf und Produzent Baumgartner ist. Das Projekt De-Phazz (Destination-Phuture-Jazz) hatte Pit Baumgartner 1997 in's Leben gerufen und fast im Alleingang das überwiegend instrumental gehaltene Debutalbum "Detunized Gravity" herausgebracht, das auch heute noch als wegweisender Release des Nu-Jazz gilt. Mit dem Zugang von Karl Frierson und Pat Appleton veränderte sich der Sound zunehmend Richtung Swing, Jazz und Chanson und die Club- und Downbeats traten in den Hintergrund.

Zur CD selbst:
Nach acht De-Phazz Alben und der 2003 veröffentlichten Fräuleinwunder Compilation kommen wir nun doch noch in den Genuß des offiziellen Debuts von Pit Baumgartner! Darin besinnt er sich auf seine alten Stärken und verwöhnt uns mit Loungemusik für gehobene Ansprüche. Ganz bewusst hat das Mastermind aus Heidelberg dabei auf Gastauftritte seiner De-Phazz-Kollegen verzichtet (abgesehen von Joo Kraus) und diesen Release deutlich von seinem bekannten Bandprojekt abgegrenzt. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen klingt "Tales Of Trust" sehr nach einer Fortsetzung des De-Phazz Debutalbums "Detunized Gravity", bei dem Pit die Fäden noch annähernd im Alleingang gezogen hatte. Genau wie damals gibt es auch heute wenige Vocals zu hören und wenn, dann dezent und nur zur Untermalung des einzigartigen Klangteppichs, dessen Fäden Herr Baumgarter aus Jazz, Swing, Trip Hop und Downbeat sowie Elektro gesponnen hat. Mit gutem Händchen und viel Geschick groovt er durch die insgesamt 19 Tracks und läßt sich vereinzelt sogar zu tanzbaren Clubtracks hinreissen. Neben einigen jazzigen, De-Phazz ähnlichen Stücken ("Booboomca", "Turn The Page", "Walking Dead"), gibt es viele, erstklassige Instrumentals aus den Bereichen Trip Hop, Downbeat und Chillout zu bestaunen, die den Hörer auch unweigerlich an De-Phazz erinnern und den Groove durchgehend gepachtet haben. Die beiden besten Tracks des Longplayers finden sich aber erst gegen Ende der CD: Da wäre die geniale Überarbeitung der Sissi-Melodie ("Sissi 2008"), die Baumgartner als halbem Österreicher offenbar im Blut gelgen hat und der saugeile Track "Phantomgesicht", der die Titelmelodie von Der Kommissar mit Hilfe des Orchester Joe Jerkins völlig neu, clubtauglich arrangiert! Einzigartig, genau wie das gesamte Album ...

Anspieltipps:
02. "Cruise Waikiki"
15. "Heavy Dream Rotation"
16. "Sissi 2008"
18. "Phantomgesicht"
(Gesamtspielzeit: 19 Tracks, ca. 56 Minuten)

Fazit: Mag man Pit Baumgartner's Alleingang als De-Phazz Fan nun oder nicht? Das ist eine gute Frage, die Antwort ist Ja und Nein. Ja, wenn man an De-Phazz die Instrumentals und die Fusion aus Jazz und Lounge zu schätzen weiss. Nein, wenn man De-Phazz in erster Linie wegen Chanson, Gesang und Songwriting hört, denn hier gibt es nur wenig Gesang zu hören. Lounge Liebhaber können den Qualitäten von Pit Baumgartner's "Tales Of Trust" in jeder Hinsicht blind vertrauen! (dr.öge)

Für Fans von: De-Phazz, Thievery Corporation, DJ Shadow, Tommy Guerrero, Vienna Scientists, Kruder & Dorfmeister, Cafe Del Mar, Bar Lounge Classics, Future Sound Of Jazz
 
.Kleinstadthelden "Resignation und Aufstehen" (mossBeach / VÖ: 02. Mai 2008)

Stil: Deutsch-Rock, Emo, Indie
Format: CD

Die Kleinstadthelden sind eine Band, dessen Name zwei Dinge impliziert die sich in ihrer Musik auch tatsächlich wieder finden: Sie kommen aus der Kleinstadt und es sind Helden. Die 4 aus dem beschaulichen Osterholz-Scharmbeck bei Bremen stammenden Jungs haben in ihrer kurzen Karriere nämlich schon einiges erreicht. Simon Lam (Gitarre/Vocals), Felix Weidenhöfer (Gitarre/Piano/Vocals), Nils Freesemann (Bass) und Max Krämer (Drums) - alle erst Anfang 20 - sind raus aus dem Kleinstadtleben, direkt auf die Bühne. Als Support von Deutsch-Rock Größen wie Muff Potter, Schrottgrenze und Madsen aber sogar mit internationalen Größen wie Nena und New Model Army haben sie ihr 100. Konzert bereits im Januar 2008 über die Bühne gebracht. Ihr Erfolgsrezept ist weder neu noch selten, wohl aber effektiv: Man nehme solide Gitarrenriffs, mische sie mit einfachen aber erfrischend bewegten Drums und veredele das ganze mit einer Priese melancholischen Piano-Parts. Was nun noch fehlt ist eine Mischung aus kratzigem und verträumt emotionalen Gesang dessen zweistimmige Höhepunkte passende Akzente setzen. Heraus kommt Musik die schreit was ihre jungen Erschaffer gerade durchleben: Aufbruch!


Zur CD selbst:
Das Debut-Album der Band beeindruckt zu Anfang vor allem durch die Qualität. Mit Swen Meyer, der schon Kettcar und Tomte mischen durfte, und Michael Schwabe, der unter anderem schon für das Mastern einiger Werke von Wir sind Helden und den Beatsteaks verantwortlich war, waren Profis am Werk, die sich in Technik und Genre auskennen. Und das hört man! Schon der erste Song "Feuer" ist representativ für die ganze Platte, ein schön verzerrtes drum-lastiges Start-up heizt den Hörer an, eine kurze cleane Strophe erhöht die Spannung um während dem wiederum etwas härteren Refrain ein Portiönchen Energie herauszulassen. "Schritt ins Leben", der zweite Track, zeigt den gleichen Aufbau aber durchaus auch eine kleine Steigerung in der Bewegung. Bei Nummer drei "Schiff Ahoi" findet nun langsam der melancholische Aspekt Einzug, der beim Titelsong "Resignation und Aufstehen" seinen - für manchen vielleicht etwas verfrühten - Höhepunkt findet. Was diesen Song hervorhebt sind vor allem die erfrischenden Piano-Parts und der emotionale Text, in dem sich der ein oder andere junge Erwachsene vielleicht wieder erkennt. Ein Song der sich schon durch seine unerwarteten Keyboard-Parts am Anfang von den anderen abhebt ist "Reise". Das Lied ist rund, nicht zu hart, nicht zu weich. "Nehmt die Hände aus den Taschen, wie wollt ihr denn so rennen?". Vor allem Bridge und Refrain bleiben im Ohr und lösen in der Tat die Lust aus, etwas zu unternehmen, zu rennen, aufzubrechen. Die Nächsten vier Songs bieten in sofern Abwechslung als dass sich kratzige und melancholische Parts die Klinke in die Hand geben. Sie bringen das, was der Hörer erwartet - leider aber auch nicht mehr. Die Scheibe endet schließlich, wie es sich für den Stil gehört, mit einem ruhigen, teilweise akustischen Song. "Gucken was kommt" lässt die verschiedenen Stimmungen des Albums noch einmal Revue passieren und ist damit sowohl musikalisch als auch was den Text angeht ein ganz gutes Fazit des Albums. "Resignation und Aufstehen" ist das Halbjahreszeugnis einer jungen Band, die noch nicht ausgelernt hat, deren Potential einem aber sofort ins Ohr springt. Wenn sie weiter fleißig ihre Hausaufgaben machen, ist ihnen ein Platz zwischen den derzeitigen Größen des Deutsch-Rock durchaus sicher.

Anspieltipps:
04. "Resignation und Aufstehen"
05. "Reise"
09. "Was soll er denn tun?"
(Gesamtspielzeit: 10 Tracks, ca. 31:57 Minuten)

Fazit: Kleinstadthelden machen Musik für die eher jugendlichen Hörer, denen Juli zu langweilig und Madsen zu erwachsen sind. Eine leicht verdauliche Kombination aus jugendlicher Rebellion und der Einsicht des Erwachsenwerdens. Durchaus zu empfehlen! (GSM)

Für Fans von: Madsen, Revolverheld, Tomte, Muff Potter
 
.Ganjaman "Das gleiche alte Lied" (MK ZWO / RTD / VÖ: 25. April 2008)

Stil: Reggae & Dancehall
Format: CD (auch als Doppel LP auf Vinyl erhältlich)

Ganjaman, der Antiimperialist, Rastafari und gebürtige Berliner hat seinen dritten Longplayer "Das gleiche alte Lied" vor wenigen Tagen veröffentlicht. Nachdem man ihn 5 Jahre lang nur auf Compilations und live hören konnte war es auch wieder höchste Zeit für eine Platte mit insgesamt 17 eigenen Songs. Aufgewachsen ist Ganjaman in einem besetzten Haus in Berlin und hat allem Anschein nach dort seine politische Lehre gefunden. Bekannt geworden ist er mit deutschen Texten gegen Imperialismus, Vatikan, Habgier und die Bundesregierung, glaubt wie so viele Andere auch an Jah und daran, dass die Liebe alle Probleme weltweit besiegen kann. In den letzten Jahren war Ganjaman mit dieser Message in Europa unterwegs, hat sehr erfolgreich auf den größten Festivals gespielt, Max Romeo auf der gesamten Tour begleitet, stand unter anderem mit Gentleman auf der Bühne, hat für Black Dillinger produziert und die Studiotechnik für Mellow Mark gemacht. Bei diesem ausgeprägten Unternehmungsdrang ist es fast selbstverständlich, dass Ganjaman seine neue Platte selbst produziert hat. Sehr erfreulich ist ebenso, dass viele seiner Musiker-Kollegen (Uwe Banton, Danny Ranks, Phenomden, Thai Stylee, Junior Randy, Mr. Reedoo, Irie Révoltés) den Weg ins Studio gefunden haben um für den ein oder anderen Song ihr Talent bereit zu stellen. So ist mit "Das gleiche alte Lied" ein ruhiges Roots-Album entstanden auf dem die bekanntesten deutschen Stimmen und internationale Artists zu hören sind. Um auch musikalisch auftrumpfen zu können, wurden Instrumentals von Soundsystems aus der ganzen Welt eingeschickt, darunter Grillaras aus Jamaika, Rootdown's Teka, den Ösis von House Of Riddim oder Roots Survival und Black House Music aus Frankreich.

Zur CD selbst:
Der Opener ist gleichzeitig Titeltrack und offenbart uns in "Das gleiche alte Lied" die Kernaussage des Albums. Ein Track über die Menschen in Babylon (also alle Menschen weltweit) die nicht verstehen, dass Liebe so viel mehr wert ist als Gier, Hass und ewiges Gewinnstreben mit der leisen Hoffnung auf ein gutes Ende. Diese Hoffnung auf ein gutes Ende und auf Liebe für jeden klingt dann auch das ganze Album über in vielen Songs durch. Für "Unendliche Schönheit" hat sich Mr. Reedoo (Culcha Candela) im Studio eingefunden und gemeinsam mit Ganjaman ein sehr phantasievolles Loblied auf unsere wunderschöne Erde eingesungen. "Manchmal" kommt als nachdenkliche Ballade daher und handelt von den grundlegenden Problemen die jeder Mensch kennt und regelmäßig mit sich selbst aushandeln muss. Natürlich darf auch die Politikkritik nicht fehlen. Zusammen mit dem Berliner Surviva wurde "wie verlogen" als Song gegen die Bundesregierung und gegen alle manipulierbaren Politiker geschrieben. Zusammen mit den Irie Révoltés singt Ganjaman "Gerechtigkeit", einen tanzbaren Track gegen Habgier und Ungerechtigkeit. Der Song sticht dank vieler französischer Textzeilen aus den meist deutschen Texten heraus und wirkt erstaunlich erfrischend. Für "Danke Jah" hat kein Geringerer als Uwe Banton seine Stimme geliehen. Ein Track über die Großzügigkeit des angebeteten Jah und eigentlich über alles was so den ganzen Tag passiert. Damit nicht genug kommt nun der Song mit den meisten bekannten Namen: Junior Banton, Soultrain, Ephraim Juda, Nattyflo und Jahcoustix sind nur ein paar von den Künstlern, die den Gesang für eine Strophe oder auch nur Textzeile von "Schrei es raus" übernommen haben. Als letzter Track läuft "Geträumt", ein Anti-Kriegssong im Redemption Song Stil. Mit ruhigem Saxophon Intro eingeleitet beginnt der Song vom schönsten, wichtigsten und meistgeträumten Traum der Welt, dem Traum vom Frieden, und endet wie er beginnt, mit einer verträumten Saxophonmelodie.

Anspieltipps:
05. "Unendliche Schönheit"
08. "Manchmal"
13. "Gerechtigkeit"
(Gesamtspielzeit: 17 Tracks, 66 Minuten)


Fazit:
"Das gleiche alte Lied" ist tatsächlich thematisch nicht neu, vor allem nicht im Reggae Movement. Musikalisch schön umgesetzt und mit einer All-Star-Combo an Gastmusikern gleicht Ganjaman darin mit seinem beharrlichen Weltverbesserungsstreben jedoch einem Reggaeprediger, der das Thema deutlich überstrapaziert. (moe)
 
 
.Nôze "Songs On The Rocks" (Get Physical / RTD / VÖ: 25. April 2008)


Stil: Club / Electro / Pop / Techno
Format: CD

Die beiden französischen Freunde Nicolas Sfintescu und Ezechiel Pailhes haben versteckt hinter ihrem Künstlernamen Nôze schon in vielen Clubs und auf zahlreichen Festivals für wahnwitzige, ja sogar skurille Live-Auftritte gesorgt, bei denen ihr Publikum schon mal mit offenem Mund da stand und nach Worten suchte. Kein Wunder, unbeholfene Oben-Ohne-Striptease hinter dem DJ-Pult, Umarmungen im Vollrausch und seltsame Typen, deren Gesang sich eher wie Gejammere anhört, erlebt man ja auch nicht allzu oft. Nicolas Sfintescu und Ezechiel Pailhes sind eben einfach zwei schräge Vögel, die ihre Musik miteinander verbindet und die beide noch dazu ganz offiziell miteinander verwandt sind (Ezechiel ist mit der Schwester von Nicolas verheiratet).

Zur CD selbst:
Nach ihren bisher veröffentlichten Alben "Craft Sounds And Voices" (2005) und "How To Dance" (2006) folgt mit "Songs On The Rocks" das mittlerweile dritte Album des freakigen Duos. Allein der Titel lässt darauf schließen, dass Alkohol im Entstehungsprozess eine entscheidende Rolle gespielt haben muss. Und so erinnert der erste Track "L'Inconnu Du Placard" vom Gesang her auch sogleich an einen Morgen nach zu viel Drinks und Zigaretten, so rauchig dröhnt einem die exorbitante Stimme entgegen. Mit "Danse Acec Moi" folgt als Kontrast eine zuckersüße mit Streichinstrumenten untermalte französische Pop-Ballade, der Dani Siciliano und David Lafore ihre lieblichen Stimmen geliehen haben. Darauf folgt mit der Polka-Nummer "You Have To Dance" eine klare Aufforderung in Richtung Dancefloor, die mich persönlich an die östereichische Skaband Russkaja erinnert. Bei "Childhood Blues" gibt Nicolas alles, was sein Gesangsrepertoire her gibt, er legt seine knarzige
Stimme auf und gibt dem düsteren, durch Gitarrenakkorde und verzerrte Blasinstrumente, geprägtem Song den gewissen Hauch Exzentrik, bevor "Little Bug" Erinnerungen an Shantel's Bucovina Club weckt. Der minimalistische Song "Slum Girl" könnte auch als Soundtrack-Musik funktionieren, doch die Gesangsarrangements von Nicolas lassen darin zwischenzeitlich Zweifel aufkommen. Die reduzierte Technonummer "Ethiopa" zählt leider zum schwächsten Song des Albums, den man auch gerne hätte weglassen können. Zum Glück folgt mit Nôze's letztjährigen Club-Hit "Remember Love" eines der Album-Highlights, so dass man ihnen die kurzeitige Durststrecke schnell verzeihen kann. "Remember Love" weiß mit einem eingägigem Beat, zarten Pianomelodien und Technobeats gepaart mit Chicago-House-Ansätzen sowie klaren Vocals ganz klar zu begeistern.


Nôze "Remember Love"

Den krönenden Abschluss eines großartigen dritten Albums macht die Neuinterpretation von "Kichen", dem auf "Songs On The Rocks" einfach mal das Pop-Kostüm angezogen wird. "Kitchen" der auf Nôze's zweitem Album "How To Dance" noch als verrückte Technonummer mit knarzigem Gebrabbel-Gesang aus den Boxen schallte, erklingt nun als besinnliche Klavierballade. So hören sich die Worte "I'll Make You Cum All Night Long" auch gleich viel romantischer an...

Wieder einmal verlässt mit "Songs On The Rocks" ein musikalisches Meisterwerk die Berliner Erfolgsschmiede Get Physical. Mit ihrem dritten Album präsentieren Nôze die ganze Bandbreite ihrer musikalischen Vielseitigkeit, die weder vor Genregrenzen noch vor Gesangsbarrikaden halt macht und sich damit von der Masse an Produktionen, die sich "Electro" nennen deutlich abhebt.

Anspieltipps:
01. "L'Inconnu Du Placard"
02. "Danse Acec Moi"
03. "Little Bug"
04. "Childhood Blues"
05. "You Have To Dance"

08. "Remember Love"
09. "Kitchen"
(Gesamtspielzeit: 9 Songs, ca. XX Minuten)

Fazit: Ein in allem super gelungenens Electro-Pop-Album der beiden französischen Fantasievögel, das seinen Techno-Background nie komplett vernachlässigt und gleichzeitig viel Platz für Neues lässt. (nac)
 

.Cargo City "How To Fake Like You Are Nice & Caring" (Rebecca & Nathan / Intergroove / VÖ: 25.04.2008)