.Atari Teenage Riot "1992-2000" (Geist Records / Rough Trade / VÖ: 30. Juni 2006)

Stil: Rockiger Elektro-Thrash bis Hardcore

Die 90er waren vom musikalischen Standpunkt her ein sehr innovatives Jahrzehnt, in dem viele neue Sounds und Stilrichtungen erschaffen wurden. Die aus Berlin stammende Combo Atari Teenage Riot waren eine der experimentellsten Combos, die aus dem Underground heraus für viel Aufmerksamkeit sorgten. Ihre musikalische Mischung aus Punkrock und Detroit Techno sorgte für Aufsehen und ist vom Stil her bis heute fast einzigartig. Es folgten gemeinsame Projekte und Live-Auftritte mit Bands wie Rage Against The Machine ("Rage"), Nine Inch Nails, Bestie Boys (Grand Royal) und Slayer (Spawn Soundtrack).
Die Combo um Alec Empire zeigte schon immer deutlich ihre links-anarchistische Einstellung, nahm kein Blatt vor den Mund, startete eine musikalische Hetzjagd auf Nazis ("hunt down the nazis", "deutschland has got to die") und das in den Zeiten der brennenden Asylantenheime von Rostock und Hoyerswerda! Auch an der Organisation der "Hate Parade" waren ATR beteiligt sowie an vielen anderen Projekten gegen Faschismus und Kommerzialisierung. Nach acht erfolgreichen Jahren gingen jedoch alle Bandmitglieder getrennte wege und seitdem ist die Zukunft des Ensembles absolut ungewiss. Der Release dieses "Best Of"-Albums könnte zwar ein Zeichen sein, dass sich ATR noch einmal zusammenraufen, es ist aber doch wahrscheinlicher, dass genau das Gegenteil der Fall ist und man mit "1992-200" einen Schlussstrich unter die Bandbiographie ziehen will. Wäre auch mehr als verständlich, denn die Zeiten ändern sich und so wie Alec Empire damals vom Punkrock zum Elektro wechselte, so widmet er sich nun wieder neuen musikalischen (Solo-)Projekten, und natürlich seinem Label Digital Hardcore.

Der opener "Speed" ist ein Klassiker und wohl einer der besten Tracks die ATR jemals gemacht haben. Der Song wird uns in Kürze auch als Soundtrack zum Film "The Fast and the Furios - Tokyo Drift" wieder begegnen. Textlich provolanter geht es da dann schon bei "Deutschland has got to die" zu, das eine kreischige Frauenstimme mit viel Trash und feinstem Drum'n Bass kombiniert. Natürlich dürfen auch die anderen Klassiker, wie das richtig geile, selbstbetitelte "Atari Teenage Riot", das gnadenlos überladene "Kids Are United" oder das hymnehafte "Rage" genausowenig fehlen, wie beispielsweise das knarzige Stück "Midjunkies". Die 18 Songs lassen allesamt rockig, punkigen Electro-Trash aus den Boxen strömen und sind mal mitreissend, verstörend oder provokant, dabei aber immer energiegeladen wie eine Hochspannungsleitung und abgedrehter als alles vergleichbare.

Anspieltipps:
01 "Speed"
04 "Deutschland Has Got To Die"
07 "Riot 1995"
11 "Atari Teenage Riot"
(Gesamtspielzeit: 18 Tracks, ca. 73 Minuten)

Fazit: Das vorliegende "Best-Of" Album ist ein musiklaisches Zeitdokument der Neunziger Jahre, das den Ideenreichtum und den unglaublich ernergiegeladenen Sound von Atari Teenage Riot in 18 ihrer besten Songs eingefangen hat. (Dr.Öge)