.Pit Baumgartner "Tales Of Trust" (Phazzadelic / New Format / Edel / VÖ: 09. Mai 2008)

Stil: Trip Hop, Downbeat, Lounge, Jazz, Swing
Format: CD im Digipack

Pit Baumgartner ist für den durchschnittlichen Musikhörer ein weitgehend unbekannter Name. Ganz anders sieht es aber aus, wenn man De-Phazz in's Spiel bringt, deren Begründer, Kopf und Produzent Baumgartner ist. Das Projekt De-Phazz (Destination-Phuture-Jazz) hatte Pit Baumgartner 1997 in's Leben gerufen und fast im Alleingang das überwiegend instrumental gehaltene Debutalbum "Detunized Gravity" herausgebracht, das auch heute noch als wegweisender Release des Nu-Jazz gilt. Mit dem Zugang von Karl Frierson und Pat Appleton veränderte sich der Sound zunehmend Richtung Swing, Jazz und Chanson und die Club- und Downbeats traten in den Hintergrund.

Zur CD selbst:
Nach acht De-Phazz Alben und der 2003 veröffentlichten Fräuleinwunder Compilation kommen wir nun doch noch in den Genuß des offiziellen Debuts von Pit Baumgartner! Darin besinnt er sich auf seine alten Stärken und verwöhnt uns mit Loungemusik für gehobene Ansprüche. Ganz bewusst hat das Mastermind aus Heidelberg dabei auf Gastauftritte seiner De-Phazz-Kollegen verzichtet (abgesehen von Joo Kraus) und diesen Release deutlich von seinem bekannten Bandprojekt abgegrenzt. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen klingt "Tales Of Trust" sehr nach einer Fortsetzung des De-Phazz Debutalbums "Detunized Gravity", bei dem Pit die Fäden noch annähernd im Alleingang gezogen hatte. Genau wie damals gibt es auch heute wenige Vocals zu hören und wenn, dann dezent und nur zur Untermalung des einzigartigen Klangteppichs, dessen Fäden Herr Baumgarter aus Jazz, Swing, Trip Hop und Downbeat sowie Elektro gesponnen hat. Mit gutem Händchen und viel Geschick groovt er durch die insgesamt 19 Tracks und läßt sich vereinzelt sogar zu tanzbaren Clubtracks hinreissen. Neben einigen jazzigen, De-Phazz ähnlichen Stücken ("Booboomca", "Turn The Page", "Walking Dead"), gibt es viele, erstklassige Instrumentals aus den Bereichen Trip Hop, Downbeat und Chillout zu bestaunen, die den Hörer auch unweigerlich an De-Phazz erinnern und den Groove durchgehend gepachtet haben. Die beiden besten Tracks des Longplayers finden sich aber erst gegen Ende der CD: Da wäre die geniale Überarbeitung der Sissi-Melodie ("Sissi 2008"), die Baumgartner als halbem Österreicher offenbar im Blut gelgen hat und der saugeile Track "Phantomgesicht", der die Titelmelodie von Der Kommissar mit Hilfe des Orchester Joe Jerkins völlig neu, clubtauglich arrangiert! Einzigartig, genau wie das gesamte Album ...

Anspieltipps:
02. "Cruise Waikiki"
15. "Heavy Dream Rotation"
16. "Sissi 2008"
18. "Phantomgesicht"
(Gesamtspielzeit: 19 Tracks, ca. 56 Minuten)

Fazit: Mag man Pit Baumgartner's Alleingang als De-Phazz Fan nun oder nicht? Das ist eine gute Frage, die Antwort ist Ja und Nein. Ja, wenn man an De-Phazz die Instrumentals und die Fusion aus Jazz und Lounge zu schätzen weiss. Nein, wenn man De-Phazz in erster Linie wegen Chanson, Gesang und Songwriting hört, denn hier gibt es nur wenig Gesang zu hören. Lounge Liebhaber können den Qualitäten von Pit Baumgartner's "Tales Of Trust" in jeder Hinsicht blind vertrauen! (dr.öge)

Für Fans von: De-Phazz, Thievery Corporation, DJ Shadow, Tommy Guerrero, Vienna Scientists, Kruder & Dorfmeister, Cafe Del Mar, Bar Lounge Classics, Future Sound Of Jazz