.Boozoo Bajou "Juke Joint II" (!K7 / Rough Trade / VÖ: 04. August 2006)

Stil: groviger Mix aus Soul, Funk, Blues & Jazz

Hinter dem exotischen Namen Boozoo Bajou verbergen sich die Nürnberger DJs und Produzenten Peter Heider und Florian Seyberth, deren Vorlieben für elektronisch unterlegtes Dub, Reggae, Blues, Soul, Jazz und Funk mittlerweile bekannt sein dürften.

Nachdem sie vor weniger als einem Jahr mit ihrem Studioalbum "Dust My Broom" einen Volltreffer landeten und mit dem Song "Killer" sogar einen Hit in den Charts hatten, bescheren uns Boozoo Bajou nun den zweiten Teil ihrer Compilation "Juke Joint".

Der Ausdruck Juke Joint (oder auch Jook Joint) bezeichnete Anfang des 20. Jahrhunderts eine Art Musikkneipe für Afro-Amerikaner, in denen Alkohol, Live-Musik und Speisen, gelegentlich auch Glücksspiel und Prostitution angeboten wurden. Diese Bars spielten eine wichtige Rolle für die Entstehung des Blues in den Südosten der USA und einige davon gibt es auch heute noch. Das Gegenstück dazu sind Honky Tonks, Musikbars für Weisse, in denen Blues und Country gespielt wird bzw. wurde.

Zur CD selbst: Auf der zweiten Ausgabe von Juke Joint geht es gewohnt entspannt zu. Weit entfernt von Kommerz und Klischee zeigt uns das bayerische Duo meisterhaft, wie man längst vergessene Perlen der o. g. Genres mit guten Remixes und sanfter Elektronik im dritten Jahrtausend wieder lounge- oder salonfähig machen kann. Der smoothe, groovige Sound der dabei entstanden ist, zieht sich ohne einen einzigen Bruch wie ein Roter Faden durch die gesamte Compilation und hinterlässt einen sehr homogenen Eindruck. Dabei haben Boozoo Bajou die unterschiedlichsten Musikstile und Interpreten aus allen Ecken der Welt in einen Topf geworfen und ein wohl schmeckendes Potpourri gekocht, das man einfach von Anfang bis Ende genießen kann!

Da trifft dann der lasziv entspannte Gesang in "A Rainy Night In Georgia" von Country und Soul Legende Tony Joe White im Boozoo Bajou Remix auf das zum dahin schmelzen soulige "Hurry On Now" von Stimmwunder Alice Russel oder ausgefeilten Wiener TripHop von Urbs and Cutex mit "The Thing". Jamaikanischer Dub darf mit Dennis Bovell's "Rowing" ebenso wenig fehlen wie der "Bad Luck Blues" der Blendcrafters oder Mulatu Astatque, der uns im aufwühlenden "Emnete" seinen wunderschönen, äthiopischen Jazz näher bringt. Mitreissender sixties-soul schallt bei "Feeling Free" von Nicole Willis and the Soul Investigators aus den Boxen, der das Wohnzimmer zur Tanzfläche macht und Euch evtl. schon im Jim Jarmusch Film "Broken Flowers" begegnet ist.
Bei der schlichtweg genialen Trackauswahl haben Boozoo Bajou erneut ein goldenes Händchen bewiesen und wo sie Songs wie Gecko Turner's "Dizzie", das hier einen gelungenen Remix erfährt, bleibt wohl ihr Geheimnis. Lediglich das minimalistische Elektro des Rechenzentrum animiert mit ihrer "Tiefenschärfe" bei erneutem Hören als einziger Track zum weiterskippen. Auch zwei exclusive, eigene Stücke haben Boozoo Bajou auf dieser Compilation untergebracht: Dabei sorgt der "Pflug" für bekifften Chillout und mit Gast-MC Oh No steuern sie vorher auf "Back Up" eine Prise funkigen HipHop bei.

Was macht also einen guten DJ aus? Eine tiefe Bassline, funkiger Sound, das Händchen für's richtige Sample oder gar eigene geniale Tracks? Was es auch immer ist, Boozoo Bajou all das und noch viel mehr auf Lager. Mit "Juke Joint 2" ist ihnen wieder die Fusion zwischen altem und neuem Sound gelungen und das noch besser als auf dem Vorgänger. Eine Platte die man nicht nur kaufen sondern sich darum reissen sollte, denn bei einem Amazon-Verkaufsrang der schon vor dem VÖ (also nur durch Vorbestellunge) bei zeitweise sagenhaften #130 lag, ist abzusehen, dass diese Platte bald ausverkauft sein könnte.

Übrigens: Wenn ihr den unvergleichlichen Sound von Boozoo Bajou live erleben wollt, müsst ihr euch sputen, denn zwei Termine stehen noch aus: Am 08. September in Hannover (Cumberlandsche Galerie) und am 23. September im K4 in Nürnberg. Letzteren sollte man unbedingt besuchen wenn man die Möglichkeit dazu hat, denn bei diesem Heimspiel laufen Boozoo Bajou mit Sicherheit zur Höchstform auf!

Anspieltipps:
01.Tony Joe White - "Rainy Nights In Georgia"
03.Alice Russel feat. TM Juke
09.Mark Rae - "Medicine"
10.Boozoo Bajou feat. Oh No - "Back Up (original cut)"
12.Mulatu Astatque - "Emnete"
19.John Holt - "For The Love Of You"
20.Josh Rouse - "Comeback"
(Gesamtspielzeit: 20 Tracks, ca. 74 Minuten)

Fazit: Eine Platte die musikalische Wünsche erfüllt, von denen wir gar nicht wussten, das wir sie hatten. Absolut geniale Zusammenstellung die ihre Hörer im Sturm erobern wird !!! (Dr.Öge)

Für Fans von: Compilations wie Another Late Night bzw. Late Night Tales oder DJ Kicks, Tommy Guerrero, Kruder & Dorfmeister, Sly & Robbie