Simon Konrad stammt aus Cargo City (Frankfurt
am Main) und ist seit 2006, nach der Auflösung seiner Rockband Siamese
als Solokünstler aktiv. Nachdem er letztes Jahr bereits eine EP namens
"When I Sleep..." herausbrachte steht nun sein Debutalbum
mit dem frechen Namen "How To Fake Like You Are Nice
And Caring" in den Läden. Dieses wurde von Ralf
Hildenbeutel produziert, was die elektronischen Beats und tanzbaren
Arrangements erklären dürfte. Hildenbeutel kennt man in erster
Linie aus der Techno- und Trance-Szene der 90er und aus dem Umfeld von
Sven Väth, für den er mehrfach
produzierte.
Zur CD selbst: Gitarren-Songwriter-Pop trifft auf Drumcomputer
und Elektro-Beats. Das Ergebnis ist ungewohnt, bleibt aber Indie-Pop,
jedoch mit viel Clubattitude und einigen überaus tanzbaren Tracks.
Die Texte sind einfach aber interessant gehalten und birgen einige wunderbar
abstruse Metaphern, wie z.B. den Titel des Openers "Ode To No
One". Gleiches trifft auch auf den überaus melodiösen
Sound zu, dessen Grundstimmung ich als fröhlich melancholisch bezeichnen
würde und die im ständigen wechsel zwischen auf und ab steht.
Die entstandene Mixtur ist schwer zu beschreiben und klingt in etwa so,
wie ich mir eine Fusion von Nikola
Sarcevic mit dem Sound der Turntablerocker
vorstellen würde. Die eingespielten Beats und Samples machen den
Sound tatsächlich außergewöhlich und zu einem echten Hingucker
... oder besser gesagt Hinhörer unter den Indie-Perlen. Flotte Housebeats
sind im Opener zu hören, einer alternativen Tanzflächen-Nummer,
bevor beim inoffiziellen Titeltrack "Remote Controll
Edit" die Gitarre die Oberhand gewinnt. Danach folgt
mit "Butterflies" romantischer Gitarrenpop,
der mehr auf Akustik setzt und dessen Gitarrenspiel stark an "Breakfast
At Tiffany's" erinnert. Von dieser Art Lagerfeuerballade hat
das Album noch mehrere Stücke parat ("Drunken Trojans",
"All By Myself", "Kennedy And Monroe"), die gekonnt
zwischen den mitreißenden, beatlastigeren Tracks ("When
I Slep I Disappear") versteckt sind. Die langsameren
Songs sind zwar schön anzuhören aber teilweise auch etwas unspektakulär,
daher sind es eher die beatlastigen Tracks, deren perfektes Arrangement
den Hörer in ihren Bann ziehen und die Repeat-Taste fordern wird!
Wie ein guter Film sorgt das Album mit einigen unerwarteten Wendungen
dafür, dass nur selten Langeweile aufkommt. Die Stärken von
Cargo City liegen dabei in den träumerischen
Melodien und dem sehr emotionalen Gesang von Simon Konrad, der in Ralf
Hildenbeutel einen optimalen Gegenpart für die Arrangements von Beats
& Instrumentals (darunter Piano, Gitarre, Xylophon, Bass, Synthies,
Glockenspiel, usw.) gefunden zu haben scheint. Ebenfalls untentbehrlich
für Cargo City ist Nadine Renneisen,
deren zuckersüße Stimme in "The Cat Behind
The Windowplane" ein echter Genuß ist. Diesen
verspielt schönen Stil kennt man sonst nur von Naomi
oder anderen Artists des Manneimer Mole
Labels. Checkt den nachfolgenden Videoclip und lauscht auf jeden Fall
in die unten genannten Anspieltips rein, denn die sind wirklich sehr empfehlenswert.
Cargo City - "When I Sleep I Disappear"
Man darf gespannt
sein, wie sich Simon Conrad aka Cargo City mit fünfköpfiger Band
live präsentieren wird. Demnächst anstehende Termine, z.B. in
Frankfurt, Köln und Bensheim finden sich bei uns unter den Music-Dates.
Anspieltipps:
01. "Ode To No One"
02. "Remote Control Edit"
05. "When I Slep I Disappear"
08. "The Cat Behind The Windowpane"
(Gesamtspielzeit: 12 Songs, ca. 43:30 Minuten)
Fazit: Charmanter Crossover-Pop,
der schönen Gesang mit gutem Sonwriting und flotten, tanzbaren Beats
kombiniert. Die erste Produktion von Ralf Hildenbeutel (Laith Al Deen, Yvonne
Catterfeld, Sven Väth) die ich mir gerne, freiwillig und wiederholt
anhören werde. (dr.öge)
Für Fans von: Naomi, Lemonheads, Sofa Surfers, Cardigans