.De-Phazz "Days Of Twang" (Phazz-a-delic / Edel / VÖ: 23. März 2007)

Stil: Downbeat / TripHop / Jazz / Swing
Format: CD

De-Phazz verlgeiche ich ja immer gerne mit Seeed. Wie so das? werden sich da nun viele fragen, die beiden Bands haben ja musikalisch fast nichts gemeinsam. Das mag sein, doch bei beiden Combos handelt es sich Bigbands, bei denen viele unterschiedliche Charaktere und Musikgeschmäcker aufeinander prallen und eine gemeinsame musikalische Richtung finden müssen. Bei Seeed ist es nach eigenen Aussagen ein Gemeinschaftsprozess. Bei De-Phazz hingegen muss man sich Pit Baumgartner als eine Art Dirigent vorstellen, der ein Orchester leitet und die passenden Beats beisteuert.
1997 brachte De-Phazz Gründer Baumgartner das Debut "Detunized Gravity" auf Mole Listening Pearls hearus. Mit Hilfe von Haluk Peters (Gründer und Labelchef von Mole Listening Pearls) und einigen Gastmusikern hatte er ein reines TripHop-Album geschaffen, mit vielen instrumentalen Parts, Jazz-Einflüssen und wenigen Vocals. Für die nachfolgenden Alben vertiefte Baumgartner die Zusammenarbeit mit Gasmusikern wie Sängerin Barbara Lahr oder Posaunist Otto Engelhardt und das Musikprojekt De-Phazz war geboren. Mit Pat Appleton und Karl Frierson verstärkten sich De-Phazz um zwei weitere Stimmwunder neben Barbara Lahr. Der Einfluss der Gastmusiker wurde stärker und so wandelte sich der Sound zu mehr Swing, Jazz und Soul. Das nachfolgende Album "Godsdog" (1999) konnte dann mit mit dem Song "The Mambo Craze" den langersehnten ersten Hit landen. Mit ihrem dritten Album "Death By Chocolate" (2001) perfektionierte die mittlerweile zur Bigband gereifte Combo das Zusammenspiel von Swing, Jazz und NuJazz und schufen so eines der besten Alben ihres Genres. Nach dem (Remix-)Album "Plastic Love Memories" (2002) driften De-Phazz auf ihrem nächsten Studioalbum "Daily Lama" (2002) ein wenig in Richtung Pop und Chanson ab, weiterhin sehr unter dem Einfluss der schönen Stimmen von Pat Aplleton und Karl Frierson.
Bis zum nächsten Studioalbum sollte es nun 3 Jahre dauern und in der Zwischenzeit wurde ein weiteres Remix-Album "Rare Tracks & Remixes" (2004) und die DVD "Onstage/Backstage - a Retrospective" veröffentlicht. Das neue Album "Natural Fake" (2005) blieb dann trotz etlicher Gastmusiker und großer Experimentierfreudigkeit leicht hinter den Erwartungen. Pit Baumgartner hatte sich diesmal deutlich an den Reglern zurück gehalten, vielleicht etwas zu sehr. So schien die neue musikalische Marschroute wohl klar und die sind De-Phazz auch exzellent gegangen! Man kehrte zurück zum eigentlichen Leitspruch der Band:
DEstination PHuture JAZZ

Zur CD selbst: Auf ihrem neuen Studioalbum "Days Of Twang" hält Pit Baumgartner die Regler wieder fester in der Hand und das ist gut so! Mit dem Titel spielt Baumgartner auf seine musikalische Anfangszeit an und sein Galaxy Transisterradio, das allem Twangs (Töne im oberen Frequenzspektrum) lieferte. Folglich ist das neue Album sehr viel Beat lastiger als die Vorgänger und vereint gekonnt den smoothen TripHop-Style des Debut-Albums "Detunized Gravity" mit seinen Gesangsorientierten Nachfolgern. Die musikalische Bandbreite reicht diesmal von TripHop ("Dancing With My Hands", "" ), Lounge ("Hell Alright"), Jazz ("Nonsensical Thing", "Better World", "Shadow Of A Lie") und Swing bis Soul ("My Society"), Blues und etwas Country ("Whats The Use Of.."). Zum gewohnt guten Spiel und Gesang seiner Crew steuert Mr. Baumgartner souveräner denn je seine stylishen Beats und Samples bei, die dem Album die nötige Homogenität geben. Auch ist das Album durch die wieder erstärkte Dominanz der Beats diesmal tanzbarer denn je!

De-Phazz machen musikalisch zwei schritte zurück aber auch einen nach vorne und kombinieren dabei alles, was sie groß gemacht hat. Bestes Beispiel dafür ist die erste Single-Auskopplung "Hell Alright", ein genialer Lounge-Track mit smoothem, treibendem Beat und flotten Background-Vocals. Den will man am liebsten den ganzen Tag lang hören. Schaut Euch auch unbedingt das coole, retromäßige Video zu "Hell Alright" an! Teuflisch gut gelungen ist auch die Elvis-Hommage "Devil's Music", die in ähnlichem Stil gehalten ist. Am besten und gleichzeitig ausgefallensten ist aber ganz klar "Petit Bastard", die große Überraschung des Albums, mit der mal wieder niemand gerechnet hätte: Der Vater des kleinen, unehelichen De-Phazz Zöglings muss ein D&B DJ aus London gewesen sein, seine Mutter jamaikanischer MC. Herausgekommen ist ein Tanzflächen-Kracher in feinster Riddim-Wize Manier und einer Basedrum, die die Wände wackeln lässt. Saufetter Sound, der sicherlich auch den Fans von Seeed gefallen wird. Doch De-Phazz wären einfach nicht De-Phazz, wenn das Album nicht noch weitere Überraschungen parat hätte - die hört Ihr Euch am besten selbst an und zwar sofort, sonst verpasst Ihr nämlich was!

Verpasst hat auch jeder etwas, der De-Phazz noch nicht live gesehen hat. In voller Besetzung ist diese Bigband ein echtes Erlebnis! Im April und Mai sind De-Phazz auf "Days Of Twang"-Tour um das neue Album vorzustellen, hier die Tourdates.

Anspieltipps:
04. "Hell Alright"
06. "Petit Bastard"
08. "Devils Music"
11. "My Society"
(Gesamtspielzeit: 16 Tracks, 44:30 Minuten)

Fazit: Manchmal muss man einen Schritt zurück machen um wieder nach vorne zu kommen. Genau das haben De-Phazz getan und mit "Days Of Twang" eines ihrer besten Alben überhaupt abgeliefert. Gekonnt spielen sie all ihre musikalischen Stärken auf, überraschen mit neuen, frechen Sounds und Samples und präsentieren sich zum 10-jährigen in Bestform! (Dr.Öge)