.Fettes Brot "Strom und Drang" (Fettes Brot / Indigo / VÖ: 14. März 2008)



REINHÖREN / KAUFEN

more info:
www.fettesbrot.de


Stil: Hip Hop
Format: CD

Als die Single "Bettina zieh’ dir bitte etwas an" auf den Markt kam, hatte ich einen kurzen Moment Mitleid mit allen Bettinas und dann mit Fettes Brot. Die Single gefiel mir nach dem ersten Mal hören einfach nicht, stumpfe Bigbeats von Modeselektor und ein Refrain der wie schon bei "Emanuela" die Jungs (und Mädels) auf Malle oder der nächsten Aprés Ski Bar zu Höchstformen auflaufen lässt. Doch jetzt kommt das riesige ABER das mittlerweile sechste regulärer Album kann weitaus mehr als die Single nach dem ersten Mal hören erahnen lies und auch die Single weis mittlerweile zu überzeugen, der Text ist kritischer als es der Refrain vermuten lässt und das entgeht der Anton aus Tirol-Fraktion dann sicherlich doch, die meist ja nach dem Wort „Brüste“ abschaltet...

Zur CD selbst: Das Album beginnt und schon wird klar, dass Fettes Brot ihren Horizont wieder einmal deutlich erweitert haben. Man lässt sich auch diesmal auf diverse Experimente ein und erweitert den Bandhorizont zielstrebig. Ob es diesmal hämmernde Miami Bass Beats bei „Erdbeben“ oder die Synthiesounds in „Das traurigste Mädchen der Stadt“ sind, alle Songs zeigen das man sich musikalisch konsequent weiterentwickelt und weiter will. Das Gute daran ist, dass Jeder auf diesem Album der Brote etwas für sich entdecken kann! Die Leute, denen schon „An Tagen wie diesen“ gefiel, finden wieder eine Kollaboration mit Finkenauer auf dem Album. Gemeinsam mit Mieze (von Mia) wird im Song „Das traurigste Mädchen der Stadt“ der
Synthiehörer bedient. „Ich lass dich nicht los“ behandelt das „Stalking“-Thema aus der Sicht eines Stalkers. „Automatikpistole“ ist, wie schon vom letzten Album gewohnt, der Versuch etwas ernster zu werden, leider klappt das auf diesem Album nicht so gut wie bei „Am Wasser gebaut“ und der Spaß steht insgesamt wieder mehr im Vordergrund. Manch einer könnte auch
sagen die Midlife-Crisis ist vorbei. Nicht jeder Song auf dem Album ist ein Highlight aber auch die gibt es. Nachdem schon auf „Außen Tophits – innen Geschmack“ sich näher mit der Hip-Hop Szene beschäftigt hatte (Song „Hallo Hip-Hop), so wird sich auch diesmal wieder damit auseinandegesetzt und das mit mehr Augenzwinkern als die Szene eventuell verträgt. „Der beste Rapper Deutschlands ist offensichtlich Ich“ ist allerdings eines meiner persönlichen Fettes Brot Highlights der letzten Jahre und nimmt die Berlin/Aggro/Gangster–Fraktion schon ganz nett auf die Schippe (und ganz wichtig sich selbst nicht zu ernst). Fettes Brot haben sich auch diesmal wieder weiterentwickelt und stoßen ähnlich den Beastie Boys immer wieder in neue Sphären vor, bei der manchmal alte Fans vor den Kopf gestoßen werden. Weiterentwicklung ist vielleicht nicht immer das Beste aber immer noch besser als für Jahr und Tag immer nur das Gleiche auf den Markt zu werfen. Das Gute an den Broten dabei ist, dass die Wurzeln nie aus den Augen verloren werden, auch wenn seit ein paar Jahren (angeblich) der Pop im Vordergrund steht.


Anspieltipps:
03. "Das traurigste Mädchen der Stadt"
05. "Der beste Rapper Deutschlands ist offensichtlich ich"
08. "Schieb es auf die Brote
"
(Gesamtspielzeit: Songs, ca. Minuten)

Fazit: Aktueller, frischer und der Zeit voraus. Was die Beastie Boys machen, können die Brote auch – zwischen den Musikstilen herumhüpfen und dabei das Ziel nie aus den Augen verlieren. Fettes Brot sind zurück! (mc)