| .green day "american idiot" (reprise records / vö: 27.september 2004) | |
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Stil: erwachsen gewordener Ami Pop-Punk mit Rock-Einschlag Einen Review über ein Green Day Album zu schreiben, ist mit Sicherheit nicht die einfachste Sache der Welt. Das liegt zum einen an der Tatsache, dass man wohl schon hunderte von Stunden mit dem anhören von Green Day verbracht hat (ich kenne kaum einen Alternative-Hörer in meinem Alter, der seinerzeit nicht "Dookie" wochenlang rauf- und runtergehört hat) und zum anderen an der nüchtern festzustellenden Tatsache, dass Green Day sich seit dieser LP der künstlerischen Ambition verbunden fühlen, sich von Album zu Album "weiter entwickeln" zu müssen. Dabei waren die Ergebnisse leider nicht immer gelungen: "Insomniac" (1995) glänzte seinerzeit vor allem durch Eintönigkeit während dessen Nachfolger "Nimrod" (1997) wiederum als sehr innovativ und gelungen bezeichnet werden kann. An ihrer letzten offiziellen LP "Warning" aus dem Jahr 2000 scheiden sich bekannter weise bis heute die Geister. Für viele war die Mischung aus (Punk-)Rock und Akustikgitarren einfach nur Schrott gewesen. Nachdem zwischenzeitlich noch eine Best-Of (mit zwei neuen Songs) und eine B-Seiten-Compilation veröffentlicht wurden, erscheint medien-wirksam zur US-Präsidentenwahl im November das neue Album mit dem passenden Titel "American Idiot". Nachdem ich vom "Rock against Bush 2"-Sampler den Track "Favorite Son" gehört hatte, war ich zunächst etwas vorsichtig, denn der Track hörte sich meiner Meinung nach etwas zu glatt und vorhersehbar an. Sollte sich so die neue Green Day Platte anhören? Obwohl der Track (vom Sound her betrachtet) wohl während den Sessions zu American Idiot entstanden ist, ist er doch wohl vor allem aus einer Tatsache (der politische Faktor sei hier mal ausgeklammert) nicht auf dem Album: Er wäre wohl zu schwach gewesen! Um das Fazit mal vorwegzunehmen: Green Day schaffen es auf ihrem neuen Album, sowohl irgendwo punk-rockig UND erwachsen zu klingen, ohne dabei peinlich zu wirken. Denn meiner Meinung nach leiden gerade viele "Punk-Rock-Bands" unter der Tatsache, mit dem Alter wirklich peinlich zu werden (The Offspring dürfte hier das unumstrittende Parade-Beispiel sein). Mit dem Titeltrack "American Idiot" legt Green Day zu Beginn auch gleich gut los. Hier wird der lyrische Grundstein zu diesem (Konzept-)Album gelegt, dass sich mit der gegenwärtigen amerikanischen Realität auseinandersetzen will. Auf jeden Fall ein guter Start. Mit Lied zwei wird dann auch das Geheimnis um die im Vorfeld oft diskutierte "Rock Oper" gelüftet: Wer hier eine ekstatische und vor Pathos triefende Hymne à la Meat-Loaf erwartet hat, muss leider enttäuscht werden, der Rest darf sich aber um so mehr freuen: Ähnlich wie bei "The Decline" von NoFX handelt es sich hier um einen Verbund von Songs (hier sind es 5), die thematisch miteinander verbunden sind. Irgendwie hat man bei diesem Lied das Gefühl, dass hier Anerkennungen an andere Rock-Heroen ausbezahlt werden, denn sowohl Elemente von "Ring of Fire" als auch von "Summer of '69" sind überdeutlich herauszuhören. Dennoch ein toller Song, der für mich alles andere als eine Enttäuschung ist und auch eines der Highlights des ganzen Albums darstellt (sozusagen ein echter 11/10 Punkte Song). Mit dem Track "Homecoming" enthält das Album noch eine zweite solche Nummer, die mir allerdings nicht ganz so gut gefällt, vielleicht weil es hier auch etwas zu episch zugeht. Ansonsten fallen einem wirklich nur postive Dinge zu diesem Album ein: Egal ob Iggy Pop's Klassiker "The Passenger" als Vorbild genommen wird ("Holiday") oder Billy Joe den Tod seines Vaters musikalisch verarbeitet ("Wake me up when September ends..."), nie klingt es zu gewollt, nie wandert es ins peinliche über. Höchstens "Are we the Waiting" klingt dann doch etwas zu pathetisch, aber was soll's? Auch die anderen Songs sind alle recht solide, außer vielleicht "Extraordinary Girl", bei dem mir sowohl Intro als auch der Song selbst nicht so zusagt. Ansonsten fällt auf, dass Green Day (von den Rock-Opern einmal abgesehen) inzwischen auch Songs schreiben kann, die über vier Minuten lang sind und trotzdem nicht eintönig wirken. Vielleicht ist es diese Entwicklung, die dafür sorgt, dass Green Day einem auch nach zehn Jahren zusagen. Anspieltips: 01 "American Idiot" 02 "Jesus of Suburbia" 04 "Boulevard Of Broken Dreams" Fazit: Auf jeden Fall war dieses Album für mich ein Grund, mal wieder die alten Cds auszupacken und festzustellen, dass Dookie und Kerplunk (der Dookie Vorgänger) einfach geile Alben waren. Insgesamt ist „American Idiot“ somit eine wirklich positive Überraschung und auch sehr zu empfehlen. Wertung: 8/10 (bär) |