.Grizzly Bear "Friend EP" (Warp / RTD / VÖ: 02. November 2007)

Stil: Indie-Pop/Rock
Format: EP-CD

Die neuste Platte von Grizzly Bear heißt "Friend", hat den Flug über den großen Teich gut überstanden und dreht sich nun fröhlich im CD-Player.Die Band besteht aus Christopher Bear (drums/vocals), Edward Droste (vocals/guitarist), Daniel Rossen (vocals/guitarist) und Christopher Taylor (bass/electronics/vocals). Vor drei Jahren begann die Bandgeschichte im beschaulichen Amerika in einem Wohnzimmer eines gelben Hauses. Die Qualität der Aufnahmen war bescheiden und wurde dem Wunsch nach Songwriting und Gesang vorläufig untergeordnet.
Entsprechend hieß das erste Album "Yellow House" und reichte aus um Warp Records auf den Plan zu rufen. Erstmal beschnuppert war die Zusammenarbeit schnell beschlossen und so produzierten Warp Records auch das neuste Werk der Band.


Zur CD selbst:
Die Musik ist im Vergleich zu Bandgeschichte äußerst ausgefallen. Nicht ganz
Elektro, nicht ganz Pop, vielleicht Indie? Ich denke es ist neu! Der besondere Stil wird gleich im ersten Song vorgestellt. Es handelt sich dabei um "Alligator", das als 6-minütige Chorversion völlig ungewohnte Klänge bietet. Die Songs von Grizzly Bear zeichnen sich durch eine faszinierende Ruhe aus. Rhythmus ist nur minimal zu finden, die Instrumente halten sich zurück um den zarten aber charismatischen Gesang nicht zu verdecken. Die Gitarrenklänge ertönen ebenso zurückhaltend, fast als ob jeder Ton selbstständig ein Statement darstellt. Diese musikalischen Zutaten ergeben ein sehr vollkommenes wenn auch ungewohntes Bild. Überhaupt wird viel mit Klängen experimentiert. Track 5 "Plans" beginnt beispielsweise mit einem
Ohrenbetäubenden Gemisch aus vielen durcheinander gespielten Instrumenten, wobei eine Flöte die unangenehmsten Töne erzeugt. Die Coverversionen befreundeter Bands bringen diese Einheit ein Wenig durcheinander. Während "Knife" (CSS) als Electropop-Song aus dem Rahmen fällt, bietet "Plans" in der Version von Band of Horses leichte Countryeinflüsse. Nicht nur "Plans" ist doppelt vertreten. Der Song "Knife" taucht ebenfalls ein zweites Mal auf, diesmal in einer rhythmischen und düsteren Version von Atlas Sound. Zum Schluss wird der ergebene Hörer von Daniel Rossen verabschiedet. Er wählte den Song "Deep Blue Sea" um diesen noch mal mit veralteter Technik im Heimstudio neu aufzunehmen. Herausgekommen ist eine schöne Gitarrenballade, die sich zum Ende sehr steigert, an Qualität und Harmonie aber nichts zu
wünschen übrig lässt.

Anspieltipps:
01. "Alligator"
10. "Deep Blue Sea"
(Gesamtspielzeit: 10 Songs, ca. 43 Minuten)

Fazit: Der Chorgesang und die spärliche Instrumentalisierung klingen reichlich experimentell und sind gerade deshalb Geschmackssache. Mir gefällt es nicht! Allerdings muss ich der Band ein außergewöhnliches Talent bescheinigen. Die Klänge sind neuartig und verdienen deshalb viel Aufmerksamkeit. Es ist in der heutigen Musik selten genug, dass eine Band einen völlig neuen Weg geht und deshalb doch eine Empfehlung wert! (Moe)