Kimoe ist der Name eines weiteren aufstrebenden
Dancehall-Acts aus Berlin und da Reggae und Artverwandtes seit einiger Zeit
in Deutschland schwer angesagt sind, darf sich Mr. Kim-o-e mit seinem neuen
Album "Streben nach Glück" gute
Chancen ausrechnen. Chartpotential ist definitiv vorhanden, nicht nur wegen
der namhaften Gastauftritte, unter anderem von Culcha Candela's Mr.
Reedo und Johnny Strange, Mal
Élevé (Irie Révoltés), Miss
Flint und einige weiteren. Wir hatten kürzlich erst das Vergnügen
Kimoe einige Songs des neuen Albums live performen zu sehen, hier ein erster
Eindruck:
Kimoe - Live @ "Feuer Frei! Hip Hop & Reggae Clash"
in der Batschkapp Frankfurt
Zur
CD selbst: Der Stil von Kimoe bewegt sich irgendwo zwischen Culcha
Candela's vierlseitigem Partypop, Ganjaman's
sozialkritischem Dancehall-Rap und den Indie-Rockern des Dancehall Mono
& Nikitman. Die größten Parallelen höre ich aber
ganz klar zum Culcha-Sound. Nach einem kurzem Intro und einem dicken Representer
("Highlights") folgt "Sternstunden",
der wegen Mal Élevé wie ein Track
der Irie Révoltés klingt. Mit
"Non Plus Ultra" ist Kimoe
ein besonder schöner, romantischer Track gelungen. Dieser klingt zu
Beginn sehr nach der Sam Ragga Band, wird dann aber zu einem typischen Sommerhit
der Culcha Candela's "HAMMA"
sehr ähnlich ist, nur eben mehr im Reggae als im Hip Hop gehalten.
Morgen (11. Juli) hat Kimoe Geburtstag und zeitgleich bringt er die erste
Singleauskopplung"Ein neuer Morgen"
feat. Yah Meek in die Läden. Diese verwendet
einen Riddim von Mono & Nikitman ("Das
Alles"), ist ähnlich wie das Original und auch ähnlich
gut! Der Frankfurter Yah Meek ist übrigens
ein ausgezeichneter MC aus dem Umfeld des Riddim Wize
Soundsystem, das in Frankfurt einst für die legendärsten
Ragga-Parties überhaupt stand. Sozialkritisch geht es in "Kriegstreiberpolitik"
mit Mr. Reedo & Johnny
Strange weiter. Passabler Track mit coolen Rappassagen, etwas weiter
hinten folgt mit "Maskeraden" noch ein
ganz ähnliches Stück. Ich kann mich irren, doch die Inspiration
für den nächsten Partytrack "Alarm"
stammt mit großer Wahrscheinlichkeit vom Song "Telefonterror"
des Debutalbums von Freundeskreis, denn eine
Textzeile im Refrain hat einfach eine unüberhörbar ähnliche
Melodieabfolge (Kimoe: "Leute in Alarm, wir fackeln den Club jetzt
nieder..." / Freundeskreis: "Ringdi-Alarm, Another Girl
is calling..."), achtet beim Hören mal drauf! Mit "Heiß"
folgt ein weiterer passabler Partytune, der erneut die Culcha-Fans aufhorchen
läßt. Wie bereits angesprochen erinnern viele Songs von Kimoe
sehr, sehr stark an den Stil bekannter Kollegen, so auch "Frischer
Wind", das mit Gastsängerin Miss
Flint genau den Sound des aktuellen Albums ("Ausser
Kontrolle") von Mono & Nikitaman
trifft. Leider geht es nicht durchgängig so gut weiter wie es angefangen
hat. Einige Tracks haben saufette Beats, ("Keine Rose ohne Dornen",
"Die Hoffnung stirbt zuletzt", "Viel zu tun") sind
inhaltlich aber etwas unausgereift und sprechen ein Thema an, jedoch ohne
so richtig in's Detail zu gehen oder auf den Punkt zu kommen. Frei interpretierbare
Partyparolen also. Damit kann man auch garantiert nichts falsch machen aber
Kultcharakter wird man so trotzdem nicht erreichen. Im Gegensatz zu Nosliw
oder Mono & Nikitaman fehlt es stellenweise
an einfallsreichen Metaphern und dem nötigen Hang zu rhetorischem Perfektionismus,
um uns vollends zu begeistern. Doch Kimoe's
Stärken liegen eben woanders. Er ist mehr der Partymusiker, der gut
gelaunte Vibes und fette Beats mag und weniger auf aussergewöhnliche
Inhalte setzt. Zum Schluss geht's dann aber wieder bergauf, in "Liebe
ist..." wird es noch einmal gekonnt romantisch, "Genieße
Tag für Tag" ist eine gute Carpe Diem Anregung und
der Titeltrick "Highlights (Streben nach Glück)"
setzt die Party fort, die der Opener bereits am Anfang in Gang gebracht
hat.
Anspieltipps:
02. "Highlights" feat. DJ Chino
04. "Non Plus Ultra"
05. "Ein neuer Morgen" feat. Yah Meek
07. "Alarm"
18. "Highlights (Streben nach Glück)"
(Gesamtspielzeit: 18 Tracks, ca. 59 Minuten)
Fazit: Drei Jahre nach
seiner Debut EP legt Kimoe nun den ersten Longplayer vor und das mit derbsten
Hitpotential. Seinen eigenen Sound muß Kimoe zwar noch festigen und
sich einige Abkupferungsvorwürfe gefallen lassen, doch dieses Album
wird uns zweifelsohne den Sommer versüßen und Mr. Kim-o-e muß
man definitiv im Auge behalten - da geht was, vor allem LIVE! (dr.öge)
Für Fans von: Culcha Candela, Silly Walks Movement,
Sam Ragga Band, Nosliw, Mono & Nikitaman, Ganjaman