.Kimoe "Streben nach Glück" (Skycap / RTD / VÖ: 08. August 2008)

Stil: Dancehall
Format: CD

Kimoe ist der Name eines weiteren aufstrebenden Dancehall-Acts aus Berlin und da Reggae und Artverwandtes seit einiger Zeit in Deutschland schwer angesagt sind, darf sich Mr. Kim-o-e mit seinem neuen Album "Streben nach Glück" gute Chancen ausrechnen. Chartpotential ist definitiv vorhanden, nicht nur wegen der namhaften Gastauftritte, unter anderem von Culcha Candela's Mr. Reedo und Johnny Strange, Mal Élevé (Irie Révoltés), Miss Flint und einige weiteren. Wir hatten kürzlich erst das Vergnügen Kimoe einige Songs des neuen Albums live performen zu sehen, hier ein erster Eindruck:


Kimoe - Live @ "Feuer Frei! Hip Hop & Reggae Clash" in der Batschkapp Frankfurt

Zur CD selbst: Der Stil von Kimoe bewegt sich irgendwo zwischen Culcha Candela's vierlseitigem Partypop, Ganjaman's sozialkritischem Dancehall-Rap und den Indie-Rockern des Dancehall Mono & Nikitman. Die größten Parallelen höre ich aber ganz klar zum Culcha-Sound. Nach einem kurzem Intro und einem dicken Representer ("Highlights") folgt "Sternstunden", der wegen Mal Élevé wie ein Track der Irie Révoltés klingt. Mit "Non Plus Ultra" ist Kimoe ein besonder schöner, romantischer Track gelungen. Dieser klingt zu Beginn sehr nach der Sam Ragga Band, wird dann aber zu einem typischen Sommerhit der Culcha Candela's "HAMMA" sehr ähnlich ist, nur eben mehr im Reggae als im Hip Hop gehalten. Morgen (11. Juli) hat Kimoe Geburtstag und zeitgleich bringt er die erste Singleauskopplung "Ein neuer Morgen" feat. Yah Meek in die Läden. Diese verwendet einen Riddim von Mono & Nikitman ("Das Alles"), ist ähnlich wie das Original und auch ähnlich gut! Der Frankfurter Yah Meek ist übrigens ein ausgezeichneter MC aus dem Umfeld des Riddim Wize Soundsystem, das in Frankfurt einst für die legendärsten Ragga-Parties überhaupt stand. Sozialkritisch geht es in "Kriegstreiberpolitik" mit Mr. Reedo & Johnny Strange weiter. Passabler Track mit coolen Rappassagen, etwas weiter hinten folgt mit "Maskeraden" noch ein ganz ähnliches Stück. Ich kann mich irren, doch die Inspiration für den nächsten Partytrack "Alarm" stammt mit großer Wahrscheinlichkeit vom Song "Telefonterror" des Debutalbums von Freundeskreis, denn eine Textzeile im Refrain hat einfach eine unüberhörbar ähnliche Melodieabfolge (Kimoe: "Leute in Alarm, wir fackeln den Club jetzt nieder..." / Freundeskreis: "Ringdi-Alarm, Another Girl is calling..."), achtet beim Hören mal drauf! Mit "Heiß" folgt ein weiterer passabler Partytune, der erneut die Culcha-Fans aufhorchen läßt. Wie bereits angesprochen erinnern viele Songs von Kimoe sehr, sehr stark an den Stil bekannter Kollegen, so auch "Frischer Wind", das mit Gastsängerin Miss Flint genau den Sound des aktuellen Albums ("Ausser Kontrolle") von Mono & Nikitaman trifft. Leider geht es nicht durchgängig so gut weiter wie es angefangen hat. Einige Tracks haben saufette Beats, ("Keine Rose ohne Dornen", "Die Hoffnung stirbt zuletzt", "Viel zu tun") sind inhaltlich aber etwas unausgereift und sprechen ein Thema an, jedoch ohne so richtig in's Detail zu gehen oder auf den Punkt zu kommen. Frei interpretierbare Partyparolen also. Damit kann man auch garantiert nichts falsch machen aber Kultcharakter wird man so trotzdem nicht erreichen. Im Gegensatz zu Nosliw oder Mono & Nikitaman fehlt es stellenweise an einfallsreichen Metaphern und dem nötigen Hang zu rhetorischem Perfektionismus, um uns vollends zu begeistern. Doch Kimoe's Stärken liegen eben woanders. Er ist mehr der Partymusiker, der gut gelaunte Vibes und fette Beats mag und weniger auf aussergewöhnliche Inhalte setzt. Zum Schluss geht's dann aber wieder bergauf, in "Liebe ist..." wird es noch einmal gekonnt romantisch, "Genieße Tag für Tag" ist eine gute Carpe Diem Anregung und der Titeltrick "Highlights (Streben nach Glück)" setzt die Party fort, die der Opener bereits am Anfang in Gang gebracht hat.

Anspieltipps:
02. "Highlights" feat. DJ Chino
04. "Non Plus Ultra"
05. "Ein neuer Morgen" feat. Yah Meek
07. "Alarm"
18. "Highlights (Streben nach Glück)"
(Gesamtspielzeit: 18 Tracks, ca. 59 Minuten)

Fazit: Drei Jahre nach seiner Debut EP legt Kimoe nun den ersten Longplayer vor und das mit derbsten Hitpotential. Seinen eigenen Sound muß Kimoe zwar noch festigen und sich einige Abkupferungsvorwürfe gefallen lassen, doch dieses Album wird uns zweifelsohne den Sommer versüßen und Mr. Kim-o-e muß man definitiv im Auge behalten - da geht was, vor allem LIVE! (dr.öge)

Für Fans von: Culcha Candela, Silly Walks Movement, Sam Ragga Band, Nosliw, Mono & Nikitaman, Ganjaman