.Kleinstadthelden "Resignation und Aufstehen" (mossBeach / VÖ: 02. Mai 2008)

Stil: Deutsch-Rock, Emo, Indie
Format: CD

Die Kleinstadthelden sind eine Band, dessen Name zwei Dinge impliziert die sich in ihrer Musik auch tatsächlich wieder finden: Sie kommen aus der Kleinstadt und es sind Helden. Die 4 aus dem beschaulichen Osterholz-Scharmbeck bei Bremen stammenden Jungs haben in ihrer kurzen Karriere nämlich schon einiges erreicht. Simon Lam (Gitarre/Vocals), Felix Weidenhöfer (Gitarre/Piano/Vocals), Nils Freesemann (Bass) und Max Krämer (Drums) - alle erst Anfang 20 - sind raus aus dem Kleinstadtleben, direkt auf die Bühne. Als Support von Deutsch-Rock Größen wie Muff Potter, Schrottgrenze und Madsen aber sogar mit internationalen Größen wie Nena und New Model Army haben sie ihr 100. Konzert bereits im Januar 2008 über die Bühne gebracht. Ihr Erfolgsrezept ist weder neu noch selten, wohl aber effektiv: Man nehme solide Gitarrenriffs, mische sie mit einfachen aber erfrischend bewegten Drums und veredele das ganze mit einer Priese melancholischen Piano-Parts. Was nun noch fehlt ist eine Mischung aus kratzigem und verträumt emotionalen Gesang dessen zweistimmige Höhepunkte passende Akzente setzen. Heraus kommt Musik die schreit was ihre jungen Erschaffer gerade durchleben: Aufbruch!


Zur CD selbst:
Das Debut-Album der Band beeindruckt zu Anfang vor allem durch die Qualität. Mit Swen Meyer, der schon Kettcar und Tomte mischen durfte, und Michael Schwabe, der unter anderem schon für das Mastern einiger Werke von Wir sind Helden und den Beatsteaks verantwortlich war, waren Profis am Werk, die sich in Technik und Genre auskennen. Und das hört man! Schon der erste Song "Feuer" ist representativ für die ganze Platte, ein schön verzerrtes drum-lastiges Start-up heizt den Hörer an, eine kurze cleane Strophe erhöht die Spannung um während dem wiederum etwas härteren Refrain ein Portiönchen Energie herauszulassen. "Schritt ins Leben", der zweite Track, zeigt den gleichen Aufbau aber durchaus auch eine kleine Steigerung in der Bewegung. Bei Nummer drei "Schiff Ahoi" findet nun langsam der melancholische Aspekt Einzug, der beim Titelsong "Resignation und Aufstehen" seinen - für manchen vielleicht etwas verfrühten - Höhepunkt findet. Was diesen Song hervorhebt sind vor allem die erfrischenden Piano-Parts und der emotionale Text, in dem sich der ein oder andere junge Erwachsene vielleicht wieder erkennt. Ein Song der sich schon durch seine unerwarteten Keyboard-Parts am Anfang von den anderen abhebt ist "Reise". Das Lied ist rund, nicht zu hart, nicht zu weich. "Nehmt die Hände aus den Taschen, wie wollt ihr denn so rennen?". Vor allem Bridge und Refrain bleiben im Ohr und lösen in der Tat die Lust aus, etwas zu unternehmen, zu rennen, aufzubrechen. Die Nächsten vier Songs bieten in sofern Abwechslung als dass sich kratzige und melancholische Parts die Klinke in die Hand geben. Sie bringen das, was der Hörer erwartet - leider aber auch nicht mehr. Die Scheibe endet schließlich, wie es sich für den Stil gehört, mit einem ruhigen, teilweise akustischen Song. "Gucken was kommt" lässt die verschiedenen Stimmungen des Albums noch einmal Revue passieren und ist damit sowohl musikalisch als auch was den Text angeht ein ganz gutes Fazit des Albums. "Resignation und Aufstehen" ist das Halbjahreszeugnis einer jungen Band, die noch nicht ausgelernt hat, deren Potential einem aber sofort ins Ohr springt. Wenn sie weiter fleißig ihre Hausaufgaben machen, ist ihnen ein Platz zwischen den derzeitigen Größen des Deutsch-Rock durchaus sicher.

Anspieltipps:
04. "Resignation und Aufstehen"
05. "Reise"
09. "Was soll er denn tun?"
(Gesamtspielzeit: 10 Tracks, ca. 31:57 Minuten)

Fazit: Kleinstadthelden machen Musik für die eher jugendlichen Hörer, denen Juli zu langweilig und Madsen zu erwachsen sind. Eine leicht verdauliche Kombination aus jugendlicher Rebellion und der Einsicht des Erwachsenwerdens. Durchaus zu empfehlen! (GSM)

Für Fans von: Madsen, Revolverheld, Tomte, Muff Potter