.Kool Savas "Tot oder lebendig" (Subword / Sony BMG / VÖ: 02. November 2007)

Stil: Hip Hop
Format: CD

„Denn ihr habt lang genug gewartet, daß ein Album erscheint“ So die letzte Zeile des Intros auf „Tod oder Lebendig“. Und Recht hat er! Ganze fünf Jahre sind seit seinem ersten Soloalbum „Der beste Tag meines Lebens“ vergangen. Um so größer die Hysterie und die Erwartungshaltungen. Doch was erwartet man eigentlich vom neuem Savas-Album? Ein Wunder auf CD? Einen Grundstein für eine neue Hip Hop Ära?

Zur CD selbst:
Das Intro mit live Sample vom Splash 2007 knallt zu Beginn der Scheibe gleich richtig derbe aus den Boxen - gut so! Doch danach folgt leider schon die erste Flaute. "Orakel", an sich ein gut produzierter Track, in dem Savas auch klar zeigt, das er an Flow und Technik in den letzten Jahren gefeilt hat. Dennoch bleibt der Track vom Inhalt her unspektakulär und langweilt daher nach mehrmaligem Hören. Mit "On Top" kommt zwar ein „Kopfhoch“ Track mit seinem Partner Azad, der stark an den Stil von "All 4 One" erinnert, wirklich begeistern kann aber auch das nicht. Es fehlt das gewisse Etwas, das diesen Track besonders machen könnte. Schade, denn gerade das "One"-Album hat doch gezeigt, daß Savas und Azad ein grandioses Team sein können. Einzig mit "Mona Lisa" zeigt Savas deutlich, daß ihm in Sachen Rap keiner etwas vormachen kann. Der Track brilliert mit undurchsichtigem Reimschema und mutigen Tempiwechseln - ein absoluter Hammer! Dann aber folgt mit "Krank" schon wieder ein weiterer Absacker, von der Umsetzung her zwar gelungen, doch thematisch schon etliche Mal durchgekaut (z.B.: Azad "Krankfurt"). Über einige Strecken wird außerdem eine gewisse Zeigefingermentalität an den Tag gelegt, die in dieser Intensität zuweilen nervt. Ein dickes Lob muß aber für die von Mel beigesteuerten Beats ausgesprochen werden. Diese passen zum Savas-Style und harmonieren gut mit seiner Stimme.

Inhaltlich weckt "Tot oder lebendig" zumindest bei mir das Gefühl, als ob die Verse gerade mal so aus dem Bauch heraus geschrieben wurden, ohne die nötige Liebe zum Detail. Dabei sind die Ansätze der Platte mehr als gut, die Umsetzung lässt jedoch daran zweifeln, daß diese Platte zu einem Klassiker werden könnte. Daß Kool Savas rappen kann weiß er selber, daß er dabei nach wie vor einer der besten ist, wohl auch - und hier liegt möglicherweise das Problem begraben, weshalb viele enttäuscht auf das zweite Album blicken könnten. Zu wenig „LMS“ und zu viel „Bester Tag meines Lebens“. Es fehlt am nötigen Biß und Zynismus, in diesem Punkt hatten wir uns mehr erhofft. Doch was soll man noch von jemandem erwarten, der schon alles im deutschen Rapgame erreicht hat und sogar mit Eminem verglichen wird. Er ist an der Spitze und das ohne nennenswerte Gegner. Stagnation vorprogrammiert. Gute Musik aber nicht der erhoffte neue Meilenstein des Hip Hop.

Falls Ihr gerne selbst an Sounds tüftelt, epmfehlen wir Euch den Kool Savas Remix Battle: Ihr könnt Euren eigenen Tot oder Lebendig Remix erstellen. Der beste Remix wird vom King selbst ausgewählt und wird dann auf einer der nächsten Optik Records Singles veröffentlicht.
Ihr könnt Euren Remix bis zum 17.12.07 an folgende E-Mailadresse schicken: remixbattle.koolsavas@interactivearea.com Weitere Infos unter www.myspace.com/remixbattle

Anspieltipps:
05. "Essah" (feat. Moe Mitchell)
06. "Mona Lisa"
(Gesamtspielzeit: Songs, ca. Minuten)

Fazit: Rap neu erfinden kann auch Kool Savas nicht, brauch er aber auch nicht. Er, der in den letzten knapp 10 Jahren deutschen Rap mehr als aufgefrischt hat, steht längst über den Dingen und wird diese Kritik sicherlich nur mit einem müden Lächeln strafen. (Bo)