.Barbara Lahr "Undo Undo" (Phazz-a-delic / VÖ: 09. Februar 2007)

Stil: Singer / Songwriter
Format: CD

Barbara Lahr ist unkonventionell und das schon seit jeher. Sie hat schon Filme für Arte gemacht, war an Musikprojekten wie Guru Guru, Sanfte Liebe oder Janet The Planet beteiligt und machte Experimentalmusik mit dem NoToneOrchester. Ende der 80er sollte es dann steil nach oben gehen für Frau Lahr, sie gewann den Deutschen Rockpreis 1989 und wurde 1990 vom WDR mit dem Studiopreis ausgezeichnet. Mit ihrer ersten Solo-Single "Good Boy" und ihren Features auf dem De-Phazz Debut "Detunized Gravity" konnte sie 1997 ihre Popularität nochmals deutlich steigern und kümmerte sich fortan verstärkt um ihre Solokarriere. Ihr Debut "Lyrical Amusement" folgte 1998 gefolgt von "Rainbow Line" (2001) und ihrem nun vorliegenden, dritten Solo-Album "Undo Undo". Auch bei De-Phazz blieb Barbara natürlich weiterhin aktiv und ist nun auf dem, fast zeitgleich erschienen neuen Album "Days Of Twang" wieder als (Gast-)Sängerin zu hören.

Zur CD selbst: "Undo Undo" klingt überwiegend nachdenklich, etwas düster, fast geheimnisvoll (also genau so wie Frau Lahr auch auf dem Cover aussiehst). Das Hauptohrenmerk liegt das ganze Album über auf den Gesangskünsten von Barbara Lahr. Kein Wunder, denn ihre stimmlichen möglichkeiten sind wirklich überragend. Sie nutzt ihre Stimme wie ein Musikinstrument und ob hoch oder tief, sie trifft jeden Ton! Dabei wird sie meist nur von spärlich eingesetzten Musikinstrumenten, wie gezupfter Gitarre, Bass oder Drums unterstützt, die den Songs den gewissen Herzschlag geben. Apropos Herzschlag: "Breeze" bringt es auf nur etwa 50 beats per minuteund ist damit auf diesem Album keine Ausnahme, ganz im Gegenteil. Der schöne Gesang und die dezenten Trompetentöne im Background überzeugen aber trotzdem. Am gelungensten ist in meinen Ohren das melancholische "Last Goodbye", das vor allem wegen der schönen Lyrics auffällt ("stop all the clocks, cut off the telephone ... he was my north, my south, my east and west, my working wheel and my sunday rest") - Entschleunigung pur, die zum Träumen einlädt! Ebenfalls schön anzuhören ist das verträumte fast poetisch "Pretty Bird", in dem Barbara einmal mehr ihre überragenden Gesangskünste unter Beweis stellt. Inhaltlich geht auf "Undo Undo" sehr emotional zu und erzählt von Schlaflosigkeit, Trennungen, Sinnsuche und natürlich Liebe und (gescheiterten) Beziehungen. Typische Frauentehemen also, weshalb ich diese Scheibe auch meh der Damenwelt als der Herrenerschöpfung empfehle! Was diesem, fast a-capella-artigen Konzeptalbum jedoch ganz klar fehlt, sind ein oder zwei flottere Songs, die aus dem Rahmen fallen und für Auflockerung sorgen. Ansonsten geht das Konzept gut auf , wurde gut umgesetzt und auch durch das schöne Digipack noch unterstrichen, in dem sich kunstvoll fotografierte Stillleben und einige schöne Auszüge aus den Lyrics finden.

Anspieltipps:
03. "Last Goodbye"
06. "What Is Life"
12. "Sleepless"
(Gesamtspielzeit: 12 Songs, 57 Minuten)

Fazit: Was die Bewertung von "Undo Undo" angeht, bin ich hin- und hergerissen. Einerseits ist es schöne Musik mit einer atemberaubenden Sängerin, andererseits ist das Album sehr eindimensional und eignet sich daher nur für einsame, verträumte Tage oder romantische Stunden zu zweit. (Dr.Öge)