.Citizen Fish / Leftöver Crack "Deadline" (Fat Wreck / VÖ: 09. März 2007)


Stil:
Skapunk Gebräu
Format: CD (Split Album)

Vor knapp drei Jahren habe ich an dieser Stelle das „Fuck World Trade“ Album von Leftöver Crack (m.E. immer noch zu recht) als eines der besten Punkrockalben des Jahres 2004 bezeichnet und um den finalen Punkt vorwegzunehmen: Ich bin nicht glücklich über die seitdem von Leftöver Crack eingeschlagene Richtung ... aber der Reihe nach:
Nach längerer Pause und diversen internen Problemen (Drogen, Drummertod, etc.), Sologigs von Stza (dem Sänger von LOC) und einer ominösen Art Reunion der Crack Rock Steady 7 in Mexiko scheinen Leftover Crack wieder Fuß gefasst zu haben und wieder gemeinsame Gigs zu spielen. Scheinbar wurde die gemeinsame Zeit auch genutzt um ein paar neue Songs zu schreiben.

Zur CD selbst: Die LOC Hälfte der Split startet relativ lustig mit einem Gespräch zwischen Stza und Dave Dictor von den Millions of Dead Cops, in dessen Ende Stza die Umbenennung von Leftover Crack in Billions of Dead Cops verkündet und mit krachenden Beckenschlägen in den ersten echten Song, „Baby Punchers“ einsteigt. Dieser startet auch gleich gut durch und bietet das klassische Spektrum aus Skaanschlägen in der Strophe, einem flotten Refrain und kraftvollem Stza-Gekreische. Dazu kommt noch ein spoken-word Part (der übrigens in der 7“ Version aus dem letzten Spätherbst/Winter noch nicht drauf war) von Jello Biafra, dem Sänger der ruhmreichen Dead Kennedys und Labelchef von Alternative Tentacles, dem zwischenzeitlichen Heimlabel von Leftover Crack. Nur leider, und das ist das Traurige in Anbetracht des innovativen und abwechslungsreichen Vorgängeralbums, scheint es das schon mit den gesetzten Standards gewesen zu sein. Die restlichen Songs sind zwar anders aber am Ende doch alle recht ähnlich zu dem im ersten Song eingeschlagen Stil. Das gilt selbst für die beiden Covers am Ende der Split („The Supermarket Song“ von Citizen Fish und „Reason for Existence“ von den Subhumans). Um mich nicht falsch zu verstehen: Ja, natürlich haben die Songs keine schlechte Qualität, ja, natürlich blitzt der eine oder andere schicke Moment auf und ja, natürlich sind die Texte von Stza immer noch kontrovers gut. Doch so richtig will der Funke diesmal einfach nicht überspringen, was für sich genommen auch einfach als schade zu bezeichnen ist. Etwas zu Ska-lastig für meinen Geschmack. Neben dem für LOC Verhältnisse sehr monotonen Songwriting kommt eine in meinen Augen ziemlich eintönige (aber keineswegs billige) Produktion hinzu, so dass am Ende zwar keine Tränen, aber doch eine durch bittere Enttäuschung verursachte geballte Faust in der Hosentasche zurückbleibt, weil irgendwie nicht klar ist, warum Leftover Crack die für ihre Verhältnisse erste mittelmässige Veröffentlichung rausgebracht haben.

Achja, da war doch noch was: Es ist ja ein Split-Album und die erste Hälfte stammt von Citizen Fish. Die sind ein Neben- bzw. Nachfolgeprojekt der britischen Subhumans, die bis Mitte der 1980er Jahre britischen Punk gespielt haben (bzw. heute noch ab und zu Gigs spielen) und von denen man zumindest schon einmal etwas gehört haben sollte. Citizen Fish spielen dagegen Ska-Punk, wobei ich aber gestehen muss, diese Band nie wirklich bewusst wahrgenommen habe. Insoweit möge man mir verzeihen, wenn ich dieser Band in irgendeiner Weise unrecht tue. Obwohl ich zu Ska-Punk ein relativ gespaltenes Verhältnis habe, so muss ich doch sagen, dass mir der Teil von Citizen Fish wirklich gut, insgesamt sogar besser als der Leftover Crack Teil gefällt. Die (wohl auch durch jahrelange Routine begründete) Klasse von Citizen Fish wird zum Beispiel in den gut interpretierten Covern von Choking Victim („Money“) bzw. LOC („Clear Channel – Fuck Off!“) deutlich, die zeigen, wie man einem Cover seinen eigenen Stempel aufdrücken kann ohne die ursprüngliche Version zu leugnen.

Anspieltipps:
01. Citizen Fish "Working On The Inside"
02. Citizen Fish "Money"
09. Leftöver Crack "Baby-Punchers"
(Gesamtspielzeit: 15 Songs, ca. 40 Minuten)

Fazit: Was bleibt am Ende also? Addiert man 5/10 Punkten für LOC und 7/10 für Citizen Fish, teilt das ganze durch 2 (ist ja ne fair geteilte Split) dann macht das 6/10 Punkte und das dumpfe Gefühl, dass LOC die Luft auszugehen droht. Schade! (Bär)