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Stil: Skapunk Gebräu
Format: CD (Split Album)
Vor knapp
drei Jahren habe ich an dieser Stelle das „Fuck
World Trade“ Album von Leftöver
Crack (m.E. immer noch zu recht) als eines der besten Punkrockalben
des Jahres 2004 bezeichnet und um den finalen Punkt vorwegzunehmen: Ich
bin nicht glücklich über die seitdem von Leftöver Crack
eingeschlagene Richtung ... aber der Reihe nach:
Nach längerer Pause und diversen internen Problemen (Drogen, Drummertod,
etc.), Sologigs von Stza (dem Sänger von LOC) und einer ominösen
Art Reunion der Crack Rock Steady 7 in Mexiko scheinen Leftover Crack
wieder Fuß gefasst zu haben und wieder gemeinsame Gigs zu spielen.
Scheinbar wurde die gemeinsame Zeit auch genutzt um ein paar neue Songs
zu schreiben.
Zur CD selbst: Die LOC Hälfte der Split startet
relativ lustig mit einem Gespräch zwischen Stza und Dave Dictor von
den Millions of Dead Cops, in dessen Ende
Stza die Umbenennung von Leftover Crack in Billions of Dead Cops verkündet
und mit krachenden Beckenschlägen in den ersten echten Song, „Baby
Punchers“ einsteigt. Dieser startet auch gleich gut durch und
bietet das klassische Spektrum aus Skaanschlägen in der Strophe,
einem flotten Refrain und kraftvollem Stza-Gekreische. Dazu kommt noch
ein spoken-word Part (der übrigens in der 7“ Version aus dem
letzten Spätherbst/Winter noch nicht drauf war) von Jello Biafra,
dem Sänger der ruhmreichen Dead Kennedys
und Labelchef von Alternative
Tentacles, dem zwischenzeitlichen Heimlabel von Leftover Crack. Nur
leider, und das ist das Traurige in Anbetracht des innovativen und abwechslungsreichen
Vorgängeralbums, scheint es das schon mit den gesetzten Standards
gewesen zu sein. Die restlichen Songs sind zwar anders aber am Ende doch
alle recht ähnlich zu dem im ersten Song eingeschlagen Stil. Das
gilt selbst für die beiden Covers am Ende der Split („The
Supermarket Song“ von Citizen Fish und „Reason for
Existence“ von den Subhumans). Um mich nicht falsch zu verstehen:
Ja, natürlich haben die Songs keine schlechte Qualität, ja,
natürlich blitzt der eine oder andere schicke Moment auf und ja,
natürlich sind die Texte von Stza immer noch kontrovers gut. Doch
so richtig will der Funke diesmal einfach nicht überspringen, was
für sich genommen auch einfach als schade zu bezeichnen ist. Etwas
zu Ska-lastig für meinen Geschmack. Neben dem für LOC Verhältnisse
sehr monotonen Songwriting kommt eine in meinen Augen ziemlich eintönige
(aber keineswegs billige) Produktion hinzu, so dass am Ende zwar keine
Tränen, aber doch eine durch bittere Enttäuschung verursachte
geballte Faust in der Hosentasche zurückbleibt, weil irgendwie nicht
klar ist, warum Leftover Crack die für ihre Verhältnisse erste
mittelmässige Veröffentlichung rausgebracht haben.
Achja, da war doch noch was: Es ist ja ein Split-Album und die erste Hälfte
stammt von Citizen Fish. Die sind ein Neben-
bzw. Nachfolgeprojekt der britischen Subhumans,
die bis Mitte der 1980er Jahre britischen Punk gespielt haben (bzw. heute
noch ab und zu Gigs spielen) und von denen man zumindest schon einmal
etwas gehört haben sollte. Citizen Fish spielen dagegen Ska-Punk,
wobei ich aber gestehen muss, diese Band nie wirklich bewusst wahrgenommen
habe. Insoweit möge man mir verzeihen, wenn ich dieser Band in irgendeiner
Weise unrecht tue. Obwohl ich zu Ska-Punk ein relativ gespaltenes Verhältnis
habe, so muss ich doch sagen, dass mir der Teil von Citizen Fish wirklich
gut, insgesamt sogar besser als der Leftover Crack Teil gefällt.
Die (wohl auch durch jahrelange Routine begründete) Klasse von Citizen
Fish wird zum Beispiel in den gut interpretierten Covern von Choking
Victim („Money“) bzw. LOC („Clear
Channel – Fuck Off!“) deutlich, die zeigen, wie man einem
Cover seinen eigenen Stempel aufdrücken kann ohne die ursprüngliche
Version zu leugnen.
Anspieltipps:
01. Citizen Fish "Working On The Inside"
02. Citizen Fish "Money"
09. Leftöver Crack "Baby-Punchers"
(Gesamtspielzeit: 15 Songs, ca. 40 Minuten)
Fazit: Was bleibt
am Ende also? Addiert man 5/10 Punkten für LOC und 7/10 für
Citizen Fish, teilt das ganze durch 2 (ist ja ne fair geteilte Split)
dann macht das 6/10 Punkte und das dumpfe Gefühl, dass LOC die Luft
auszugehen droht. Schade! (Bär)

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