| .Matthew Herbert "Score" (!K7 / Rough Trade / vö: 23. März 2007) | |
Stil: Filmmusik / Instrumental Format: CD Es ist noch gar nicht so lange her, als wir draußen in der Sonne saßen und den wunderschönen, locker leichten Klängen von Matthews Herbert's letztem Album “Scale” gelauscht haben. Jetzt präsentiert uns der international agierende Elektro-Zauberer seinen neuesten Genie-Streich, der jedoch so wenig an sein letztes Meisterwerk anknüpft wie ein Homer Simpson, der keine Donots mehr isst… Zur CD selbst: Streng genommen ist das Songmaterial auf “Score” auch gar nichts wirklich neues, vielmehr präsentiert Herbert hierauf Musikstücke, die im Laufe seiner Nebenbeschäftigung als Filmmusikkomponist entstanden sind. Daher ist es auch nur logisch, dass die Stücke anders aufgebaut sind als Herberts experimentelle Elektro- oder House-Produktionen. Matthew Herberts Zusammenarbeit mit Artists der unterschiedlichsten Musikgenres hat ihn und sein musikalisches Verständnis stark geprägt und erweitert. Es scheint fast als habe er alle seine Erfahrungen wie ein Schwamm aufgesogen, damit er sie in seiner Filmmusik verwenden kann. „Score“ ist emotionales Musikkino, dessen Kompositionen den Hörer gedanklich in die verschiedensten Situationen versetzt: „Funeral“ erzeugt traurige Emotionen beim Zuhörer, kein Wunder, findet der Song seine ursprüngliche Verwendung im Film Vida Y Color (2005) in der Schlüsselszene, in der das Kind seinen Großvater beerdigen muss. „The Apartment“ aus dem Film Le Défi (von Blanca Li, 2002) ist ein retro-modernes Stück, das mit tänzelnden Klaviereinlagen Hinweise auf frühere Musicals gibt. „Singing In The Rain“ war seine erste Zusammenarbeit mit einer Big Band, die auch gleich gelungen ist, das Ergebnis ist ein schöner Retro-Remix des Klassikers, der ebenfalls in Le Défi für musikalische Untermalung sorgte. „Café De Flore“ erzeugt melancholische Stimmung und ruft in mir spontan das Bild einer jungen Frau hervor, die alleine durch die Straßen Paris’ spaziert und sich einsam fühlt. „Rendezvous“, das einzige Stück mit Vocals kommt im Film Set Boundaries (von Raphael Bonachela Dance Company, 2006) vor. Der Song hat seinen Ursprung in dem Gedicht Rendezvous With Death von Alan Seeger, für die Verwendung als Filmmusik ließ Herbert das Gedicht von einer Chorgruppe vortragen. Am Ende des Stücks „Tristesse“ ließ es sich Matthew Herbert nicht nehmen mit pompösen Hoch-Tief-Akkorden auf die legendäre Filmmusik von Der Weiße Hai anzuspielen. “Closing Theme” aus dem Film The Intended (von Kristian Levring, 2002) ist nicht nur der passende Song für einen typischen Filmabspann, er ist zugleich der ideale Abschluss für eine Werksschau wie diese, er gibt dem Hörer Hoffnung mit auf den Weg und versprüht Optimismus. Die meisten der überwiegend für kleine, europäische Independet-Produktionen komponierte Filmmelodien sind in Zusammenarbeit mit Arrangeur und Score-Schreiber Pete Wraight entstanden, mit dem Herbert bereits auf seinem Big-Band-Album zusammengearbeitet hat. Herbert der diese Beziehung auch gerne mit der zwischen Architekt und Maurer vergleicht, arbeitet gerne mit Wraight zusammen, da dieser ihm die Garantie gibt, nichts unerträglich Geschmackloses zu schreiben. Herbert ist der Gestalter und entwirft das große Ganze, Wraight der Umsetzer, der ein Stück auf das andere setzt. Herbert selbst sieht seine Nebenbeschäftigung mindestens genauso Ernst und seine Remixarbeiten für Künstler wie REM, Björk oder Roisin Murphy: „Vom künstlerischen Aspekt aus gesehen finde ich es wirklich armselig, dass ein Symphonieorchester aus dem 19. Jahrhundert als das einzig angemessene Medium für einen kommerziellen Film – egal welchen Genres - gesehen wird“, so Herbert. „Es ist vollkommen absurd, dass dieses Prinzip sogar auf einen Film wie Minority Report, der ausschließlich in der Zukunft spielt, oder bei Troja, der vor Tausenden von Jahren spielt, angewendet wird. Viel zu oft wird die Musik nicht in direkte Relation zum Film gesetzt.“ Auf der Rough Trade Website könnt ihr die E-Card zu „Score“ anschauen und verschicken, die noch einige Vorabinfos zum neuen Album Preis gibt. Anspieltipps: 06. “Café De Flore” 09. “Bull And Cloth” (Gesamtspielzeit: 17 Tracks, ca. 52 Minuten) Fazit: „Score“ ist emotionales Musikkino, dessen Kompositionen den Hörer gedanklich in Love Storys, Verfolgungsjagden oder Dramen versetzen. Eine in allem sehr interessante Werksschau, die jedoch leider bei den wenigsten öfters den Weg in den CD-Player finden wird… (NAC) |
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