.Mishka "One Tree" (Cornerstone / VÖ: 25. August 2006)

Stil: verträumter Reggae-Pop

Mishka ist der Bruder von Popsängerin Heather Nova. Beide haben einen bermudischen Vater und eine kanadischen Mutter. Die Eltern waren typische Aussteiger der 60er Jahre, die den Traum hatten, aus der Gesellschaft auszubrechen und ein Leben fernab der Zwänge der Zivilisation zu führen. Als Mishka drei Jahre alt war, gab der Vater seine Arbeit als Architekt auf, verkaufte das Haus und baute ein 12-Meter-Segelboot, mit dem die Familie zu einer Insel auf den Bermudas, irgendwo im Nirgendwo segelte, die sie gekauft hatten.
Die Familie verbrachte nun ihre Zeit teils auf der Insel und teils auf dem Boot, mit welchem sie durch die Karibik segelte. Die Kinder (Heather, Mishka und Susannah) wurden dabei von Privatlehrern unterrichtet und wuchsen sehr naturverbunden auf. Mishka ist außerdem sehr sportlich und begeisterter Windsurfer, er vertrat sogar schon die Bermudas bei den Weltmeisterschaften 1991 und1992. Im alter von 15 kehrte Mishka mit seiner Familie nach Canada zurück, doch schon mit 18 zog es Mishka wieder in die Karibik. Ein surfender Songwriter mit Hang zum Gitarrenpop? Das kenne wir doch irgendwoher ... richtig, Jack Johnson! Mit dem hat Mishka musikalisch auch einiges gemeinsam, nur dass es hier eben um Reggae geht.

In seinen Songs erwähnt der naturverbundene Mishka ebenso wie seine Schwester Heather Nova oft den Ozean und nutzt diesen gerne für Metaphern, kein Wunder, wenn man seine Kindheit auf einem Boot bzw. einer Insel verbracht hat. Als musikalische Einflüsse sind bei ihm sicherlich Bob Dylan, Bob Marley, Sam Cook, Ben Harper und ähnliche zu nennen, doch er selbst sagt, dass es für ihn auch ganz andere Einflüsse gibt, die ihn inspirieren Songs zu schreiben: "It might be a bird singing while you’re walking down the street or a breeze going past you. That could be what stuff makes you want to write a song. Life is bigger than just records and stuff.”

Zur CD selbst: Die grosse Stärke von Mishka ist ganz klar seine aussergewöhnliche Stimme, die, von harmonischen Melodien unterstützt auf diesem Album sehr gut zur Geltung kommt.
Der opener "one tree" ist ein schönes, langsames Reggae-Stück, das Toleranz predigt und uns daran erinnert, dass wir alle aus einem Holz geschitzt sind ("We are from Afrika, Europe and Asia, North and South America and Australia, from all the islands from all the sea, the roots and branches of one tree"). Musikalisch wie textlich sehr gelungen und der beste Song auf dem ganzen Album. Danach folgt mit "love and devotion" ein eingängiger Lovesong, der vor allem vom Refrain lebt und Ohrwurmcharakter hat. Anschließend beginnt "angels and devils" etwas düster und zeigt uns einen ganz anderen Mishka als bei den ersten beiden Songs. Dies ist eines der Stücke, das man einige male hören muss, bevor man es dann so richtig mag!
Ein wenig an den Stil von Bob Marley fühlt man sich bei "no need to worry" erinnert, das für meinen Geschmack aber einen Hauch zu langsam ist und mehr Spritzigkeit hätte vertragen können. Ebenso langsam aber gesanglich und textlich genial dröhnt "in a serious way" aus den Boxen. Mishka hat viel zu sagen und findet dafür immer die passenden Worte. Ein nachdenklicher aber sehr schöner Song!
Romantische Leichtigkeit versprüht das wunderbare "rock with me", lockert das Album merklich auf und sorgt für die nötige Abwechslung. Thematisch erinnert das stark an den Song "come rock with me" von der Sam Ragga Band auf ihrem kürzlich veröffentlichten Album "situations" erinnert. Daß Mishka hier abgekupfert hat scheint aber ausgeschlossen, mit großer Wahrscheinlichkeit hat er noch nie von der Hamburger Combo gehört.
Auch "sometimes the ones" ist ein typischer Mishka-Song, bei dem seine Stimme alles überragt und nur gaaanz dezent von Gitarre und Drums unterstützt wird. Was für eine Stimme! Die CD schließt mit "dust your blood dub", einem gelungenen, instrumentalen Dub, das an den Stil von Sly & Robbie erinnert.
Wer gerne musikalisch vor sich hin träumt und sich für stimmgewaltigen Reggae-Pop mit harmonischen Melodien begeistern kann, den wird dieses Album schnell begeistern und so schnell nicht mehr loslassen.

Anspieltipps:
01 "one tree"
05 "In a Serious Way"
06 "Rock With Me"
08 "Dust Your Blood Dub"
(Gesamtspielzeit: 8 Songs, ca. 34 Minuten)

Fazit: Genau wie seine Schwester, Heather Nova ist auch Mishka ein absolutes Gesangstalent, was er uns in acht sanften, verträumten Pop-Reggae Stücken eindrucksvoll beweist. Bis 25.August müsst ihr euch noch gedulden, dann könnt ihr euch den Meister der Spliff-am-Lagerfeuer-Stimmung nach Hause holen ... und das solltet ihr unbedingt tun! (Dr.Öge)

Für Fans von: Ben Harper, Jack Johnson, Bob Marley, Peter Tosh, Sam Ragga Band