.Moby "Last Night" (Mute / EMI / VÖ: 28. März 2008)

Stil: Dance, House, Elektro, Trip Hop
Format: CD

Moby ist natürlich ein ganz Großer, dies sei schon einmal vorweggenommen. Sein letztes, überaus erfolgreiches Album "Hotel" konnte die Ozelot Crew jedoch überhaupt nicht begeistern. Dieser selbstverliebte 80er-Trip von Richard Melville Hall aka Moby steht bei uns alles andere als hoch im Kurs und so hofften wir auf Wiedergutmachung und eine musikalische Rückkehr zu früheren Musikstilen und davon hat er ja genug durchprobiert. Tatsächlich ist das neue Werk "Last Night" den Erfolgsalben "18" und "Play" nicht unähnlich, bringt aber auch eine völlig neue Komponente, nämlich die Dance-Music der 90er mit in's Spiel. Auch Einflüsse aus Techno und Rave sind mit dabei, diese gewinnen aber glücklicherweise musikalisch in keinem Song die Oberhand. Wie der Titel schon vermuten läßt handelt es sich um ein Konzeptalbum, das sich Moby's Zeiten als DJ in den 90ern widmet und auch die Stile und Bands dieser Epoche aufgreift.

Zur CD selbst:
Konzeptalbum ist eigentlich ein böses Wort, denn meist bedeutet dies ein durchgeplantes und sehr kommerzielles vorgehen bei der Entstehung eines Longplayers.Iim Fall von "Last Night" ist dies aber so gut gelungen, daß man offen zugeben muß, dieses Konzept ist aufgegangen! Wie bei einer durchfeierten Nacht, startet der Abend mit einem musikalischen Aufwärmer und ein guter DJ verschießt beim ersten Track natürlich nicht sein ganzes Pulver, denn im Lauf des Abends muß man sich als Plattendreher natürlich noch deutlich steigern können. So bleibt der Opener "Ooh Yeah" ein Aufwärmer, der beim Publikum nur ein gut gelauntes Kopfnicken bewirken wird, nicht mehr und nicht weniger. Dabei kramt Moby auch gleich ein belibtes Stilmittel der 90er aus und zeigt uns, was ein ordentlicher Reprise ist.

Danach ist es Zeit die ersten Schritte auf der Tanzfläche zu wagen, denn "I Love To Move In Here" begeistert mit typischer Moby-Melodie, einem äußerst animierenden Beat und feinstem Rap von Grandmaster Caz (Rapper's Delight). Im Anschluß wird es für unseren Geschmack etwas zu housig. "257.zero" hat das Potential die Frankfurter Clubszene zu begeistern, wer diese houseverseuchte Landschaft kennt, wird das aber nicht als Komliment auffassen. Zudem klingt der Track gar nicht nach den 90ern sondern könnte auch aktuell sein und paßt somit nicht wirklich gut in's Konzept. Es sind Songs wie "Everyday It's 1989", die dieses Album zu etwas wirklich Besonderem machen: Der old-schoolige Beat erinnert sofort an Dance-Projekte der Neunziger und in diesem Fall konkret an Black Box. Der sirenenartige Gesang ähnelt Moby's früherer Single "Feeling So Real", man könnte fast meinen es sei die gleiche Sängerin. Nebenbei spielt Moby wieder mit den typischen Merkmalen der 90er, wie der abgehakten Wortwiederholung im Refrain, die Black Box mit ihrem Track "Ride On Time" damals populär machten. Ebenfalls ganz groß damals: Trip Hop! Doch auch das kann Moby und so könnte man fast meinen "Alice" sei ein neuer Output von Massive Attack oder Tricky. Ein genialer Trip Hop Track mit feinstem Downbeat und dem dazugehörigen, tiefstimmigen Rap (von 419 Crew und Aynzli). Wer mal wieder richtig Bock auf derben Trip Hop hat, sollte sich das neue Album von Portishead vormerken ("3" erscheint am 28.04.2008) oder sich ungehört die Scheibe "Laylow" von CirKus feat. Neneh Cherry einkaufen. Doch dies nur am Rande.

Zurück in die Zukunft der Neunziger und einem, der sich in dieser Zeit zu einem der bestbezahltesten DJs überhaupt mauserte - Fatboy Slim! Seinen Stil greift Moby in der gelungenen Dance-Hymne "The Stars" auf und mischt dies mit seiner eigenen musikalischen Vergangeheit. Das Ergebnis ist schlichtweg großartig! Zuvor bekommt man die aktuelle Singleauskopplung "Disco Lies" zu hören, deren Vocalhouse an das erfolgreiche Debutalbum "Resist" der deutschen Combo Kosheen ähnelt. Nach einer durchtanzten Nacht dürfen sich die müden Füße dann bei der Afterhour zu "Sweet Apocalypse" erholen.


Moby - "Disco Lies"

Alle Moby-Fans, die sich ausschließlich für den verträumten Elektro-Pop in der Schaffensperiode von "Play" und "18" begeitern können, dürfen ebenfalls aufatmen, für sie sind die Tracks "Live For Tomorrow" und "Hyenas" in jedem Fall ansprechend und zum Ende der CD gibt es noch einiges mehr von dieser verträumten Kost. Wieder zu Hause angekommen kann man sich dann nämlich am frühen Morgen auf dem Balkon den Sonnenaufgang ansehen und den harmonischen Klängen des schönen Instrumentals "Mothers Of The Night" lauschen, das eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Übersong "Porcelain" hat. Der Titeltrack "Last Night" wiegt Euch zum Schluß mit lieblicher Frauenstimme sanft in den Schlaf.

Anspieltipps:
02. "I Love To Move In Here"
04. "Everyday It's 1989"
10. "The Stars"
13. "Mothers Of The Night"
(Gesamtspielzeit: 14 Songs, ca. 62:30 Minuten)

Fazit: Moby hatte schon immer die Fähigkeit Melodien zu erschaffen, die ohne Umwege direkt in's Ohr gehen und davon macht er hier erneut meisterlich gebrauch. Herausgekommen ist ein phantatischer Mash-Up durch die Discostyles der 90er, Moby ist zurück und wird mit seinem neuen Album "Last Night" sowohl alte als auch neue Fans begeistern! (dr.öge)

Für Fans von: Kosheen, Fatboy Slim, Chemical Brothers, Tricky, Groove Armada,