.Morcheeba "Dive Deep" (Pias /RTD / VÖ: 08. Februar 2008)

Stil: Trip Hop / Downbeat
Format: CD

Morcheeba (Mor=more, Cheeba=Marihuana) waren nie wirklich eine Band im eigentlichen Sinne. Vielmehr muß man die beiden Brüder Paul und Ross Godfrey als zwei begnadete Musiker, Remixer und Producer sehen, ähnlich wie Rob Garza und Eric Hilton von der Thievery Corporation. Das Duo hat eine genaue Vorstellung von dem Sound, den sie machen möchten und dabei wollen sie sebst den Ton angeben und Regie führen. Alle anderen, vor allem die Vocalisten sind nur Gäste und haben sich den Vorstellungen des kongenialen Duos unter zu ordnen. Das mußte auch Skye Edwards bei Morcheeba feststellen, die nach 10 Jahren als Leadsängerin wegen Streitigkeiten die Band verlassen mußte. Viele Fans von Morcheeba hatten nun befürchtet, daß man ohne Skye nicht an die großartigen, bisherigen Releases wie "Charango" anknüpfen könnte, was sich jedoch als völlig unbegründet erwies. Denn mt Daisy Martey war schnell ein annähernd ebenbürtiger Ersatz gefunden. Mit Ihr als Sängerin entstand 2005 das großartige Album "The Antidote", das den Weggang von Skye schnell vergessen machte. Doch auch von Daisy Marty trennte man sich noch während der laufenden Tour zum Album.

Zur CD selbst:
Die Godfrey-Brüder entschieden sich daraufhin, keine permanente neue Sängerin anzuheuern und die Gesangsparts fortan ausschießlich mit Gastmusikern zu füllen. Mit der Fertigstellung des neuen Longplayers stellt sich dann plötzlich heraus, daß Paul und Ross bisher alles richtig gemacht haben, jetzt und auch damals, was sich auch auf die Trennung von Skye Edwards und Daisy Marty bezieht. Denn auf "Dive Deep" sind Paul und Ross ganz tief hinunter getaucht, zu den Anfängen von Morcheeba, damals, als sie noch Massive Attack nacheiferten. Das ist dem neuen Album auch wunderschön anzuhören. Weniger Pop, mehr Trip Hop, mehr Abwechslung und mehr Mut zum Experiment. Insgesamt ist das Album weniger homogen als seine Vorgänger, doch genau das, dieser Frische Wind und die ständige Abwechslung machen "Dive Deep" zu einem der besten Relases von Morcheeba. Hier ist jeder Track ein absolutes Unikat!

Gastvocalisten waren natürlich unverzichtbar, diese fanden sich großteils über das Internet und die Musikplattform MySpace.com und zum Teil durften sie auch am Songwriting mitwirken. Der Opener "Enjoy The Ride" ist auch gleichzeitig die erste Singleauskopplung und klingt noch stark nach Titeln, wie wir sie von den letzten Alben her kennen, nur eben mit Gastsängerin Judie Tzuke am Mic. Verträumt schöner Trip-Pop mit dezenten Gitarren im Hintergrund. Doch schon der nächste Track ist purer Trip Hop, außerdem mit einer Premiere, denn der Norweger Thomas Dybdahl steuert die ersten männlichen Vocals zu einem Morcheeba-Track bei. Das Ergebnis ist erstklassig und erinnert ein wenig an Tricky. Mit "Thumbnail" folgt ein facettenreiches Instrumental mit Blues-Samples und knarzigen Beats. Bei "Run Honey Run" fragt man sich erneut, warum männliche Vocals nicht schon immer zum Repertoire der Godfreys gehörten, bevor das harmonische "Gained The World" mit Sängerin Manda an alte Highlghts mit Skye Edwards erinnert. Danach läßt Rapper Cool Calm Pete in "One Love Karma" Erinnerungen an Massive Attack aufleben und macht dieses Stück zu einem der besten des Albums! Eine weitere Premiere sind die französischen Vocals, erneut gesungen von Judie Tzuke in "Au-Dela", aber mal ganz ehrlich, Franzmann-Lyrics ... das muß nicht sein! Diese Sprache wird seit jeher überschätzt, vor allem in der Musik. Im nachfolgenden "Blue Chair" stimmt uns Judie Tzuke allerdings sofort wieder versöhnlich. Zum Ende desl Albums dominiert der Downbeat und Thomas Dybdahl ist erneut in "Sleep On It" und "Washed Away" zu hören, smoother sound, laid back und stylish. Zwischen diesen beiden Stücken ist als vorletzter Track noch ein Highlight von einem Instrumental versteckt, denn "The Edge Beyond The Ledge" ist auch ohne Gastsänger ein Knüller geworden und damit einer der besten Tracks auf "Dive Deep".

Wer lieber Trip Hop als Pop hört, wird begeistert sein und sollte dieses Album blind einkaufen. Fans von Skye Edwards können dem neuen Album evtl. etwas weniger abgewinnen. Antesten muß aber eh sein ... so press play:


Morcheeba - "Enjoy The Ride"

Anspieltipps:
01. "Enjoy The Ride"
02. "Riverbed"
05. "Gained The World"
06. "One Love Karma"
10. "The Edge Beyond The Ledge"
(Gesamtspielzeit: 11 Songs, ca. 38 Minuten)

Fazit: Diese Scheibe ist wie exzellenter Weedjoint, von Anfang an gut im Geschmack, außerdem entspannend und inspirierend und obendrein vertreibt er die Migräne, die man von der ganzen Chartscheiße aus dem Radio bekommt. Die Nachwirkung hält lange an und ich muß Euch warnen: Hier besteht höchste Suchgefahr! (dr.öge)

Für Fans von: Massive Attack, Thievery Corporation, Tricky, CirKus, Groove Armada, Portishead, Terranova, usw.