.Naomi "Aquarium" (Mole Listening Pearls / Intergroove / VÖ: 27. Oktober 2006)




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Stil: Eingängiger Elektropop (als ob Air auf die Pet Shop Boys treffen würden)

Hinter dem Namen Naomi steht das Duo Bernd Lechler und Nico Tobias aus Berlin, die bereits mit ihren ersten beiden, stets im Elektro-Pop gehaltenen Alben für Furore, vor allem in England und Süddeutschland sorgten. Bernd und Nico spielten früher in befreundeten aber leider weniger erfolgreichen Bands, bevor sie beschlossen als Duo etwas ganz neues zu machen. Ihr Debüt "Everyone Loves You" erschien 2002 und der darauf enthaltene Song "Go" wird kurz danach für den bundesweit ausgetrahlten TV und Kinospot von Amnesty International (mit Franka Potente) ausgewählt. In der Zentrale von Amnesty International laufen schon bald die Telefone heiß, als immer mehr Anrufer nach dem Titelsong des Werbespots fragen.

Zeitgleich zu den Arbeiten am zweiten Album "Pappelallee", entsteht Nicos erster Roman, den er mit dem langjährigen Kölner Freund und Schreibpartner Thomas Mersch. Fast parallel dazu erscheint unter dem Pseudonym Tobias Königshausen (als Autorenduo mit Thomas Mersch) Nicos Roman „Treibsand. Eine Liebesgeschichte“ als eine der Top Veröffentlichungen bei Knaur Lemon. Es folgt ein gute Jahr für Naomi, denn Nico's Roman erntet ähnlichen Erfolg wie auch das neue Album "Pappelalle", das die Süddeutsche Zeitung als eine „perfekte Balance zwischen bittersüßen Harmonien und entspannten Rhythmen, wie man sie sonst nur von Air oder den Pet Shop Boys kennt“ bezeichnet. Der Kulturspiegel hingegen schwärmt vom „eleganten, verträumten, aber immer auch modernem Elektro-Pop“, der Rolling Stone vergibt vier Sterne, Grund genug also, sich das neue Juwel von Naomi etwas näher anzuschauen.

Zur CD selbst: In Naomi's "Aquarium" finden sich nicht etwa die üblichen Artgenossen wie Guppys, Neonsalmler, Skalare oder Welse, stattdessen haben Naomi über die letzten 2 Jahre 13 Ohrwürmer gezüchtet! Diese haben sie überwiegend mit dezenten, fast schon minimalistischen beats und poppigen, etwas nach Britpop klingenden Vocals gefüttert. Das Ergebnis ist poppiger Downbeat, der mehr als stilvoll mit einigen Synthies und durchgängig smoothen Vocals gepaart wurde. Selten habe ich eine CD in die Hände bekommen, die so schnell ins Ohr ging wie diese!

Manchmal kann ein einziger Loop, ein Gastsänger oder ein kleines Sample zuviel einen Song zugrunde richten, einfach weil im Song etwas zu hören ist, das nervt! Genau das ist auf "Aquarium" niemals der Fall. Hier wurde mit herrlichem Understatement und einer gehörigen Portion dezentem Style ein Album geschaffen, das den Einen begeistern und dem Anderen gefallen aber sicher nie und nimmer nerven wird!

Stilvoll - stylish - smooth! Das ganze Album erinnert unweigerlich an das musikalische Meisterwerk "Moon Safari" von der französischen Combo Air, nur daß bei Air eben weibliche Vocals die sanften Eletro-Sounds verschönern. Der erste Song "Personal Big Bang" erinnert vom Instrumental her zunächst an "Kelly Watch The Stars", entwickelt dann aber einen ganz eigenen Ohrwurm-Charakter. Noch sanfter und mit noch eingängigerer Melodie folgt "Gone", das mit den Synthesizer die Ohren streichelt und mit spärlichen Vocals, die diesmal sehr nach den Pet Shop Boys klingen, das Ende einer Beziehung bzw. einen neuen Lebensabschnitt ankündigen. Es folgt die grandiose, aktuelle Single-Auskopplung "Another Bite Of The Apple", die wieder mehr nach Air klingt, ohne deren Stil zu kopieren. Unglaublich schön und darüber hinaus ein weiteres Stück, das beim ersten Hören gleich vom Hocker oder besser von der Couch haut. Auch "Perfect Day In Hell" reiht sich mit seinem ironischen Lyrics ein, in die Reihe von sanften, loungigen Songs, die mit minimaler Beatgewand und wenigen, dezenten Loops auskommen. "Perfect Day In Hell" ist danach dann voerst der letzte dieser harmonischen Chillout-Tracks, denn mit "Anything Can Change" folgt dann ein zwar ähnliches aber diesmal wegen des schnelleren Beats tatsächlich tanzbares Stück. Elektropop mit leichten 80er Anleihen aber sehr geil! Von der Sorte haben Naomi mit "Needle On The Record" noch einen parat und da gehts mit Flat Beat und verzerrter Stimme dezent aber durchgehend nach vorne!

Neben den wundervoll eingängigen Melodien und den smoothen Vocals haben Naomi noch eine weitere Stärke: Im Gegensatz zu vielen Kollegen dieses Genres, kann man sich die Texte auch wirklich anhören und erkennt hier und da auch eine Geschichte oder zumnidest einen Interpretationsansatz. "How Many Loves" ist eines der besten Beispiele dafür, ebenso "Nothing", das ich mir auch gut als nächste Single-Auskopllung vorstellen könnte, denn es ist ein Hammer-Track! Leicht melancholisch, sehr schöner Gesang, guter Text, Drums und Gitarre im Hintergrund, einfach wunderbar. Zum Ende der Platte wird es dann mit Stücken wie "Just A Habbit", "All I Need" und "Here" sehr chillout-lastig aber eben immer mit Stil. Lediglich das einzige reine Instrumental, "Sorry Mister Please" ist völlig unspannend.

Abschliessend bleibt aber festzuhalten, daß diese beiden, noch ziemlich unbekannten Berliner hier ein fett stylishes Album hingelegt haben, daß jede Lounge-, Chillout- und Elektro-Pop-Sammlung optisch (geiles Cover / siehe oben), wie musikalisch deutlich aufwertet!

Anspieltipps:
01 "Personal Big Bang"
02 "Gone"
03 "Another Bite Of The Apple"
06 "Anything Can Change"
07 "Nothing"
08 "Needle On The Record"
(Gesamtspielzeit: 13 Songs, ca. 47 Minuten)

Abgemischt wurde "Aquarium" übrigens von Patrik Majer („Echo 2006“ als bester deutscher Produzent, u.a. von Wir sind Helden) und Peter Schmidt (Blumfeld, Rosenstolz).

Fazit: "Aquarium" ist eine CD die sofort in's Ohr geht und die man rauf unter runter hören kann wie seiner Zeit die "Moon Safari" von Air. Grandioser Elektro-Pop zwischen Synthie, Lounge und Chillout. (Dr.Öge)

Für Fans von: Air, Sneaker Pimps, Pet Shop Boys, Coldplay, Radiohead