Die beiden französischen Freunde Nicolas Sfintescu
und Ezechiel Pailhes haben versteckt hinter
ihrem Künstlernamen Nôze
schon in vielen Clubs und auf zahlreichen Festivals für wahnwitzige,
ja sogar skurille Live-Auftritte gesorgt, bei denen ihr Publikum schon
mal mit offenem Mund da stand und nach Worten suchte. Kein Wunder, unbeholfene
Oben-Ohne-Striptease hinter dem DJ-Pult, Umarmungen im Vollrausch und
seltsame Typen, deren Gesang sich eher wie Gejammere anhört, erlebt
man ja auch nicht allzu oft. Nicolas Sfintescu
und Ezechiel Pailhes sind eben einfach zwei
schräge Vögel, die ihre Musik miteinander verbindet und die
beide noch dazu ganz offiziell miteinander verwandt sind (Ezechiel
ist mit der Schwester von Nicolas verheiratet).
Zur CD selbst: Nach ihren bisher veröffentlichten Alben
"Craft Sounds And Voices" (2005) und "How
To Dance" (2006) folgt mit "Songs On The Rocks"
das mittlerweile dritte Album des freakigen Duos. Allein der Titel lässt
darauf schließen, dass Alkohol im Entstehungsprozess eine entscheidende
Rolle gespielt haben muss. Und so erinnert der erste Track "L'Inconnu
Du Placard" vom Gesang her auch sogleich an einen Morgen nach
zu viel Drinks und Zigaretten, so rauchig dröhnt einem die exorbitante
Stimme entgegen. Mit "Danse Acec Moi" folgt als Kontrast
eine zuckersüße mit Streichinstrumenten untermalte französische
Pop-Ballade, der Dani Siciliano und David
Lafore ihre lieblichen Stimmen geliehen haben. Darauf folgt mit
der Polka-Nummer "You Have To Dance" eine klare Aufforderung
in Richtung Dancefloor, die mich persönlich an die östereichische
Skaband Russkaja erinnert. Bei "Childhood
Blues" gibt Nicolas alles, was
sein Gesangsrepertoire her gibt, er legt seine knarzige Stimme
auf und gibt dem düsteren, durch Gitarrenakkorde und verzerrte Blasinstrumente,
geprägtem Song den gewissen Hauch Exzentrik, bevor "Little
Bug" Erinnerungen an Shantel's Bucovina Club weckt. Der minimalistische
Song "Slum Girl" könnte auch als Soundtrack-Musik
funktionieren, doch die Gesangsarrangements von Nicolas lassen darin zwischenzeitlich
Zweifel aufkommen. Die reduzierte Technonummer "Ethiopa"
zählt leider zum schwächsten Song des Albums, den man auch gerne
hätte weglassen können. Zum Glück folgt mit Nôze's
letztjährigen Club-Hit "Remember Love" eines der
Album-Highlights, so dass man ihnen die kurzeitige
Durststrecke schnell verzeihen kann. "Remember Love" weiß
mit einem eingägigem Beat, zarten Pianomelodien und Technobeats gepaart
mit Chicago-House-Ansätzen sowie klaren Vocals ganz klar zu begeistern.
Nôze "Remember Love"
Den krönenden
Abschluss eines großartigen dritten Albums macht die Neuinterpretation
von "Kichen", dem auf "Songs On The
Rocks" einfach mal das Pop-Kostüm angezogen wird.
"Kitchen" der auf Nôze's
zweitem Album "How To Dance" noch als verrückte
Technonummer mit knarzigem Gebrabbel-Gesang aus den Boxen schallte, erklingt
nun als besinnliche Klavierballade. So hören sich die Worte "I'll
Make You Cum All Night Long" auch gleich viel romantischer an...
Wieder einmal verlässt mit "Songs On The Rocks"
ein musikalisches Meisterwerk die Berliner Erfolgsschmiede Get
Physical. Mit ihrem dritten Album präsentieren Nôze
die ganze Bandbreite ihrer musikalischen Vielseitigkeit, die weder vor
Genregrenzen noch vor Gesangsbarrikaden halt macht und sich damit von
der Masse an Produktionen, die sich "Electro" nennen deutlich
abhebt.
Anspieltipps:
01. "L'Inconnu Du Placard"
02. "Danse Acec Moi"
03. "Little Bug"
04. "Childhood Blues"
05. "You Have To Dance"
08. "Remember Love"
09. "Kitchen"
(Gesamtspielzeit: 9 Songs, ca. XX Minuten)
Fazit: Ein in allem
super gelungenens Electro-Pop-Album der beiden französischen Fantasievögel,
das seinen Techno-Background nie komplett vernachlässigt und gleichzeitig
viel Platz für Neues lässt. (nac)