.Nôze "Songs On The Rocks" (Get Physical / RTD / VÖ: 25. April 2008)


Stil: Club / Electro / Pop / Techno
Format: CD

Die beiden französischen Freunde Nicolas Sfintescu und Ezechiel Pailhes haben versteckt hinter ihrem Künstlernamen Nôze schon in vielen Clubs und auf zahlreichen Festivals für wahnwitzige, ja sogar skurille Live-Auftritte gesorgt, bei denen ihr Publikum schon mal mit offenem Mund da stand und nach Worten suchte. Kein Wunder, unbeholfene Oben-Ohne-Striptease hinter dem DJ-Pult, Umarmungen im Vollrausch und seltsame Typen, deren Gesang sich eher wie Gejammere anhört, erlebt man ja auch nicht allzu oft. Nicolas Sfintescu und Ezechiel Pailhes sind eben einfach zwei schräge Vögel, die ihre Musik miteinander verbindet und die beide noch dazu ganz offiziell miteinander verwandt sind (Ezechiel ist mit der Schwester von Nicolas verheiratet).

Zur CD selbst:
Nach ihren bisher veröffentlichten Alben "Craft Sounds And Voices" (2005) und "How To Dance" (2006) folgt mit "Songs On The Rocks" das mittlerweile dritte Album des freakigen Duos. Allein der Titel lässt darauf schließen, dass Alkohol im Entstehungsprozess eine entscheidende Rolle gespielt haben muss. Und so erinnert der erste Track "L'Inconnu Du Placard" vom Gesang her auch sogleich an einen Morgen nach zu viel Drinks und Zigaretten, so rauchig dröhnt einem die exorbitante Stimme entgegen. Mit "Danse Acec Moi" folgt als Kontrast eine zuckersüße mit Streichinstrumenten untermalte französische Pop-Ballade, der Dani Siciliano und David Lafore ihre lieblichen Stimmen geliehen haben. Darauf folgt mit der Polka-Nummer "You Have To Dance" eine klare Aufforderung in Richtung Dancefloor, die mich persönlich an die östereichische Skaband Russkaja erinnert. Bei "Childhood Blues" gibt Nicolas alles, was sein Gesangsrepertoire her gibt, er legt seine knarzige
Stimme auf und gibt dem düsteren, durch Gitarrenakkorde und verzerrte Blasinstrumente, geprägtem Song den gewissen Hauch Exzentrik, bevor "Little Bug" Erinnerungen an Shantel's Bucovina Club weckt. Der minimalistische Song "Slum Girl" könnte auch als Soundtrack-Musik funktionieren, doch die Gesangsarrangements von Nicolas lassen darin zwischenzeitlich Zweifel aufkommen. Die reduzierte Technonummer "Ethiopa" zählt leider zum schwächsten Song des Albums, den man auch gerne hätte weglassen können. Zum Glück folgt mit Nôze's letztjährigen Club-Hit "Remember Love" eines der Album-Highlights, so dass man ihnen die kurzeitige Durststrecke schnell verzeihen kann. "Remember Love" weiß mit einem eingägigem Beat, zarten Pianomelodien und Technobeats gepaart mit Chicago-House-Ansätzen sowie klaren Vocals ganz klar zu begeistern.


Nôze "Remember Love"

Den krönenden Abschluss eines großartigen dritten Albums macht die Neuinterpretation von "Kichen", dem auf "Songs On The Rocks" einfach mal das Pop-Kostüm angezogen wird. "Kitchen" der auf Nôze's zweitem Album "How To Dance" noch als verrückte Technonummer mit knarzigem Gebrabbel-Gesang aus den Boxen schallte, erklingt nun als besinnliche Klavierballade. So hören sich die Worte "I'll Make You Cum All Night Long" auch gleich viel romantischer an...

Wieder einmal verlässt mit "Songs On The Rocks" ein musikalisches Meisterwerk die Berliner Erfolgsschmiede Get Physical. Mit ihrem dritten Album präsentieren Nôze die ganze Bandbreite ihrer musikalischen Vielseitigkeit, die weder vor Genregrenzen noch vor Gesangsbarrikaden halt macht und sich damit von der Masse an Produktionen, die sich "Electro" nennen deutlich abhebt.

Anspieltipps:
01. "L'Inconnu Du Placard"
02. "Danse Acec Moi"
03. "Little Bug"
04. "Childhood Blues"
05. "You Have To Dance"

08. "Remember Love"
09. "Kitchen"
(Gesamtspielzeit: 9 Songs, ca. XX Minuten)

Fazit: Ein in allem super gelungenens Electro-Pop-Album der beiden französischen Fantasievögel, das seinen Techno-Background nie komplett vernachlässigt und gleichzeitig viel Platz für Neues lässt. (nac)