.Placebo - "meds" (Virgin / VÖ: 10. März 2006)


Nach dem furiosen Erfolg ihres letzten Albums "sleeping with ghosts" war es ein Jahr lang still um die drei Engländer Brian Molko (Vocals & Guitar), Stefan Olsdal (Bass), Steve Hewitt (drums) von Placebo.
Nun steht das neue Album "meds" in den Startlöchern, das, so kann man vorwegnehmen, mit Sicherheit im Mainstream wieder einschlagen wird wie eine Bombe und den ein oder anderen Song werden wir bald in den Charts wiederfinden.

Musikalisch hat "meds" jedoch nicht viel mit dem Vorgänger gemein,
statt mit krachender Gitarren wie in "Bulletproof Cupid" geht es eher wieder im Stil von "pure morning" und "the bitter end" zu. Ausserdem zieht sich auch eine gewisse melancholische Grundstimmung durch das Album, die, je nach Song, mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt ist.

Der Opener "meds" ist sogleich der Titeltrack und erinnert für wenige Sekunden an den Mega-Hit "every you every me". Brian Molko ist im Duett mit VV von der Band The Kills ein geniales Stück gelungen, das sofort ins Ohr geht.
Die nachfolgenden Songs "infra-red", "drag" und "space monkey" brauchen eine Weile um den Höhrer zu erreichen, nach mehrmaligem anhören gefallen sie aber mehr und mehr und zeigen ihren ganzen character. Das ist es, was die Genialität dieses Longplayers ausmacht: jeder Song hat seinen ganz eigenen Charakter. Machne Stücker gehen direkt ins Ohr, andere brauchen eine Weile, doch kein einziger Song nervt oder langweilt beim durchhören.
Bei "follow the cops back home" war ich schon beim ersten Hören schwer beeindruckt vom harmonisch leichten Zusammenspiel zwischen Drums und Gitarre. So ziemlich das softeste Stück auf dem Album aber sehr gelungen obwohl der Refrain gnadenlos überstrapaziert wurde, wie auch bei vielen anderen Tracks auf "meds", doch es funktioniert trotzdem. Das darauf folgende "post blue" ist ebenfalls genial gut, geht schnell ins Ohr und erinnert von der Struktur her sehr an "pure morning".
Ein solides Stück ohne große Überraschungen ist "i want you", das von der treibenden Gitarre lebt und einer der wenigen Momente auf "meds" ist, der stilistisch an Stücke auf "sleeping with ghosts" angelehnt ist.
"pierrot the clown" ist etwas sehr slow geraten, wird aber durch die unverwechselbare Stimme von Brian Molko gerettet. Apropos Stimme: beim bittersüssen "broken promise" wurde Brian Molko gesanglich von R.E.M.'s Michael Stipe unterstützt, was zu einem weiteren guten Song geführt hat.

Wenn man an "meds" nach Kritikpunkten sucht, fallen lediglich die oftmals überstrapazierten Refrains auf, die eventuell dafür sorgen werden, dass der ein oder andere Song am Anfang gut gefällt aber dann auch wieder früh totgehört ist. Auch für das Cover hätte ich mir ein schöneres Motiv gewünscht aber das ist Nebensache. Sonst gibt es an dieser Platte, vor allem musikalisch nichts auszusetzten. Placebo haben sich nicht neu erfunden - ganz im gegenteil, musikalisch klingt "meds" eher nach älteren Werken. Ein Album das die Fans nicht überraschen aber trotzdem begeistern wird.

Anspieltipps:
01 "meds" feat. VV of the Kills
05 "follow the cops back home"
06 "post blue"
10 "broken promise" feat. Michael Stipe of R.E.M.
(Gesamtspielzeit: 13 Songs, ca.49 Minuten)

Fazit: Es ist eine große Kunst, ein Album zu machen, das gut und abwechslungsreich genug ist, um es genussvoll von Anfang bis Ende zu hören. Dieses Kunststück ist Placebo erneut gelungen. Wunderbarer, melancholischer Sound zwischen Rock und Britpop. Musikalische Medizin für's ganze Volk! (dr.öge)