.Promoe - "White Man's Burden" (Burning Heart / VÖ: 25. September 2006)


Promoe ist ein schwedischer MC, der den meisten vermutlich besser als Frontmann der HipHop-Combo Looptroop bekannt sein dürfte. Auf seinen bisherigen beiden Soloalben "Government Music" (2001) und "The Long Distance Runner" (2004) präsentierte uns Promoe einen ganz eigenen Stilmix aus HipHop mit Reggae- und Dub-Einflüssen, wie man ihn bisher nicht kannte. Diesen Stil hat er auf seinem neuen Album "White Man's Burden" noch weiterentwickelt und verfeinert und mit einigen hochkarätigen Gastmusikern einen Longplayer geschaffen, der sich über Länder- und Genregrenzen hinwegsetzt und an Vielseitigkeit kaum zu überbieten ist.

Der Facettenreichtum von "White Man's Burden" kommt aber nicht von ungefähr: Als Produzenten waren nämlich Embee, Large, Jimmy Ledrac, Loffe und Promoe selbst beteiligt, da erstaunt es doch gewaltig, dass es diesem Longplayer nicht an Homogenität fehlt und auch der sprichwörtliche Rote Faden ist musikalisch wie thematisch absolut vorhanden!

In den letzten drei Jahren hat Promoe einige hundert Live-Gigs, solo und mit Looptroop fast überall auf der Welt (Japan, Australien, USA, Europa) gespielt und so fiel es ihm anscheinend nicht schwer, dies auch für seine neue Platte zu tun, um Kollaborationen Nosliw, Leeroy, Capleton, Assasin, Daville und Kardinal Offishall zu ermöglichen.

Zur CD selbst: Der erste Song "UP!" ist ein geiles Intro für diese Platte, da er textlich viel über Promoe selbst, seine politische Einstellung und seinen Background verrät und den Hörer genau richtig auf die folgenden Stücke einstimmt. Wie fast alle Songs auf diesem Album ist der Beat auf "UP!" HipHop-lastig, während Gesang und Lyrics vollkommen Reggae sind ("..burn it up - babylon and sing along with the lyrics, one life, one love to give - I'm gonna give it on..")

Das nächste Highlight ist das mit Capleton zusammen entstandene Riddim-Meisterwerk "Songs Of Joy", dass man längst aus den Charts kennen und lieben sollte. Nicht nur der Song, der die Freude am Musik machen und den musikalischen Werdegang von Promoe thematisiert, ist erstklassig, auch das Video zu "Songs Of Joy" sollte man unbedingt gesehen haben - sehr geil dat dingen! Wer bei diesen Klängen ruhig sitzen kann sollte mal schleunigst überprüfen ob das Herz noch (für Musik) schlägt ...

Mit "Headache" hat der Schwede mit dem Monsterbart schon die nächste potentielle Hitsingle in den Startlöchern. Diese sehr vocal-lastige Nummer glänzt vor allem mit einem sehr intensiven, unter die Haut gehenden Gesangs-Sample von Julie Driscoll, die in irgendwann in den 60ern ihre große Zeit hatte. Ihre wunderschöne, weibliche Stimme hat mich spontan an DJ Shadow's "six days" erinnert, welches ebenfalls diesen unvergleichlichen Charme der sixties versprüht.

Im Titeltrack "White Man's Burden" (heisst übersetzt "Die Bürde bzw. Last des weissen Mannes") setzt sich Promoe mit der Geschichte und der Vorherrschaft der Weissen auseinander, die immer schon alles kolonialisieren oder zivilisieren wollen, damals wie heute. Herausgekommen ist ein Song mit einem guten Thema und Promoe hat in diesem Reggae-Rap viel zu erzählen. Schon beim letzten Album von Looptroop wollte Promoe diesen Titel verwenden, was bei den anderen Bandmitgliedern jedoch auf wenig Zustimmung stieß und daher "Fort Europa" getauft wurde.

Ausserdem erwähnenswert sind noch "In The Morning (feat. Daville)", das langsamen Rap und souligen Gesang kombiniert. Leeroy hat dem Stück "Eurotrash" den Sound der Saian Supa Crew aufgestempelt und dann begibt sich noch der deutsche Nosliw in "Identity Crisis" auf Indentitätssuche ("Ich musste ständig leben mit dem kleinen Unterschied dunkel zu sein in einer weissen Bundesrepublik"). Man sieht also, nicht nur musikalisch, auch sprachlich gibt sich dieser Longplayer vielseitig, denn die Lyrics sind in amerikanischem und jamaikanischem Englisch, Deutsch und Französisch gehalten.

Lasst uns gemeinsam hoffen, dass Promoe mit der Tour zu diesem Album auch irgendwann zu uns kommt, denn bisher finden sich auf Promoe's Website nur Tourdates in Schweden. Für November 2006 sind jedoch weitere Konzerte in Europa angekündigt.

Promoe & Capleton im Studio Anspieltipps:
01 ""Up!"
03 "Songs Of Joy"
04 "White Man's Burden"
05 "In The Morning (feat. Daville)"
06 "Headache"
11 "Identity Crisis (feat. Nosliw)
(Gesamtspielzeit: 12 Songs, ca. 50 Minuten)

Zuletzt hatte das neue Album von Masta Killa ("Made In Brooklyn") bei uns für Begeisterungsstürme gesorgt. Bei Masta Killa wusste man allerdings, was man zu erwarten hatte und wurde auch nicht enttäuscht. Bei Promoe hingegen weiss man nie, wie der nächste Song überhaupt klingen wird, doch man wird jedes mal positiv überrascht und stellt (spätestens) nach mehrmaligem Hören fest: "Mann, ist das fett ... !"

Fazit: Auf einzigartige Weise ist dem Looptroop-Frontmann Promoe eine Fusion aus HipHop, Reggae und Dub gelungen, wie man sie so noch nie gehört hat. Doch nicht nur der genreübergreifende Stil, auch die zahlreichen Gastmusiker und Produzenten, die vielsagenden Texte und die geilen Samples machen "White Man's Burden" zu dem was es ist - einem Meilenstein des HipHop! (Dr.Öge)