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Promoe ist ein schwedischer MC, der den meisten vermutlich besser als
Frontmann der HipHop-Combo Looptroop
bekannt sein dürfte. Auf seinen bisherigen beiden Soloalben "Government
Music" (2001) und "The Long Distance
Runner" (2004) präsentierte uns Promoe einen ganz
eigenen Stilmix aus HipHop mit Reggae- und Dub-Einflüssen, wie man
ihn bisher nicht kannte. Diesen Stil hat er auf seinem neuen Album "White
Man's Burden" noch weiterentwickelt und verfeinert
und mit einigen hochkarätigen Gastmusikern einen Longplayer geschaffen,
der sich über Länder- und Genregrenzen hinwegsetzt und an Vielseitigkeit
kaum zu überbieten ist.
Der Facettenreichtum von "White Man's Burden" kommt
aber nicht von ungefähr: Als Produzenten waren nämlich Embee,
Large, Jimmy Ledrac, Loffe und Promoe selbst beteiligt, da erstaunt es
doch gewaltig, dass es diesem Longplayer nicht an Homogenität fehlt
und auch der sprichwörtliche Rote Faden ist musikalisch wie thematisch
absolut vorhanden!
In den letzten drei Jahren hat Promoe einige hundert Live-Gigs, solo und
mit Looptroop fast überall auf der Welt (Japan, Australien, USA,
Europa) gespielt und so fiel es ihm anscheinend nicht schwer, dies auch
für seine neue Platte zu tun, um Kollaborationen Nosliw,
Leeroy, Capleton,
Assasin, Daville
und Kardinal Offishall zu ermöglichen.
Zur CD selbst: Der erste Song "UP!"
ist ein geiles Intro für diese Platte, da er textlich viel über
Promoe selbst, seine politische Einstellung und seinen Background verrät
und den Hörer genau richtig auf die folgenden Stücke einstimmt.
Wie fast alle Songs auf diesem Album ist der Beat auf "UP!"
HipHop-lastig, während Gesang und Lyrics vollkommen Reggae sind ("..burn
it up - babylon and sing along with the lyrics, one life, one love to
give - I'm gonna give it on..")
Das nächste Highlight ist das mit Capleton
zusammen entstandene Riddim-Meisterwerk "Songs Of Joy",
dass man längst aus den Charts kennen und lieben sollte. Nicht nur
der Song, der die Freude am Musik machen und den musikalischen Werdegang
von Promoe thematisiert, ist erstklassig, auch das Video
zu "Songs Of Joy" sollte man unbedingt
gesehen haben - sehr geil dat dingen! Wer bei diesen Klängen ruhig
sitzen kann sollte mal schleunigst überprüfen ob das Herz noch
(für Musik) schlägt ...
Mit "Headache" hat der Schwede mit
dem Monsterbart schon die nächste potentielle Hitsingle in den Startlöchern.
Diese sehr vocal-lastige Nummer glänzt vor allem mit einem sehr intensiven,
unter die Haut gehenden Gesangs-Sample von Julie Driscoll, die in irgendwann
in den 60ern ihre große Zeit hatte. Ihre wunderschöne, weibliche
Stimme hat mich spontan an DJ Shadow's "six
days" erinnert, welches ebenfalls diesen unvergleichlichen
Charme der sixties versprüht.
Im Titeltrack "White Man's Burden"
(heisst übersetzt "Die Bürde bzw. Last des weissen Mannes")
setzt sich Promoe mit der Geschichte und der Vorherrschaft der Weissen
auseinander, die immer schon alles kolonialisieren oder zivilisieren wollen,
damals wie heute. Herausgekommen ist ein Song mit einem guten Thema und
Promoe hat in diesem Reggae-Rap viel zu erzählen. Schon beim letzten
Album von Looptroop wollte Promoe diesen Titel verwenden, was bei den
anderen Bandmitgliedern jedoch auf wenig Zustimmung stieß und daher
"Fort Europa" getauft wurde.
Ausserdem erwähnenswert sind noch "In The Morning (feat.
Daville)", das langsamen Rap und souligen Gesang kombiniert.
Leeroy hat dem Stück "Eurotrash" den Sound der
Saian Supa Crew aufgestempelt und dann begibt
sich noch der deutsche Nosliw in "Identity Crisis"
auf Indentitätssuche ("Ich musste ständig leben mit
dem kleinen Unterschied dunkel zu sein in einer weissen Bundesrepublik").
Man sieht also, nicht nur musikalisch, auch sprachlich gibt sich dieser
Longplayer vielseitig, denn die Lyrics sind in amerikanischem und jamaikanischem
Englisch, Deutsch und Französisch gehalten.
Lasst uns gemeinsam hoffen, dass Promoe mit der Tour zu diesem Album auch
irgendwann zu uns kommt, denn bisher finden sich auf Promoe's
Website nur Tourdates in Schweden. Für November 2006
sind jedoch weitere Konzerte in Europa angekündigt.
Anspieltipps:
01 ""Up!"
03 "Songs Of Joy"
04 "White Man's Burden"
05 "In The Morning (feat. Daville)"
06 "Headache"
11 "Identity Crisis (feat. Nosliw)
(Gesamtspielzeit: 12 Songs, ca. 50 Minuten)
Zuletzt hatte das neue Album von Masta Killa ("Made
In Brooklyn") bei uns für Begeisterungsstürme gesorgt.
Bei Masta Killa wusste man allerdings, was man zu erwarten hatte und wurde
auch nicht enttäuscht. Bei Promoe hingegen weiss man nie, wie der
nächste Song überhaupt klingen wird, doch man wird jedes mal
positiv überrascht und stellt (spätestens) nach mehrmaligem
Hören fest: "Mann, ist das fett ... !"
Fazit: Auf einzigartige
Weise ist dem Looptroop-Frontmann Promoe eine Fusion aus HipHop, Reggae
und Dub gelungen, wie man sie so noch nie gehört hat. Doch nicht
nur der genreübergreifende Stil, auch die zahlreichen Gastmusiker
und Produzenten, die vielsagenden Texte und die geilen Samples machen
"White Man's Burden" zu dem was es ist - einem Meilenstein
des HipHop! (Dr.Öge)

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