.Sportfreunde Stiller "you have to win zweikampf" (Universal / VÖ: 19. Mai 2006)

Tatsächlich gibt es viele Leute in meinem Freundeskreis welche die Sportfreunde nicht mögen, aber ich gestehe ich bin Fan und als solcher evtl. nicht wirklich prädestiniert neutral über dieses Album zu schreiben. Aber ich werde mein Bestes geben um objektiv zu bleiben.

Die Sportfreunde bringen hier ein komplettes Fußball-Konzeptalbum heraus, ob sie damit jetzt die Ersten oder Einzigen in diesem Jahr waren/sein werden weiß ich nicht. Was gegen eine solche Aktion spricht ist definitiv die Tatsache dass dieses Album im WM-Jahr erscheint und so als Geld scheffeln abgetan werden könnte. Was aber ganz klar gegen die Geld scheffeln – Idee spricht ist der fehlende Goleo Aufkleber und die Musik die sich positiv von allen anderen musikalischen WM-Machenschaften abhebt.

Die meisten der Lieder hätten sich außerdem auch schon auf einem der anderen Alben der Sportfreunde wieder finden können, deswegen finde ich die Aktion mit dem Konzeptalbum eigentlich ganz sympathisch. Außerdem sind die Jungs wie man ja seit „so wie einst Real Madrid“ (1. Sportfreunde Album) weiß bekennende Fußballfans und bringen immer wieder Songs zum runden Leder auf ihren Alben unter.

Textlich geht es wie sie oft bei den Sportfreunden sehr nah am Leben zu und es ist für mich immer wieder erstaunlich wie gut die Jungs es schaffen, nur durch ihre (meist nicht sehr tiefgründigen) Texte, Stimmungen rüberzubringen.

Die Single „’54,’74,’90,2006“ könnte für viele der WM-Song werden, allein die Refrainzeilen „…Mit dem Herzen in der Hand und der Leidenschaft im Bein
Werden wir Weltmeister sein…“
geben einem die Hoffnung auf eine evtl. Weltmeisterschaft. “Die Frisur von Björn Borg“ zeigt auch dass die Jungs sich nicht zu Ernst nehmen, wie sonst könnte man sich folgende Textzeilen erklären:

„…Ich hab’ die Beine vom Briegel
und die Arme vom Pfaff
hab’ den Geist von Günther Netzer
habe Mut und auch Kraft
hab’ das Gesicht von Hansi Müller
bin kokett und auch schön
doch da ist was das mich besorgt:
Ich hab’ die Frisur von Björn Borg…“

Das Fußball nicht alles ist und man (auch als Elternteil) das Spiel ruhig und problemlos auch scheiße finden kann bzw. darf und man sich als Kind selbst für einen Sport entscheiden sollte zeigt der Song „mag Tischtennis!“:

“…Mag doch einfach Tischtennis, mein Kind,
schau wie gut Chinesen darin sind…“

Insgesamt wirkt das Album wie es sich gehört sehr schön abwechslungsreich poppig, rockig und zum mitsingen, auch Streicher mischen sich hier und da mal in die Songs.
Teilweise könnte man meinen Mr. Hansen aka. Beck hätte mit arrangiert.

Anspieltipps:
03 "’54,’74,’90,2006" (damit das Ding mit der Weltmeisterschaft auch wirklich klappt)
08 "Dem Fritz sein Wetter"
10 "Mag Tischtennis!"
11 "All die Schlachten, die wir schlagen"
(Gesamtspielzeit: 11 Songs, ca.38 Minuten)

Fazit: Ein kurzes und gewohnt gutes Sportfreunde Album, dass wenn es nicht ein Fußball-Album wäre sicher noch mehr Käufer finden würde.
Damit dürfte der Fußballhunger der Nation auf eine Weise gestillt werden mit der sogar ich mich anfreunden kann und außerdem arbeiten die Jungs ja am nächsten (normalen) Album und man hat was worauf man sich freuen kann…außer der Weltmeisterschaft!-)

Bonus: Auf der Maxi von ’54,’74,’90,2006 findet sich ein weiterer Song zum Thema Fußball nämlich "Kutzop" sowie das Video zum Titel-Song. Bei itunes kann man sich außerdem eine unplugged-Version (rote Erde) des Songs downloaden. (MC)