.terranova - peace is tough (!K7 / 15.september 2003)




reinhören
  


man schreibe das jahr 2003, wo man auch hin hört, überall auf der welt regiert gewalt. wenn man den fernseher anschaltet, überwiegen schlechte nachrichten. bomben-anschläge in asien, attentat in schweden, geiselnahme in frankreich,… grund genug für terranova mit „peace is tough“ ein musikalisches statement zum unfriedlichen welt im herbst 2003 abzulieferen.

die geschichte und der erfolg von terranova ist vor allem mit einem mann verbunden, dem berliner fetisch, der mitte der 1980er jahre nach new york ging, um den großen hiphop boom mitzuerleben und dessen traum sich erfüllte… schon bald legte fetisch in new york’s größten clubs auf und begann eigene tracks zu produzieren.
so traf er in london schließlich auf die stereo mc’s, für die er einige songs produzierte und durch die er auf, die mittlerweile zur terranova-familie gehörende sängerin cath coffey aufmerksam wurde.
ein festes band line up gibt es bei terranova nicht, es liegt nicht im interesse von mastermind fetisch, seiner meinung nach kann jeder dazu kommen und etwa kreatives beisteuern. wahrscheinlich lässt sich hiermit auch die vielseitigkeit terranovas erklären. back in berlin lernte fetisch ende der 1980er jahre marco meister (hat klassisches klavier gelernt) und den dj sowie graffiti-künstler kaos kennen, mit denen er zwei durchaus kreative künstler für gemeinsame sessions gefunden hatte. unter turntable terranova brachten sie auf compost und all good vinyl ihre ersten 12 inches veröffentlichungen raus, die vor allem in der englischen triphop-szene den nötigen respekt ernteten! mitte der 1990er jahre stellten die drei schließlich die berliner club-szene mit ihren dj-sets aus einem mix feinster urban beats auf den kopf.
1998 setzten sie den ersten meilenstein ihrer karriere, sie bereicherten die bekannte dj-kicks reihe (u.a. künstler wie rocker’s hi-fi, dj cam) des berliner !K7 labels mit einem weiteren dj-mix der extra klasse. geradezu grazil verknüpften sie triphop mit hiphop elementen. zudem fanden sie bei !K7 ein festes zuhause, wo sie ihre musikalischen vorlieben ausleben können.
den zweiten meilenstein legten sie im darauf folgenden jahr, 1999 veröffentlichten terranova ihr eigentliches debüt-album „close the door“, ein erstklassiges album das in die tiefen als auch finsteren klangwelten des downbeat sounds (oder auch trip hop) eintaucht, den man bis dahin (fast) nur aus bristol kannte.
nach drei jähriger album-pause und rastlosem auflegen in den clubs der welt, folgte 2003 das album „hitchhiking non-stop with no particular destination“, auf dem terranova als elektronische punk-rocker wiederkehren und es im vergleich zum sehr melodischen vorgänger ordentlich krachen lassen.

knapp ein jahr später rocken fetisch und crew auf ihrem dritten album mit fünf neuen und sechs abgeänderten versionen in eher harter manier weiter. als gastsängerinnen sind auf „peace is tough“ diesmal cathy coffey (stereo mc’s), ari-up (ex-slits-mitglied) sowie jewel mit dabei.
zwar beginnt alles mit dem traurig sanften song „peace is tough“, doch wie wir alle wissen, nichts ist wie es scheint, denn schon beim nächsten track „rythm without a pause“ geht es wie der titel schon sagt ganz gut zur sache, aus freundlich einladenden dub-klängen werden harte, knarrende beats. bei den songs „addict“ und „get it on“ sollten alle, die nicht auf furchtbares, nervtötendes bass-gewummer stehen besser die vorwärts-taste betätigen.
mit dem stück „when in rome…“ trifft man auf einen flüchtigen bekannten, erst bei genauerem hinhören wird bewusst, das es sich bei diesem rockig dröhnenden stück einst um „sublime“ handelte. „99%“ ist wie schon track drei und vier ein club-song, jedoch aufgrund seiner funkigen beats ganz nett und gefahrlos anzuhören. mit „kiss“ schlagen terranova nun wieder neue, verzerrte wege ein.
mit „rockmongril“ haben die berliner einen ganz eigenen track geschaffen, hiphop trifft auf dancehall und wird von ROCK begleitet, hammer. „walk with me“ stellt mit seinen gespenstig wirkenden klängen und der bezauberten stimme von ___ ein weiteres highlight als auch eine der wenigen verschnauf-pausen dar.
running away“ zählt auch mehr zu den neuversionen, minimale beats treffen erst gegen ende auf ein wenig gesang, ansonsten nichts spanndendes, wird leider schnell langweilig.
der letzte song „voodoo beach party“ passt gut ans ende und lässt die eben durchgehörte irrfahrt terranova typisch ausklingen.

anspieltipps:
01 no peace
08 rockmonogril
09 walk with me
(gesamtspielzeit: 12 tracks, 53 minuten)

fazit: terranova kehren als elektro-punk-rocker in die clubs zurück und lassen es auf eher harte manier krachen. wahren sie früher noch dem melodischen trip- bzw. hip-hop zugewand, besinnen sie sich jetzt auf elektro trash. wer sich auf terranovas drittem album songs wie „chase the blues“ oder "bombing bastards" erhofft, sollte mal lieber nicht zu viel erwarten … für freunde von elektronischem club-sound eher zu emfehlen.     (nc)