.Terrorgruppe – "Fischertechnik" (Destiny bzw. Aggropop / vö: 27.oktober 2004)
.Terrorgruppe – "Schöne Scheisse"
  (Destiny bzw. Aggropop / vö: 25.oktober 2004)

Stil: Aggropop (aka teenagerkompatibler Punkpop)

Nachdem die Terrorgruppe 2003 mit dem Aggropop Now! Sampler (der im Übrigen SEHR unterhaltsam war) ihr 10-jähriges gebührend gefeiert hat, veröffentlicht sie nun im Jahre 11 neben zwei Re-Releases eine neue Single („Fischertechnik“) und eine zweites Single- und B-Seiten Album mit dem klangvollem Namen „Schöne Scheisse“. Die Berliner Kombo, die nun seit 1993 ihr poppiges Unwesen treibt, beschreitet dabei gewohnte Wege: Johnny Bottrop (Gitarre, Vocals, Batschkapp), Archi (Vocals, Gitarre), Slash Vicious (Bass, Vocals) und Startmaschine West (Drums, Vocals) packen auf der neuen Single 3,5 neue Songs, die sich durchaus mit ihrem bisherigen Output messen lassen können.

„Fischertechnik“ eröffnet die gleichnamige Single (praktischer Weise befindet sich dieser Track auch auf „Schöne Scheisse“). Dabei findet man u.a. einen „echten Außerirdischen“ bei den Vocals, der mit schönen Elektro-Samples den Song aufbessert. Das „Metzger-Lied (Sonntag Morgen 2004)“ ist ein schöner Ska-Song, der inhaltlich fortführt, was Archi nach dem aufwachen in „Sonntag Morgen“ widerfahren ist. Zusätzlich gibt es hierbei eine zarte Kritik am deutschen Gesundheitssystem zu hören. „Anklage gegen Gott“, der dritte Track auf der Single, stellt tiefgreifend philosophische Fragen auf, wie man es bereits von einigen „Kassierer“-Tracks kennt („Gott hat einen IQ von 5 Milliarden“). Musikalisch geht es hier dem Kontext entsprechend eher lässig zur Sache. Als letzten Track gibt es noch ein „Angela“-Instrumental, bei dem der beste Texter als Preis einen Tag im Terrorgruppe Studio gewinnen kann. Wenn das mal nichts ist!
Insgesamt gibt es also solide Kost der Berliner auf „normalem“ Terrorgruppe-Niveau (was das für einen selbst bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen. Wie man halt zur Terrorgruppe steht.) Ich finde es durchaus ansprechend. Allerdings sollte einem klar sein, dass hier nicht durchgehend gerockt wird. Wer das Ding haben will, sollte sich beeilen: Nur 1000 Stück gibt’s von dem Ding (da ich eins in meinen Händen halte also nur noch 999). Produziert wurde das ganze wie immer von Andi Jung.

Anspieltips
(Single):
01. Fischertechnik

(gesamtspielzeit: 4 songs, ca.13 minuten)

„Schöne Scheisse“
hätte man auch genauso gut „Nonstop Aggropop 2“ nennen können, denn prinzipiell handelt es sich hier genau um das gleiche:
Ein Sammelsurium von allen möglichen Singles, B-Seiten und Comp-Tracks. Während der erste Teil bis 1997 ging, fängt der zweite folgerrichtig 1998 an und bietet ganze 26 Tracks zum Besten. Darunter sind neben den offiziellen Singles auch viele rare B-Seiten. So ist die komplette „Mommy“-EP hier zu finden, der Track „Love Machine“, den ich vom „Punk-Chartbusters 4“ Sampler kenne, ist drauf, dann noch „All Comic Heroes are fascist Pigs“ vom „Fast Music for fast People“-Sampler und noch gaaaaaanz viel mehr. Allerdings ist hier auch nicht alles zu finden, so sind z.B. „Tanz im Krüppelheim“ und „Hey Pfarrer“ soweit ich weiß bisher auch nur als B-Seiten erschienen (auf der Tresenlied EP), allerdings hier auf der Platte nicht zu finden.
Man würde allerdings der Terrorgruppe unrecht tun, wenn man sich jetzt an solchen Kleinigkeiten aufhängen würde. Ich persönlich finde es immer toll, wenn Bands irgendwann den ganzen B-Seiten Kram auf eine Platte packen, damit der gemeine Fan nicht dauernd Kohle für irgendwelche Singles ausgeben muss.
Die Tracks auf diesem Ding sind auch insgesamt recht passabel. Sehr gut gefallen mir der Opener („Nicht mein Land“), „Stay away from the good Guys“ (sollte hinreichend bekannt sein), „Politikerlied“ (guter Text!), und „Allein gegen alle“ (sollte auch von der Live-Platte bekannt sein). Aussetzer sind rar gesät, aber Nummern wie „Bananenrepublik“ (der Reggae-Nummer, die am Anfang zwar witzig kommt, aber später nur nervt), „Dee, Dee“ (das mir noch nie gefallen hat) hinken dem Rest ein wenig hinterher.
Was gibt es also für das Geld? 77 Minuten soliden „Aggropop“, der weder enttäuschen noch sonderlich überraschen kann, was aber okay ist für ne B-Seiten und Single-Sammlung. (Es sei denn, Rancid würde mal eine B-Seiten Sammlung offiziell rausbringen, die würde der Überhammer werden, aber das ist jetzt meine rein persönliche Meinung).

Als Bonus gibt es (und das ist wohl das herausragende bei diesem Release) einen echten Schundroman!!! Im besten Bahnhofskioskschnulzen-Layout findet sich darin die Geschichte die wohl von einer Terrorgruppen-Reportage handelt, was aber nur ein Vorwand für Knaller-Passagen wie die Folgende ist: „Nun aber weiß Herr Franzen, wie Rex ihn zufrieden stellt. Honig! Sein Schwanz ragt steif und fest von seinem Unterleib ab. Und Rex leckt wie immer das Ding. Ab und zu gibt Herr Franzen mit einem Löffel neuen Honig auf seinen Ständer. Um Rex williger zu machen, rührt er etwas Whiskey in den Honig. Rex kann davon gar nicht genug bekommen und leckt oft sogar noch das Sperma auf, das er dem kleinen Dackel über oder in sein Schnäuzchen spritzt.“
Weiterhin findet man in diesem Buch noch einen Hinweis auf die Herkunft der Songs und ein paar Liner-Notes. Insgesamt also ein mehr als passables Paket, das die Terrorgruppe hier vorlegt.

Anspieltips (Schöne Scheisse):
01. Nicht mein Land
05. Stay away from the good Guys
09. Politikerlied
(gesamtspielzeit: 26 songs, ca. 77 minuten)

Fazit: Zwei ansprechende Releases der Terrorgruppe, wobei mir das „Schöne Scheisse“-Album qualitativ höherwertig erscheint. Gerade das Buch sollte ein Anreiz sein, sich das Ding zu holen, denn gedownloadete „E-Books“ sind im wahrsten Sinne des Wortes „schöne Scheisse“. (bär)