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Stil: Aggropop (aka teenagerkompatibler Punkpop) Nachdem
die Terrorgruppe 2003 mit dem Aggropop Now! Sampler (der im Übrigen
SEHR unterhaltsam war) ihr 10-jähriges gebührend gefeiert hat,
veröffentlicht sie nun im Jahre 11 neben zwei Re-Releases eine neue
Single („Fischertechnik“) und eine zweites Single-
und B-Seiten Album mit dem klangvollem Namen „Schöne Scheisse“.
Die Berliner Kombo, die nun seit 1993 ihr poppiges Unwesen treibt, beschreitet
dabei gewohnte Wege: Johnny Bottrop (Gitarre, Vocals, Batschkapp), Archi
(Vocals, Gitarre), Slash Vicious (Bass, Vocals) und Startmaschine West
(Drums, Vocals) packen auf der neuen Single 3,5 neue Songs, die sich durchaus
mit ihrem bisherigen Output messen lassen können.
„Fischertechnik“
eröffnet die gleichnamige Single (praktischer Weise befindet sich
dieser Track auch auf „Schöne Scheisse“). Dabei
findet man u.a. einen „echten Außerirdischen“ bei den
Vocals, der mit schönen Elektro-Samples den Song aufbessert. Das
„Metzger-Lied (Sonntag Morgen 2004)“ ist ein schöner
Ska-Song, der inhaltlich fortführt, was Archi nach dem aufwachen
in „Sonntag Morgen“ widerfahren ist. Zusätzlich
gibt es hierbei eine zarte Kritik am deutschen Gesundheitssystem zu hören.
„Anklage gegen Gott“, der dritte Track auf der Single,
stellt tiefgreifend philosophische Fragen auf, wie man es bereits von
einigen „Kassierer“-Tracks kennt („Gott
hat einen IQ von 5 Milliarden“). Musikalisch geht es hier dem
Kontext entsprechend eher lässig zur Sache. Als letzten Track gibt
es noch ein „Angela“-Instrumental, bei dem der beste
Texter als Preis einen Tag im Terrorgruppe Studio gewinnen kann. Wenn
das mal nichts ist!
Insgesamt gibt es also solide Kost der Berliner auf „normalem“
Terrorgruppe-Niveau (was das für einen selbst bedeutet, kann sich
jeder selbst ausmalen. Wie man halt zur Terrorgruppe steht.) Ich finde
es durchaus ansprechend. Allerdings sollte einem klar sein, dass hier
nicht durchgehend gerockt wird. Wer das Ding haben will, sollte sich beeilen:
Nur 1000 Stück gibt’s von dem Ding (da ich eins in meinen Händen
halte also nur noch 999). Produziert wurde das ganze wie immer von Andi
Jung.
Anspieltips (Single):
01. Fischertechnik
(gesamtspielzeit: 4 songs, ca.13 minuten)
„Schöne Scheisse“ hätte man auch genauso
gut „Nonstop Aggropop 2“ nennen können, denn prinzipiell
handelt es sich hier genau um das gleiche:
Ein Sammelsurium von allen möglichen Singles, B-Seiten und Comp-Tracks.
Während der erste Teil bis 1997 ging, fängt der zweite folgerrichtig
1998 an und bietet ganze 26 Tracks zum Besten. Darunter sind neben den
offiziellen Singles auch viele rare B-Seiten. So ist die komplette „Mommy“-EP
hier zu finden, der Track „Love Machine“, den ich
vom „Punk-Chartbusters 4“ Sampler kenne, ist drauf,
dann noch „All Comic Heroes are fascist Pigs“ vom
„Fast Music for fast People“-Sampler und noch gaaaaaanz
viel mehr. Allerdings ist hier auch nicht alles zu finden, so sind z.B.
„Tanz im Krüppelheim“ und „Hey Pfarrer“
soweit ich weiß bisher auch nur als B-Seiten erschienen (auf der
Tresenlied EP), allerdings hier auf der Platte nicht zu finden.
Man würde allerdings der Terrorgruppe unrecht tun, wenn man sich
jetzt an solchen Kleinigkeiten aufhängen würde. Ich persönlich
finde es immer toll, wenn Bands irgendwann den ganzen B-Seiten Kram auf
eine Platte packen, damit der gemeine Fan nicht dauernd Kohle für
irgendwelche Singles ausgeben muss.
Die Tracks auf diesem Ding sind auch insgesamt recht passabel. Sehr gut
gefallen mir der Opener („Nicht mein Land“), „Stay
away from the good Guys“ (sollte hinreichend bekannt sein),
„Politikerlied“ (guter Text!), und „Allein
gegen alle“ (sollte auch von der Live-Platte bekannt sein).
Aussetzer sind rar gesät, aber Nummern wie „Bananenrepublik“
(der Reggae-Nummer, die am Anfang zwar witzig kommt, aber später
nur nervt), „Dee, Dee“ (das mir noch nie gefallen
hat) hinken dem Rest ein wenig hinterher.
Was gibt es also für das Geld? 77 Minuten soliden „Aggropop“,
der weder enttäuschen noch sonderlich überraschen kann, was
aber okay ist für ne B-Seiten und Single-Sammlung. (Es sei denn,
Rancid würde mal eine B-Seiten Sammlung offiziell rausbringen, die
würde der Überhammer werden, aber das ist jetzt meine rein persönliche
Meinung).
Als Bonus gibt es (und das ist wohl
das herausragende bei diesem Release) einen echten Schundroman!!! Im besten
Bahnhofskioskschnulzen-Layout findet sich darin die Geschichte die wohl
von einer Terrorgruppen-Reportage handelt, was aber nur ein Vorwand für
Knaller-Passagen wie die Folgende ist: „Nun aber weiß
Herr Franzen, wie Rex ihn zufrieden stellt. Honig! Sein Schwanz ragt steif
und fest von seinem Unterleib ab. Und Rex leckt wie immer das Ding. Ab
und zu gibt Herr Franzen mit einem Löffel neuen Honig auf seinen
Ständer. Um Rex williger zu machen, rührt er etwas Whiskey in
den Honig. Rex kann davon gar nicht genug bekommen und leckt oft sogar
noch das Sperma auf, das er dem kleinen Dackel über oder in sein
Schnäuzchen spritzt.“
Weiterhin findet man in diesem Buch noch einen Hinweis auf die Herkunft
der Songs und ein paar Liner-Notes. Insgesamt also ein mehr als passables
Paket, das die Terrorgruppe hier vorlegt.
Anspieltips
(Schöne Scheisse):
01. Nicht mein Land
05. Stay away from the good Guys
09. Politikerlied
(gesamtspielzeit: 26 songs, ca. 77 minuten)
Fazit:
Zwei ansprechende Releases der Terrorgruppe, wobei mir das „Schöne
Scheisse“-Album qualitativ höherwertig erscheint. Gerade das
Buch sollte ein Anreiz sein, sich das Ding zu holen, denn gedownloadete
„E-Books“ sind im wahrsten Sinne des Wortes „schöne
Scheisse“. (bär)
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