Stil: Indie-Rock Format: CD (auch als Vinyl LP erhältlich)
Dieses schön geschnürte Rockpacket aus London hat es definitiv
in sich, nur die Beschriftung ist etwas verwirrend. Der Titel "Letters
From The Frontline" suggeriert Krieg, Verzweiflung
und Verderben und wäre wohl eher für eine Politpunkband wie
Anti-Flag
geeignet gewesen. Die Songs auf diesem Album berichten nämlich fast
ausschließlich von der Beziehungsfront und deren Höhen und
Tiefen. Das klingt doch schon interessanter und zwischenmenschliche Beziehungen
sind ja schließlich auch das meistbesungene Thema der Musikgeschichte.
Zwar droht man hier gerade als Indie-Rocker schnell in der Masse zu versinken,
doch The Rocks haben das
musikalische Potential und den richtigen Bandnamen um die Zahl ihrer Anhänger
in Kürze zu vervielfachen, daran besteht kein Zweifel.
Zur CD selbst: Dass The Rocks richtig vorwärts rocken können
versteht sich bei diesem Namen absolut von selbst, doch leider tun sie
dies nicht durchgängig bei allen 13 Tracks. Das Album ist irgendwie
zweigeteilt. Zum einen gibt es abwechslungsreichen Indie-Rock mit viel
Pop-Attitude und sehr schönen Melodien, zum anderen dreckigen, kernigen
Alternative-Rock, der ins Ohr geht und mitreisst. Da wäre zunächst
der etwas unspektakuläre Titeltrack "Letters From
The Frontline", den ich persönlich vom Opener
zum Closer gemacht hätte. Dieser fällt in die Kategorie der
soften und weniger spektakulären Songs. Mit "Tearjerker",
"On The Roof" und "Out
Of The Blue" finden sich weitere solcher Songs auf
der CD, eigentlich alle schön anzuhören aber irgendwie fehlt
hier das Besondere, das Dich packt und mitnimmt. Auch die Ballade "Time
To Leave" ist überaus soft für eine Band
mit dem Namen The Rocks und wegen des Klaviers und des hohen Gesangs könnte
man fast denken der Song sei von den Boomtown Rats.
Doch zum Glück hat die Band auch eine andere Seite, die energiegeladenen
Garage-Rock in fantastischen Songs wie "The Game Is Up"
oder "Screamers" hervorbringt und
in denen vom harmonisch-melodischen Gesang zu freakigem Screamo mit Retrotouch
gewechselt wird, ähnlich dem Garage-Rock der 70er und 80er. Das sehr
gelungene "Kickin The Teeth" entwickelt
sich stellenweise zu einem echten Punkrock-Kracher und "Night
Of The Long Knives" klingt dreckiger als das Bahnhofsklo
in Bombay aussieht. Wenn Frontmann James Taylor
dann im letzten Track auch noch zum Tanzen in die Lesbenbar geht ("Was
Dancing In The Lesbian Bar"), erreicht das Album ganz
klar seinen Höhepunkt und will sofort noch einmal gehört werden.
The Rocks - "Live @ Koko"
Anspieltipps:
02. "The Game Is Up"
03. "Screamers"
07. "Kickin The Teeth"
09. "Night Of The Long Knives"
13. "Was Dancing In The Lesbian Bar"
(Gesamtspielzeit: Songs, ca. Minuten)
Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches
und über weite strecken tolles Rockalbum, das von poppigen Klavierballaden
über deftigen Garage-Rock bis zu wilden Punkeinlagen alles zu bieten
hat, was das Rockerherz begehrt. Einzelne Songs wirken im Gesamteindruck
allerdings etwas zu soft oder gar kitschig und daher etwas fehl am Platz.
Das Album ist dennoch sehr empfehlenswert, auch wenn man ein- oder zweimal
weiterskippen muß. (dr.öge)
Für Fans von: The Strokes, The Clash, Mando Diao,
Foxboro Hottubs, Chikinki, The Indelicates