.The Rocks "Letters From The Frontline" (Weekender / Indigo / VÖ: 30. Mai 2008)


Stil: Indie-Rock
Format: CD (auch als Vinyl LP erhältlich)

Dieses schön geschnürte Rockpacket aus London hat es definitiv in sich, nur die Beschriftung ist etwas verwirrend. Der Titel "Letters From The Frontline" suggeriert Krieg, Verzweiflung und Verderben und wäre wohl eher für eine Politpunkband wie Anti-Flag geeignet gewesen. Die Songs auf diesem Album berichten nämlich fast ausschließlich von der Beziehungsfront und deren Höhen und Tiefen. Das klingt doch schon interessanter und zwischenmenschliche Beziehungen sind ja schließlich auch das meistbesungene Thema der Musikgeschichte. Zwar droht man hier gerade als Indie-Rocker schnell in der Masse zu versinken, doch The Rocks haben das musikalische Potential und den richtigen Bandnamen um die Zahl ihrer Anhänger in Kürze zu vervielfachen, daran besteht kein Zweifel.

Zur CD selbst:
Dass The Rocks richtig vorwärts rocken können versteht sich bei diesem Namen absolut von selbst, doch leider tun sie dies nicht durchgängig bei allen 13 Tracks. Das Album ist irgendwie zweigeteilt. Zum einen gibt es abwechslungsreichen Indie-Rock mit viel Pop-Attitude und sehr schönen Melodien, zum anderen dreckigen, kernigen Alternative-Rock, der ins Ohr geht und mitreisst. Da wäre zunächst der etwas unspektakuläre Titeltrack "Letters From The Frontline", den ich persönlich vom Opener zum Closer gemacht hätte. Dieser fällt in die Kategorie der soften und weniger spektakulären Songs. Mit "Tearjerker", "On The Roof" und "Out Of The Blue" finden sich weitere solcher Songs auf der CD, eigentlich alle schön anzuhören aber irgendwie fehlt hier das Besondere, das Dich packt und mitnimmt. Auch die Ballade "Time To Leave" ist überaus soft für eine Band mit dem Namen The Rocks und wegen des Klaviers und des hohen Gesangs könnte man fast denken der Song sei von den Boomtown Rats. Doch zum Glück hat die Band auch eine andere Seite, die energiegeladenen Garage-Rock in fantastischen Songs wie "The Game Is Up" oder "Screamers" hervorbringt und in denen vom harmonisch-melodischen Gesang zu freakigem Screamo mit Retrotouch gewechselt wird, ähnlich dem Garage-Rock der 70er und 80er. Das sehr gelungene "Kickin The Teeth" entwickelt sich stellenweise zu einem echten Punkrock-Kracher und "Night Of The Long Knives" klingt dreckiger als das Bahnhofsklo in Bombay aussieht. Wenn Frontmann James Taylor dann im letzten Track auch noch zum Tanzen in die Lesbenbar geht ("Was Dancing In The Lesbian Bar"), erreicht das Album ganz klar seinen Höhepunkt und will sofort noch einmal gehört werden.


The Rocks - "Live @ Koko"

Anspieltipps:
02. "The Game Is Up"
03. "Screamers"
07. "Kickin The Teeth"
09. "Night Of The Long Knives"
13. "Was Dancing In The Lesbian Bar"
(Gesamtspielzeit: Songs, ca. Minuten)

Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches und über weite strecken tolles Rockalbum, das von poppigen Klavierballaden über deftigen Garage-Rock bis zu wilden Punkeinlagen alles zu bieten hat, was das Rockerherz begehrt. Einzelne Songs wirken im Gesamteindruck allerdings etwas zu soft oder gar kitschig und daher etwas fehl am Platz. Das Album ist dennoch sehr empfehlenswert, auch wenn man ein- oder zweimal weiterskippen muß. (dr.öge)

Für Fans von: The Strokes, The Clash, Mando Diao, Foxboro Hottubs, Chikinki, The Indelicates