.Tosca - "J.A.C." (K7 / Rough Trade / VÖ: 06. Juni 2005)




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stil: variiert zwischen lounge, trip-hop und downbeat

seit ihrem letzten tosca album "dehli9" sind rupert huber und richard dorfmeister um einiges glück reicher geworden: joshua, arthur und conrad wurden geboren, denen dieses album auch gewidmet ist (j.a.c.). bisher hatte ja jede tosca scheibe einen autobiographischen zusammenhang, doch diesmal ist es naheliegender denn je.
familienglück und vaterfreuden waren also eher das beherrschende thema der beiden wiener in den letzten jahren, trotz familiärer umstände haben sie es sich aber nicht nehmen lassen, ein weiteres, vielschichtiges album aufzunehmen.

das familienleben macht die eltern bekannterweise eher gemächlich und so überrascht es auch nicht, dass "j.a.c." deutlich entspanntere töne anschlägt als der vorgänger "dehli9".
trotzdem ist bei jedem song klar der lässige wiener tosca style zu erkennen aber nicht zuletzt sind es auch die zahlreichen und hochkarätigen gastmusiker, die den einzelnen songs eine ganz individuelle note geben:
chris eckman von den walkabouts ist dabei (den man mal eben schnell im urlaub kennengelernt & angeheuert hat), außerdem earl zinger (aka galliano aka rob harris), ebenso der österreicher rocker graf hadis wie auch die agyptisch-französische sängerin samiah farah und last not least einer der besten mcs überhaupt farda p von rocker's hifi.
kann ein solches kollektiv musikalisch totalen mist bauen?
nein, deshalb brauche ich wohl nicht weiter erklären, dass es sich hier um ein hochqulitatives stück elektromusik handelt, das vor allem lounge-liebhaber unbedingt zwecks wohnzimmerbeschallung besitzen sollten.

das schöne an tosca ist das verständnis als band. man bedient sich nicht einfach an alten vielversprechenden samples, wie die anderen electronica-kollegen sondern spielt mal eben gitarre, bass und keyboards selbst ein. obwohl die beiden masterminds huber und dorfmeister natürlich nach wie vor alle fäden ziehen, sind doch einige ehemalige gastmusiker nun auch enger mit tosca verbunden. so sind earl zinger, graf hadik und farda p bereits zum zweiten mal mit von der partie, außerdem unterstützten sie die beiden wiener auch schon auf ihrer live tour 2003/2004. man darf also gespannt sein, ob sich das duo tosca bald hin zu einer richtigen band erweitert.

zur CD selbst:
der erste track darf mehr als entspanntes & interessantes intro verstanden werden in dem uns diverse fremdsprachen näher gebracht werden!
in "heidi bruehl" ist samiah farah am mikro zu hören, ganz nett aber irgendwie nicht so mein ding, vor allem wegen der französischen vocals.
das darauf folgende "superrob" mit earl zinger (bzw.rob harris) ist eindeutig einer der besten songs der platte, da kann lediglich noch "john lee huber" mithalten, welches genial von chris eckman gesungen wurde, während rupert huber in die saiten griff ... wunderbar!
es folgen einige, überwiegend instrumentale songs, von denen man mehrere hätte weglassen können, weil monoton & langweilig, jedoch spätestens farda p in "damentag" wird man für die musikalischen längen entschädigt, ein groovendes, funkiges stück das richtig spass macht!
"naschkatze" ist zwar ein schöner name für einen song, dieser fällt aber leider auch unter die kategorie laaangweilig ... dagegen kommt "zuri" locker, leicht des weges, lädt eindeutig zu ausgiebigen urlaubsträumen ein und klingt sehr cafe del mar mäßig. das gleiche trifft auch auf das sehr gelungene "forte" zu.
 
obwohl dies ganz klar eine aussergewöhnlich gute und anspruchsvolle platte ist, hätte man für meinen geschmack mehr tanzbare tracks mit einfliessen lassen können.
doch so ist die scheibe nun irgendwie zu schade für den background und zu easy für die tanzfläche, für ein paar kuschlige stunden zu zweit im schlafzimmer eignet sich diese musik jedoch mit sicherheit hervorragend - oder sagen wirs doch gerade heraus: "j.a.c." ist ein 1A bett-soundtrack und vielleicht kam die inspiration hierfür auch eher aus der zeit des kinder machens als des kinder habens ...

in den clubs werden die neue tosca also wohl nicht hören, viel eher auf den anschließenden after hours. wie gesagt, familienleben macht gemächlich und so ist es auch nicht verwunderlich, daß wir kruder & dorfmeister in diesem sommer nur auf einem einzigen festival bestaunen dürfen:
nämlich dem sonne mond und sterne, dem offiziellen g-stoned summercamp. dort aber dafür auch als headliner und wer das wiener duo gerne mal life sehen will, dem kann ich dieses sehr entspannte festival nur wärmstens empfehlen!

genial wie immer ist auch diesmal die verpackung bzw. das cover dieses aussergewöhnlichen digipacks, es ist aus einer art gummirung oder kunstleder und so etwas sieht nicht nur edel & aussergewöhnlich aus sondern hatte ich bis dahin auch noch nie gesehen. war sicher aufwendig in der herstellung ...
wie gewohnt waren tosca nicht nur beim cover sondern auch bei der benennung der songs (was bei electronica ja manchmal etwas schwierig ist..) überaus kreativ, wie man an titeln wie "john lee huber", "heidi bruehl", "damentag", "superrob" oder "naschkatze" ablesen kann.

anspieltipps:
03 "superrob"
04 "john lee huber"
06 "the big sleep"
09 "zuri"
11 "forte"
(gesamtspielzeit: 12 tracks, 62 minuten)

fazit: falls ihr euch bei diesem album clubmäßige beats wie "gute laune" vom vorgänger "dehli9" erwartet habt, seid ihr ganz klar auf dem holzweg.
zum relaxen, loungen, chillen, rumhängen & genießen ist "j.a.c." jedoch genau das richtige, wie heisst es doch im sechsten song, "the big sleep" doch so schön:
"you mellow down eeeeeaazy ..."
(dr.öge)