.Weezer "Weezer (The Red Album)" (Geffen / Universal / VÖ: 06. Juni 2008)

Stil: Alternative-Rock
Format: CD (auch als Deluxe Edition mit Bonus-Tracks erhältlich)

Im Jahr 1994 erblickte eine selbstbetitelte, hellblaue CD das Licht der Welt und machte die Band Weezer in kürzester Zeit weltberühmt. "Undone" wurde zum Kultsong wie Radiohead's "Creep" und auch "Buddy Holly" fand sich fast weltweit in den Charts wieder. Das sogenannte "The Blue Album" war ein Meilenstein von einem Debut und erreichte in den USA dreifachen Platinstatus! Sieben Jahre und ein schwaches Nachfolgealbum ("Pinkerton") später kam das nächste titellose, farbige Weezer-Album, "The Green Album". Nach "Maladroit" und "Make Believe" ist es jetzt, weitere sieben Jahre später erneut an der Zeit Farbe zu bekennen und hier ist es "The Red Album".

Zur CD selbst:
Auf jedem Weezer-Album finden sich mindestens zwei Hits und das ist natürlich auch diesmal so. Nummer eins - die großartige Singleauskopplung "Pork And Beans" dürfte bereits jeder kennen, wenn nicht einfach weiter unten den ebenso genialen Videoclip anschauen. Nummer zwei - bereits der Opener namens "Troublemaker" ist ein richtig guter, mitreißender Track und mit der gefühlvollen Rockballade "Heart Songs" ist sogar noch ein dritter Reißer vertreten, und was für einer - Weezer in Bestform! Doch nicht jeder Song ist ein Highlight. Da wäre "The Greatest Man That Ever Lived (Variations on a Shaker Hymn)", ein wildes, sechsminütiges Musikpuzzle, das mehrfach das Genre wechselt und mit völlig wirren Elementen wie Marschgetrommel und ähnlichem überrascht. Im Grunde genommen einzigartig, aussergewöhnlich, ein Kunstwerk, nur eben nichts, was man sich gerne und oft anhört! Da ist der liebe Herr Cuomo nicht nur beim Titel über das Ziel hinaus geschossen. Ebenfalls unschön anzuhören ist "Everybody Get Dangerous", eine grauenhafte, einfallslose Powerpop-Entgleisung mit ekeligem 80er Getrommel, die auf einer Weezer-CD aber auch rein gar nichts verloren hat. Musikalisch und inhaltlich völlig untypisch für Weezer und ebenso unverständlich, wie diese B-Seite es in die Tracklist schaffen konnte. Nach einer kurzen Schwächephase ist aber schnell Besserung in Hörweite. "Dreaming" ist ein aufwendiger, schöner Song, harmonisch und melodiös, mit leichten Beach Boys Tendenzen und einem coolen rockigen Ausklang. Der typische Weezer-Sound wie man ihn kennt und mag. Nach mehrmaligem Hören langweilt der Track wegen seiner fünfminütigen Spielzeit aber schnell und verführt zum weiter skippen. Auch die anderen Bandmitglieder haben sich diesmal am Mikrophon versucht und die Ergebnisse können sich durchaus hören lassen: "Thought I Knew" ist sehr gelungen, "Automatic" kann als erdiger mid-tempo Rocksong überzeugen und in "Cold Dark World" wird der Refrain leider etwas überstrapaziert. Kurz vor dem Ende haben Cuomo & Co mit "The Angel And The One" noch einen dieser Sechsminutensongs parat, wie man ihn auf jedem Longplayer der Band findet. Der beste dieser Art war "Only In Dreams" vom vielumjubelten Debut, daran kommt "The Angel And The One" jedoch nicht annähernd heran, auch nicht nach mehrmaligem Hören. Ungewohnte Klänge dann zum Abschluß, "The Weight" vereint Einflüsse aus Country & Blues und klingt nicht wirklich nach Weezer aber trotzdem gut!


Weezer - "Pork And Beans" (official videoclip)

Für absolute Fans, die jedem Weezer-Song etwas Gutes abgewinnen können, gibt es das Album übrigens auch in der Deluxe-Version mit vier zusätzlichen Songs ("Miss Sweeney", "Pig", "The Spider", "King").

Anspieltipps:

01. "Troublemaker"
03. "Pork And Beans"
04. "Heart Songs"
(Gesamtspielzeit: 11 Songs, ca. Minuten)

Fazit: Beim neuesten Streich von Weezer zeigt uns Herr Cuomo, dass Genie ("Pork And Beans", Heart Songs") und Wahnsinn ("The Greatest Man That Ever Lived", "Everybody Get Dangerous") oftmals dicht beieinander liegen. Das rote Album hinterlässt gemischte Gefühle, doch trotz einiger Schwachstellen sind genug geniale Songs dabei, von denen jeder einzelne das Album kaufenswert macht. (dr.öge)