.world/inferno friendship society - "live at north six"
(go kart records / vö: 27.september 2004)

 
Stil: Dreigroschenoper im chaotischen Punkrock-Stil

Hä, wer? Ja, die World/Inferno Friendship Society von der amerikanischen Ostküste haben nun ihr erstes Live-Album veröffentlicht (bzw. obwohl die Aufnahme von 2002 ist und in den USA längst draußen ist wurde in Europa das Album erst jetzt veröffentlicht). Eins sei vorweg gesagt: Man sollte hier wirklich musikalisch offen sein! Bei der Band handelt es sich um ein neunköpfiges Chaosorchester, das sich der Punkrockszene verbunden fühlt, ohne dabei wirklich Punkrock zu spielen. Dabei setzt sich die Band aus Schlagzeug, Gitarre (Lucky von Morning Glory), Bass, aber auch aus eher (für Punkrock) ungewöhnlichen Instrumenten wie Ziehharmonika, Keyboard, drei Bläsern und Percussionspieler zusammen. Damit kommen wir auch interessanten Teil: Die Society spielt (angeführt vom Ex-„Sticks’n’Stones“ Sänger/Gitarrist Peter Vantantonio aka Jack Terricloth) eine Mischung aus Punk, Ska, Pop, Swing, Big Band, Cabaret, Salsa, Polka, etc. Hier ist es wirklich nicht so, dass man sich beklagen muss, dass (wie bei vielen anderen Bands) ein Track wie der andere klingt, sondern hier besitzt jeder Song eine individuelle Note, bzw. hat oft einen komplett anderen Musikstil.
Aufgenommen wurde das Konzert am traditionellen Halloween Konzert der Band, das aus musikalischer Sicht jeweils den Höhepunkt des Jahres für dieses Band darstellt. Hier finden sich ihre treuesten Fans zusammen (also der jährliche „Heimspiel-Gig“), um kostümiert mit der in Anzügen und Abendkleidern spielenden Band ein großes Fest zu feiern.
Gegründet wurde die Band, die sich recht geheimnisvoll gibt (so befindet sich auf der Homepage unter dem Punkt History keine Bandgeschichte sondern eine richtige Geschichte) wohl 1995. Zunächst veröffentlichte sie mehrere 7’’s auf dem Label von Gern Blandsten (von der allerersten Single „Tattoos Fade“ einmal abgesehen) und Ende 1997 erschien ihre erste LP (Der Soundtrack zu dem Musical „The true Story of the Bridgewater Astral League“). Bis heute kommt die Band auf 3 LP’s und 7 Singles bzw. EPs. Der eine oder andere wird evtl. die Band bereits vom „Rock against Bush“ Sampler („The Expatriate Act“) oder vom Feature des Leftover Crack Songs „Soon we’ll be dead“ kennen (siehe Review: Leftover Crack - „Fuck World Trade“) wobei ich erstgenannten als eher langweilig einstufen würde.
Speziell live muss die Gruppe ein echtes Erlebnis sein, was ich aber leider noch nicht bestätigen kann, da mir bisher ein Live-Gig verwehrt geblieben ist. Was sich aber an anhand dieses Live-Albums erahnen lässt ist bereits sehr beachtlich.
Auf dem Album sind 15 Tracks vertreten, die im groben die ganze Geschichte der Band abdecken. Von ihrer ersten Veröffentlichung „Tattoos fade“, was auch als Opener dieser CD fungiert, bis hin zu „Younger Man“ und „Let’s steal everything“, zwei bis dato unveröffentlichten Tracks, wird aus dem gesamten Repertoire geschöpft. Gerade die älteren Tracks profitieren von dieser Neuaufnahme enorm, da in manchen Fällen die alten Aufnahmen nicht wirklich überzeugen können.
Highlights auf dieser CD sind viele vorhanden, aber herausheben möchte ich hier „Zen and the Art of breaking Everything in this Room“, das einfach nur nach vorne geht, „Just the best Party“, das (wie der Titel vermuten lässt) die Geschichte der besten Party erzählt, „Heart Attack ’64“, hinter dem sich ein Walzer versteckt und den Rausschmeißer „Pumpkin Time“, bei dem BigBand auf Punkrock mit einem Schuss Frank Sinatra trifft.
Dabei überzeugt vor allem das Spiel zwischen Sänger Jack Terricloth und den Background-Sängerinnen. Während den Pausen zwischen den Tracks hört man Jack, der sich einfach unglaublich charismatisch präsentiert, lustige Anekdoten zum Besten geben.
Wenn man andere Kritiken über diese Band liest, dann fällt einem auf, dass sich an ihr die Meinungen scheiden: Während die einen ihre Genialität loben und hier den „wahren Punk ohne Punkrock“ sehen, können andere einfach nicht sonderlich viel mit der (zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftigen) Mischung anfangen, die einem hier präsentiert wird. Ich gehöre auf jeden Fall zur erstgenannten Gruppe, ich bin einfach nur begeistert von dieser Band.
Aus diesem Grund will ich hier auch jedem diese CD ans Herz legen. Gerade diejenigen, die sich schon mehrere Jahre mit den verfluchten 20ern oder gar 30ern rumschlagen und die mit dem heutigen Punk nicht wirklich was anfangen können, aber nicht auf die Dynamik des Genres verzichten wollen, sollten hier mal reinhören, wobei bestimmt viele aus dieser Gruppe die Band schon zu Genüge kennen werden.
Was bei der Band wirklich als herausragend zu bezeichnen ist, ist die Tatsache, dass man sich auf ihrer Homepage (worldinferno.com) fast die komplette Discographie umsonst im MP3 Format (in akzeptabler 128kbs, bzw. 160kbs Qualität) runterladen kann. Wenn das mal nichts ist! Hier sei an dieser Stelle besonders die letzte LP „Just the best Party“ empfohlen, die sich meiner Meinung sehr gut als Einstieg eignet. Allerdings muss man sich auch hier etwas Zeit nehmen um auch wirklich „reinzukommen“.

Anspieltips:
02. Zen and the Art of breaking Everything in this Room
03. Just the best Party (hier könnt ihr den song als MP3 runterladen)
13. Secret Service Freedom Fighting U.S.A
15. Pumpkin Time

Fazit: Wie oben erwähnt ist die Band recht gewöhnungsbedürftig. Zu chaotisch wirkt das ganze auf den ersten Blick. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen und der Band eine Chance geben. Das Live-Album eignet sich relativ gut als Einstieg da es wie gesagt das gesamte Repertoire der Band abdeckt. Wer erstmal reinhören will, sollte sich halt mal auf der Bandhomepage ein bisschen Zeug ziehen. Kostet ja nix!!! Wenn es einem dann immer noch nicht zusagt, dann kann man immer noch genug meckern. Ich für meinen Teil finde das hier Gebotene genial. Wertung: 9/10