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Stil: Dreigroschenoper im chaotischen Punkrock-Stil Hä,
wer? Ja, die World/Inferno Friendship Society von der amerikanischen Ostküste
haben nun ihr erstes Live-Album veröffentlicht (bzw. obwohl die Aufnahme
von 2002 ist und in den USA längst draußen ist wurde in Europa
das Album erst jetzt veröffentlicht). Eins sei vorweg gesagt: Man
sollte hier wirklich musikalisch offen sein! Bei der Band handelt es sich
um ein neunköpfiges Chaosorchester, das sich der Punkrockszene verbunden
fühlt, ohne dabei wirklich Punkrock zu spielen. Dabei setzt sich
die Band aus Schlagzeug, Gitarre (Lucky von Morning Glory), Bass, aber
auch aus eher (für Punkrock) ungewöhnlichen Instrumenten wie
Ziehharmonika, Keyboard, drei Bläsern und Percussionspieler zusammen.
Damit kommen wir auch interessanten Teil: Die Society spielt (angeführt
vom Ex-„Sticks’n’Stones“ Sänger/Gitarrist
Peter Vantantonio aka Jack Terricloth) eine Mischung aus Punk, Ska, Pop,
Swing, Big Band, Cabaret, Salsa, Polka, etc. Hier ist es wirklich nicht
so, dass man sich beklagen muss, dass (wie bei vielen anderen Bands) ein
Track wie der andere klingt, sondern hier besitzt jeder Song eine individuelle
Note, bzw. hat oft einen komplett anderen Musikstil.
Aufgenommen wurde das Konzert am traditionellen Halloween Konzert der
Band, das aus musikalischer Sicht jeweils den Höhepunkt des Jahres
für dieses Band darstellt. Hier finden sich ihre treuesten Fans zusammen
(also der jährliche „Heimspiel-Gig“), um kostümiert
mit der in Anzügen und Abendkleidern spielenden Band ein großes
Fest zu feiern.
Gegründet wurde die Band, die sich recht geheimnisvoll gibt (so befindet
sich auf der Homepage unter dem Punkt History keine Bandgeschichte sondern
eine richtige Geschichte) wohl 1995. Zunächst veröffentlichte
sie mehrere 7’’s auf dem Label von Gern Blandsten (von der
allerersten Single „Tattoos Fade“ einmal abgesehen) und Ende
1997 erschien ihre erste LP (Der Soundtrack zu dem Musical „The
true Story of the Bridgewater Astral League“). Bis heute kommt die
Band auf 3 LP’s und 7 Singles bzw. EPs. Der eine oder andere wird
evtl. die Band bereits vom „Rock against Bush“ Sampler („The
Expatriate Act“) oder vom Feature des Leftover Crack Songs „Soon
we’ll be dead“ kennen (siehe Review: Leftover Crack - „Fuck
World Trade“) wobei ich erstgenannten als eher langweilig einstufen
würde.
Speziell live muss die Gruppe ein echtes Erlebnis sein, was ich aber leider
noch nicht bestätigen kann, da mir bisher ein Live-Gig verwehrt geblieben
ist. Was sich aber an anhand dieses Live-Albums erahnen lässt ist
bereits sehr beachtlich.
Auf dem Album sind 15 Tracks vertreten, die im groben die ganze Geschichte
der Band abdecken. Von ihrer ersten Veröffentlichung „Tattoos
fade“, was auch als Opener dieser CD fungiert, bis hin zu „Younger
Man“ und „Let’s steal everything“, zwei bis dato
unveröffentlichten Tracks, wird aus dem gesamten Repertoire geschöpft.
Gerade die älteren Tracks profitieren von dieser Neuaufnahme enorm,
da in manchen Fällen die alten Aufnahmen nicht wirklich überzeugen
können.
Highlights auf dieser CD sind viele vorhanden, aber herausheben möchte
ich hier „Zen and the Art of breaking Everything in this Room“,
das einfach nur nach vorne geht, „Just the best Party“, das
(wie der Titel vermuten lässt) die Geschichte der besten Party erzählt,
„Heart Attack ’64“, hinter dem sich ein Walzer versteckt
und den Rausschmeißer „Pumpkin Time“, bei dem BigBand
auf Punkrock mit einem Schuss Frank Sinatra trifft.
Dabei überzeugt vor allem das Spiel zwischen Sänger Jack Terricloth
und den Background-Sängerinnen. Während den Pausen zwischen
den Tracks hört man Jack, der sich einfach unglaublich charismatisch
präsentiert, lustige Anekdoten zum Besten geben.
Wenn man andere Kritiken über diese Band liest, dann fällt einem
auf, dass sich an ihr die Meinungen scheiden: Während die einen ihre
Genialität loben und hier den „wahren Punk ohne Punkrock“
sehen, können andere einfach nicht sonderlich viel mit der (zugegebenermaßen
gewöhnungsbedürftigen) Mischung anfangen, die einem hier präsentiert
wird. Ich gehöre auf jeden Fall zur erstgenannten Gruppe, ich bin
einfach nur begeistert von dieser Band.
Aus diesem Grund will ich hier auch jedem diese CD ans Herz legen. Gerade
diejenigen, die sich schon mehrere Jahre mit den verfluchten 20ern oder
gar 30ern rumschlagen und die mit dem heutigen Punk nicht wirklich was
anfangen können, aber nicht auf die Dynamik des Genres verzichten
wollen, sollten hier mal reinhören, wobei bestimmt viele aus dieser
Gruppe die Band schon zu Genüge kennen werden.
Was bei der Band wirklich als herausragend zu bezeichnen ist, ist die
Tatsache, dass man sich auf ihrer Homepage (worldinferno.com)
fast die komplette Discographie umsonst im MP3 Format (in akzeptabler
128kbs, bzw. 160kbs Qualität) runterladen kann. Wenn das mal nichts
ist! Hier sei an dieser Stelle besonders die letzte LP „Just the
best Party“ empfohlen, die sich meiner Meinung sehr gut als Einstieg
eignet. Allerdings muss man sich auch hier etwas Zeit nehmen um auch wirklich
„reinzukommen“.
Anspieltips:
02. Zen and the Art of breaking Everything in this Room
03. Just the best Party (hier
könnt ihr den song als MP3 runterladen)
13. Secret Service Freedom Fighting U.S.A
15. Pumpkin Time
Fazit: Wie oben erwähnt
ist die Band recht gewöhnungsbedürftig. Zu chaotisch wirkt das
ganze auf den ersten Blick. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken
lassen und der Band eine Chance geben. Das Live-Album eignet sich relativ
gut als Einstieg da es wie gesagt das gesamte Repertoire der Band abdeckt.
Wer erstmal reinhören will, sollte sich halt mal auf der Bandhomepage
ein bisschen Zeug ziehen. Kostet ja nix!!! Wenn es einem dann immer noch
nicht zusagt, dann kann man immer noch genug meckern. Ich für meinen
Teil finde das hier Gebotene genial. Wertung: 9/10
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