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Stil: Klezmer-Circus Punk
Oft fällt es schwer, objektiv zu bleiben, wenn es um eine Herzensangelegenheit
geht. Noch schwerer ist es aber, objektiv zu bleiben, wenn diese Herzensangelegenheit
sogar noch dermaßen begeisternd ist, dass man kaum anders kann,
als in Lobeshymnen zu verfallen. Wer das bezweifelt, der sollte sich mal
kritisch fragen, wie er die letzten Spiele der Deutschen Fussball Nationalmannschaft
bewertet hat…
Die gleiche Schwierigkeit ergibt sich für mich auch bei der Besprechung
der neuen World/Inferno Friendship Society LP „Red-Eyed
Soul“, die am 15. Juli bei Chunksaah
Records aus New Jersey (dem Label der Bouncing Souls) erscheint, denn
die Society ist eine der wenigen Bands, von denen ich behaupten würde,
ein echter Fan zu sein.
Die obligatorische Beschreibung der Band und ihres Musikstils entfällt
diesmal, und der interessierte Leser sei auf die anderen Berichte zu diesem
Thema auf Ozelot verwiesen:
- On Tour mit World/Inferno
Friendship Society
- Review zum Album "Live
At North Six"
Festzuhalten bleibt eigentlich nur, dass die Band sich relativ treu geblieben
ist, also immer noch viele Stile zusammenmischt, im Unterschied zu früheren
Veröffentlichungen inzwischen aber wohl den eigenen Sound gefunden
hat.
Das letzte reguläre Inferno Album „Just the best Party“
erschien 2002, dazwischen eine Live
Platte und zwei EPs. Dementsprechend ist das Album eine Sammlung der
Songs, die in den letzten vier Jahren geschrieben wurden. Ganz neue Songs
finden sich auf dem Album wenige, so ist u.a. die „Speak
Of Brave Men“-EP komplett auf dem
Album zu finden, auch „Me v. The Angry Mob“ kennt
man schon (wenn auch inzwischen neu aufgenommen) von der gleichnamigen
EP, „Your Younger Man“ und „Let’s
Steal Everything“ von der Live CD und eigentlich fast alle
anderen Songs von den im Internet vorhanden Demos und Bootlegs.
Das ist aber nicht weiter schlimm, denn a) hat man die Songs noch nie
in so einer guten Qualität vorfinden können, denn die Produktion
von Don Fury genügt wirklich höchsten Ansprüchen und liefert
einen brillanten Sound ab und b) ist die Qualität der Songs einfach
über alle Zweifel erhaben (...es geht schon wieder los…).
Während das bekannte „Brother of the Mayor of Bridgewater”
das Album flott eröffnet, kommt mit „Velocity of Love“
die erste neue Nummer, die einen Einblick in den evtl. jetzt gefundenen
individuellen Stil offenbart, der irgendwo zwischen Funk, Punk, Rock und
Pop (Keine Angst, auch in Zukunft nicht wirklich beschreibbar) bewegt
und sehr tanzbar ist. Allerdings kann man nicht von einem Stil sprechen,
der das Album durchzieht, dafür ist die Tracklist zu sehr eine Auswahl
verschiedener Songs der letzten Jahre. Hervorzuheben sind das wunderschöne
„Your Younger Man“, die rockigen „Annie
the Imaginary Lawyer“ bzw. „Jerusalem Boys“
sowie das treibende „Fiend In Wien“.
Noch ein Tipp zum Abschluss: Auf Bankshot! Records erscheint demnächst
die Vinyl Version von „Red-Eyed Soul“, die neben farbigem
Vinyl gleich drei (!) Bonus Tracks enthält, darunter zwei Neuaufnahmen
von „Cats Are Not Lucky Creatures“ bzw. „Leni
Riefenstahl At The End Of Time“ (womit dann auch die komplette
„Me Vs. Angry Mob“ EP zumindest als Neuaufnahme auf
der Platte vertreten wäre) sowie das sagenumwobene „Trains“.
Anspieltipps:
„Your Younger Man“
„Annie the Imaginary Lawyer“
„Fiend In Wien“
(Gesamtspielzeit: Songs, Minuten)
Fazit: Wenn man sich anschaut, wie
sich die World/Inferno in den letzten 10 Jahren von einem kleinen (almost
Solo-)Projekt über ein Künstlerkollektiv zu einer inzwischen
ca. 8-10-köpfigen Band entwickelt hat, die sich ständig neu
erfindet und weiterentwickelt, dann ist es mehr als überraschend
(sprich: ungerecht), dass die Band noch nicht den mehr als überfälligen
und hoch verdienten (auch kommerziellen) Durchbruch geschafft hat. Verdient
hätten sie es allemal. Auch und gerade mit „Red-Eyed Soul“!
Wie singt Jack im heimlichen und von Streichern unterstütztem Albumhöhepunkt
„The Devil's Ball“? „Anything could happen“!
Man mag ergänzen: Hoffentlich auch für World/Inferno. (Bär)
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