.Will Hoge "Draw The Curtains" (ADA Global / Rykodisc / RTD / VÖ: 21. Dezember 2007)

Stil: Slow Rock
Format: CD

Ich bin froh dass ich diese Scheibe im Winter bekommen habe. Eine bessere Jahreszeit dafür gibt es nicht. Der Herbst kommt vielleicht noch ran. Ich habe es zwar nicht getan, aber ich glaube dieses Album einzulegen, sich einen Rotwein zu gönnen und den Winter draußen zu beobachten ist schon ein tolles Gefühl. Das Album ohne Rotwein im Auto zu hören und den Winter dabei zu beobachten ist aber auch schon gut.


Zur CD selbst:
Es handelt sich um ein sehr entspanntes und entspannendes Album mit gut überlegten Texten und hübschen Melodien. Warum die „release information“ von „born rocker“ und „straightforward American rock“ spricht ist mir irgendwie entgangen. Also wenn ich an Rock denke, dann habe ich laute, verzerrte Gitarren in meinem Kopf, die man auf dem kompletten Album nicht einmal so vorfindet. Am ehesten entspricht Track Nummer 2 noch der Beschreibung des Labels. Dieser markiert aber nun mal auch eines der „härtesten“ Stücke auf einem Album, das durchweg gechillt und balladesk ist und den Konsumenten zum Zurücklehnen veranlasst.
Beim ersten Reinhören war mir der erste Titel nicht ganz so sympathisch, der Rest überzeugte sofort. Allerdings erwischte ich mich ein paar Wochen danach, als ich eine Melodie vor mich hin pfiff. Als ich überlegte was das denn überhaupt noch mal für ein Lied ist, wurde mir bewusst dass es sich eben um „When I Can Afford To Lose“ handelte. Abgesehen davon rechtfertigt alleine der Text dieses Lied schon, auch wenn mich die Mundharmonika in dem Lied immer noch stört. Liebe ist das allgegenwärtige Thema auf dieser CD und trotzdem reiht sie sich in keiner Weise in das 08/15-Weichgespüle der Radio-Gehirnwäsche ein. Höchstwahrscheinlich wird genau das ein kleiner Stolperstein für Will Hoge werden. Für das Radio sind die Texte zu ehrlich, zu unkonventionell und zu innovativ. Aber das ist total erfrischend! Ich meine jeder beschäftigt sich mit Liebe und jeder wurde mal verletzt und endlich ist da mal jemand, der diese Thematik im Rahmen durchaus poppiger Musik angeht und nicht einfach nur „I love you baby“ oder „I want you back“ singt. Er schafft es sogar einiges an Wortwitz in diese ernste Thematik zu bringen. Auch deswegen ist es erfrischend. Eben genau das richtige für den Winter.
Übrigens kann man die CD einfach durchlaufen lassen. Es gibt keine Einbrüche oder Tiefpunkte. Die Abwechslung, die die einzelnen Tracks beinhalten lässt keine Langeweile aufkommen. Mit „Washed By the Water“ findet man sogar einen Titel, den man mir auch ohne Probleme als Coverversion einer uralten Gospelnummer hätte verkaufen können. Hätte ich nie gemerkt. Liegt natürlich auch an dem Chor und an der Orgel, die übrigens in mehreren Stücken zu hören ist und den Charakter und Sound entscheidend beeinflusst. Seit langem habe ich mal wieder echte Probleme meine Anspieltipps rauszusuchen. Ich glaube sogar so schwer war es noch nie. Aber wisst ihr was?! Ich nehme sogar den ersten Titel mit rein...
 

Anspieltipps:
01. „When I Can Afford To Lose“
03. „Dirty Little War“
04. „Silver Or Gold“
05. „Sex, Lies and Money“
06. „I’m Sorry Now“
08. „Draw the Curtains“
(Gesamtspielzeit: 10 Songs, ca. 41 Minuten)

Fazit: Ganz klar muss man für „Draw The Curtains“ die richtige Stimmung haben. Hat man diese nicht, kann es die Scheibe allerdings schaffen einen in diese Stimmung zu katapultieren. So oder so sollte man allerdings eine zumindest leicht nachdenkliche Phase haben. Erst dann kann es wirken. Nix für Freunde von hartem Rock, aber durchaus etwas für alle Freunde guter Musik und guten Texten. Der Winter packt hier gerade seine Koffer und ich gehe davon aus, dass ich die CD bald ins Regal stellen werde. Hoffen wir dass ich sie im nächsten Herbst oder Winter wieder finde. (Eddie)