rancid special

 
Rancid Special
by andreas bär
 
Das wichtigste gleich zum Anfang: Rancid gehören zu den wichtigsten und besten Punk-Bands aller Zeiten, und ihr Werk ist sehr viel größer und besser, um nur auf „Time Bomb“ und „…and out come the Wolves“ reduziert zu werden.
Zur Geschichte: Die Story von Rancid beginnt im Jahr 1987. Jesse Michaels, Tim Armstrong („Lint“), Matt Freeman (“Matt McCall“) und Dave Mello gründen Operation Ivy in Berkeley, Kalifornien. Operation Ivy gelten heute als eine der wichtigsten Third-Wave Ska Bands und als die Prototypen der seit den 1990’ern sehr beliebten US-Ska-Punk Szene. OpIvy veröffentlichte zuerst zwei Songs auf einem Lookout!-Records Sampler (1987), dann die Hectip-EP (1988) und schlussendlich die Energy-LP (1989). Unter OperationIvy.com kann man sich näher zu dieser Band informieren und viele Bootlegs runterladen. Operation Ivy trennten sich am Tag nach ihrer LP Veröffentlichung im Jahr 1989.
 
Zwei Jahre nach der Auflösung von Operation Ivy gründeten Tim und Matt (jetzt mit richtigem Namen Matt Freeman) Rancid. Sie nahmen mit Brett Reed einen Drummer dazu, und spielten von nun an als Trio. Im Jahr 1992 veröffentlichten sie ihre 7“ („I’m not the only one“, bzw. s/t 7“) auf Lookout!-Records.
Brett Gurewitz entdeckte dann Rancid und zog sie zu Epitaph. Dort veröffentlichten die 1993 ihre erste LP („Rancid“). Nach den Aufnahmen zu der Platte kam auf Lars Frederiksen an Bord, der seitdem die 2. Gitarre spielt.
1994 wurde mit „Let’s Go!“ die zweite LP auf Epitaph veröffentlicht und außerdem erschien eine EP auf Fat-Wreck („Radio, Radio, Radio“). 1995 erschien dann „…and out come the Wolves“ (inkl. den Hits „Ruby Soho“ und „Time Bomb“), die Rancid über Nacht zu Mega-Sellern machte. Von nun standen sie auf einer Stufe mit Green Day und The Offspring, zumindest in Amerika und Asien.
Nach langen Tourneen erschien 1998 mit „Life won’t wait“ das bisher ambitionierteste Werk von Rancid. Die Band verließ die bekannten Ska-Punk Wege, um auf dem neuen Album auch Dub, Reggae oder Motown-Einflüsse in die Songs zu packen. Im Jahr 2000 erschien dann mit „Rancid“ das bisher aggressivste Album der Band.
Danach wurde es stiller um Rancid, da sich die einzelnen Mitglieder von nun an mehr auf ihre Nebenprojekte konzentrierten („Devils Brigade“, „Lars Frederiksen and the Bastards“, „The Transplants“, „The Silencers“).
Im Sommer 2003 erschien dann mit „Indestructible“ das neue Album, das sich als der Nachfolger von „…and out come the Wolves“ präsentierte.
 
Reviews:
1. „I’m not the only one“-EP
2. Rancid 1993
3. Radio, Radio, Radio
4. Let’s Go!
5. ...and out come the Wolves
6. Life won’t wait
7. Rancid 2000
8. Lars Frederiksen and the Bastards – s/t
9. Rancid-NoFX Split EP
10. The Transplants – s/t
11. Indestructible
12. Lars Frederiksen and the Bastards – The Viking
 
Ich will darauf hinweisen, dass ich mich auf die LPs und EPs beschränke. Bei Wunsch kann ich mir auch noch die Singles und die Demos vornehmen, aber momentan habe ich zu wenig Zeit für so was und auch nicht soviel Bock.

 
1. Rancid - „I’m not the only one“-EP (1992)
 
Erstes Release von Rancid. Erschien seinerzeit auf Lookout!-Records. Damals noch zu dritt und mit Tim und Matt an den Vocals. 5 Songs, allesamt überraschend gut und sehr stimmig.
Da sich noch nicht der typische Rancid-Stil herausgebildet hatte, klingt es manchmal etwas ungewohnt, und auch das Schlagzeugspiel von Brett war damals noch nicht so gut. Außerdem klingt das ganze noch sehr viel düsterer. Aber dennoch ein souveräner Einstand. Ein paar Tracks waren übrigens vorher schon als Demo erschienen.
 
Wertung: 6/10
 
Anspieltipps:
1. I'm Not The Only One
2. Battering Ram

2. Rancid ’93 (1993)
 
Die erste LP, ebenfalls hier noch zu dritt. Lars taucht aber bereits im Video zu Hyena auf. Obwohl (natürlich) überzeugend wahrscheinlich die schwächste LP von Rancid. Die fantastischen Bass-Läufe von Matt sind schon hier unüberhörbar. Die fallen insbesondere bei Songs „Detroit“, „Rejected“ oder „The Bottle“ auf. Auch sonst klingt es schon „Rancid-typischer“, so klingt die Stimme von Tim so richtig schön scheiße und es wird etwas „heller“ im Klang auf dem Album.
 
Wertung: 6/10
 
Anspieltips:
02. Hyena
04. Rats In The Hallway
09. Rejected
15. Union Blood
16. Get Outta My Way


3. Rancid - "Radio, Radio, Radio" EP (1994)
 
Erschien im Frühjahr 1994 auf Fat-Wreck Chords, also zwischen den ersten beiden Alben, die ja auf Epitaph raus kamen. Die erste Aufnahme, bei der Rancid zu viert agiert. Übrigens gab es keine Line-up Wechsel seit damals.
Enthält eine Radio-Version, die sehr ähnlich zu Original-Version, die seinerzeit mit Billy Joe Armstrong von Green Day aufgenommen wurde, ist (Nein, ich spreche nicht von der Version auf Let’s Go!). Insgesamt leidet die Platte und der nicht so guten Aufnahme Qualität, speziell die Gitarren klingen etwas schwach. Was soundtechnisch drin gewesen wäre kann man an der remasterten Version von
„Just a Feeling“ erkennen, die auf irgendeinem Fat-Sampler („Fat Music for fat People“?) mal erschien. Dafür darf man das erste Mal Lars am Mikrofon hören, der auch das Solo bei Radio übernimmt.

Wertung: 6/10

Anspieltips:

01. Radio
02. Dope Sick Girl


4. Rancid - "Let’s Go!" (1994)
 
Der erste Meilenstein im Rancid-Universum. Die Weiterentwicklung von Rancid ist mehr als deutlich erkennbar. Vor allem wird hier bereits im ersten Song („Nihilism“) der Tag-Team Gesang von Lars und Tim eingeführt, der später zum Markenzeichen von Rancid werden sollte. Was dieses Album auszeichnet ist aber nicht die (mäßige) Produktion von Brett Gurewitz oder das etwas trashige Schlagzeugspiel, sondern die unglaubliche Hit-Dichte, die dieses Album beinhaltet. Von den 23 Songs, die auf diesem Album vertreten sind, besitzen nur wenige keinen Hit-Charakter. Hier sind so viele Klassiker drauf, man müsste als Anspieltipps einfach die Trackliste hinschreiben. Prinzipiell war auf diesem Album schon das Potential für spätere Meisterwerke erkennbar, auch wenn es hier noch (fast) ohne Ska oder anderen Einflüssen zur Sache ging. Hier gab es noch schönen Westcoast-Punk, allerdings auf eine sympathisch rotzige Art präsentiert. Zu diesem Album gibt es auch die schöne Geschichte, dass Madonna Rancid auf ihr Label Maverick Records holen wollte, und als „Überzeugungsgrund“ ein paar Nacktfotos von sich mitschickte. Rancid blieben bei Epitaph, aber die Fotos hängen bis Heute in Lars’ Klo. Wenn das mal nicht Punkrock ist ;)
Dieses Album ist zu 100% zu empfehlen, speziell für die, die von „…and out come the Wolves“ enttäuscht sind, weil es nicht hält, was die Kritiken versprechen.

Wertung: 9/10

Anspieltipps:
01. Nihilism
02. Radio
04. Salvation
14. Harry Bridges
16. St. Mary

5. Rancid - "…and out come the Wolves" (1995)
 
Mit Sicherheit auch ein großes Album und der internationale Durchbruch für Rancid. Allerdings finde ich es nicht so gut wie immer gesagt wird. Zwar sind mit „Ruby Soho“ und „Time Bomb“ zwei Smash-Hits auf dem Album, allerdings ist es mir zu sauber produziert und gerade im hinteren Teil kann nicht jeder Song überzeugen. Das ist in soweit schade, als dass man nach dem Vorgängeralbum bereits hier schon Rancids Meisterwerk erwarten konnte. Da über dieses Album überall soooooo viel zu lesen ist, will ich gerade diesen Bericht etwas kürzer halten und statt dessen auf Vörgänger und Nachfolger verweisen. Der Hammer des Albums: Das Bass-Solo von Matt bei „Maxwell Murder“.
 
Wertung: 7/10
 
Anspieltipps:
03. Roots Radicals
04. Time Bomb
09. Ruby Soho
11. Journey to the End of East Bay
13. Old Friend


6. Rancid - "Life won’t wait" (1998)
 
Nach Welttournee und internen Problemen tat Rancid das einzig richtige: Sie entwickelten sich um Längen weiter und zeigten, dass sie mehr können als Punk! Damit kein falscher Eindruck entsteht: Rancids Haupteinfluss war natürlich immer noch Punk, allerdings schafften sie es auf unerreichte Weise, andere Musikrichtungen einfließen zu lassen, ohne das es sich bemüht oder poppig anhört. Als Folge dessen ist das Album von vorne bis hinten innovativ, und es sind die gerade die kleinen Sachen (wie das Xylophon bei „Hoover Street oder die Hammondorgel beim Beginn von „Carazon de Oro“), die das Album so besonders werden lassen. Die Komposition dieser Elemente ist in sich einfach schlüssig und wirkt sehr homogen, ohne langweilig zu werden. Ein weiteres wichtiges Element dieses Album ist die Produktion: Wenn man sich das Album anhört, hat man wirklich das Gefühl, dass eine Band spielt. Die Abmischung und der Klang sind für ein Punkalbum schlichtweg fantastisch. Aufgenommen über mehrere Monate in 4 Studios präsentieren sie 22 Songs mit einer Gesamtspielzeit von 64 Minuten. Darunter gibt es einen Track mit Buju Banton („Life won’t wait“); Marky Ramone und The mighty mighty Bosstones steuern ebenfalls zum Album bei. Das Album umfasst recht viele Stile, ist perfekt produziert und in sich geschlossen. In meinen Augen Rancids Meisterwerk und eine meiner absoluten Lieblingsplatten. Denn wo trifft man schon auf eine Kombination von perfektem Songwriting, vielen Musikstilen, mehreren Gaststars und einer guten Portion Krach?
Daher finde ich es unverständlich, dass viele Kritiker dieses Album verrissen haben und dass es kein kommerzieller Erfolg wurde. Aber die Welt ist ja nicht immer gerecht…
 
Wertung: 10/10
 
Anspieltipps:
03. Hoover Street
08. Hooligans
11. Backslide
21. Carazon de Oro
22. Coppers

 

7. Rancid - "Rancid 2000" (2000)
 
Niemand weiß warum, aber Rancid waren wohl wirklich angepisst in den Jahren zwischen 1998 und 2000. Anders ist dieser Output nicht zu erklären: 22 Songs in 38 Minuten, wenn man noch bedenkt, dass die zwei längsten Songs über
7 Minuten lang sind, dann bleiben 30 Minuten für 20 Songs übrig. Und das ist gut so. Angenehm dreckig produziert, tolle Bass-Arbeit von Matt (z.B. das Solo in „Axiom“!!!!), zum Teil auch mal ein schiefer Ton (da zum teil One-Take Recordings), etc. Außerdem verließen Rancid für dieses Album ihre bisherigen Wege: Kein einziger Ska-Song ist hier zu finden. Das ist natürlich in soweit ungewohnt, als das Rancid sich während ihren letzten Alben sich immer mehr dem Ska und Dub genähert haben, was ich ja in dem genialen „Life won’t wait“ seinen (nicht nur kreativen, sondern auch qualitativen) Höhepunkt fand. Jetzt ist es natürlich nicht so, dass sich das Album wie Hardcore anhört, dafür ist Rancid dann doch zu melodielastig und auch musikalisch zu versiert. Aber es klingt hier halt alles sehr flott, sehr „eckig“ und (und das ist vielleicht das besondere) wütend UND authentisch. Gerade letzteres ist sehr ungewöhnlich für eine Band, die weltweit ein paar Millionen Platten verkauft hat. Wenn sich Puristen darüber aufregen, dass ein Barcode auf der Rückseite der Platte ist, dann finde ich das an der Sache vorbei gemeckert. Was zählt, ist der Inhalt, und der ist hier mehr als gut: Songs wie „Rwanda“, „Black Derby Jacket“ oder „Antennas“ sind perfekt zum abgehen geeignet. „Radio Havana“ hat fast hymnenhaften Charakter, und Tracks wie „Disgruntled“ oder „Dead Bodies“ zeigen die wütende Seite von Rancid.
Für mich Rancid’s zweitbeste Arbeit (mit Let’s Go!).
 
Wertung: 9/10
 
Anspieltips:
02. Disgruntled
03. It’s quite alright
06. Poison
09. Rwanda
14. Radio Havana

 

8. Lars Frederiksen and the Bastards – s/t (2001)
 
Als dieses Album im Sommer 2001 erschien, dann hieß es von Seiten der Kritik immer wieder, dass dieses Album doch das “echte” Rancid Album wäre, im Gegensatz zu Rancid 2000. Auf diesem Album (geschrieben von Lars und Tim, produziert von Tim) gibt es wieder den hymnenhaften Punkrock, für den Rancid immer gefeiert wurde. Denn hier wurde im Vergleich zu Rancid 2000 der Gang
etwas zurückgeschaltet: Lars singt mehr und schreit nicht mehr so viel, man lässt es etwas melodischer angehen und auch andere Einflüsse fließen wieder vermehrt ein (z.B. Rockabilly: „Six Foot Five“). Dazu gibt es noch 2,5 Cover. 2,5 deshalb, weil mit „To have and to have not“ (Billy Bragg) und „Leavin' Here” (Motorhead) zwei Songs regulär gecovert wurden (wobei das erste einfach genial ist), und 0,5 Punkte für „Campbell California“ dazukommen, dass einfach komplett die Musik von Screwdriver’s „The Future belongs to me!“ übernimmt. Ich denke, ein solcher Faux Pas wäre europäischen Bands wohl nicht passiert, denn Screwdriver ist am Ende eine Nazi-Band gewesen, und es ist auch egal, dass dieser Song aus ihrer Vor-Nazi Zeit stammt (habe ich mich hier geirrt, korrigiert mich bitte in diesem Fall). Aber ich denke fast, dass man das in Amerika halt nicht so genau nimmt, darum will ich Lars jetzt auch nicht den Kopf abreißen. Insgesamt also ein wirklich gutes Release für ein Nebenprojekt, bei dem jeder Song angenehm ins Ohr gut und sich hier kein Aussetzer versteckt.
 
Wertung: 8/10
 
Anspieltips:

04. To have and to have not
06. Campbell California
09. 10 Plagues of Egypt

 
9. Rancid-NoFX Split EP (2002)
 
Im Frühjahr 2002 veröffentlichte BYO-Records im Zuge ihrer Split-Series (diesmal war es Volume 3) dieses Kleinod. Die Idee, die Tim hatte, fand auch Fat Mike ziemlich geil: Beide Punk-Legenden covern sich komplett gegenseitig!!! So ist auch für den Rancid-Fan jeder Song ein Treffer (umgekehrt natürlich auch für den NoFX-Fan): Zum einen sind da so gute Songs, die die NoFX gar nicht verzocken kann, und zum anderen werden die fremden Songs ja von Rancid gecovert, so dass es quasi auch geradezu zwanghaft gut klingen muss!
Wenn man die Leistungen beider Bands auf dem Sampler vergleicht, dann ist das eigene Ergebnis natürlich Geschmackssache. Ich fand, dass NoFx den Job etwas kreativer angegangen sind, so finde ich die Idee, aus „Radio“ eine Reggae-Nummer zu machen, richtig gut. Außerdem war die Song-Auswahl von NoFx in meinen Augen die bessere.
Für Rancid spricht, dass sie, obwohl anders als auf anderen Alben, hier richtig gut klingen. Der Sound ist sehr basslastig, und alles klingt recht dreckig. Hätten sie diesen Misch nur für das Indestructible Album benutzt… In Folge des guten Misches klingen die Songs auch allesamt sehr party- und mitgröhllastig, was aber einfach nur geil ist. Und wenn Matt beim Intro zu „Stickin’ in my Eye“ noch mal zeigt, wer der Bassgott ist, dann geht das einfach nur ab! Überhaupt ist cool, dass alle (singenden) Rancid-Member eingebunden werden: Matt singt einen Song („Don’t call me white“), Tim zwei („Moron Brothers“ und „Bob“) und Lars die anderen drei.
Auf jeden Fall kann man sagen, dass es sich bei der Split-EP um eine echt hochwertige und sich lohnende Sammlung von Songs handelt, die allesamt super sind. Natürlich ist es bei Covern immer Geschmackssache, aber wie gesagt finde ich das ganze super. Wobei aber festgehalten werden sollte, dass ein Cover im Prinzip nicht viel besser sein kann als das Original, und ich hier der Meinung bin, dass es sich bei beiden Bands um Spezialisten des Songwritings handelt, so dass hier auch eigentlich nichts schlechtes rauskommen konnte.
 
Wertung: 08/10
 
Anspieltipps:
05. Corazón de Oro (NoFX)
06. Radio (NoFX)
07. Moron Brothers (Rancid)
09. Bob (Rancid)

10. The Transplants – s/t (2002)
 
Über dieses Album war im Vorfeld viel gemunkelt worden. Die Kombination aus Tim Armstrong, Blink Drummer Travis Parker und dem (bis dato) unbekannten Rancid Roadie Skinhead Rob, der als MC fungiert. Unterstützt wurden die Transplants auf ihrer Plate im Übrigen von ein paar anderen MCs, von Brody Armstrong (Distillers Frontfrau und Tims Ex-Frau), Davey Havok (AFI Sänger) Matt Freeman und Lars Frederiksen (Tims Kollegen aus Rancid). Live kommt noch Unterstützung von Craig von den Forgotten’s (der auch bei den Bastards von Lars spielt) dazu. Nun, was gibt es zur Musik zu sagen: Einerseits top, andererseits oft nur naja. Was positiv auffällt, ist schon auf den ersten Blick die Abwechslung: von sehr tanzbar („Tall Cans in the Air“) über flott („One Seventeen“) nach kopfnickig („D.R.E.A.M.“) zurück nach kräftig („Romper Stomper“) und schließlich ab nach lässig („Sad but true“). Dabei überzeugen vor allem Tims Gitarrenarbeit und sein Songwriting. Robs Stimme ist zwar ganz witzig und kraftvoll, aber eben nicht sehr „flowig“. Auch seine Rap-Styles können nicht immer überzeugen. Dazu fällt noch ins Gewicht (wahrscheinlich ist dies auch der Hauptkritikpunkt an dieser Platte), dass die Drums alle geloopt sind. Also egal ob Intro, Strophe, Refrain und Bridge: Es kommt immer wieder der gleiche Loop (kleine Ausnahmen mal abgesehen). Live ist das nicht so, und deshalb sind sie wohl auch live der Platte vorzuziehen. Prinzipiell ist das Album (bzw. das ganze Projekt) eine tolle Idee, die es so bisher nicht gab und die auch zu 80% überzeugen kann. Wenn man es in den nächsten Alben schafft, Robs Stimme aufzuwerten und Travis überzeugen kann, länger als drei Stunden im Studio zu verbringen, dann kann in dieser Konstellation ein echtes Über-Album entstehen. So bleibt es halt bei gut, denn bei aller Kritik steht wohl eins fest: Enttäuschung sind bei Tim Armstrong nie zu erwarten, dafür ist sein Songwriting einfach zu gut. Achja, den Song „Diamonds and Guns“ sollte jeder kennen, der öfter mal Shampoo-Werbungen im Fernsehen sieht.
 
Wertung: 7/10
 
Anspieltipps:

03. DJ. DJ.
04. Diamonds and Guns
06. Sad but true
08. One Seventeen


11. Rancid - "Indestructible" (2003)
 
Das bislang letzte Album knüpft da an, wo sie 1995 aufgehört hatten, sprich es könnte auch als “...and out come the Wolves”-Teil 2 heißen. Bei der Veröffentlichung im letzten Spätsommer hat sich ja die Presse (egal ob E-Zine oder die großen Printmedien) vor Freude überschlagen, was ich bis heute nicht verstehen kann. Ich würde mich schon als Rancid-Fan mit einer gewissen Sachkunde bezeichnen, und kann genau deshalb diesem Urteil nicht zustimmen. Okay, das Album ist mehr als grundsolide, hat so gut wie keine Ausfälle, aber eben auch nichts Besonderes. Warum ist in aller Welt der Bass so leise abgemischt? Matts Bassläufe waren immer eines von Rancids Hauptmerkmalen. Warum singt Lars diesmal so wenige Stücke? Positiv ist anzumerken, dass Brett merklich besser geworden ist und das es knapp 60 Minuten gute Unterhaltung am Stück gibt. Aber um welchen Preis? Jedes Album von Rancid, dass man auch nach 5 Jahren bedenkenlos auflegen kann, hatte sich durch etwas besonderes ausgezeichnet: „Let’s Go!“ durch seinen leicht schäbigen Sound und die enorme Hit-Dichte, „Life won’t wait“ durch seinen Abwechslungsreichtum und „Rancid 2000“ durch seine Kompromisslosigkeit. Ja sogar „…and out come the Wolves“ war ja irgendwo geil durch seine Smash-Hits. Aber genau hier liegt das Hauptproblem von Indestructible: Es hat kein besonderes Merkmal. Die beiden Auskopplungen waren na ja, die Produktion ist langweilig und die „outstanding-Highlights“ sind auch nicht da. Irgendwo ist das Album das akustische Gegenstück zu dem Popcornkino à la Hollywood: Solide Regie, viel Action, nette Schauspieler, aber eben auch vorhersehbar und ohne Seele.
So bleibt am Ende zu hoffen, dass Tim in Zukunft wieder mehr Zeit für ein besseres Rancid-Album haben wird, denn dieses hier rangiert (obwohl keinesfalls schlecht oder so) leider auf den hinteren Plätzen in Rancids Discographie.
 
Wertung: 6/10
 
Anspieltipps:

03. Red hot Moon
05. Start now!
10. Memphis
16. Back against the Wall


12. Lars Frederiksen – "The Viking" (2004)
 
Obwohl schon bestimmt 20x gehört, weiß ich immer noch nicht, wie ich es einschätzen soll. Mal klingt es stupide und dumpf, dann aber wieder richtig frisch und unterhaltend. Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen. Produziert wurde das ganze wieder von Tim, der auch einen Track mit Lars zum Besten gibt („My Life to life“). Auch Skinhead Rob von den Transplants featured die Platte auf „Switchblade“. Wie beim Vorgänger sind auch wieder hier ein paar Coverversionen vertreten, nämlich „For You“ von der Anti-Nowhere-League, „Marie, Marie“ von den „Blasters“ und „Little rude Girl“, dass der eine oder andere unter dem Namen „Do you wanna dance with me?“ von den ganz alten Rancid Demos kennen sollte („Demolition Sessions“). Alle drei sind gut gelungen, vor allem letzteres geht echt geil ab. Sonst gibt es solide Kost, allerdings ist das Album schneller als der Vorgänger und die Songs sind dreckiger. Stark rauszuhören ist auch ein Rock’n’Roll Einschlag, den man so von Rancid nicht kannte. Im letzten Track, der zufällig auch der Namensgeber für das Album ist, erzählt Lars seine Biographie, untermalt von einem Gitarrenriff und ein paar Streichern. Schön!
Insgesamt ein tolles Album, dass nicht an den Vorgänger herankommt, aber dennoch mehr überzeugen kann als Indestructible. Aber das war ja nicht die schwierigste Aufgabe.
 
Wertung: 7/10
 
Anspieltipps:

01. Bastards
07. Little Rude Girl
11. My Life to live
16. The Viking