Rancid Special by
andreas bär
Das wichtigste gleich zum Anfang: Rancid
gehören zu den wichtigsten und besten Punk-Bands aller Zeiten, und
ihr Werk ist sehr viel größer und besser, um nur auf „Time
Bomb“ und „…and out come the Wolves“
reduziert zu werden.
Zur Geschichte: Die Story von Rancid beginnt im Jahr 1987. Jesse Michaels,
Tim Armstrong („Lint“), Matt Freeman (“Matt McCall“)
und Dave Mello gründen Operation
Ivy in Berkeley, Kalifornien. Operation Ivy gelten heute als eine
der wichtigsten Third-Wave Ska Bands und als die Prototypen der seit den
1990’ern sehr beliebten US-Ska-Punk Szene. OpIvy veröffentlichte
zuerst zwei Songs auf einem Lookout!-Records Sampler (1987), dann die
Hectip-EP (1988) und schlussendlich die Energy-LP (1989). Unter OperationIvy.com
kann man sich näher zu dieser Band informieren und viele Bootlegs
runterladen. Operation Ivy trennten sich am Tag nach ihrer LP Veröffentlichung
im Jahr 1989.
Zwei Jahre nach der Auflösung von Operation Ivy gründeten Tim
und Matt (jetzt mit richtigem Namen Matt Freeman) Rancid. Sie nahmen mit
Brett Reed einen Drummer dazu, und spielten von nun an als Trio. Im Jahr
1992 veröffentlichten sie ihre 7“ („I’m
not the only one“, bzw. s/t 7“) auf Lookout!-Records.
Brett Gurewitz entdeckte dann Rancid und zog sie zu Epitaph.
Dort veröffentlichten die 1993 ihre erste LP („Rancid“).
Nach den Aufnahmen zu der Platte kam auf Lars Frederiksen an Bord, der
seitdem die 2. Gitarre spielt.
1994 wurde mit „Let’s Go!“ die zweite LP auf Epitaph
veröffentlicht und außerdem erschien eine EP auf Fat-Wreck
(„Radio, Radio, Radio“). 1995 erschien dann „…and
out come the Wolves“ (inkl. den Hits „Ruby Soho“
und „Time Bomb“), die Rancid über Nacht zu Mega-Sellern
machte. Von nun standen sie auf einer Stufe mit Green Day und The Offspring,
zumindest in Amerika und Asien.
Nach langen Tourneen erschien 1998 mit „Life won’t wait“
das bisher ambitionierteste Werk von Rancid. Die Band verließ die
bekannten Ska-Punk Wege, um auf dem neuen Album auch Dub, Reggae oder
Motown-Einflüsse in die Songs zu packen. Im Jahr 2000 erschien dann
mit „Rancid“ das bisher aggressivste Album der Band.
Danach wurde es stiller um Rancid, da sich die einzelnen Mitglieder von
nun an mehr auf ihre Nebenprojekte konzentrierten („Devils Brigade“,
„Lars Frederiksen and the Bastards“, „The Transplants“,
„The Silencers“).
Im Sommer 2003 erschien dann mit „Indestructible“
das neue Album, das sich als der Nachfolger von „…and out
come the Wolves“ präsentierte.
Reviews:
1. „I’m not the only one“-EP
2. Rancid 1993
3. Radio, Radio, Radio
4. Let’s Go!
5. ...and out come the Wolves
6. Life won’t wait
7. Rancid 2000
8. Lars Frederiksen and the Bastards – s/t
9. Rancid-NoFX Split EP
10. The Transplants – s/t
11. Indestructible
12. Lars Frederiksen and the Bastards – The Viking
Ich will darauf hinweisen, dass ich mich auf die LPs und EPs beschränke.
Bei Wunsch kann ich mir auch noch die Singles und die Demos vornehmen,
aber momentan habe ich zu wenig Zeit für so was und auch nicht soviel
Bock.
1.
Rancid - „I’m not the only one“-EP (1992)
Erstes Release von Rancid. Erschien seinerzeit auf Lookout!-Records. Damals
noch zu dritt und mit Tim und Matt an den Vocals. 5 Songs, allesamt überraschend
gut und sehr stimmig.
Da sich noch nicht der typische Rancid-Stil herausgebildet hatte, klingt
es manchmal etwas ungewohnt, und auch das Schlagzeugspiel von Brett war
damals noch nicht so gut. Außerdem klingt das ganze noch sehr viel
düsterer. Aber dennoch ein souveräner Einstand. Ein paar Tracks
waren übrigens vorher schon als Demo erschienen.
Wertung: 6/10
Anspieltipps:
1. I'm Not The Only One
2. Battering Ram
2.
Rancid ’93 (1993)
Die erste LP, ebenfalls hier noch zu dritt. Lars taucht aber bereits
im Video zu Hyena auf. Obwohl (natürlich) überzeugend wahrscheinlich
die schwächste LP von Rancid. Die fantastischen Bass-Läufe
von Matt sind schon hier unüberhörbar. Die fallen insbesondere
bei Songs „Detroit“, „Rejected“ oder „The
Bottle“ auf. Auch sonst klingt es schon „Rancid-typischer“,
so klingt die Stimme von Tim so richtig schön scheiße und
es wird etwas „heller“ im Klang auf dem Album.
Wertung: 6/10
Anspieltips:
02. Hyena
04. Rats In The Hallway
09. Rejected
15. Union Blood
16. Get Outta My Way
3.
Rancid - "Radio, Radio, Radio" EP (1994)
Erschien im Frühjahr 1994 auf Fat-Wreck Chords, also zwischen den
ersten beiden Alben, die ja auf Epitaph raus kamen. Die erste Aufnahme,
bei der Rancid zu viert agiert. Übrigens gab es keine Line-up Wechsel
seit damals.
Enthält eine Radio-Version, die sehr ähnlich zu Original-Version,
die seinerzeit mit Billy Joe Armstrong von Green Day aufgenommen wurde,
ist (Nein, ich spreche nicht von der Version auf Let’s Go!). Insgesamt
leidet die Platte und der nicht so guten Aufnahme Qualität, speziell
die Gitarren klingen etwas schwach. Was soundtechnisch drin gewesen
wäre kann man an der remasterten Version von
„Just a Feeling“ erkennen, die auf irgendeinem Fat-Sampler
(„Fat Music for fat People“?) mal erschien. Dafür darf
man das erste Mal Lars am Mikrofon hören, der auch das Solo bei
Radio übernimmt.
Wertung: 6/10
Anspieltips:
01. Radio
02. Dope Sick Girl
4.
Rancid - "Let’s Go!" (1994)
Der erste Meilenstein im Rancid-Universum. Die Weiterentwicklung von Rancid
ist mehr als deutlich erkennbar. Vor allem wird hier bereits im ersten
Song („Nihilism“) der Tag-Team Gesang von Lars und Tim eingeführt,
der später zum Markenzeichen von Rancid werden sollte. Was dieses
Album auszeichnet ist aber nicht die (mäßige) Produktion von
Brett Gurewitz oder das etwas trashige Schlagzeugspiel, sondern die unglaubliche
Hit-Dichte, die dieses Album beinhaltet. Von den 23 Songs, die auf diesem
Album vertreten sind, besitzen nur wenige keinen Hit-Charakter. Hier sind
so viele Klassiker drauf, man müsste als Anspieltipps einfach die
Trackliste hinschreiben. Prinzipiell war auf diesem Album schon das Potential
für spätere Meisterwerke erkennbar, auch wenn es hier noch (fast)
ohne Ska oder anderen Einflüssen zur Sache ging. Hier gab es noch
schönen Westcoast-Punk, allerdings auf eine sympathisch rotzige Art
präsentiert. Zu diesem Album gibt es auch die schöne Geschichte,
dass Madonna Rancid auf ihr Label Maverick Records holen wollte, und als
„Überzeugungsgrund“ ein paar Nacktfotos von sich mitschickte.
Rancid blieben bei Epitaph, aber die Fotos hängen bis Heute in Lars’
Klo. Wenn das mal nicht Punkrock ist ;)
Dieses Album ist zu 100% zu empfehlen, speziell für die, die von
„…and out come the Wolves“ enttäuscht sind, weil
es nicht hält, was die Kritiken versprechen.
Wertung: 9/10
Anspieltipps:
01. Nihilism
02. Radio
04. Salvation
14. Harry Bridges
16. St. Mary
5.
Rancid - "…and out come the Wolves" (1995)
Mit Sicherheit auch ein großes Album und der internationale Durchbruch
für Rancid. Allerdings finde ich es nicht so gut wie immer gesagt
wird. Zwar sind mit „Ruby Soho“ und „Time Bomb“
zwei Smash-Hits auf dem Album, allerdings ist es mir zu sauber produziert
und gerade im hinteren Teil kann nicht jeder Song überzeugen. Das
ist in soweit schade, als dass man nach dem Vorgängeralbum bereits
hier schon Rancids Meisterwerk erwarten konnte. Da über dieses
Album überall soooooo viel zu lesen ist, will ich gerade diesen
Bericht etwas kürzer halten und statt dessen auf Vörgänger
und Nachfolger verweisen. Der Hammer des Albums: Das Bass-Solo von Matt
bei „Maxwell Murder“.
Wertung: 7/10
Anspieltipps:
03. Roots Radicals
04. Time Bomb
09. Ruby Soho
11. Journey to the End of East Bay
13. Old Friend
6.
Rancid - "Life won’t wait" (1998)
Nach Welttournee und internen Problemen tat Rancid das einzig richtige:
Sie entwickelten sich um Längen weiter und zeigten, dass sie mehr
können als Punk! Damit kein falscher Eindruck entsteht: Rancids Haupteinfluss
war natürlich immer noch Punk, allerdings schafften sie es auf unerreichte
Weise, andere Musikrichtungen einfließen zu lassen, ohne das es
sich bemüht oder poppig anhört. Als Folge dessen ist das Album
von vorne bis hinten innovativ, und es sind die gerade die kleinen Sachen
(wie das Xylophon bei „Hoover Street oder die Hammondorgel beim
Beginn von „Carazon de Oro“), die das Album so besonders werden
lassen. Die Komposition dieser Elemente ist in sich einfach schlüssig
und wirkt sehr homogen, ohne langweilig zu werden. Ein weiteres wichtiges
Element dieses Album ist die Produktion: Wenn man sich das Album anhört,
hat man wirklich das Gefühl, dass eine Band spielt. Die Abmischung
und der Klang sind für ein Punkalbum schlichtweg fantastisch. Aufgenommen
über mehrere Monate in 4 Studios präsentieren sie 22 Songs mit
einer Gesamtspielzeit von 64 Minuten. Darunter gibt es einen Track mit
Buju Banton („Life won’t wait“); Marky Ramone und The
mighty mighty Bosstones steuern ebenfalls zum Album bei. Das Album umfasst
recht viele Stile, ist perfekt produziert und in sich geschlossen. In
meinen Augen Rancids Meisterwerk und eine meiner absoluten Lieblingsplatten.
Denn wo trifft man schon auf eine Kombination von perfektem Songwriting,
vielen Musikstilen, mehreren Gaststars und einer guten Portion Krach?
Daher finde ich es unverständlich, dass viele Kritiker dieses Album
verrissen haben und dass es kein kommerzieller Erfolg wurde. Aber die
Welt ist ja nicht immer gerecht…
Wertung: 10/10
Anspieltipps:
03. Hoover Street
08. Hooligans
11. Backslide
21. Carazon de Oro
22. Coppers
7.
Rancid - "Rancid 2000" (2000)
Niemand weiß warum, aber Rancid waren wohl wirklich angepisst in
den Jahren zwischen 1998 und 2000. Anders ist dieser Output nicht zu erklären:
22 Songs in 38 Minuten, wenn man noch bedenkt, dass die zwei längsten
Songs über
7 Minuten lang sind, dann bleiben 30 Minuten für 20 Songs übrig.
Und das ist gut so. Angenehm dreckig produziert, tolle Bass-Arbeit von
Matt (z.B. das Solo in „Axiom“!!!!), zum Teil auch mal ein
schiefer Ton (da zum teil One-Take Recordings), etc. Außerdem verließen
Rancid für dieses Album ihre bisherigen Wege: Kein einziger Ska-Song
ist hier zu finden. Das ist natürlich in soweit ungewohnt, als das
Rancid sich während ihren letzten Alben sich immer mehr dem Ska und
Dub genähert haben, was ich ja in dem genialen „Life won’t
wait“ seinen (nicht nur kreativen, sondern auch qualitativen) Höhepunkt
fand. Jetzt ist es natürlich nicht so, dass sich das Album wie Hardcore
anhört, dafür ist Rancid dann doch zu melodielastig und auch
musikalisch zu versiert. Aber es klingt hier halt alles sehr flott, sehr
„eckig“ und (und das ist vielleicht das besondere) wütend
UND authentisch. Gerade letzteres ist sehr ungewöhnlich für
eine Band, die weltweit ein paar Millionen Platten verkauft hat. Wenn
sich Puristen darüber aufregen, dass ein Barcode auf der Rückseite
der Platte ist, dann finde ich das an der Sache vorbei gemeckert. Was
zählt, ist der Inhalt, und der ist hier mehr als gut: Songs wie „Rwanda“,
„Black Derby Jacket“ oder „Antennas“ sind perfekt
zum abgehen geeignet. „Radio Havana“ hat fast hymnenhaften
Charakter, und Tracks wie „Disgruntled“ oder „Dead Bodies“
zeigen die wütende Seite von Rancid.
Für mich Rancid’s zweitbeste Arbeit (mit Let’s Go!).
Wertung: 9/10
Anspieltips:
02. Disgruntled
03. It’s quite alright
06. Poison
09. Rwanda
14. Radio Havana
8.
Lars Frederiksen and the Bastards – s/t (2001)
Als dieses Album im Sommer 2001 erschien, dann hieß es von Seiten
der Kritik immer wieder, dass dieses Album doch das “echte”
Rancid Album wäre, im Gegensatz zu Rancid 2000. Auf diesem Album
(geschrieben von Lars und Tim, produziert von Tim) gibt es wieder den
hymnenhaften Punkrock, für den Rancid immer gefeiert wurde. Denn
hier wurde im Vergleich zu Rancid 2000 der Gang
etwas zurückgeschaltet: Lars singt mehr und schreit nicht mehr so
viel, man lässt es etwas melodischer angehen und auch andere Einflüsse
fließen wieder vermehrt ein (z.B. Rockabilly: „Six Foot Five“).
Dazu gibt es noch 2,5 Cover. 2,5 deshalb, weil mit „To have and
to have not“ (Billy Bragg) und „Leavin' Here” (Motorhead)
zwei Songs regulär gecovert wurden (wobei das erste einfach genial
ist), und 0,5 Punkte für „Campbell California“ dazukommen,
dass einfach komplett die Musik von Screwdriver’s „The Future
belongs to me!“ übernimmt. Ich denke, ein solcher Faux Pas
wäre europäischen Bands wohl nicht passiert, denn Screwdriver
ist am Ende eine Nazi-Band gewesen, und es ist auch egal, dass dieser
Song aus ihrer Vor-Nazi Zeit stammt (habe ich mich hier geirrt, korrigiert
mich bitte in diesem Fall). Aber ich denke fast, dass man das in Amerika
halt nicht so genau nimmt, darum will ich Lars jetzt auch nicht den Kopf
abreißen. Insgesamt also ein wirklich gutes Release für ein
Nebenprojekt, bei dem jeder Song angenehm ins Ohr gut und sich hier kein
Aussetzer versteckt.
Wertung: 8/10
Anspieltips:
04. To have and to have not
06. Campbell California
09. 10 Plagues of Egypt
9.
Rancid-NoFX Split EP (2002)
Im Frühjahr 2002 veröffentlichte BYO-Records
im Zuge ihrer Split-Series (diesmal war es Volume 3) dieses Kleinod. Die
Idee, die Tim hatte, fand auch Fat Mike ziemlich geil: Beide Punk-Legenden
covern sich komplett gegenseitig!!! So ist auch für den Rancid-Fan
jeder Song ein Treffer (umgekehrt natürlich auch für den NoFX-Fan):
Zum einen sind da so gute Songs, die die NoFX gar nicht verzocken kann,
und zum anderen werden die fremden Songs ja von Rancid gecovert, so dass
es quasi auch geradezu zwanghaft gut klingen muss!
Wenn man die Leistungen beider Bands auf dem Sampler vergleicht, dann
ist das eigene Ergebnis natürlich Geschmackssache. Ich fand, dass
NoFx den Job etwas kreativer angegangen sind, so finde ich die Idee, aus
„Radio“ eine Reggae-Nummer zu machen, richtig gut. Außerdem
war die Song-Auswahl von NoFx in meinen Augen die bessere.
Für Rancid spricht, dass sie, obwohl anders als auf anderen Alben,
hier richtig gut klingen. Der Sound ist sehr basslastig, und alles klingt
recht dreckig. Hätten sie diesen Misch nur für das Indestructible
Album benutzt… In Folge des guten Misches klingen die Songs auch
allesamt sehr party- und mitgröhllastig, was aber einfach nur geil
ist. Und wenn Matt beim Intro zu „Stickin’ in my Eye“
noch mal zeigt, wer der Bassgott ist, dann geht das einfach nur ab! Überhaupt
ist cool, dass alle (singenden) Rancid-Member eingebunden werden: Matt
singt einen Song („Don’t call me white“), Tim zwei („Moron
Brothers“ und „Bob“) und Lars die anderen drei.
Auf jeden Fall kann man sagen, dass es sich bei der Split-EP um eine echt
hochwertige und sich lohnende Sammlung von Songs handelt, die allesamt
super sind. Natürlich ist es bei Covern immer Geschmackssache, aber
wie gesagt finde ich das ganze super. Wobei aber festgehalten werden sollte,
dass ein Cover im Prinzip nicht viel besser sein kann als das Original,
und ich hier der Meinung bin, dass es sich bei beiden Bands um Spezialisten
des Songwritings handelt, so dass hier auch eigentlich nichts schlechtes
rauskommen konnte.
Wertung: 08/10
Anspieltipps:
05. Corazón de Oro (NoFX)
06. Radio (NoFX)
07. Moron Brothers (Rancid)
09. Bob (Rancid)
10.
The Transplants – s/t (2002)
Über dieses Album war im Vorfeld viel gemunkelt worden. Die Kombination
aus Tim Armstrong, Blink Drummer Travis Parker und dem (bis dato) unbekannten
Rancid Roadie Skinhead Rob, der als MC fungiert. Unterstützt wurden
die Transplants auf ihrer Plate im Übrigen von ein paar anderen
MCs, von Brody Armstrong (Distillers Frontfrau und Tims Ex-Frau), Davey
Havok (AFI Sänger) Matt Freeman und Lars Frederiksen (Tims Kollegen
aus Rancid). Live kommt noch Unterstützung von Craig von den Forgotten’s
(der auch bei den Bastards von Lars spielt) dazu. Nun, was gibt es zur
Musik zu sagen: Einerseits top, andererseits oft nur naja. Was positiv
auffällt, ist schon auf den ersten Blick die Abwechslung: von sehr
tanzbar („Tall Cans in the Air“) über flott („One
Seventeen“) nach kopfnickig („D.R.E.A.M.“) zurück
nach kräftig („Romper Stomper“) und schließlich
ab nach lässig („Sad but true“). Dabei überzeugen
vor allem Tims Gitarrenarbeit und sein Songwriting. Robs Stimme ist
zwar ganz witzig und kraftvoll, aber eben nicht sehr „flowig“.
Auch seine Rap-Styles können nicht immer überzeugen. Dazu
fällt noch ins Gewicht (wahrscheinlich ist dies auch der Hauptkritikpunkt
an dieser Platte), dass die Drums alle geloopt sind. Also egal ob Intro,
Strophe, Refrain und Bridge: Es kommt immer wieder der gleiche Loop
(kleine Ausnahmen mal abgesehen). Live ist das nicht so, und deshalb
sind sie wohl auch live der Platte vorzuziehen. Prinzipiell ist das
Album (bzw. das ganze Projekt) eine tolle Idee, die es so bisher nicht
gab und die auch zu 80% überzeugen kann. Wenn man es in den nächsten
Alben schafft, Robs Stimme aufzuwerten und Travis überzeugen kann,
länger als drei Stunden im Studio zu verbringen, dann kann in dieser
Konstellation ein echtes Über-Album entstehen. So bleibt es halt
bei gut, denn bei aller Kritik steht wohl eins fest: Enttäuschung
sind bei Tim Armstrong nie zu erwarten, dafür ist sein Songwriting
einfach zu gut. Achja, den Song „Diamonds and Guns“ sollte
jeder kennen, der öfter mal Shampoo-Werbungen im Fernsehen sieht.
Wertung: 7/10
Anspieltipps:
03. DJ. DJ.
04. Diamonds and Guns
06. Sad but true
08. One Seventeen
11.
Rancid - "Indestructible" (2003)
Das bislang letzte Album knüpft da an, wo sie 1995 aufgehört
hatten, sprich es könnte auch als “...and out come the Wolves”-Teil
2 heißen. Bei der Veröffentlichung im letzten Spätsommer
hat sich ja die Presse (egal ob E-Zine oder die großen Printmedien)
vor Freude überschlagen, was ich bis heute nicht verstehen kann.
Ich würde mich schon als Rancid-Fan mit einer gewissen Sachkunde
bezeichnen, und kann genau deshalb diesem Urteil nicht zustimmen. Okay,
das Album ist mehr als grundsolide, hat so gut wie keine Ausfälle,
aber eben auch nichts Besonderes. Warum ist in aller Welt der Bass so
leise abgemischt? Matts Bassläufe waren immer eines von Rancids
Hauptmerkmalen. Warum singt Lars diesmal so wenige Stücke? Positiv
ist anzumerken, dass Brett merklich besser geworden ist und das es knapp
60 Minuten gute Unterhaltung am Stück gibt. Aber um welchen Preis?
Jedes Album von Rancid, dass man auch nach 5 Jahren bedenkenlos auflegen
kann, hatte sich durch etwas besonderes ausgezeichnet: „Let’s
Go!“ durch seinen leicht schäbigen Sound und die enorme Hit-Dichte,
„Life won’t wait“ durch seinen Abwechslungsreichtum
und „Rancid 2000“ durch seine Kompromisslosigkeit. Ja sogar
„…and out come the Wolves“ war ja irgendwo geil durch
seine Smash-Hits. Aber genau hier liegt das Hauptproblem von Indestructible:
Es hat kein besonderes Merkmal. Die beiden Auskopplungen waren na ja,
die Produktion ist langweilig und die „outstanding-Highlights“
sind auch nicht da. Irgendwo ist das Album das akustische Gegenstück
zu dem Popcornkino à la Hollywood: Solide Regie, viel Action,
nette Schauspieler, aber eben auch vorhersehbar und ohne Seele.
So bleibt am Ende zu hoffen, dass Tim in Zukunft wieder mehr Zeit für
ein besseres Rancid-Album haben wird, denn dieses hier rangiert (obwohl
keinesfalls schlecht oder so) leider auf den hinteren Plätzen in
Rancids Discographie.
Wertung: 6/10
Anspieltipps:
03. Red hot Moon
05. Start now!
10. Memphis
16. Back against the Wall
12.
Lars Frederiksen – "The Viking" (2004)
Obwohl schon bestimmt 20x gehört, weiß ich immer noch nicht,
wie ich es einschätzen soll. Mal klingt es stupide und dumpf, dann
aber wieder richtig frisch und unterhaltend. Die Wahrheit wird wohl irgendwo
dazwischen liegen. Produziert wurde das ganze wieder von Tim, der auch
einen Track mit Lars zum Besten gibt („My Life to life“).
Auch Skinhead Rob von den Transplants featured die Platte auf „Switchblade“.
Wie beim Vorgänger sind auch wieder hier ein paar Coverversionen
vertreten, nämlich „For You“ von der Anti-Nowhere-League,
„Marie, Marie“ von den „Blasters“ und „Little
rude Girl“, dass der eine oder andere unter dem Namen „Do
you wanna dance with me?“ von den ganz alten Rancid Demos kennen
sollte („Demolition Sessions“). Alle drei sind gut gelungen,
vor allem letzteres geht echt geil ab. Sonst gibt es solide Kost, allerdings
ist das Album schneller als der Vorgänger und die Songs sind dreckiger.
Stark rauszuhören ist auch ein Rock’n’Roll Einschlag,
den man so von Rancid nicht kannte. Im letzten Track, der zufällig
auch der Namensgeber für das Album ist, erzählt Lars seine Biographie,
untermalt von einem Gitarrenriff und ein paar Streichern. Schön!
Insgesamt ein tolles Album, dass nicht an den Vorgänger herankommt,
aber dennoch mehr überzeugen kann als Indestructible. Aber das war
ja nicht die schwierigste Aufgabe.
Wertung: 7/10
Anspieltipps:
01. Bastards
07. Little Rude Girl
11. My Life to live
16. The Viking
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