.Faithless
Interview
Faithless sind musikalisch so vielseitig, dass keine Schublade gross
genug wäre, ihren Musikstil zu definieren. Jetzt prophezeit der
neue Albumtitel auch noch einen Neuanfang. Zumindest Privat trifft das
auch zu, denn während der Aufnahmen zum Album bekamen sowohl Rollo
als auch Sister Bliss Nachwuchs. Im nachfolgenden Interview erklärt
uns Sister Bliss den Albumtitel und erzählt unter anderem von der
Zusammenarbeit mit Robert Smith und Dido.
Welches
Konzept hattet ihr für euer Album „To all new Arrivals“?
Sister Bliss: Das Konzept für das Album „To
all new Arrivals“ kam vom Titel. Es hat mich inspiriert,
dass ich damals schwanger war. Ich hatte die Idee, für meinen Neuankömmling
einen Willkommenstrack auf dem Planeten Erde zu schreiben. Dann schien
der Titel zu vielen Ideen zu passen, die wir hatten. Wir wollten sie
in unserer Musik ausdrücken.
Worum geht es in dem Song „To
all new Arrivals“?
Sister Bliss: Weil wir uns entschieden hatten, das
Album „To all new Arrivals“ zu nennen, machten
wir einen Track mit diesem Namen. Der Song beginnt mit Zahlen, die zitiert
werden. Sie kommen von Unicef und sagen, wie viele Millionen Kinder
in furchtbaren Situationen geboren werden. „To all new Arrivals“
sagt: Es gibt erstaunliche Dinge auf dem Planeten Erde, aber auch sehr
schreckliche Dinge. Das ganze Album hat hoffentlich dieses Bewusstsein.
Was für einen Sound wolltet ihr kreieren?
Sister Bliss: Für dieses Album wollten wir einen
einfachen, aber schönen, emotionalen Hintergrund, weil die Texte
in einigen Songs sehr brutal sind. Wir wollten es hörenswert machen
und schön. Dann stellten wir plötzlich fest, dass die Texte
sehr dunkel sind in vielen Songs. Hoffentlich begreift man dieses Nebeneinander
von Licht und Dunkel.
Warum habt ihr bei dem Song „Spiders,
Crocodiles & Kryptonite“ mit Robert Smith gearbeitet?
Sister Bliss: Das war großartig, weil er ein
großer Held von mir und Rollo ist. Wir haben einen Cure-Songs
namens „Lullaby“ geloopt, und wir wollten einen
Song schreiben, der wie ein Schlaflied für ein Kind war. Wir haben
das, was wir im Studio gemacht haben, zu Robert Smith geschickt, und
er liebte es und sagte: „Er würde gern Vocals darauf legen.“
Es war eine richtige Ehre, in bei diesem Song als Gastsänger zu
haben.
Worum geht es in diesem Song?
Sister Bliss: In dem Song geht es darum, dass ein Kind
zu seinen Eltern sagt: „Ich gehe nie ins Bett.“ Es ist wirklich
ungehorsam und schwierig. In Maxis Vers spricht ein Vater zu einem Kind,
das viel Fantasie hat. In dem Lied geht es um die Fantasie von Kindern,
um die wundervollen und verrückten Dinge, die Menschen in der Welt
erfinden.
Ihr habt auf eurem Album mit verschiedenen
Gastsängern gearbeitet. Wer sind sie? Warum habt ihr mit ihnen
gearbeitet?
Sister Bliss: Wir arbeiten auf allen Alben mit einigen
wenigen Gastsängern. Auf diesem Album haben sie den Sound in eine
andere Richtung gebracht. Wir wollten auch die Last von Maxi nehmen.
Darum haben wir viel gemischt. Wir haben verschiedene Leute, die Refrains
singen lassen oder ganze Songs. Hoffentlich haben wir trotzdem unsere
unverständliche Faithless-Identität. Wir haben mit Harry Collier
von Kubb gearbeitet. Er ist Gastsänger bei der ersten Single „Bombs“
und bei „To all new Arrivals“. Er ist ein Sänger,
den wir immer sehr mochten. Rollo hat ihn vor vier Jahren entdeckt.
Damals war er in seiner eigenen Band Kubb,
die sehr erfolgreich in England war und er war immer im Studio. Es ist
schön, mit jemandem zu arbeiten, der die Dinge etwas anders angeht.
Dido ist auch auf diesem Album, ebenso
wie Cat Power, deren Album „The
Greates“ wir kürzlich entdeckt haben. Sie hat eine großartige
Stimme. Es war eine große Ehre, mit ihr zu arbeiten. LSK
ist auch bei uns zu Gast. Er war unser Haupt-Gastsänger bei „No
Roots“. Es war schön, wieder mit ihm zu arbeiten. Ich
liebe seine Stimme und die Qualität seiner Texte. Er ergänzt,
was Maxi macht. Es gibt auch Cass Fox,
die „Music matters“ singt. Sie ist eine Künstlerin,
die Faithless bei der Tournee im letzten Jahr unterstützt hat.
Es ist schön, mit ihr zu arbeiten. Sie hat eine fantastische Stimme.
Dido singt den Song „Last this
Day“. Ist es schwieriger, sie ins Studio zu bekommen, seitdem
sie berühmt ist? Oder hat sich an der Zusammenarbeit mit ihr nichts
geändert?
Sister Bliss: Die Zusammenarbeit ist so entspannt und
natürlich, wie sie immer war. Sie schien wirklich kommen und mit
uns arbeiten zu wollen, was toll ist. Denn offensichtlich ist sie extrem
erfolgreich. Aber Faithless geben ihr Raum, etwas zu machen, was sie
auf ihrem eigenen Album vielleicht nicht machen würde. Und sie
ist ein Teil unserer Familie. Sie ist sehr beschäftigt und nimmt
nun ihr eigenes Album auf. Aber wir hatten sie im Studio, bevor sie
an ihrem Album gearbeitet hat. Zum Glück passte das Timing.
Wie wichtig ist es euch heute, eine politische
Band zu sein?
Sister Bliss: Ich bin mir nicht sicher, dass es für
uns wichtig ist, eine politische Band zu sein. Aber es ist uns wichtig,
die Wahrheit so zu sagen, wie wir sie sehen, und uns ehrlich auszudrücken.
Das ist nicht immer die modernste Art. Aber was wir zu sagen haben,
ist sehr relevant. Es ist politisch in dem Sinne, dass es eine Beziehung
zum täglichen Leben der Menschen hat. Wenn du feststellst, dass
du ein Publikum hast, hast du eine Verantwortung für dieses Publikum.
Da sind Menschen, deren Herzen und Köpfe für das, was du ihnen
gibst, offen sind. Warum sollte man sie mit völligem Müll
anfüllen? Wir versuchen, Bedeutung in unsere Musik zu legen. Vielleicht
wirkt das politisch, ich weiß es nicht.
Ist „Bombs“ ein politischer
Song?
Sister Bliss: „Bombs“ wurde als
Reaktion auf das Bombardement vom Libanon und Israel geschrieben. Das
passierte ja kürzlich. Dann schrieb Maxi den Text. Er ist eine
persönliche Reaktion auf politische Manöver. Maxi schreibt
den Song aus der Perspektive von jemandem, dessen Leben von großen
Bomben zerstört wurde. Man stellt sich vor, wie es für Menschen
sein muss, die jeden Tag mitten in Konflikten leben – ohne ihren
eigenen Fehler. „Bombs“ ist recht politisch und
bezieht sich auf das, was gerade passiert. Aber es ist zeitloser und
persönlicher als eine politische Nummer.
Warum glaubt ihr: „Music matters“?
Sister Bliss: Wir haben einen Song namens „Music
matters“ für das Album geschrieben, weil wir offensichtlich
alle eine große Leidenschaft für Musik haben. Außerdem
hat Musik die Macht, die Gedanken der Menschen zu verändern. Vor
allem, wenn die Leute aufwachsen, vor allem, als ich aufwuchs, war Musik
der Soundtrack aller wichtigen Momente in meinem Leben. Das gilt für
alle von uns. Wir fühlen alle, dass bestimmte Situationen oder
Gefühle in einem Song erklärt werden. Wenn du dich einsam
fühlst und das Gefühl hast, dass dich niemand versteht, schafft
Musik eine Verbindung. Musik hat also die Macht, etwas zu verändern.
Außerdem hat sie für mich persönlich eine tiefe Bedeutung.