.Groove
Armada im Interview
Nach dem Release ihres "Best Of" Albums war es eine
ganze Zeit lang ruhig gewesen um das
britische Produzenten/DJ-Duo Tom Findlay
und Andy Cato, besser bekannt als Groove Armada. Doch
seit
heute steht nun endlich das lang ersehnte, neue Album "Soundboy
Rock" in den Läden! Im nachfolgenden Interview
sprechen Tom und Andy über einen musikalischen Neuanfang, Songs die
es nicht auf's Album geschafft haben, Kooperationen mit Künstlern
wie Josh Stone, Ihre Australien-Tour und vieles mehr. Aber lest selbst
...
1. Andy über den Neubeginn von Groove
Armada:
Andy: Stimmt, auch wenn nie über ein definitives
Ende gesprochen wurde, so gab es um die Zeit als unsere „Best Of“
erschien doch Überlegungen in diese Richtung. Zwei Dinge gaben den
Ausschlag: zum einen unsere Live-Auftritte. Sie nahmen einen immer größer
werdenden Raum in unserer Arbeit ein. Weil sie einzigartig sind: wir spielen
Dance Music live. Das machen nur wenige. Nach unserer kürzlich absolvierten
Australientour können wir mit Recht von uns behaupten, die beste
Live Dance-Band der Welt zu sein. Zehn Jahre haben wir dafür gearbeitet.
Wir waren mit dem „Best Of“ Album
unterwegs, es hatte eine Weile kein neues Studioalbum von uns gegeben
und trotzdem waren unsere Konzerte stets ausverkauft, so dass man etwa
auf den Festivals eine Stunde vor Konzertbeginn gar nicht mehr ins Zelt
rein kam. Die Live-Konzerte kamen so gut an, dass es uns schwer fiel,
das aufzugeben. Die andere Sache war, dass unser Label glücklicherweise
von SonyBMG gekauft wurde. Plötzlich waren wir bei einer Plattenfirma,
die Interesse zeigte, uns zu unterstützen. Als man uns anrief und
vorschlug, ein neues Album mit uns zu machen, war ich zunächst skeptisch,
weil ich das früher schon zu oft gehört hatte. Aber sie beteuerten
ernste Absichten. Das motivierte uns sehr, also legten wir los.
2.
Tom über die Phase des „ausgebrannt seins“ nach dem „Best
Of“ Album:
Tom: Ich glaube, wir fühlten uns schon vor der “Best
Of” irgendwie ausgebrannt. Unser Verhältnis zum
Plattenlabel kriselte bereits als „Lovebox“
erschien. Sicher, es gibt hunderttausend Geschichten über Plattenfirmen
und im Grunde sind Plattenfirmen nicht so schlimm wie ihr Ruf. Aber unsere
damals war es. Als wir beispielsweise durch England tourten und einen
Gig in Nottingham spielten, ging ich Abends in den HMV-Plattenladen, der
gleich um die Ecke lag und fand dort nicht ein einziges Exemplar unseres
Albums, das zwei Wochen zuvor erschienen war. Grundlegende Aufgabe einer
Plattenfirma ist es, die Platten in die Läden zu stellen. Wenn sie
nicht einmal das schaffen, was dann? Dumm, dass man vertraglich an sie
gebunden ist. Sonst könnte man einfach aussteigen und wo anders neu
anfangen. Aber wenn du noch vier Alben liefern sollst, was willst du dann
machen? Dass BMG Jive kaufte, war das Beste, was uns passieren konnte.
Die Fusion mit SonyBMG betraf uns weniger, außer dass wir uns am
Ende bei Columbia, UK wieder fanden. Ein Label, das sehr motiviert schien.
Das brauchst du als Künstler, wenn du Monate und viele Nächte
Zeit in deine Arbeit investierst, dass es dann Leute gibt, die dich unterstützen.
Uns kommt es vor wie ein Neuanfang. Wir fangen wieder bei Null an, mit
einer neuen Band und einem neuen Label. Und mit deutlich mehr Engagement.
Das ist gut.
3. Andy über die musikalischen Ideen
hinter „Soundboy Rock“:
Andy:
Es
reflektiert aktuelle Strömungen in der Dance Music. Etwa das Aufgreifen
von Elementen aus den 80er Jahren, weniger die Songstrukturen als den
Sound betreffend. Zugleich haben Leute wie DFA
und LCD Soundsystem zunehmend rockige, aggressivere
Elemente ins Spiel gebracht. Dinge, die wir seit Jahren in unseren Live-Shows
haben. Mit anderen Worten: wir hatten alle diese Elemente schon immer
unserer Musik. Nur werden sie diesmal extremer ausgereizt.
Über das aktuelle Album "Soundboy Rock" –
song by song:
4. Tom über „The
Things That We Could Share”:
Tom: Andy lebt heute in Barcelona, Spanien,
ich immer noch in England, in London. Weite Teile des Albums haben wir
jeder für sich erarbeitet. „The Things That We Could Share“,
der Titel deutet es bereits an, ist einer der Songs, den wir zusammen
produziert haben, kurz vor Schluss in Barcelona, nachdem Andy ihn im Wesentlichen
vorbereitet hatte. Sänger ist Simon Lord von der Band Simian Mobile
Disco. Die laufen in England sehr gut und hatten mit „We Are
Your Friends“ einen Hit. Der Song hat etwas von Prince, den
Pet Shop Boys und sogar den Talking Heads. Was mir daran besonders gefällt,
ist dass der Text sehr britisch ist. Es ist eine Liebesgeschichte, die
aber wie eine Alltagsgeschichte erzählt wird und auf dem Dach eines
Busses spielt. Genau die Art von Geschichten, die ich mag. Hier werden
komplexe Gefühle verarbeitet, aber auf eine Weise, die jeder nachvollziehen
kann.
5. Andy über „What’s
Your Version“:
Andy:
Bei
diesem Groove dachten wir ursprünglich an Ian Brown. Thomas kannte
jemanden, der Ian kannte. Anfangs dachten wir sogar an eine Zusammenarbeit
mit Ian, aber das löste sich dann auf wie so vieles im Leben. Tony
Allen, ehemaliger Schlagzeuger von Fela Kuti und Begründer des Afrobeat,
spielt bei diesem Stück Schlagzeug, ebenso beim Song „Paris“.
Ursprünglich dachten wir also an Ian Brown, der dann aber durch Alan
Donohoe von The Rakes ersetzt wurde. Eine
gute Lösung, denn Alan schreibt wunderbare Texte. „What’s
Your Version“ ist ein typischer Groove Armada Track, der rhythmisch
an “Fools Gold” der Stone Roses
erinnert. Mit dem Sänger der Rakes obenauf. Ich liebe diese Kombinationen.
6. Andy über die Albumgäste Candi Staton und Tony Allen:
Andy:
Tony
Allen entsprach definitiv allen Erwartungen. Candi Staton ist einfach
eine großartige Sängerin. Sie kam mit Baseballmütze ins
Studio. Ok, sie fährt ein schickes Auto, hat aber ansonsten überhaupt
keine Starallüren. Keine Bodyguards oder all den anderen Kram, auf
den man bei Leuten mit deutlich weniger Talent trifft. Sie singt ihre
Vokalparts zweimal ein, dann sitzt alles, und sie geht erst mal einkaufen.
Bei Tony war es etwas komplizierter, weil es anfangs technische Probleme
mit den Mikrophonen gab. Das brachte ihn völlig aus der Stimmung.
Er betonte wie entscheidend der „Vibe“, die Stimmung bei Aufnahmen
sei. Also gingen wir für paar Stunden mit ihm in einen Pub. Er erzählte
wunderbare Anekdoten aus der Zeit mit Fela Kuti. Als wir später zurückkamen,
stand die Technik, Gott sei Dank. Tony bat mich ans Schlagzeug, ich sollte
ihm sagen, welchen Rhythmus er spielen soll. Muss man sich mal vorstellen:
Tony Allen fragt mich! Ich spielte einen
rudimentären Afrobeat, und er meinte, super, so spielt nur ein echter
„Afrohead“. Glaub mir, ich war im siebten Himmel. Der Mann
hat die Ausstrahlung einer echten Legende!
7. Tom und Andy über „Soundboy Rock“ und Dancehall-Elemente
in der Musik von Groove Armada:
Tom: Ich denke, die gab es schon immer
in unserer Musik. Du findest sie auf bereits auf „Goodbye Country
(Hello Nightclub)“ bei Stücken wie „Superstylin
’“. Das kommt von unseren Live-Auftritten. Dub ist echter
Festivalsound! Jeder liebt etwas Reggae und Dub. Die Energie einer Off-Beat
Gitarre - damit begeisterst du immer. Viele unserer Live-Stücke haben
eindeutig Dub-Einflüsse. Das haben wir zunehmend auf unsere Alben
übertragen.
8. Der Name „Soundboy Rock“ – wie kam es eigentlich
dazu? Der Titel stammt von Mike und dir, oder?
Andy: Ich legte ein House-DJ-Set auf, zu dem Mike jammte. Er
ist oft unser MC, wenn wir auflegen. Und weil er nicht zu den Leuten gehört,
mit denen du dich ans Klavier setzen und ein Lied schreiben kannst, muss
die Musik laut sein, wie an einem Samstagabend. Dazu improvisiert er dann.
Was er singt, erscheint wahllos, steckt aber voller genialer Momente.
Die besten Phrasen haben wir rausgefiltert, und eine davon war „Soundboy
Rock“. Ohne den House-Groove klang es wie ein Ruf aus einem
Reggaestück. So wurde das Stück aufgebaut, zu dem wir die Worte
dann nachträglich dazu fügten.
9. Tom zur Bedeutung des Albumtitels „Soundboy Rock“:
Tom: Ich hab ihn nach der Bedeutung gefragt.
Letztlich ist es eine Art Reflektion, so wie es die meisten Dinge sind,
die wir tun. Bezieht sich sowohl darauf, dass Andy und ich wie ein Soundsystem
auflegen, trifft aber auch auf unsere Arbeit mit der Band und im Studio
zu. Eine Art Phrase, die unsere Arbeit widerspiegelt. Ich weiß zwar
nicht ganz, was genau er damit meint, aber das ist gut so. Manchmal sind
Titel zu offensichtlich. Lieber einen, der vielleicht geheimnisvoll und
möglicherweise etwas irritierend ist.
10. Tom über die Einflüsse von Kraftwerk und Afrika Bambaataa
bei „Save My Soul“:
Tom: Diese Elemente gibt es zweifelsohne, insbesondere
was den Electro-Sound betrifft. Lustig, denn Andy kommt aus einer ganz
anderen musikalischen Richtung als ich. Wir treffen uns irgendwo in der
Mitte, bei Dub und Reggae und natürlich bei Electro. So entstand
dieser Track. Den ich sehr mag, weil man dazu sowohl im Club tanzen, als
ihn auch über Kopfhörer hören und mit geschlossenen Augen
dazu entspannen kann. Die perfekte Mischung aus Dance und Lieblichkeit.
Erinnert mich an unseren Track „Chicago“, den Opener
vom Album „Vertigo“. Lässt sich auch live sehr
gut umsetzen, mit tollen Bildern und umwerfendem Sound, um das Publikum
in die Stimmung dieses Songs zu versetzen. Ich mag das Stück, es
ist einer meiner Favoriten des Albums.
11. Tom über „What’s
Your Version“ und Jeb Loy Nichols:
Tom: Wir haben den Song mit Jeb
Loy Nicols aufgenommen. Er verkauft in Deutschland übrigens
mehr Platten als in England. Er ist bei einem kleinen Independent Label.
In England gehört er zur Speerspitze einer Bewegung, die sich „Country
Got Soul“ nennt, eine Art neue Countrymusic. Es gibt sogar
eine sehr hörenswerte Compilation, die „Country Got Soul“
heißt. Verrückte Sache. Jemand brachte seinen Namen ins Spiel,
er kam nach London und verbrachte ein paar Tage mit uns. Ein wirklich
netter und interessanter Typ. Er war auf der New York Art School, zusammen
mit Jean-Michel Basquiat, und wusste lauter
tolle Geschichten zu erzählen. Heute lebt er als eine Art „Hippie“
in Wales, im Umfeld der Super Furry Animals. Sie haben denselben Manager.
Wir nahmen zwei Stücke mit ihm auf. Wenn ich an „What’s
Your Version“ denke, bewegt mich das, weil seine Texte so großartig
sind. Erinnert mich ein bisschen an Richie Havens,
mit dem wir früher mal gearbeitet haben. Er hat diesen typischen
Südstaaten-Stil. Wenn er spricht, klingt es fast walisisch, aber
sobald er anfängt zu singen, wird er zu dieser Art Country-Typ. Und
er ist so ein liebendwürdiger Kerl. Er hat mich so beschämt.
Wir waren zusammen Essen und ich trank wie gewöhnlich zu viel, wenn
wir ein Album machen. Und er saß da mit seinem Minerealwasser! Ein
großartiger Typ, den wir gerne mit auf Tour nehmen möchten.
Das ist unser Traum, eine Live-Set mit Streichern, wo alles live gespielt
wird, ohne Backingtracks, mit allen guten Groove Armada Downtempo-Stücken.
Da würde er an erster Stelle stehen. Er gehört definitiv zu
meinen Lieblingen des Albums.
12. Tom über den Song „Feel The Same As You”
mit Angie Stone, der es nicht auf das Album geschafft hat:
Tom: Es wird eine Art limitierter Auflage
für das UK geben, die ersten zehntausend Exemplare betreffend, mit
diesem Song. Wobei noch nicht fest steht, welche Version verwendet wird.
Denn wir haben drei Versionen des Songs mit Angie aufgenommen. Das war
eine der Situationen, wo wir eine bestimmte Version ganz besonders mochten,
das Label aber eine andere favorisierte. Am Ende entscheiden wir uns ganz
gegen den Song und nahmen stattdessen den Song „Love Sweet Sound“
mit Candi Staton aufs Album. Verrückte
Sache! Als ich „I Feel The Same As You“, den Song
mit Angie Stone, kürzlich wieder in
unserer Lieblingsversion gehört habe, konnte ich kaum glauben, dass
sie ihn nicht auf dem Album haben wollten. Andererseits ist das eines
von den Problemen, die man gerne hat. Dass solch ein guter Song es nicht
aufs Album schafft. Wäre uns früher nicht passiert.
13. Andy und Tom über die Lightshow
der Tour zum Album „Soundboy Rock“:
Andy: Es ist derselbe wie immer, Sam
Brett, ein Künstler aus London, den wir seit vielen Jahren kennen.
Er arbeitet mit einem Computer-Zauberer zusammen, der Dinge macht, von
denen ich mich nicht einmal trauen würde, sie zu erklären, weil
ich nichts davon verstehe. Wichtig ist, dass es absolut einzigartig ist
und speziell für die jeweiligen Stücke geschaffen wird. Alles
geschieht als Reaktion auf das, was auf der Bühne passiert.
Tom: Pure Kunst, etwa der „Running Man“,
den wir bereits in Chicago aufgeführt haben. Großartig, denn
der bewegt sich nicht synchron mit der Musik, sondern wirkt ein bisschen
langsam. Aber alles passt perfekt zur Musik. Überhaupt sind alle,
die mit den Live-Auftritten zu tun haben sehr ambitioniert. Allein die
Crew – sieben Leute, die schlaflose Nächte haben, weil sie
es perfekt machen wollen. Als ich ihnen positive Kritiken unserer Australientour
schickte, hatten sie Tränen in den Augen. Ein großartiges Gefühl,
mit Leuten zu arbeiten, die dasselbe Ziel haben du und voll hinter dir
stehen. Ohne jetzt zu emotional zu werden, aber mit sechzehn, siebzehn
Leuten unterwegs zu sein, ist das Größte. Es ist eine Party,
zwei Wochen Ausnahmezustand. Und zugleich die schönste Art, unsere
Musik zu präsentieren.
14. Tom über die neue Band und die Groove Armada-Australientour:
Tom: Es war eine gute und sehr erfolgreiche
Tour. Unsere Mühen haben sich ausgezahlt. Immerhin waren wir mit
komplett neuer Band unterwegs. Mit Ausnahme von Andy, dem MC und dem Percussion-Spieler
besteht die Band aus lauter neuen Leuten. Und deren Enthusiasmus steckt
an! Unser Bassist ist neunzehn und hat bisher nur Club-Gigs gespielt.
Seine Reaktion auf die Ankündigung, vor 35.000 Leuten zu spielen,
was uns bereits vergönnt war, war umwerfend. Er konnte es gar nicht
fassen. Das steckt dermaßen an, dagegen kannst du dich nicht wehren.
Ich kann es gar nicht erwarten, dass wir wieder auf Tour gehen.
15. Tom über die Auswahl der neuen Bandmitglieder:
Tom: Wir haben das sehr genau genommen.
Der Schlagzeuger spielte bereits in einem kleinen Nebenprojekt, an dem
ich mal beteiligt war. Wir nahmen ihn für ein paar Konzerte mit,
und da wusste ich instinktiv, dass er der Richtige für diese Aufgabe
ist. Aber wir hatten tatsächlich auch Vorspieltermine. Was eine wirkliche
verrückte Erfahrung ist. Widerspricht es doch völlig der Idee
von Rock & Roll, Leute in einer Reihe antanzen zu lassen und ihnen
jeweils dreißig Minuten zum Vorspielen zu geben. Klingt andererseits
schwerer als es ist. Letztlich verlässt du dich auf dein Gefühl.
Nach den ersten beiden Kandidaten war klar, als Max rein kam, dass er
es sein würde. Das entschied sich innerhalb von Minuten, als er den
Bass nahm, wie er ihn nahm und wie er ihn spielte. Das war uns sofort
klar, er ist der richtige Mann. Wir haben ihn dann ein bisschen länger
spielen lassen, aber die Entscheidung fiel innerhalb einer Minute.
16. Andy erinnert sich an schöne Tourmomente
in Deutschland:
Andy: Ich erinnere mich besonders gerne
an unsere ersten Auftritte in Deutschland, als wir in kleinen Clubs vor
400 oder 500 Leuten spielten. Es gibt zwei Sorten von Auftritten: Festivals
mit 35.000 Leuten und jene Konzerte, vor du den Schweiß der erste
Besucherreihe direkt im Gesicht spürst. Darum geht es bei Dance Music.
Ich erinnere mich nicht mehr an die Namen der Clubs.
Tom: Einer war in Potsdam. So ein ziemlich illegaler
Rave. War wirklich verrückt. Davon gibt es noch ein paar schöne
Photos.
Andy: Diese Graffiti-besprühten Räume, purer Underground.
Großartig! Wir haben aber auch Rock am Ring und Rock im Park gespielt.
Tom: Und dieser Club in München. Pinguin-Club, oder so?
Ich mag diese kleinen Clubs. Hoffe, dass klingt jetzt nicht arrogant,
aber nach so einer Australien Clubtour bringen uns Konzerte in Deutschland
wieder gut auf den Boden. Hat etwas Erfrischendes und führt uns zugleich
zu unseren Wurzeln zurück; kommen wir doch alle aus Bands, die stets
vor kleinem Publikum gespielt haben. Ich freue mich sehr darauf, wieder
nach Deutschland zu kommen. Es ist lange her, dass wir hier waren. Ich
glaube, inzwischen sind wir so gut, dass wir hier begeistern können.
Besonders geeignet dafür sind die Festivals. Eines davon ist in München,
leider hab ich den Namen vergessen. Das Line-Up ist vielversprechend.
Viele deutsche DJs, die erfolgreich sind in England. Das ist genau unsere
Zielgruppe. Es ist ein Anfang. Deutschland war bisher kein großer
Markt für uns. Aber wir haben gemeinsame Wurzeln, Bands wie Kraftwerk.
Dub ist in Deutschland sehr beliebt. Es gibt keinen Grund, warum wir es
hier nicht schaffen sollten. Wir haben bisher nur noch nicht richtig angepackt.
17. Tom zum den aktuellen Stand von Dance Music:
Tom: Unsere Karriere spiegelt sich recht
gut in den Höhen und Tiefen der Dance Music der letzten zehn Jahre.
Als wir anfingen, dominierte Dance die Szene und das Radio. Vor drei,
vier Jahren war Dance Music plötzlich am Ende, jeder sprach vom Tod
der Dance Music. Das traf weniger auf die Clubs zu als auf die Präsenz
von Dance Music im Radio. Was definitiv starb waren die Super-Clubs und
das Phänomen der Super-DJs. Die verlagerten sich nach Amerika. Was
gut war, denn es machte Platz für neue, viel interessantere Dinge.
Heute gibt es einen neuen Rave, mit Bands wie den Klaxtons. Sie haben
Platz eins der Charts in England erobert und werden pausenlos im Radio
gespielt. Bands wie The Gossip bringen Persönlichkeit in die Dance
Music. Bands wie Justice und Digitalism
stehen kurz vor dem großen Durchbruch. So viele neue Leute, dank
derer es wieder Spaß macht, Dance Music zu machen! Noch vor ein
paar Jahren gab es einfach zu viele mittelmäßige DJs, die Trance
auflegten. Das konnte nicht lange überleben. Dann kam Rock und fegte
Dance vom Platz. Jetzt kommt Dance zurück. Dieser Tage ist es nicht
leicht, eine Rockband zu sein. Vor ein paar Jahren sah das noch ganz anders
aus. Musik bewegt sich Zyklen. Jetzt erlebt Dance Music einen neuen Höhenflug,
und das Beste daran ist: wir sind mittendrin.
18. Tom zum Artwork des Covers von „Soundboy Rock“:
Tom: Der Künstler heißt EBoy
und lebt in Berlin. Er vertritt diesen Stil schon seit ein paar Jahren.
Vor vier, fünf Jahren, als es in England noch das Magazin „Face“
gab, das ultimative Style-Magazin, hatten sie zwei Seiten zum Ausklappen
im Heft mit EBoys frühen Bildern. Digitale Pixel-Bilder von Leuten
wie Michael Jordan und Pharrell Williams. Es gab auch ein kleines Bild
von Andy und mir auf einer Couch. Sehr gelungen. So wurde ich auf ihn
aufmerksam. Zufällig managte der Freund eines Freundes ihn. Ich mochte
seine Sachen immer schon. Wie gesagt, unsere Musik klingt aktueller im
Vergleich zu dem was wir sonst gemacht haben. Musik taucht heute eher
im Internet auf als im Laden. Diese Bilder spiegeln mit ihrer Pixeltechnik
sehr treffend den Zeitgeist, finde ich. Das Promo-Cover zeigt nur einen
Ausschnitt des endgültigen Bildes. Das ist aufklappbar und zeigt
Szenen aus London wie den Piccadilly Circus aber auch viele surreale Motive,
und Barcelona ist auch mit dabei. Brillant! Da entdeckt man auch nach
zweistündigem Betrachten noch neue Details. Keine Ahnung, wie er
das schafft.
Andy: Hoffentlich erscheint das Album auch als Vinyl. Das Cover
als 12“ Format würde großartig aussehen.
Related Links:
www.groove-armada.de
www.myspace.com/groovearmada
(Interview by: SONY BMG / Juni 2007)
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