Trotz der langen Pause sind die H-Blockx seit dem Release ihrer aktuellen
Single "Countdown To Insanity" wieder in aller
Munde. Um das Album so veröffentlichen zu können, wie die
Band es sich vorgestellt hatte, schlugen sie dem Management eine Wette
vor. Wer davon nichts mitbekommen hat, schaut am besten mal hier:
www.myspace.com/diewette
Nachdem die H-Blockx die
Wette mit Ihrem Label schon vorzeitig gewonnen hatten waren
sie spontan zu einem gut gelaunten Interview bereit. Darin sprach
Frontmann Henning mit uns über die Hintergründe der Wette,
das neue Album "Open Letter To A Friend",
Lieblingssongs, gute Freunde, das aktuelle Lineup und einiges mehr
...
Ozelot: Heute um 13.14 Uhr war es so
weit und euer Video zur Single „Countdown To Insanity“
erhielt den 100.000sten Klick und das nach vier Wochen! Kurz danach
wurde folgender Kommentar eingetragen: „Ich weine und falle
vor Demut vor euch auf die Knie. Ich kann es nicht fassen. Danke.
Euer Henning.“ Was hattet ihr euch ursprünglich erwartet?
Henning: Die Frage hast Du ja im Prinzip selber gerade
beantwortet. Eigentlich haben wir uns nicht wirklich viel erwartet
aber daß es eben in der Art und Weise funktioniert hat, da konnten
wir alle nicht mit rechnen und darüber bin ich extrem dankbar.
Erwartet hatte ich eigentlich nur, daß irgendjemand mitbekommt,
wie wichtig uns dieses Album ist und wie wichtig uns die ganze Art
und Weise ist, wie wir das Video gedreht haben. Die Resonanzen sind
weit über dem, was ich erwartet habe ...
Ozelot: ... und das zu recht! Euer Label hat die Wette verloren und
muss nun sämtliche Kosten tragen. Was hat es zu bedeuten, wenn
das Label bemängelt, dass sich auf dem neuen Album keine richtige
Hitsingle befindet? Vermissen die Coverversionen a la „Ring
Of Fire“?
Henning: Nee, das nun nicht unbedingt. Es gibt ja
grundsätzlich viele Meinungen und es ist schwierig zu sagen,
das ist ein Hit und das ist kein Hit. Bei uns und unserer Plattenfirma
war es auch so, daß wir uns darüber unterhalten haben.
Da ging es darum, ob es das ist was das Label erwartet hat, ist es
das, was die Band erwartet hat, wollen wir das Album genau so veröffentlichen,
ja oder nein ... und grundsätzlich waren die Vorstellungen unserer
Plattenfirma anders, die Erwartungshaltung war nicht die, die wir
versucht hatten zu bestätigen. Da wurden dann Kommentare in den
Raum geworfen, daß man das Album so nicht veröffentlichen
wollte. Da war dann unsere Überzeugungskraft gefragt, zu zeigen,
wie wichtig uns das Album ist und wir haben uns dafür entschieden,
daß es kein anderes Album und auch keine anderen Songs geben
wird. Insofern war das ... eine Wette unter Freunden, würd ich
mal sagen.
Ozelot: Ihr seid mit dem Album total
zufrieden, habt eure eigenen Finanzen riskiert und trefft Aussagen
wie „das Album sei zu 100% und sogar 110% H-Blockx” und
ihr wärt „menschlich und musikalisch angekommen“.
Inwiefern hängt das alles mit eurem momentanen Line-Up zusammen
und wird dieses Line-Up so Bestand haben?
Henning: Das weiß ich nicht. Momentan geht
es mir vor allem um diese Platte, um die Möglichkeit bis zu Ende
des Jahres Musik zu machen, auf Tour zu gehen, Festivals zu spielen
und die Platte zu promoten. Ich bin auch schon zu lange im Geschäft,
um eine Prognose für die nächsten 10 Jahre abzugeben. Bis
zum Ende des Jahres werden wir auf jeden Fall die beste H-Blockx Formation
sein, die es seit Jahren gegeben hat.
Ozelot: Das denke ich auch! Vermisst
Du eigentlich den gesanglichen Supprt auf der Bühne und werdet
Ihr Live auch wieder Gäste haben?
Henning: Nee, live werden wir definitiv keine Gäste
haben und den Support hab ich natürlich durch die 3 Jungs mit
denen ich auf der Bühne stehe aber was Dave angeht, vermisse
ich ihn jeden Tag, den er nicht mit dabei sein kann. Ich habe mich
mittlerweile aber auch sehr gut daran gewöhnen können, die
Verantwortung selber tragen zu können oder zu müssen. Diese
Verantwortung nehme ich auch sehr bewußt wahr.
Ozelot: Auch gesanglich hat sich bei
Euch einiges getan, das klingt alles sehr fortgeschritten, was Du
auf dem neuen Album bringst ...
Henning: Ja ... was soll ich da groß zu sagen?
Ozelot: sag einfach es stimmt ...
Henning: ja genau
Ozelot: Was bringt Einen dazu, sich
mit tierischer Höhenangst in ein Stuntflugzeug zu setzen, mit
einem Stuntpiloten einige ziemlich gewagte Runden zu drehen und dabei
auch noch Textfragmente der neuen Single ("Countdown To Insanity")
zu singen?
Henning: Die Hoffnung eine Wette zu gewinnen!
Ozelot: Kommen wir zum Album, auch dazu
erst einmal herzlichen Glückwunsch! Das ist H-Blockx at it's
best und mein CD-Player ist eine sehr enge Beziehung mit der Scheibe
eingegangen. Lediglich der Song "I Don't Want You To Like
Me" tanzt vom Stil her aus der Reihe und klingt stark nach
Danko Jones. Wie kam es zu diesem Song und wie kam Tinte exakt auf
diesen Gitarrensound?
Henning: Danko Jones ist definitiv ein Vorbild gewesen
aber es gab mal eine Nummer, die ich mit der Gitarre geschrieben habe,
die überhaupt nichts mit Danko Jones zu tun hatte. Der Text und
die Melodie waren also vorher schon da, das klang für die meisten
von uns aber zu sehr nach HBC, deshalb wollte das so keiner nehmen.
Das Gitarrenriff, das ich vorher schon geschrieben hatte fand nicht
so wirklich großen Anklang und daraufhin habe ich gesagt: "Ich
finde aber die Zeile gut, ich finde den Text gut, wir lassen uns einfach
ein besseres Riff einfallen ...". Daraufhin kam es eben zu diesem
... "Dadab ..."
Ozelot: "... da dadab ..."
Henning:"... dabdab da dadab"
... und ich denke wenn es nicht Danko Jones wäre, dann würde
man sich eben an jemand anderen erinnert fühlen. Aber das ist
auch durchaus gewollt.
Ozelot: Ist ja auch ein großartiger
Song! Du sagst "die schwierigste Aufgabe ist es, ehrlich zu sich
selbst zu sein". In dem Song "Selfconversation"
bist Du sehr ehrlich. Was brachte Dich dazu einen solchen Text mit
dem Publikum zu teilen?
Henning: Wie meinst Du das?
Ozelot: Naja es ist schon ein recht offensiver Text, oder?
Henning: Zum Beispiel?
Ozelot: Es gibt eine Stelle, wo es darum geht, daß man sich
zwischen mehreren Frauen entscheiden müsse und auch die Wortwahl
ist schon offensiv ...
Henning: Ja aber wenn man sich den Text genauer anschaut,
kommt eben auch die Zeile vor: "I ain't into playing, I ain't
into sex I said, so I call the band to have a jam and kill a case
of Becks instead". Es geht bei dem Text vor allem darum,
daß die 3 Weiber für Möglichkeiten im Leben stehen,
die man ergreifen kann und darum, daß man diese Verführungen
annehmen oder ihnen Stand halten kann und seinen eigenen Weg geht.
Die Zeile "come on baby taxi" steht dafür,
daß man diese Weiber in ein Taxi verfrachten und sie dorthin
schicken kann, wo sie hingehören und man sich dann seinen eigenen
Weg nach Hause sucht.
Ozelot: Auf diesem Track hat uns auch
der Auftritt einer ausgebildeten Opernsängerin überrascht.
Wer ist das und wie seid Ihr auf diese Idee gekommen?
Henning: Mit meinem sehr guten Freund Jan Löchel,
der unter anderem auch das Album mitproduziert hat, verbindet mich
nicht nur eine über 10-jährige Freundschaft sondern auch
die Überzeugung, daß er einer der besten Musiker, Produzenten
und Sänger ist, den ich je in meinem Leben kennen gelernt habe.
Irgendwann saßen wir dann nachts um drei im Studio und haben
an diesem Song gearbeitet. Dann kam ein Produzent rein und sagte was
von System Of A Down, die neue Platte und wie geil das wäre,
so ein unglaublich cooler Konzeptrock. Dann so nach der dritten Flasche
Rotwein hab ich einfach gesagt, dann nehmen wir das Ding doch einfach
mit einer Opernsängerin auf, weil wir für den Song keinen
Text für den Mittelteil gefunden haben. Dann hat Jan sich in's
Studio gestellt und angefangen diese Zeile opernmäßig zu
singen und das fand ich so geil, das ich das als Mittelteil nutzen
wollte. Jan wollte aber natürlich nicht selber der Protagonist
sein und bat um eine ausgebildete Opernsängerin. Das machte dann
die Schwester von einem Freund von uns.
Ozelot: Neben eurem Ex-Basser Fabio
Trentini, der diesen Song mitgeschrieben hat ist in jedem Track auch
dein langjähriger musikalischer Begleiter Jan Löchel als
Autor genannt. Warum ist er kein festes Mitglied der H-Blockx?
Henning: Für mich persönlich ist Jan ein
festes Bandmitglied, nur eben keiner der auf der Bühne zu sehen
ist oder auf Fotos.
Ozelot: Hast du einen Lieblingssong
auf dem Album?
Henning: Ja, für mich sind "Leaving"
und "Open Letter To A Friend" exemplarische Beispiele
dafür, was ich mit der Band in den letzten drei Jahren durch
gemacht habe. Ich habe mich sehr stark damit auseinander gesetzt,
Dinge loslassen zu können. "Leaving" ist so
eine Nummer wo es um's Verlassen, Trennung und die Verarbeitung von
Ängsten geht und in "Open Letter To A Friend"
werden diese Ängste dann auf eine, für mich schöne
Art und Weise besiegt.
Ozelot: Wenn es nach mir ginge hättet
Ihr diesen Song auf 12 Minuten ausdehnen können ...
Henning: (lacht) Der war auch ursprünglich so
lang ...
Ozelot: Wie steht’s denn mit eurem Bekanntheitsgrad im Ausland
und welche Erwartungen stellt ihr in diesem Zusammenhang an das neue
Album?
Henning: Gerade im Bezug auf die Wette und das Video
haben wir unglaubliche Resonanz aus der ganzen Welt, vor allem aus
Australien bekommen, wo wir ja auch einen großen Hit hatten.
Die Empfänglichkeit im Ausland ist sehr groß aber mir ist
momentan Deutschland wichtiger als jegliche Gedanken daran, im Ausland
erfolgreich zu sein.
Ozelot: Wie kamt Ihr darauf, das Album
in Malmö (Schweden) aufzunehmen?
Henning: Skandinavien und ganz besonders Schweden
ist für mich persönlich der Mittelpunkt der europäischen
Rock'n Roll Kultur. Unabhängig genug um nicht wie die Arctic
Monkeys nach London Style klingen zu müssen und trotzdem kann
man dort auf einem qualitativ sehr hohen Niveau arbeiten. Genau das
wollten wir uns zunutze machen und das haben wir auch getan.
Ozelot: Für den Tag des Album-VÖs (am 24. August) ist eine
Feier angesetzt, die mit der heute gewonnenen Wette wohl ziemlich
üppig ausfallen wird. Das wäre allerdings erst in fast drei
Wochen, was ist für heute abend noch geplant?
Henning: Ich muß mich zunächst mit einigen
Deiner Kollegen unterhalten, das Album gut promoten und werde heute
Abend wohl einfach nur noch ins Bett fallen ...
Ozelot: Ihr habt ja eine große
Tour im Herbst und tretet
dabei unter anderem bei der Games Convention in Leipzig auf. Wir erinnern
uns noch an ganz frühe Auftritte von Euch bei Skateboard-Events
wie dem Münster Monster Mastership. Habt Ihr eigentlich noch
Bezug zur Boadrsportszene? Ich meine Dich mal auf dem Wakeboard gesehen
zu haben ...
Henning: Ich fahre noch relativ viel Wakeboard und
auch Snowboard und Skateboard, nur diesmal habe ich ausnahmsweise
das "Taxi" benutzt. Ich bin mit dem Brettsport
immer noch sehr verwachsen. Wir spielen auch noch auf solchen Events,
aktuell hat sich da nur nichts ergeben.
Ozelot: Willst Du noch irgendetwas los
werden?
Henning: Ich liebe Euch alle ... !
Ozelot: Wir Dich auch, vielen Dank,
daß Du Zeit für uns hattest!