| Music-Interview:
Martin Jondo |
Martin Jondo: Ich bin Martin Jondo, ich bin hier in Deutschland unterwegs und mache Reggaemusik. Ich hab 2005 meine erste EP "Rainbow Warrior" rausgebracht und bin jetzt gerad unterwegs mit meinem Album "Echo & Smoke" und beseele alle Festivals. OZELOT: Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen? Martin
Jondo: Ja da war ich so 14 oder 15 und hab halt extrem nach Kultur
gesucht. Die Leute um mich rum waren alles deutsche Jugendliche und die
haben halt Rockmusik gehört. Das hat mir aber nie was gebracht, damit
konnte ich mich nicht identifizieren und ich hab gemerkt, nee ich brauch
irgendwas was mich kulturell auffängt und hab gesucht und hab dann
irgedwann angefangen Reggae zu hören, das war mir total einleuchtend,
das erste Lied was ich gehört hab war "Under Me Sleng Teng"
wo der Typ so singt, dass er kein Kokain nimmt, dass er keine Zigaretten
raucht dass er nur Gras raucht und das war für mich dann so boooaaah,
ich habs voll verstanden. Das war auch die Zeit wo Freunde angefangen
haben, komm lass mal LSD nehmen und ich dacht so, ok, man hat nichts zu
verlieren und hab dann glücklicherweise Reggae gehört und das
hat mir total die Augen geöffnet und ich hab dann nicht die ganzen
Drogen genommen, hab nur Gras geraucht und bin dann halt richtig tief
in die Kultur rein und in die Musik. Martin
Jondo: Ganz viel auf jeden Fall, also gerade noch jetzt, mein
Vater ist 2003 gestorben und umso mehr fühle ich, dass meine Mutter
hier in Deuschland eine Ausländerin ist. Sie spricht auch nur gebrochen
deutsch obwohl sie schon ganz lange hier lebt. Als Kind war ich auch ganz
oft bei der Familie gewesen und jetzt merk ich das halt extrem, dass auf
jeden Fall ganz viel asiatisches Blut in mir ist, auch Verhaltensweisen,
wie man sich gibt und sowas. Ich hab auch ne große Sehnsucht nach
meinem Land, ich versteh auch meine Mutter, wie sie sich hier fühlt,
dass sie auf der einen Seite natürlich glücklich ist auf der
anderen Seite auch Heimweh hat aber dann auch nicht zurück gehen
kann weil es auch viele große kulturelle Probleme gibt. Also das
bedeutet mir ganz viel. Ich glaub, dass ist dann auch so der Jondo-Reggae,
weil ich dann auch so mein asiatisches reinbringe. Martin
Jondo: Ganz viel auf jeden Fall, ich bin ja mit 14/15 dazu gekommen
erstmal Reggaemusik zu hören und hab dann aber auch sofort gemerkt,
ok, die haben wirklich was zu sagen, die machen nicht einfach nur Musik,
da steht auch eine Lebenseistellung dahinter und bin dann halt sehr tief
da rein gegangen und hab mich auch damit auseinander gesetzt und auch
selbst ne lange Zeit lang Dreadlocks gehabt. Ich bin viel in der Natur
gewesen, hab selbst Instrumente gespielt, bin nicht auf Partys gegangen,
hab keinen Alkohol getrunken und sowas und mich dann aber auch irgendwann
mit Haile Selassie auseinander gesetzt, dann irgendwann festgestellt dass
das nicht ganz mein Weg ist. Ich kann also nicht so Haile Selassie verehren
aber ich respektiere die Rastas total und akzeptiere auch alle ihre Wege
und ihr Naturbewusstsein. Für mich sind auch wirklich die Rootsreggae-Artists
die wichtigen Leute, Burning Spear und auch Bunny
Wailor, Peter Tosh, Bob Marley,
das ist halt alles so meine Foundation was ich immer gehört hab,
Steel Pulse, Israel Vibration, das waren
halt wirklich die Leute wo ich das Gefühl hatte da kann ich hinterher
gehen und das bedeutet mir auch was. Martin Jondo: Also HipHop hab ich so ein Bisschen Cypress Hill gehört. Die ersten Texte die ich auf englisch gehört und ins deutsche übersetzt hab waren von House of Pain, zB "Jump Around". Hiphop war aber nie so richtig das was ich so extrem für mich aufnehmen konnte. Ich habs halt auch gerne gehört, so Cypress Hill, aber halt das ganze Bling Bling HipHop, das war nie wirklich so mein Ding, ich steh super auf die Beats, auf Rappen und sowas aber Reggae und Rasta war für mich dann doch früher genau mein Boot wo ich einfach gemerkt hab das bin ich! OZELOT: Du bist ja schon länger im Geschäft, hast vor Jahren schon Aufnahmen gemacht und die "Rainbow Warrior" EP rausgebracht. Warum erscheint dein Debut Album erst jetzt? Martin
Jondo: Es hat erstmal lange gedauert bis ich meinen Produzenten
Kraans de Lutin damals kennengelernt hab mit dem ich
dann auch die erste EP gemacht hab. Ich wollte nie Geld machen oder berühmt
werden. Ich wollte nicht angehimmelt werden. Ich wollte nur genau das
tun was die Rastas getan haben, was sagen und mein Leben geben. Da war
dann ganz klar der Aspekt, die Musik ist erst dann fertig wenn sie fertig
ist. Es geht nicht ums Geld, es geht jetzt nicht darum schnell die Platte
rauszubringen, irgendeinen Hype auszunutzen oder sonstiges. Es war für
mich einfach klar, mein Album ist dann erst fertig, wenn ich damit zufrieden
bin und dann kann ichs erst rausbringen.
Martin Jondo: Ganz traditionell auf einem Soundsystem Gig. Und zwar haben mich Leute aus Rostock eingeladen, Smoking Tuna, die haben auf der Stubnitz ne Dancehall Party gemacht, so'n Bashment wo sie ihren Geburtstag gefeiert haben. Die haben halt Pow Pow, Gentleman und mich eingeladen. Ich kannte Gentleman damals nur von Tabula Rasa und dachte mir, booaah ey, der Man ist es auf jeden Fall, der darf das auf jeden Fall machen, der hat das im Herzen, der lügt nicht oder probiert irgendwas darzustellen was er nicht ist und das ist super. Hab ihn dann da halt kennengelernt. Habe Soundcheck gemacht, dann sind die rausgegangen. Als ich angefangen hab sind die sofort zurück gekommen. Wer ist das? Aha! Dann hab ich halt die Show vor denen gespielt, das fanden die super und dann haben wir so ein Bisschen gequatsch, und den Abend miteinander rumgehangen. Dann haben wir uns nochmal in München getroffen. Da hab ich auch seinen Manager kennengelernt und dann meinte er auch irgendwann: „Hey, du musst mal bei mir vorbei kommen“ und dann ist das zusammengewachsen. OZELOT: Du warst als Merchandiser mit Gentleman auf der Journey to Jah Tour und standest mit Gentleman vor ausverkaufter Halle auf der Bühne. Welcher Moment hat dich am meisten beeidruckt? Martin Jondo: Jedes Mal wenn er mich auf der Bühne angekündigt hat, das war auf jeden Fall Wahnsinn und wenn ich dann mit ihm zusammen auf der Bühne stand und gesungen hab, das war einfach das Größte. Aber auch schon für mich alleine selbst wenn ich auch nicht hätte mitsingen können, jedes seiner Konzerte war für mich von Vorne bis Hinten immer ein Gebet, das ist was ganz Besonderes gewesen. Wir sind auch häufig mit vielen anderen Artists unterwegs gewesen aber ich hab immer gemerkt mit Gentleman ist es einfach was anderes. Es ist halt mein Leben, wenn der anfängt zu singen. Der sagt nicht einen Satz der mir nicht wichtig wäre. Die anderen Künstler sagen auch Sachen die sind nicht so wichtig und ich hab da wirklich jeden Song aufgesogen, stand hinter der Bühne und hab jedes mal total gedanced. Also allein das warschon ein Highlight gewesen, da mitfahren zu dürfen. OZELOT: Du bist mittlerweile mit eigener Band on Tour. Wie ist da der Kontakt entstanden? Wie ist die Stimmung im Studio und auf der Bühne? Martin Jondo: Die Stimmung ist auf jeden Fall super gut. Es sind sehr professionelle Musiker und ich kenn die auch durch Mellow Mark. Witziger Weise ist der Keyboarder damals noch bei der Far East Band gewesen. Der ist damals nach Amerika gegangen und hat dann da aufgehört, ist dann aber wieder gekommen nach Deutschland. Dann hab ich ihn halt gefragt, ey lass uns mal zusammen spielen und glücklicher Weise sind dann der Schlagzeuger und der Gitarist von der Mellow Mark Band nach Berlin gezogen und dann konnten wir da was aufbauen und da wir immer im Studio sind, sind die dann auch vorbei gekommen, konnten sich das anhören und irgendwann wars dann soweit, dass wir gesagt haben: Lass uns zusammen spielen, das ist auch noch ganz fresh, das macht Spaß! OZELOT:
Du
warst schon mit vielen Musikern im Studio, Mellow Mark, Gentleman, Tamika
und anderen. Was war das für dich als jungen Künstler für
eine Erfahrung? Martin Jondo: Ne, auf gar keinen Fall. OZELOT:
Viele
Junge Menschen hören auf deine Message, du kannst sie beeinflussen.
Wie gehst du damit um? OZELOT: Deine neue Platte heißt Echo & Smoke. Wie bist du auf diesen Titel gekommen? Martin Jondo: Das Leben ist für mich wie Schall und Rauch. So wie nichts eigentlich. Auf der anderen Seite ist es für mich wiedrum alles. Schall ist das was man wiedergiebt aus dem Leben, das Echo einfach und das wollte ich so ein Bisschen damit darstellen. Auf der einen Seite is es für mich nichts wert das Album, dass ich auch nicht übertreibe und sage: hey, ich hab jetzt ein Album rausgebracht, ich bin der King. Auf der anderen Seite will ich es auch nicht runterspielen wie wichtig mir das Album war. OZELOT: Wann sehen wir dich denn wieder auf der Bühne mit der Echo & Smoke Tour? Martin Jondo: Die geht so Ende September los und geht dann durch komplett Deutschland, bisschen Schweiz, bisschen Österreich und endet dann Ende Oktober. TOURDATES OZELOT: Vielen Dank für das Interview und viel Glück weiterhin! (Interview by: Moritz Oestreich am 12. August 2006) Related
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