Music-Interview: Martin Jondo

Interview mit Martin Jondo
in Aschaffenburg beim Afrika Karibik Festival am 12. August 2006

Während des Afrika Karibik Festivals in Aschaffenburg hatten wir die Gelegenheit uns mit dem derzeitigen Reggae-Überflieger Martin Jondo über sein aktuelles Album "Echo And Smoke", seine koreanischen Wurzeln, seine Beziehung zu Gentleman und vielen anderen Themen zu unterhalten. Jondo gab sich dabei sehr auskunftsfreudig aber lest selbst:

OZELOT:
Für unsere Leser die dich noch nicht kennen. Erklär kurz wer du bist und was du machst

Martin Jondo: Ich bin Martin Jondo, ich bin hier in Deutschland unterwegs und mache Reggaemusik. Ich hab 2005 meine erste EP "Rainbow Warrior" rausgebracht und bin jetzt gerad unterwegs mit meinem Album "Echo & Smoke" und beseele alle Festivals.

OZELOT: Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen?

Martin Jondo: Ja da war ich so 14 oder 15 und hab halt extrem nach Kultur gesucht. Die Leute um mich rum waren alles deutsche Jugendliche und die haben halt Rockmusik gehört. Das hat mir aber nie was gebracht, damit konnte ich mich nicht identifizieren und ich hab gemerkt, nee ich brauch irgendwas was mich kulturell auffängt und hab gesucht und hab dann irgedwann angefangen Reggae zu hören, das war mir total einleuchtend, das erste Lied was ich gehört hab war "Under Me Sleng Teng" wo der Typ so singt, dass er kein Kokain nimmt, dass er keine Zigaretten raucht dass er nur Gras raucht und das war für mich dann so boooaaah, ich habs voll verstanden. Das war auch die Zeit wo Freunde angefangen haben, komm lass mal LSD nehmen und ich dacht so, ok, man hat nichts zu verlieren und hab dann glücklicherweise Reggae gehört und das hat mir total die Augen geöffnet und ich hab dann nicht die ganzen Drogen genommen, hab nur Gras geraucht und bin dann halt richtig tief in die Kultur rein und in die Musik.

OZELOT: D
eine Mutter ist ja Koreanerin und dein Vater ist Deutscher. Was bedeuten dir deine Asiatischen Wurzeln?

Martin Jondo: Ganz viel auf jeden Fall, also gerade noch jetzt, mein Vater ist 2003 gestorben und umso mehr fühle ich, dass meine Mutter hier in Deuschland eine Ausländerin ist. Sie spricht auch nur gebrochen deutsch obwohl sie schon ganz lange hier lebt. Als Kind war ich auch ganz oft bei der Familie gewesen und jetzt merk ich das halt extrem, dass auf jeden Fall ganz viel asiatisches Blut in mir ist, auch Verhaltensweisen, wie man sich gibt und sowas. Ich hab auch ne große Sehnsucht nach meinem Land, ich versteh auch meine Mutter, wie sie sich hier fühlt, dass sie auf der einen Seite natürlich glücklich ist auf der anderen Seite auch Heimweh hat aber dann auch nicht zurück gehen kann weil es auch viele große kulturelle Probleme gibt. Also das bedeutet mir ganz viel. Ich glaub, dass ist dann auch so der Jondo-Reggae, weil ich dann auch so mein asiatisches reinbringe.

OZELOT:
Du bezeichnest deine Musik als Jondo-Reggae. Was bedeuten dir die jamaikanischen Wurzeln des Reggae und der Rastafari-Glaube?

Martin Jondo: Ganz viel auf jeden Fall, ich bin ja mit 14/15 dazu gekommen erstmal Reggaemusik zu hören und hab dann aber auch sofort gemerkt, ok, die haben wirklich was zu sagen, die machen nicht einfach nur Musik, da steht auch eine Lebenseistellung dahinter und bin dann halt sehr tief da rein gegangen und hab mich auch damit auseinander gesetzt und auch selbst ne lange Zeit lang Dreadlocks gehabt. Ich bin viel in der Natur gewesen, hab selbst Instrumente gespielt, bin nicht auf Partys gegangen, hab keinen Alkohol getrunken und sowas und mich dann aber auch irgendwann mit Haile Selassie auseinander gesetzt, dann irgendwann festgestellt dass das nicht ganz mein Weg ist. Ich kann also nicht so Haile Selassie verehren aber ich respektiere die Rastas total und akzeptiere auch alle ihre Wege und ihr Naturbewusstsein. Für mich sind auch wirklich die Rootsreggae-Artists die wichtigen Leute, Burning Spear und auch Bunny Wailor, Peter Tosh, Bob Marley, das ist halt alles so meine Foundation was ich immer gehört hab, Steel Pulse, Israel Vibration, das waren halt wirklich die Leute wo ich das Gefühl hatte da kann ich hinterher gehen und das bedeutet mir auch was.

OZELOT: Das wäre auch unsere nächste Frage gewesen. Welche Künstler haben dich am meisten beeidruckt und warum eigentlich?

Martin Jondo: Also HipHop hab ich so ein Bisschen Cypress Hill gehört. Die ersten Texte die ich auf englisch gehört und ins deutsche übersetzt hab waren von House of Pain, zB "Jump Around". Hiphop war aber nie so richtig das was ich so extrem für mich aufnehmen konnte. Ich habs halt auch gerne gehört, so Cypress Hill, aber halt das ganze Bling Bling HipHop, das war nie wirklich so mein Ding, ich steh super auf die Beats, auf Rappen und sowas aber Reggae und Rasta war für mich dann doch früher genau mein Boot wo ich einfach gemerkt hab das bin ich!

OZELOT: Du bist ja schon länger im Geschäft, hast vor Jahren schon Aufnahmen gemacht und die "Rainbow Warrior" EP rausgebracht. Warum erscheint dein Debut Album erst jetzt?

Martin Jondo: Es hat erstmal lange gedauert bis ich meinen Produzenten Kraans de Lutin damals kennengelernt hab mit dem ich dann auch die erste EP gemacht hab. Ich wollte nie Geld machen oder berühmt werden. Ich wollte nicht angehimmelt werden. Ich wollte nur genau das tun was die Rastas getan haben, was sagen und mein Leben geben. Da war dann ganz klar der Aspekt, die Musik ist erst dann fertig wenn sie fertig ist. Es geht nicht ums Geld, es geht jetzt nicht darum schnell die Platte rauszubringen, irgendeinen Hype auszunutzen oder sonstiges. Es war für mich einfach klar, mein Album ist dann erst fertig, wenn ich damit zufrieden bin und dann kann ichs erst rausbringen.
Zwischendurch bin ich auch viel unterwegs gewesen, auf Tournee wo ich nicht aufnehmen konnte, bin wiedergekommen, dann konnte der Produzent nicht, dadurch hat sich das zeitmäßig auch immer so verschoben und man musste sich sicherlich auch noch ein Bisschen einspielen. Wie man Songs entwickelt, wie man das genau macht, das war auch die erste Zeit wo ich definitiv wirklich ins Studio wollte. Vorher hab ich immer selbst Sachen aufgenommen aber nie wirklich mal was zu Ende gearbeitet und da hat man auch Angst vor, auf jeden Fall. Jetzt wo da Album fertig und draußen ist fällt mir die ganze Last von den Schultern, weil man immer so das Gefühl hat, ah ist das jetzt gut oder nicht ... man entwickelt sich eben weiter. Man sieht auch, dass man mal was stehen lassen muss und weiter gehen kann. Das war mir aber schon wichtig, dass ich mit dem Album das rüberbringen kann was ich hören möchte. Das hab ich geschafft.

OZELOT: Du warst ja auch mit Gentleman auf Tour und bist gut mit ihm befreundet. Wie ist der Kontakt zu Gentleman überhaupt entstanden?

Martin Jondo: Ganz traditionell auf einem Soundsystem Gig. Und zwar haben mich Leute aus Rostock eingeladen, Smoking Tuna, die haben auf der Stubnitz ne Dancehall Party gemacht, so'n Bashment wo sie ihren Geburtstag gefeiert haben. Die haben halt Pow Pow, Gentleman und mich eingeladen. Ich kannte Gentleman damals nur von Tabula Rasa und dachte mir, booaah ey, der Man ist es auf jeden Fall, der darf das auf jeden Fall machen, der hat das im Herzen, der lügt nicht oder probiert irgendwas darzustellen was er nicht ist und das ist super. Hab ihn dann da halt kennengelernt. Habe Soundcheck gemacht, dann sind die rausgegangen. Als ich angefangen hab sind die sofort zurück gekommen. Wer ist das? Aha! Dann hab ich halt die Show vor denen gespielt, das fanden die super und dann haben wir so ein Bisschen gequatsch, und den Abend miteinander rumgehangen. Dann haben wir uns nochmal in München getroffen. Da hab ich auch seinen Manager kennengelernt und dann meinte er auch irgendwann: „Hey, du musst mal bei mir vorbei kommen“ und dann ist das zusammengewachsen.

OZELOT: Du warst als Merchandiser mit Gentleman auf der Journey to Jah Tour und standest mit Gentleman vor ausverkaufter Halle auf der Bühne. Welcher Moment hat dich am meisten beeidruckt?

Martin Jondo: Jedes Mal wenn er mich auf der Bühne angekündigt hat, das war auf jeden Fall Wahnsinn und wenn ich dann mit ihm zusammen auf der Bühne stand und gesungen hab, das war einfach das Größte. Aber auch schon für mich alleine selbst wenn ich auch nicht hätte mitsingen können, jedes seiner Konzerte war für mich von Vorne bis Hinten immer ein Gebet, das ist was ganz Besonderes gewesen. Wir sind auch häufig mit vielen anderen Artists unterwegs gewesen aber ich hab immer gemerkt mit Gentleman ist es einfach was anderes. Es ist halt mein Leben, wenn der anfängt zu singen. Der sagt nicht einen Satz der mir nicht wichtig wäre. Die anderen Künstler sagen auch Sachen die sind nicht so wichtig und ich hab da wirklich jeden Song aufgesogen, stand hinter der Bühne und hab jedes mal total gedanced. Also allein das warschon ein Highlight gewesen, da mitfahren zu dürfen.

OZELOT: Du bist mittlerweile mit eigener Band on Tour. Wie ist da der Kontakt entstanden? Wie ist die Stimmung im Studio und auf der Bühne?

Martin Jondo: Die Stimmung ist auf jeden Fall super gut. Es sind sehr professionelle Musiker und ich kenn die auch durch Mellow Mark. Witziger Weise ist der Keyboarder damals noch bei der Far East Band gewesen. Der ist damals nach Amerika gegangen und hat dann da aufgehört, ist dann aber wieder gekommen nach Deutschland. Dann hab ich ihn halt gefragt, ey lass uns mal zusammen spielen und glücklicher Weise sind dann der Schlagzeuger und der Gitarist von der Mellow Mark Band nach Berlin gezogen und dann konnten wir da was aufbauen und da wir immer im Studio sind, sind die dann auch vorbei gekommen, konnten sich das anhören und irgendwann wars dann soweit, dass wir gesagt haben: Lass uns zusammen spielen, das ist auch noch ganz fresh, das macht Spaß!

OZELOT: Du warst schon mit vielen Musikern im Studio, Mellow Mark, Gentleman, Tamika und anderen. Was war das für dich als jungen Künstler für eine Erfahrung?

Martin Jondo: Eine große Erfahrung! Rainy Days zum Beispiel hab ich auch recorded damals. Ich kann schon ein Bisschen produzieren und sowas alles aber würde mich jetzt nicht als den Produzenten hinstellen und hab dann damals da wirklich die ganzen Vocals aufgenommen, da hab ich gezittert und gedacht: hoffentlich geht das alles gut, hoffentlich nehm ich das jetzt alles gut auf. Das war war ein großes Gefühl gewesen, auf jeden Fall. Das war auch besonders, im Nachhinein wird einem das noch viel deutlicher. Weil ich auch noch jung bin, ich hatte auch super viele Probleme im Leben, da ist echt viel schief gelaufen und da konnte man dann nicht so schön aufnehmen. Da war's ein großes Highlight aber jetzt so im Nachhinein kann ich sagen, wow, jetzt kann ich so wirklich genießen.

OZELOT: Deine Singelauskopplung „Are you really waiting“ wird von vielen Radiosendern gespielt und das Video läuft auf MTV. Wie kommst du mit deinem plötzlichen Erfolg klar?

Martin Jondo: Das geht ja eigentlich, ist ja noch nicht übertrieben krass. Ich kann über die Straße laufen und werde ich nicht groß erkannt oder sowas, das ist alles noch ganz normal. Also hin und wieder erkennen einen mal Leute aber das ist alles auf nem super coolen Level. Man ist jetzt kein Popstar wo ständig auch Teenies hinlaufen. Darauf bin ich auch echt stolz, dass in meiner ersten Reihe auch immer Jungs stehn. Ich glaub das zeichnet mich auch aus, dass ich auch noch ein Bisschen eine andere Musik fahre und das wird auch einfach viele Leute ansprechen.

OZELOT: Das geht dann auch nicht Richtung Kommerz?

Martin Jondo: Ne, auf gar keinen Fall.

OZELOT: Viele Junge Menschen hören auf deine Message, du kannst sie beeinflussen. Wie gehst du damit um?

Martin Jondo: Auf meiner Internetseite und in meiner EP steht drinnen, dass der Finger der auf den Mond zeigt nicht der Mond selbst ist. Das ist mir ganz wichtig, dass derjenige der von Gott redet nicht unbedingt Gott selbst sein muss und derjenige der was predigt ist jetzt nicht der Allheilige. Ich bin auch nur ein Mensch, ich probiere auch nur demütig durchs Leben zu gehen und versuche auch so mich ein Bisschen als Geschichtenerzähler von meinem Leben und dem was ich so erlebe und auch nicht jetzt Leute direkt zu beeinflussen. Ich probiere halt nicht irgendwie schlechte Ansagen zu machen oder Leute auch gegen irgendwas richtig aufzuhetzten. Sowas find ich halt auch gefährlich und gerade weil ich weiß, dass mich in Deutschland ganz viele Leute nicht verstehen weil sie kein englisch können, live ist es sowieso immer schwierig was zu verstehen. Also damals als ich jünger war war es noch anders, da war man von der Rastabewegung her total militant. Da war man so auf dem Weg man ist ein Messenger und man muss den Leuten was sagen. Umso älter ich werde sehe ich das von einem gelasseneren Aspekt: Ich möchte Ihnen trotzdem was sagen aber ich bin nicht mehr so militant wie damals. Das nimmt jetzt immer mehr ab bei mir und das find ich auch gut so. Gerade in so einem Moment beim Konzert muss man auch aufpassen, da sind die Leute oft besoffen, wer weiß was die für Drogen nehmen, usw. Ich will die halt auch nicht auf falsche Filme bringen, das ist mir auch deshalb wichtig, dass meine Texte im Booklet sind, dass die Leute sich das in Ruhe durchlesen können.

OZELOT: Deine neue Platte heißt Echo & Smoke. Wie bist du auf diesen Titel gekommen?

Martin Jondo: Das Leben ist für mich wie Schall und Rauch. So wie nichts eigentlich. Auf der anderen Seite ist es für mich wiedrum alles. Schall ist das was man wiedergiebt aus dem Leben, das Echo einfach und das wollte ich so ein Bisschen damit darstellen. Auf der einen Seite is es für mich nichts wert das Album, dass ich auch nicht übertreibe und sage: hey, ich hab jetzt ein Album rausgebracht, ich bin der King. Auf der anderen Seite will ich es auch nicht runterspielen wie wichtig mir das Album war.

OZELOT: Wann sehen wir dich denn wieder auf der Bühne mit der Echo & Smoke Tour?

Martin Jondo: Die geht so Ende September los und geht dann durch komplett Deutschland, bisschen Schweiz, bisschen Österreich und endet dann Ende Oktober. TOURDATES

OZELOT: Vielen Dank für das Interview und viel Glück weiterhin!

(Interview by: Moritz Oestreich am 12. August 2006)

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