music interviews: sick of it all

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.a dozen questions - to: sick of it all

Im Zuge der Eastpak Resistance am 16. November im wiesbadener schlachthof hatten wir die Gelegenheit, vor der Show ein Interview mit Craig Ahead von Sick of it All zu führen.

Könntest du dich bitte mal vorstellen?


Ich heiße Craig und spiele Bass für Sick of it all.

Wie läuft die Tour bisher?

Sehr gut, es ist eine großartige Tour, es sind viele Leute bei den Shows, kriegen gute Reaktionen und sind sehr glücklich damit.

Mögt ihr Europa, denn man sieht euch sehr oft hier?

Ich liebe Europa, es ist mein Lieblingsplatz zum touren, hier sind immer die enthusiastischsten Fans bei den Shows und ich mag es, das hier nicht so trendig ist, es sind mehr Leute wegen der Musik da. Hier kommen auch mehr verschiedene Typen von Musik zusammen. In Amerika ist alles sehr von den Medien gehypet, darum spiele ich lieber in Europa als in Amerika.

Sind die Kids anders?

Ja, die Kids in Europa sind viel mehr open-minded. In Amerika sind sie sehr close-minded und sehr trendig. Ich respektiere die amerikanischen Fans nicht, bzw. im Allgemeinen verdienen die Fans in Amerika nicht den Respekt den die europäischen verdienen.

Uhhhh?

Das ist die Wahrheit.

Ihr habt letztens eine B-Seiten Sammlung auf Fat Wreck veröffentlicht. Was war die Intention dahinter?

Wie hatten so viele Songs von alten Aufnahme-Sessions übrig, oder es gab seltsame Songs, die auf obskuren Sammlungen veröffentlicht wurden, die sehr schwer zu kriegen sind. Wir wurden oft gefragt „Wo finde ich diesen Song, wo diesen anderen?“. Wir fanden es deswegen gut, eine Sammlung mit den Outtakes zu veröffentlichen, die sich in unserer Karriere angesammelt haben. Es ist cool: Du kannst hören, was wir nicht auf die Platten gepackt haben und entdeckst Songs, die wir hier und da aufgenommen haben.

Etwas, was mich persönlich interessiert: Wie ist eure Beziehung zu Rancid? In ihren jungen Jahren haben sie „My Life“ gecovert und auf der „Life won’t wait“-LP grüßt euch Lars in einem Song. Auf der anderen Seite scheint es so, dass viele Hardcore Bands ihre Credibility darüber bekommen, indem sie Bands wie Rancid dissen.

Nein, es sind Freunde von uns. Ich will sie nicht dissen. Wir kennen uns seit vielen Jahren und wir kommen gut miteinander aus. Es hat uns gefreut, dass sie unseren Song gecovert haben und uns auf der Platte gegrüßt haben.

Ihr kommt aus New York City, wo ja viele Hardcore Bands herkommen. Was denkt ihr über Bands wie Leftover Crack, Bouncing Souls oder Sticks’n’Stones?

Ich mag die Bouncing Souls sehr gerne, sie sind eine gute Band. Die Bands, die du genannt hast, haben verschiedene Stile. In Europa bezeichnet ihr sowohl Sick of it All, als auch die Bouncing Souls als Hardcore. In Amerika stecken sie jede Band in eine einzelne Kategorie. Aber das ist nicht richtig, das nervt. Es ist cool, dass du nach Bands fragst, die sehr unterschiedlich klingen, aber Teil der gleichen Bewegung sind. Siehst du den Unterschied? Ich weiß, ich änderte die Frage, aber es ist cool, dass du so denkst. In Amerika ist es so, dass wenn du die Bouncing Souls magst du nicht gleichzeitig Sick of it All mögen kannst. Das ist dort nicht erlaubt.

In Deutschland ist es nicht so…

Sie mögen die Musik!
Ja, man kategorisiert eher nach „Szenen“, also z.B. New York, ist aber dort auch für andere Sachen offen.
Verschiedene Sachen auschecken! Das ist cool und das weiß ich auch zu schätzen.

In anderen Interviews habe ich gelassen, dass ihr euch oft Sorgen über die „Szene“ macht. Viele Kids sind zum Teil sehr aggressiv und zerstörerisch bei Shows. Was haltet ihr davon, und was hat sich eurer Meinung nach in den letzten 20 Jahren verändert?

In Amerika war es, im Gegensatz zu Europa, so, dass Hardcore eine Bewegung für Leute war, die aus der Norm gefallen sind und die Probleme hatten. Für diese Leute war Hardcore eine Bewegung, die ihnen Freiheit brachte. Es gab zwar die Musik dazu, aber es mehr eine Ideologie des „anders seins“ und des „sich ausdrückens“ ohne dabei lächerlich gemacht zu werden. In Amerika passierte es dann, dass Hardcore sich von der alten Ideologie zu einem „Ego-Game“ für die Unsicheren verwandelt hat, damit sie auffallen können. Sie denken dass sie stark sind, und versuchen deshalb aufzufallen. In Amerika geht es oft nicht um die Musik. Leute gehen auf Konzerte um ihre Unsicherheit zu verschleiern. Wenn man früher auffallen wollte, dann hat man eine Band gegründet und Lieder über seine Probleme gemacht. Heute gehen die Leute auf Shows um jemanden zu schlagen, haben hinter sich ihre 20 Freunde und denken, dass das etwas mit Hardcore zu tun hat. Die Wahrheit ist: Das hat nichts mit Hardcore zu tun! Ich weiß was Hardcore ist, denn ich war einer der Jungs, die das ganze angefangen haben! Dieses ganze Möchtegern-Getue ist Bullshit! Ein echter „tough guy“ macht so etwas nicht. Ein echter „tough guy“ ist ein Mann oder eine Frau, die ihr Wort hält und aufsteht. Wie Clint Eastwood: Er hat nie jemanden getötet, der es nicht verdient hat.

Du erwähntest gerade die Poser, darum: Was hältst du von Poppunk Bands wie Blink 182 oder Good Charlotte? Jemand erzählte mir eine interessante Sache: Die „Punk-Bewegung“, bzw. sogar die „Hardcore-Bewegung“ sollte glücklich über diese Bands sein, da sie helfen, Kids in den Punkbereich zu bekommen. Denkst du, dass das wahr ist?

Ich weiß nicht, ich kenne diese Leute nicht wirklich. Ich habe die ein- oder zweimal getroffen. Sie schienen nett zu mir gewesen zu sein. Ich kenne nicht wirklich ihr Geschäft. Sie mögen vielleicht aussehen wie Punkrock, aber meiner Meinung nach klingen sie nicht wie Punkrock. Aber das ist ihre Sache und ich will nicht sagen, dass es schlecht ist, denn es ist nicht meine Sache, für irgendjemand Anderes zu entscheiden.
Ihre Vorstellung von Musik ist ihre Sache. Ich will sie nicht diskriminieren oder jemanden verletzen, sie können machen was sie wollen.
Ich weiß, dass die Jungs von Good Charlotte versuchten, meinen Kumpels von Madball zu helfen. Das ist eine gute Sache.

Seid ihr Jungs Straight-Edge?

Ich nenne es nicht Straight-Edge, aber ich trinke oder rauche nichts. Der einzige in unserer Band der trinkt ist Armand (Anm. der Redaktion: der Drummer). I habe früher getrunken und geraucht, auch Marihuana, aber das mache ich nicht mehr. Ich habe das schon lange nicht mehr gemacht.

(Lachend) Das willst du im Interview stehen haben?

Das ist schon okay. Ich mache es nicht mehr und es ist schon lange her.

Ihr habt bis jetzt 10 LP’s veröffentlicht, darunter eine Live-Platte und eine B-Seiten Sammlung. Habt ihr noch weitere Pläne für die Zukunft, bzw. viele Leute, die schon so lange wie ihr eine bestimmt Art von Musik gespielt haben entscheiden irgendwann, etwas neues zu machen. Oder wollt ihr auch weiterhin bei eurer Musik bleiben?

Ich bleibe in dieser Szene! Ich hatte vor ein paar Jahren eine Nebenband namens „Creep Division“, das hat Spaß gemacht (Anm. der Redaktion: Craig war Sänger dort gewesen). Aber in Zukunft will ich weiter bei Sick of it All bleiben. Ich mag Sick of it All sehr gerne. Es macht sehr viel Spaß und wir verstehen uns gegenseitig und haben dieselben Erwartungen. Ich mache ein paar private Dinge, aber das meine Sache. In Sachen Musik will ich einfach so weitermachen, es macht mir viel Spaß.

Du bist die nächste Frage bestimmt schon öfters gefragt worden, aber ich würde trotzdem gerne von dir wissen, was du von der letzten Präsidentenwahl hältst?

Ich denke, dass die amerikanische Regierung ein Betrüger ist, ein sehr schlimme sogar. Ich denke auch, dass die amerikanische Bevölkerung gar nicht weiß was los ist, denn das Fernsehen ist in Amerika reine Propaganda. George Bush hat das ganze Land gekidnappt. Es sind teuflische Menschen, es sind die Menschen, die Amerika zerstören und verbrennen lassen. Sie sind wie das römische Imperium, das zerfallen ist, weil sie zu gierig waren. Die Menschen in Amerika verstehen das nicht, denn das Fernsehen sagt ihnen, das Amerika richtig handelt. Aber in Wirklichkeit herrscht in Amerika der reine Kapitalismus, der versucht, in der Welt über Alles Kontrolle zu gewinnen.
Die Idee von Kapitalismus sagt: „Oh, wir können machen, was wir wollen“. Aber in Amerika werden die Menschen inzwischen stillgehalten, ohne das sie es mitkriegen, wie z.B. beim „Patriot Act“.
Vieles geht zurück auf 1984 und Ronald Reagan. Ihn störte es, dass eine Firma nicht mehrere Medien-Anstalten besitzen konnte. Er sagte: „Nein, ihr könnt kaufen, was ihr wollt, es ist ein freies Land“. Was passierte? Private Interessengruppen kauften mehr und mehr Medien-Anstalten auf und heute hat die Regierung im großen Stil Kontrolle über die Massenmedien. Wie Colin Powell (Anm. der Redaktion: Ex-Außenminister der USA). Er machte seinen Sohn zum Vorsitzenden der FCC (Anm. der Redaktion:„The Federal Communications Commission (FCC)“). Colin Powell war der Geschäftsführer von Time Warner. Das bedeutet, dass sie Fernsehen und Radio monopolisieren, sie also in der Lage sind zu bestimmen, welche Nachrichten die Leute hören sollen. Diese erhalten eine Gehirnwäsche, die ihnen vorgaukelt, dass alles okay ist, und stattdessen der Rest der Welt falsch liegt.

Die Medien sind also nur eine Maschine zur Gehirnwäsche des Volkes?

Sie arbeiten für die Regierung mit dem Auftrag, für sie zu generalisieren. Sie schreiben gerade soviel, dass man der Regierung nicht das Gegenteil beweisen kann. Es ist wie bei, wie heißt er noch mal? Donald Rumsfeld und Halliburton. Sie haben eine starke Verbindung zueinander, aber er sagt nur: „Ja, ich habe für sie mal gearbeitet, aber ich mache es nicht mehr.“ Es ist komisch, das alle Leute aus dem Kabinett von Bush früher für Öl-, Wiederaufbau-, oder Kommunikationsfirmen gearbeitet haben. So können sie die ganze Welt beobachten, und bereit sein, dass, wenn wir ein Land übernehmen, sie das Öl nehmen können und das Land dann wieder aufbauen können. Aber das Geld geht nicht zu mir als Bürger. Das Geld geht direkt an die Leute von der Regierung. Sie machen private Geschäfte für sich selbst in der Rolle der Regierung, die eigentlich für die Bürger handeln soll und nicht für sich selbst. Das bedeutet, dass die private Wirtschaft ein Land übernimmt und es zerstört. Das ist es was es ist. Wenn ich das in Amerika sage, dass heißt es gleich, dass ich ein Linker und Anti-Amerikaner bin. Nein, ich bin ein stolzer Amerikaner, aber ich will ein Amerika, das für die Leute da ist. Ich bin gegen kidnappende, korrupte Regierungen. Da bin ich dagegen. Ich bin nicht Anti-Amerikaner, ich bin sogar ein Patriot. Aber ich weiß, dass mein Land gestohlen wurde. Die meisten Menschen wissen das nicht, weil sie gehirngewaschen wurden. Die Leute denken, dass es stark ist, momentan Pro-Amerika zu sein, aber das bedeutet nichts weiter als dumm zu sein.

Eine letzte Frage: Bei Konzerten will das Publikum oft ein Greatest Hits Set hören. Ärgert dich das, weil ihr eine Menge Arbeit in euer neues Zeug gelegt habt? Manchmal sind die Kids ja enttäuscht, wenn zuviel „Neues“ gespielt wird. Und wie ist es bei euch, wollt ihr hauptsächlich Neues präsentiert oder versteht ihr die Kids, die ein Greatest Hits Set sehen wollen?

Wir mischen das ganze. Wir spielen Zeug von allen Alben. Unser neues Zeug klingt wie unser altes Zeug. Wir sind eine Band, die sich nur sehr wenig verändert. Ich verstehe die meisten Kids, die sagen dass sie das alte Zeug hören wollen, denn sie waren noch nicht dabei gewesen, als das alte Zeug raus kam. Also wollen sie cool sein. Sie wollen zeigen, dass sie rein zu passen scheinen und cool aussehen, indem sie sagen: „Hey, ich will das alte Zeug hören“. Ich kann das manchmal verstehen. Jeder will cool sein, es stört mich nicht weiter. Meiner Meinung nach sind die neuen Songs viel besser als die alten. Wir schreiben immer noch über wichtige Themen, wahrscheinlich sogar heute mehr als früher.

Ja, ich mag eure neuen Alben auch mehr.

Ich auch! Sie sind besser, weil wir inzwischen besser spielen können.

Sie sind kreativer.

Ja, auf jeden Fall.

Werdet ihr heute Abend „My Life“ und „Sanctuary“ spielen?

Ja beide.

Cool. Okay, das war es. Vielen Dank für das Interview.

Danke dir auch! Und danke Euch für die lange Zeit, die ihr uns schon unterstützt!

(interveiw by: andreas bär) >>> Photos von der Eastpak Resistance Tour anschauen <<<



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