reggae ist mehr denn je angesagt in deutschland. das mag an der wachsenden
zahl der heimischen soundsystems liegen, die durch clubs und über
festivals tingeln, an chart-erfolgen von acts wie gentleman, der sam
ragga band, silly walks oder jan delay aka eisfeld oder dem wetter,
das sein übriges dazu tut und einfach lust auf locker groovende
reggae-musik macht...
aufgrund der beliebtheit und dem erwarteten ansturm, wurde das all massive
festival in seinem dritten jahr, auch das erste mal vom milchsackgelände
an der gutleutstraße auf die golf-driving-range vorm waldstadion
verlegt.
ein ungewohntes bild erwartete uns, als wir auf dem festival-gelände
ankamen. denn früher hatten wir genau hier gerne mal das ein oder
andere körbchen voll bälle über den platz gedroschen.
zudem schon eine nicht typische festival-location, so direkt neben der
mega-baustelle des alten waldstadions... naja, was solls, schließlich
sind wir ja wegen der musik hier. ganz nebenbei das fehlen eines lineup-flyers
(irgendwie kamen die flyer wohl nicht pünktlich mit der post
an...?) war schade, so wußte man nie, welcher act als nächster
dran war und das ist ziemlich unpraktisch bei zwei bühnen.
auf der ehemaligen driving-range waren eine große open air bühne,
zwei riesige zirkus-artige zelte und massenhaft stände aufgebaut.
das angebot der am rande aufgebauten stände war recht groß,
von essen aus den verschiedensten ländern über getränkestände,
bis hin zu head-shops und "canabis legalize"-ständen
war alles am start. den ein oder anderen bekannten traf man auch wieder,
wie gta-benny mit seinen import-flip-flops oder heat club-jürgen
mit seinen caipirinhas (!)...
aber zunächst die vorgeschichte: leider war es der einzige tag
seit ich weiß nicht wann, wo totaler sonnenschein und schweißtreibende
hitze eigentlich angesagt gewesen wäre, aber - ausgerechnet heute
ausblieb. schon am frühen nachmittag hatte es auf dem hinweg mehrfach
geregnet und petrus war auch weiterhin böse gestimmt, noch kein
blaues wölkchen am himmel zu sehen.
kaum angekommen drückte ich dem parkwächter, sein im regen
wohlverdientes geld in die hand und dann beim hochfahren der scheibe
- fensterheber kaputt und scheibe unten. scheiße, neuer wagen
der nix traugt! automechaniker hätte man lernen sollen ...
also martin abgeladen, mit offenem fenster bei regen über die autobahn
zurückgefahren, neues auto geholt und wieder nach frankfurt. bis
ich wieder am ort des geschehens war, hatte zu meinem bedauern dr. ring
ding seinen auftritt gerade beendet und ich hatte den bis dahin besten
act verpasst. (...ich bedauer das auch!)
aufgrund des nervigen, anhaltenden regens wurden die musikacts schon
am frühen nachmittag von der freiluftbühne ins zelt verlegt
(anstatt wie geplant um 22h). dies tat dem ganzen jedoch keinen abbruch,
in den zelten regierte heute durchgehend gute laune, aber auch eine
sauhitze...
draußen waren die gesichter eher gelangweilt, viele warteten noch
auf DAS highlight und obwohl es mittlerweile aufgehört hatte zu
regnen, war die laune mittelmäßig, es wurde karten gespielt,
getrunken, gechillt und ... was wohl, gedampft, gedampft, gedampft.
wer es lange im zelt aushielt, dufte sich glücklich schätzen,
denn DA ging es ab (die ein oder andere trillerpfeife nervte jedoch...),
draußen eher weniger. selbst manch mittelmäßiger act
wurde stark umjubelt. wirklich herausragend waren bis zum späten
abend jedoch nur der auftritt von dr. ring ding und ein, zwei soundsystems.
der frankfurter d-flame ließ die menge ewig warten (ca 1 stunde)
bis er endlich auflief und ganz nach vorbild der amis poste, bis das
publikum kopf stand (wenn der sich vorher nicht noch mindestens 2 clips
mit LL cool J oder ähnlichem angesehen hat, freß ich nen
besen). hip hop für die ganz harten und die hatten anscheinend
ihren spaß, so jetzt aber schnell raus hier, gentleman könnte
bald im anderen zelt auflaufen...
tat er leider aber erstmal nicht und es bestanden langsam zweifel, ob
er es überhaupt noch hierher schaffen würde, denn er war ja
kurz zuvor noch beim hip hop open in stuttgart auf der bühne gewesen.
aus diesem grund und evtl. weil einige wahre reggae-fanatisten gentleman
vielleicht zu kommerziell finden, leerte es sich ein wenig.
es war bereits nach zwei uhr nachts und einige hundertschaften übten
sich noch in gedult. wir spürten das noch ein kracher fehlte um
den abend gebührend und fröhlich zu beenden. die absage des
im voraus angekündigten "silly walks movement" hatte
uns schon etwas deprimiert und so mußten wir natürlich auch
noch warten ob tilman otto wirklich noch aufkreuzte...
erstaunlich, wie viele völlig unterschiedliche reggae-fans noch
auf den kölner top-act warteten, vom rasta-mann über kleine
teenies, hip hopper, skater, musikfans jenseits der 30 oder 40, usw.
um kurz vor drei stand gentleman dann alkoholisch angeheitert und rotäugig
gut gelaunt auf der bühne und gab wirklich alles. das ein oder
andere lief zwar nicht mehr so wie geplant und es mußte sichtlich
improvisiert werden, aber das tat der guten laune, die er wie kein anderer
vor ihm verbreitete, keinen abbruch.
mr. musik mirror dirk, ein alter kumpel von tilmann aus frühen
skate-tagen auf der kölner domplatte meinte dann, ob ihn sein damaliger
kumpel wohl noch erkennen würde, nach etwa 10 jahren... also drängte
er sich vor in die erste reihe, wo er auch tatsächlich kurz, aber
herzlich begrüßt wurde. ein dreiviertelstunde lang animierte
der sound von gentleman und kingston noch einmal die crowd alles zu
geben, was sie, wie die fotos zeigen, auch sichtlich taten!
der letzte auftritt krönte dieses schon verkorkst geglaubte festival,
so daß alle, die bis zum ende ausgehaart hatten zwangsweise gut
gelaunt den heimweg antreten konnten.
trotz des vorerst schlechten wetters und der erst spät eingekehrten
guten laune ist das all massive immer einen besuch wert, auch im nächsten
jahr, egal ob regen oder sonnenschein... bis dahin
(dr.öge)
|
|