Music - so war's: Keith Caputo
     
 
wer:
Keith Caputo & The Sad Eyed Ladies

support:
Ricky Warwick
 
.Geselliges Lagerfeuer in der Räucherkammer

Wenn man den Namen Keith Caputo hört, dann dauert es nicht lange bis einem auch die Band Life Of Agony durch den Kopf geht. Jahrelang war er ihr Frontmann und überzeugt mit intensiven Liedern, Alben und vor allem auch Texten. Nicht wenige Zuhörer waren sehr angetan und sich einig, dass man es hier mit jemandem zu tun hat, der weiß wovon er singt. Der frühe Tod der Eltern und die daraus resultierenden Schwierigkeiten zogen ihre Furchen in die Seele des kleinen Mannes und führten ihn schließlich in eine ausgeprägte Drogengeschichte. Heute gibt es kein „Life Of Agony“ mehr. Keith Caputo scheint es allerdings mehr zu geben als je zuvor. Den (harten) Drogen hat er abgeschworen, inzwischen unglaublich viel Weisheit getankt und er hat eine Möglichkeit gefunden, seine weisen Worte auch nach dem Ende seiner alten Band noch unter die Menschheit zu bringen. Diese Möglichkeit ist sein Soloprojekt, unterstützt von der Band The Sad Eyed Ladies ist er derzeit auf einer recht überschaubaren Tour.
 
wann:
30.09.2007
 
 
wo:
Wiesbaden
(Schlachthof)
   
 



Das Konzert fand in der kleinen Räumlichkeit (der sogenannten Räucherkammer) des Schlachthof in Wiesbaden statt und mit ca. 200 Besuchern stellte sich sofort eine gemütliche Atmosphäre ein. Vor dem Hauptact kam ein Roadie auf die Bühne und stellte das recht niedrig eingestellte Mikrofon noch einmal zur Seite. Ein über und über tätowierter Mann mit einer akustischen Gitarre betrat die Bühne im Unterhemd. Ricky Warwick! Die Vor-„Band“. Ein skurriles Bild. Nun ist es bei Sängern mit akustischer Gitarre immer so ein Ding. Ich glaube fast jeder von uns hat ein kleines Lagerfeuertrauma. Ich zumindest habe eins. Also wenn ich einen einzelnen Menschen mit einer akustischen Gitarre sehe und mir vorstelle, dass ich ihm jetzt die nächste Stunde zuhören muss, dann packt mich meist ein intensiver Drang sofort wegzurennen. Zum Glück hat Ricky Warwick meine schlimmen Erwartungen nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil: Schon beim ersten Lied hatte ich den festen Entschluss gefasst mir seine CD zu kaufen. Die knappe Stunde ging sogar viel zu schnell rum. Ricky Warwick nahm die vorhandene Wohnzimmeratmosphäre und hat daraus ein Treffen von Freunden gemacht. Total locker stand er da und schaffte es mit jedem Lied erneut das Publikum zu verzaubern und es zu geschlossenem Applaus zu bewegen. Ab und zu leitete er seine Songs mit einer Geschichte ein, so zum Beispiel vor „Johnny Or Elvis“, und immer hörte man ihm gespannt zu. Als ihm später eine Gitarrenseite riss konnte ihn auch das nicht aus der Ruhe bringen. Er hörte auf zu spielen, nahm sich die Zeit zu erklären was passiert ist und als er eine neue Gitarre in der Hand hatte, fiel ihm direkt noch eine Geschichte zum Thema ein. Super! Bleibt nur noch zu erwähnen, dass Ricky Warwick ein Mitglied von The Almighty ist und dass man ihn sich unbedingt anhören sollte, wenn man ansatzweise auf ruhige Musik mit akustischer Gitarre steht. All zu bald war Ricky fertig und nach einer Umbaupause, in der ich feststellte, dass die Ricky Warwick-CD schon vergriffen war, kamen da auf einmal fünf Typen total locker und ohne jegliche Star-Allüren auf die Bühne gelatscht:

Keith Caputo und die Sad Eyed Ladies! Man begann ziemlich rockig und wusste sofort zu begeistern. Nach zwei härteren Nummern kam die erste ruhige und ab diesem Punkt war ständige Abwechslung angesagt. Trotz dieser Abwechslung kann sich wohl niemand darüber beschweren aus der Stimmung des jeweils vorherigen Titels gerissen worden zu sein. Die einzelnen Songs untereinander passten genau so gut zueinander wie die Band selbst. Die angesprochene Atmosphäre schien jeden Anwesenden ein bisschen zu beflügeln. So auch die Band: Trotz ernster und bestimmt nicht immer positiver Texte hatte man Spaß, unterhielt sich und kuschelte sogar teilweise zusammen auf der Bühne. Vor allem Keith Caputo und Gitarrist Maarten Moerland, der in dieser Band offensichtlich vollkommen aufgeht, kamen sich in Soloteilen gerne näher. Auch im Publikum konnte man Annäherung beobachten. Das lässt sich bei diesen Liedern, vor allem natürlich den ruhigen, wohl auch nicht vermeiden. Überhaupt war es ein Konzert zum Augen schließen und mitschwelgen. Publikum und Band gaben sich in diesem Punkt nicht viel. Keith Caputo sang unglaublich gut an diesem Abend. Jeden Ton hat er getroffen und dabei immer die richtige Stimmung vermittelt. Schließlich ließ auch er es sich nicht nehmen kleine Anekdoten zum Besten zu geben, die teilweise seine Songs einleiteten. Die Geschichte zu dem Titel „Selfish“ wird mir wohl länger im Gedächtnis verweilen, soll an dieser Stelle aber jenen vorbehalten bleiben, die an diesem Abend anwesend waren. „Selfish“ gehörte somit definitiv zu den Highlights. So auch „Living The Blues“ von oben erwähntem neuen Album. Einziger Wehrmutstropfen war die Frau, die bei diesem Lied hinter mir stand und es tatsächlich schaffte die Gesangsanlage bei Weitem zu übertönen. Bedauerlicherweise war das noch vor dem Mitsingteil, bei dem dann zwar fast alle mitsangen, aber niemand gegen sie ankam. Naja - sie hat es zumindest gelebt. Andere musikalische Höhepunkte (seitens der Band) waren „New York City“, „I Can See My Life From Here“ von und mit Ricky Warwick und das fast schon obligatorische „Let’s Pretend“ aus alten Life Of Agony Zeiten, ohne das (zu Recht) wohl auch kein Keith Caputo-Konzert mehr auskommen würde. Der ganze Gig und die Band wurden durchweg abgefeiert. Das Publikum war textsicher und traute sich im Gegensatz zu manch anderem Publikum auch durchaus auf die Aussagen der Band zu antworten. Nach der letzten Zugabe kamen alle beteiligten Künstler noch an den Merchandising-Stand, gaben Autogramme, unterhielten sich und erfüllten sämtliche Fotowünsche. Alles in Allem ein durchaus gelungener Abend, von dem man sich mehrere wünscht. Keith Caputo und Band sind ein absolut sehenswerter Live-Act, der davon profitiert, dass man ihn momentan noch als Insider-Tip bezeichnen kann. Es wird schwierig sein, diese Stimmung bei wachsender Publikumszahl aufrecht zu erhalten. Trotzdem werde ich beim nächsten Keith Caputo - Auftritt wohl einigen Leuten Bescheid sagen.
(Eddie)

















(all Photos by Nora Grodzek für Ozelot2001.com)