Music - so war's: Move Against G8 Festival
 
was:


wann:
20.-22.04.2007  
wo:
Berlin - Maria am Ufer

Review I Bilder


Letztes Wochenende stand in Berlin die musikalische Protestaktion gegen den G8 Gipfel auf dem Programm und das konnten sich Anarchopunker und Musikliebhaber keinesfalls entgehen lassen. Auf drei Bühnen vor mehreren tausend Zuschauern gab es Rock, Punk, Ska, Reggae aus Europa und fast der ganzen Welt auf die Ohren. Mit von der Partie waren Bands wie die Mad Caddies, Frontkick, Lagwagon, The Creetins, Panteon Rococo, Irie Revoltés, Raggabund, Zion Train und etliche mehr.

Am Freitag waren wir leider noch nicht beim Festival und daher fiel für uns am Samstag um 19 Uhr der Startschuss für das Move Against G8 Festival. Um 20 Uhr wurde dann offiziell bekannt gegeben: Festival komplett ausverkauft ... wohl gemerkt um 20 Uhr! Drinnen, in den heiligen Hallen fiel die Orientierung zu Anfang schwer, riesige Location, 3 Hallen, 3 Bühnen, 3 hoffnungslos überfüllte Bars mit viel zu wenig Personal und das ganze Haus vollgestopft mit geschätzten 2000 Punk-, Ska- und Reggaefans. Beste Vorraussetzungen also!

Unsere erste Band am Abend waren Arthur and The Spooners, eine Ska & Oi Coverband aus Berlin. Der Frontmann hatte sich passender Weise ein Poloshirt angezogen, so wie der Namensgeber der Band: der völlig durchgeknallte, nervige Schwiegervater aus der Sitcom King Of Queens. Die restlichen Bandmitglieder liefen in brauner Revolutionsuniform auf, passend zum politschen Thema des Abends. Andere Bühne und eine Band später standen Kenze Neke aus Italien vor den Fans. Die Band gründete sich 1989 und lässt sich irgendwo zwischen Ethno- und Crossover-Rock einordnen. Überhaupt waren eine Menge Bands aus Italien und Spanien vor Ort aber dazu später mehr. Die mir völlig unbekannten sardinischen Rocker mit einer erstaunlich großen Fangemeinde lieferten nach einem endlos scheinenden Soundcheck das mit Abstand außergewöhnlichste Intro des Festivals. Ein alter Italiener spielte gut 5 Minuten Mundharmonika während 2 Paare in traditioneller italienischer Tracht auf der Bühne herumhüpften (sorry aber tanzen ist anders). Nachdem sich die riesige Musikertruppe auf der Bühne versammelt hatte, ging es dann endlich mit einer interessanten Mischung aus Gitarren-Rock, italienischem Gesang und Reggaebeats vorwärts. Mir persönlich waren die Texte wegen den italienischen Lyrics leider vollkommen unverständlich, was der guten Stimmung aber keinen Abbruch tat. Noch einen Tick besser gefielen uns No Respect, ambitionierte Ska-Punker aus Göttingen, merken! Letztendlich zum Kochen gebracht wurde die Halle aber erst als das Irie Revoltes Soundsystem die Bühne betrat und etwas Hip Hop ins Spiel brachte. Die Menge war begeistert und gab vom ersten Takt an Vollgas! Mit Texten wie „Sarkozy verpiss dich“ und „Guerilla“ wurde richtig eingeheizt! Die Stimmung war jetzt schon erstklassig, was auch dazu führte, dass wir zu unserer Schande wegen verstärktem Alkoholkonsum das Ende des Samstags, inkl. dem vermutlich grandiosen Auftritts von Lagwagon, nicht mehr mitbekommen haben.

Nach den sehr guten Shows des Samstags freuten wir uns dementsprechend auf den Sonntag und das anstehende Finale mit den Mad Caddies, die ihr neues Album "Keep It Going" mit im Gepäck hatten. Als erste Band waren am Sonntag Los Bomberos auf der Bühne. Ein unglaublicher Sound, spanischer Gesang von einer hübschen spanischen Frontfrau, dicker Trompeten- und, man höre und staune, Geigenklang, Latein-Amerika-Feeling pur. Richtig viel Lebensfreude gepaart mit explosiver Musik waren genug Grund für alle Anwesenden zum Abtanzen und Spaß haben. Los Bomberos waren ein wirklich fettes Erlebnis!

Einmal durch die ganze Location gewandert und bei Raggabund wieder stehen geblieben. Deutscher HipHop und Dancehall von den Frontmännern der Babacools. Mit ihrem neuen Album „Erste Welt“ waren sie mit viel Bass, Beatbox, Akustikgitarre und Kölner DJ on stage. Von den Themen wurde alles angesprochen was unsere heutige Welt kaputt macht: Krieg, Geld, Gewalt und G8. Wohlgemerkt beschäftigten sich Raggabund als einzige Band richtig intensiv mit dem G8-Gipfel, machten viele Durchsagen und riefen auf zum Kampf gegen das Kapital.
Nächste Bühne, nächste Band: Burmanflash. Wiederum eine Skaband vom Feinsten. Energische Sängerin und Rockmusiker mit ganz ganz ganz viel Spaß an der Arbeit. Traumhaft geeignet zum Tanzen und Jumpen. Mit das Beste was Ska zu bieten hat! Zwischendurch standen wir noch kurz vor der Bühne (insgesamt gab es drei), auf der The Creetins am rocken waren. Die Pop-Punker aus Kiel konnten enorm für Stimmung sorgen, die Masse war am Pogen und die Band bestätigte deutlich ihre Ambitionen auf die ein oder andere Chartplatzierung. Wieder einen Raum weiter kamen wir gerade rechtzeitzig zum sehr langweiligen wie langsamen Aufbau von Che Sudaka. Die importierten Fans warteten wie wir auch sehr geduldig und wir wurden nicht enttäuscht: Auf hohem Niveau präsentierten die Jungs aus Barcelona Rockmusik mit leichten Skabeats. Leider konnten wir uns dieses Konzert nur Ansatzweise anhören, da wir ein Date mit den Mad Caddies hatten, um sie bei einem kurzen Interview zu ihrem neuen Album "Keep It Going" zu befragen. (Interview folgt in Kürze)

Zurück vom Interview war auf der Frontstage die Hölle los. Talco spielten ihre letzten Songs in einem unglaublichen Tempo. Eine weitere italienische Band, vom Stil her sehr guter Ska gemischt mit schnellen Punk-Gitarrenriffs die keineswegs zu unterschätzen waren. Wir kamen in den Genuss eines traumhaften Manu Chao Covers und eines Songs der so höllisch abging, das bestimmt 500 Menschen vor der Bühne abgingen als hätten sie Extasy gefrühstückt, hatten sie aber natürlich nicht! Diese Band war ganz klar mein Favorite unter den weniger bekannten Bands! Betagarri kamen als nächstes auf die Bühne. Auch aus Italien stammend spielten sie eine Mischung aus Punk, Ska und Reggaebeats mit starken Bläsersound, einziger Schwachpunkt war die Stimme des Frontmanns. Die Valkyrians waren dann die erste Roots-Reggae-Combo die mir in zwei Tagen unter die Augen kam. Die Stimme des Sängers war so hoch wie die von Micky Mouse und sowas mag man oder eben nicht. Bei mir war eher letzteres der Fall, andereseits waren aber auch ne Menge Leute gut am Tanzen ...

Mad Caddies / Foto by: Moe für Ozelot2001.com

Last but not Least, the one and only Mad Caddies came on stage! Aufgrund etlicher Interviews zwar mit einer Stunde Verspätung aber sie waren natürlich trotzdem der absolute Höhepunkt des Abends! Das Konzert begann direkt mit "Tired Bones", einem Skapunk-Kracher vom neuen Album und die Menge war sofort voll dabei. Unglaubliche Stimmung, Emotionen, Trompetensoli und insgesamt 5 Songs vom neuen Album. Ein gnadenloser Moschpit vertrieb uns allerdings bereits nach ein paar Songs, den Fotoapparat schützend aus der ersten Reihe. Die tanzwütigen Punker guckten während der neuen, ruhigeren Reggaesongs ein wenig blöd aus der Wäsche und anscheinend hat noch nicht jeder unter www.myspace.com/mad_caddies ins neue Album reingehört - solltet Ihr aber! Ungewohnt viele Pärchen stürmten bei den langsameren Ska-, Reggae- und Dancehall-Stücken begeistert in die vorderen Reihen und gaben sich verliebt den neuen, sehr melodischen Songs hin ... Genau wie das neue Album, wirkte auch die Band deutlich professioneller und souveräner als noch vor einem Jahr bei ihrem Gig in der Batschkapp. Die neue Live-Show im Reggaegewand ist allerdings auch etwas andres als die Skapunk Sessions der frühen Bandgeschichte. Die Mad Caddies sind noch eine ganze Weile auf Deutschland-Tour und wenn Ihr sie sehen wollt, solltet Ihr Euch schnell um Tickets kümmern, denn die ersten drei Shows waren restlos ausverkauft! In Kürze folgt das Interview mit den Caddies, das wir vor der Show im Tourbus gemacht haben.

Fazit: Das Festival war von der musikalischen Seite her sehr gelungen. Gute, talentierte Indie-Bands, ein veilseitiges Lineup, erstklassige Stimmung und hochkarätige Headliner ließen keine Wünsche offen. Ob es nun politisch auch etwas bewegt hat, ist ungewiss. In jeder anderen Hinsicht war das Move Against G8 Festival ein voller Erfolg!

Nachfolgend noch einige Bilder vom Festival und Links zu den jeweiligen Bandpages

Mad Caddies / Foto by: Moe für Ozelot2001.com

Mad Caddies / Foto by: Moe für Ozelot2001.com

Mad Caddies / Foto by: Moe für Ozelot2001.com

Los Bomberos / Foto by: Moe für Ozelot2001.com


Related Links:
www.move-against-g8.org
www.madcaddies.com
www.myspace.com/arthurandthespooners
www.kenzeneke.com
www.norespect-skapunk.de
www.irie-revoltes.com
www.los-bomberos.de
www.raggabund.de
www.burmanflash.net
www.creetins.de
www.chesudaka.com
www.talcoska.it
www.betagarri.com
www.thevalkyrians.com
www.antifa.de