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Wochenende stand in Berlin die musikalische Protestaktion gegen den G8
Gipfel auf dem Programm und das konnten sich Anarchopunker und Musikliebhaber
keinesfalls entgehen lassen. Auf drei Bühnen vor mehreren tausend
Zuschauern gab es Rock, Punk, Ska, Reggae aus Europa und fast der ganzen
Welt auf die Ohren. Mit von der Partie waren Bands wie die Mad
Caddies, Frontkick, Lagwagon,
The Creetins, Panteon
Rococo, Irie Revoltés, Raggabund,
Zion Train und etliche mehr.
Am Freitag waren wir leider noch nicht beim Festival und daher fiel für
uns am Samstag um 19 Uhr der Startschuss für das
Move Against G8 Festival. Um 20 Uhr wurde dann offiziell bekannt gegeben:
Festival komplett ausverkauft ... wohl gemerkt um 20 Uhr! Drinnen, in
den heiligen Hallen fiel die Orientierung zu Anfang schwer, riesige Location,
3 Hallen, 3 Bühnen, 3 hoffnungslos überfüllte Bars mit
viel zu wenig Personal und das ganze Haus vollgestopft mit geschätzten
2000 Punk-, Ska- und Reggaefans. Beste Vorraussetzungen also!
Unsere
erste Band am Abend waren Arthur and The Spooners,
eine Ska & Oi Coverband aus Berlin. Der Frontmann hatte sich passender
Weise ein Poloshirt angezogen, so wie der Namensgeber der Band: der völlig
durchgeknallte, nervige Schwiegervater aus der Sitcom King Of Queens.
Die restlichen Bandmitglieder liefen in brauner Revolutionsuniform auf,
passend zum politschen Thema des Abends. Andere Bühne und eine Band
später standen Kenze Neke aus Italien
vor den Fans. Die Band gründete sich 1989 und lässt sich irgendwo
zwischen Ethno- und Crossover-Rock einordnen. Überhaupt waren eine
Menge Bands aus Italien und Spanien vor Ort aber dazu später mehr.
Die mir völlig unbekannten sardinischen Rocker mit einer erstaunlich
großen Fangemeinde lieferten nach einem endlos scheinenden Soundcheck
das mit Abstand außergewöhnlichste Intro des Festivals. Ein
alter Italiener spielte gut 5 Minuten Mundharmonika während 2 Paare
in traditioneller italienischer Tracht auf der Bühne herumhüpften
(sorry aber tanzen ist anders). Nachdem sich die riesige Musikertruppe
auf der Bühne versammelt hatte, ging es dann endlich mit einer interessanten
Mischung aus Gitarren-Rock, italienischem Gesang und Reggaebeats vorwärts.
Mir persönlich waren die Texte wegen den italienischen Lyrics leider
vollkommen unverständlich, was der guten Stimmung aber keinen Abbruch
tat. Noch einen Tick besser gefielen uns No Respect,
ambitionierte Ska-Punker aus Göttingen, merken! Letztendlich zum
Kochen gebracht wurde die Halle aber erst als das Irie
Revoltes Soundsystem die Bühne betrat und etwas Hip Hop ins
Spiel brachte. Die Menge war begeistert und
gab vom ersten Takt an Vollgas! Mit Texten wie „Sarkozy verpiss
dich“ und „Guerilla“ wurde richtig eingeheizt!
Die Stimmung war jetzt schon erstklassig, was auch dazu führte, dass
wir zu unserer Schande wegen verstärktem Alkoholkonsum das Ende des
Samstags, inkl. dem vermutlich grandiosen Auftritts von Lagwagon,
nicht mehr mitbekommen haben.
Nach den sehr guten Shows des Samstags freuten wir uns dementsprechend
auf den Sonntag und das
anstehende Finale mit den Mad Caddies, die
ihr neues Album "Keep It Going" mit im Gepäck
hatten. Als erste Band waren am Sonntag Los Bomberos
auf der Bühne. Ein unglaublicher Sound, spanischer Gesang von einer
hübschen spanischen Frontfrau, dicker Trompeten- und, man höre
und staune, Geigenklang, Latein-Amerika-Feeling pur. Richtig viel Lebensfreude
gepaart mit explosiver Musik waren genug Grund für alle Anwesenden
zum Abtanzen und Spaß haben. Los Bomberos waren ein wirklich fettes
Erlebnis!
Einmal
durch die ganze Location gewandert und bei Raggabund
wieder stehen geblieben. Deutscher HipHop und Dancehall von den Frontmännern
der Babacools. Mit ihrem neuen Album „Erste Welt“
waren sie mit viel Bass, Beatbox, Akustikgitarre und Kölner DJ on
stage. Von den Themen wurde alles angesprochen was unsere heutige Welt
kaputt macht: Krieg, Geld, Gewalt und G8. Wohlgemerkt beschäftigten
sich Raggabund als einzige Band richtig intensiv mit dem G8-Gipfel, machten
viele Durchsagen und riefen auf zum Kampf gegen das Kapital.
Nächste Bühne, nächste Band: Burmanflash.
Wiederum eine Skaband vom Feinsten. Energische Sängerin und Rockmusiker
mit ganz ganz ganz viel Spaß an der Arbeit. Traumhaft geeignet zum
Tanzen und Jumpen. Mit das Beste was Ska zu bieten hat! Zwischendurch
standen wir noch kurz vor der Bühne (insgesamt gab es drei), auf
der The Creetins am rocken waren. Die Pop-Punker
aus Kiel konnten enorm für Stimmung sorgen, die Masse war am Pogen
und die Band bestätigte deutlich ihre Ambitionen auf die ein oder
andere Chartplatzierung. Wieder einen Raum weiter kamen wir gerade rechtzeitzig
zum sehr langweiligen wie langsamen Aufbau von Che
Sudaka. Die importierten Fans warteten wie wir auch sehr geduldig
und wir wurden nicht enttäuscht: Auf hohem Niveau präsentierten
die Jungs aus Barcelona Rockmusik mit leichten Skabeats. Leider konnten
wir uns dieses Konzert nur Ansatzweise anhören, da wir ein Date mit
den Mad Caddies hatten, um sie bei einem kurzen Interview zu ihrem neuen
Album "Keep It Going" zu befragen. (Interview folgt in Kürze)
Zurück vom Interview war auf der Frontstage die Hölle los. Talco
spielten ihre letzten Songs in einem unglaublichen Tempo. Eine weitere
italienische Band, vom Stil her sehr guter Ska gemischt mit schnellen
Punk-Gitarrenriffs die keineswegs zu unterschätzen waren. Wir kamen
in den Genuss eines traumhaften Manu Chao Covers und eines Songs der so
höllisch abging, das bestimmt 500 Menschen vor der Bühne abgingen
als hätten sie Extasy gefrühstückt, hatten sie aber natürlich
nicht! Diese Band war ganz klar mein Favorite unter den weniger bekannten
Bands! Betagarri kamen als nächstes
auf die Bühne. Auch aus Italien stammend spielten sie eine Mischung
aus Punk, Ska und Reggaebeats mit starken Bläsersound, einziger Schwachpunkt
war die Stimme des Frontmanns. Die Valkyrians
waren dann die erste Roots-Reggae-Combo die mir in zwei Tagen unter die
Augen kam. Die Stimme des Sängers war so hoch wie die von Micky Mouse
und sowas mag man oder eben nicht. Bei mir war eher letzteres der Fall,
andereseits waren aber auch ne Menge Leute gut am Tanzen ...
Last
but not Least, the one and only Mad Caddies
came on stage! Aufgrund etlicher Interviews zwar mit einer Stunde Verspätung
aber sie waren natürlich trotzdem der absolute Höhepunkt des
Abends! Das Konzert begann direkt mit "Tired Bones", einem Skapunk-Kracher
vom neuen Album und die Menge war sofort voll dabei. Unglaubliche Stimmung,
Emotionen, Trompetensoli und insgesamt 5 Songs vom neuen Album. Ein gnadenloser
Moschpit vertrieb uns allerdings bereits nach ein paar Songs, den Fotoapparat
schützend aus der ersten Reihe. Die tanzwütigen Punker guckten
während der neuen, ruhigeren Reggaesongs ein wenig blöd aus
der Wäsche und anscheinend hat noch nicht jeder unter www.myspace.com/mad_caddies
ins neue Album reingehört - solltet Ihr aber! Ungewohnt viele Pärchen
stürmten bei den langsameren Ska-, Reggae- und Dancehall-Stücken
begeistert in die vorderen Reihen und gaben sich verliebt den neuen, sehr
melodischen Songs hin ... Genau wie das neue Album, wirkte auch die Band
deutlich professioneller und souveräner als noch vor einem Jahr bei
ihrem Gig in der Batschkapp. Die neue Live-Show im Reggaegewand ist allerdings
auch etwas andres als die Skapunk Sessions der frühen Bandgeschichte.
Die Mad Caddies sind noch eine ganze Weile auf Deutschland-Tour und wenn
Ihr sie sehen wollt, solltet Ihr Euch schnell um Tickets kümmern,
denn die ersten drei Shows waren restlos ausverkauft! In Kürze folgt
das Interview mit den Caddies, das wir vor der Show im Tourbus gemacht
haben.
Fazit: Das Festival war von der musikalischen Seite her
sehr gelungen. Gute, talentierte Indie-Bands, ein veilseitiges Lineup,
erstklassige Stimmung und hochkarätige Headliner ließen keine
Wünsche offen. Ob es nun politisch auch etwas bewegt hat, ist ungewiss.
In jeder anderen Hinsicht war das Move Against G8 Festival ein voller
Erfolg!
Nachfolgend noch einige Bilder vom Festival und Links zu den jeweiligen
Bandpages

Related Links:
www.move-against-g8.org
www.madcaddies.com
www.myspace.com/arthurandthespooners
www.kenzeneke.com
www.norespect-skapunk.de
www.irie-revoltes.com
www.los-bomberos.de
www.raggabund.de
www.burmanflash.net
www.creetins.de
www.chesudaka.com
www.talcoska.it
www.betagarri.com
www.thevalkyrians.com
www.antifa.de
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