Ozelot.tv
84 Day Syndrome vs Glue Factory - Antonio Villaraigosa Golden Expressway
Label: Long Beach Records Europe | Vertrieb: Broken Silence | VÖ: 27.11.2009 | Format: CD |
Genre: Rock / Punkrock
von dr.öge

Hinter den beiden Bands auf "Antonio Villaraigosa Golden Expressway" steckt kein geringerer als Randy Bradbury, der Bassist von Pennywise. Randy zupft seit mehr als zwanzig Jahren den Bass bei Pennywise und kam als Ersatz für den verstorbenen Jason Matthew Thirsk, dem die der Song "Bro Hymn" gewidmet wurde, der das Highlight jedes Pennywise Konzerts ist. 2009 war kein gutes Jahr für Pennywise. Erst stirbt völlig unerwartet die Schwester von Gitarrist Fletcher, dann folgt der Ausstieg von Frontmann Jim Lindbergh. Dennoch sind Pennywise fest entschlossen, als Band weiter zu machen und so verpflichtet man kurzerhand den Ignite Frontmann Zoli Teglas als Ersatzsänger für die nächsten Konzerte.

Während die Zukunft von Pennywise also weiter in der Schwebe hängt, konzentriert sich deren Bassist Randy Bradbury voll auf seine beiden Sideprojekte. Unter dem Namen 84 Day Syndrome lebt Randy seine Musikleidenschaft als Solokünstler aus, wobei er auch selbst alle Instrumente (Bass, Gitarre, Drums) einspielt, die Songs schreibt und auch höchstpersönlich singt! Das neue Material von 84 Day Syndrome entstand zudem in Eigenregie in Randys Heimstudio in Huntington Beach.

Gluefactory hingegen ist eine Band aus Long Beach, die sich überwiegend aus ehemaligen Mitgliedern von The Falling Idols zusammensetzt. Bevor Randy Bradbury 1996 bei Pennywise einstieg, spielte er bei The Falling Idols unter anderem mit Greg Mudd Lowther, dem Gründer von Long Beach Records und Ex-Mitglied von 3rd Alley.

Zur CD selbst: Die ersten sechs Songs auf der Split-CD stammen von 84 Day Syndrome und das Soloprojekt von Randy ist ein Leckerbissen für Fans des alten Style von Pennywise oder Bad Religion! Direkt der erste Track "No Survivors" lässt keine Fragen mehr offen und klingt mit seinem rauhen, energiegeladenen aber sehr melodischen Punkrock als wäre er der Recordingsessions zum ersten Pennywise-Album entsprungen. Inhaltlich ist es das gleiche, in Songs wie "Save Yourself", "So Alone" oder "Late Again" geht es um alltägliche Themen, Beziehungen, Gewinnen und Verlieren und natürlich um Attitude! Somit ähnelt auch das Songwriting sehr stark dem Stil von Pennywise aber wenn man bedenkt, dass Randy seit nunmehr 23 Jahren bei Pennywise ist, verwundert das nicht sonderlich. Die ganz große Frage ist ja eigentlich, ob der Bassist Randy Bradbury auch als Sänger überzeugen kann ... und das kann er! Zwar gefällt mir der Gesang von Jim Lindbergh noch um einiges besser aber Randy ist nicht weit davon entfernt und im Grunde muss man sich die Frage stellen, warum Pennywise zukünftig nicht einfach als Trio weitermachen, mit Randy Bradbury als Sänger und Frontmann? Dies scheint eigentlich die naheliegendste Lösung zu sein und Pennywise würden weiterhin sehr ähnlich klingen wie bisher.

Die zweite Hälfte des Albums gehört Gluefactory und die haben erfrischender Weise fast nix mit Pennywise gemein, ausser dem Bassisten natürlich. Hier bekommt man vor allem kalifornischen Punkrock mit leichten Punkcore Einflüssen zu hören. Stilistisch hat man auch noch relativ viel Ähnlichkeit mit The Falling Idols aber natürlich klingt man 25 Jahre später nun etwas anders. Zudem gibt man sich als Long Beach Band, mit dem Labelgründer Mudd in den eigenen Reihen nun musikalisch aufgeschlossener und vielseitiger. So ist die Band auch offen für Ska- und Reggaeeinflüsse, auch wenn man dies hier nicht zu hören bekommt. Hier gibt es erstmal vier Punkrockkracher hintereinander auf die Ohren. Allesamt sind im aggressiven, schnellen Hardcore-Skatepunkstyle gehalten, ähnlich wie man ihn Ende der 80er und Anfang der 90er in vielen kalifornischen Skatevideos (z.B. von Santa Cruz Skateboards oder New Deal) zu hören bekam. Gerade der erste Song "Save The Buildings...(kill the People)" klingt, als sei er dem Streifen Troops Of Tommorrow oder 1281 entsprungen. Auch die weiteren Songs "Necklace", "Side Car Airbag" oder "Extra People" geben in rotzig-rauher Streetpunkattitude Vollgas, fordern zum Mitgröhlen auf und sollten Fans von 411, The Faction oder den Spit Muffins richtig gut gefallen. Mit "Electric Pool" folgt dann aber die erste entspanntere Nummer im Midtemporock, die mehr auf die Vocals ausgerichtet ist und einen leichten Touch von Stoner- oder Psychedelic-Rock hat. Man glaubt fast, man würde plötzlich einer ganz anderen Band lauschen. Der letzte Song geht da sogar noch eine Spur weiter und ist meine absoluter Lieblingstrack auf dieser Scheibe. In der langsamen aber sehr Stimmgewaltigen Rockballade "Glueming" kommen nämlich die Gesangskünste von Mike Davis erst so richtig zur Geltung: Charismatisch wie Glen Danzig oder Dave Wyndorf von Monster Magnet läuft er am Mikrofon zur Höchstform auf und das Ergebnis ist Psychedelic-Rock at it's best, extrem leidenschaftlich und Gänsehaut erzeugend! Auf dem nächsten Album bitte mehr davon...

Anspieltipps:
01. No Survivors
02. Save Yourself
09. Side Car Airbag
11. Electric Pool
12. Glueming

Fazit: Mit seinem Soloprojekt 84 Day Syndrome wird Randy Bradbury ohne Probleme jeden Pennywise-Fan zum pogen bringen, soviel ist sicher. Ohne diese Scheibe ist Eure Pennywise-Sammlung also definitv nicht komplett! Bei Gluefactory hingegen handelt es sich um eine völlig andere deutlich vielseitige Band, die nicht nur geradlinigen Punkrock spielt und somit mehr für Fans von Long Beach Bands wie The Bandgeek Mafia oder 3rd Alley zu empfehlen ist. (dr.öge)

(Gesamtspielzeit: 12 Tracks, ca. 29 Minuten)
Für Fans von ..